FORUM 08


ENSEMBLESCHUTZ

Bruneck in Blumen und Athesia Neubau

Hallo FORUM

Mit Interesse habe ich auf meiner Rückreise von Bruneck im FORUM gelesen, das Du mir anlässlich unseres Besuches überlassen hast. Es ist schön zu sehen, dass man sich in Bruneck ernsthaft mit Fragen der Bewahrung wertvollen Kulturgutes sowie der Rücksichtnahme darauf bei baulichen Änderungen oder Neuerungen, aber auch mit dem Schutz der Naturschönheiten befasst. Erlaube mir, diesbezüglich auf zwei Punkte hinzuweisen, die mir in Eurer schönen Stadt besonders aufgefallen sind.

Da ist einmal der Athesia-Neubau, der den Blick auf das Ragentor willkürlich verdeckt, wenn man stadtaufwärts geht, ganz abgesehen von der Zerstörung der gewachsenen, typischen Häuserflucht. Ich fragte mich, ob es in Bruneck nicht einen kompetenten Denkmalschutz gibt wie anderswo, dem es obliegen würde, den historischen Stadtkern mit aller Strenge zu erhalten. Schon der erste Athesia- Bau wirkt in dieser Hinsicht über das Maß störend. Was man sich aber jetzt geleistet hat – oder hat leisten lassen müssen? - ist nicht nur eine Katastrophe, sondern geradezu ein Skandal. Wie lange will man solchem zerstörerischen Treiben noch zusehen; bis Bruneck nicht mehr Bruneck ist, sondern irgendein wildes bauliches Konglomerat? Meines Erachtens ist es allerhöchste Zeit, dass Bevölkerung und Stadtbehörden nun ganz energisch solcher Fehlentwicklung Einhalt gebieten.

Etwas ganz anderes ist mein zweites Anliegen. Ich habe mit Freude festgestellt, dass in der Oberstadt, gegen die Pfarrkirche zu, etwa ein halbes Dutzend Häuser wunderschönen Blumenschmuck aufweisen. Warum tut man das nicht durchwegs. Wie schön wäre es doch, wenn man von „Bruneck in Blumen" reden könnte, das allein schon deswegen eine Reise wert wäre – also auch eine touristische Attraktion. Noch vollkommener wäre dieser Begriff erfüllt, wenn sogar die Häuserfronten in der Hauptgasse so schön geschmückt würden. Mit Aufmunterungsprämien vom Verkehrsverein oder gar von der Stadt selber ließe sich vielleicht Anreiz dazu bieten. Eine andere Lösung des Finanzierungsproblems wäre ein Stiftung „Bruneck in Blumen"; vielleicht fänden sich ein paar Brunecker bereit, durch Schenkung oder Legate eine solche Stiftung ins Leben zu rufen. Im Winter könnten die Blumen durch Tannengrün und dergleichen ersetzt werden.

Werde ich wohl bei meinem nächsten Besuch erneut Ärgerliches oder nur noch Schönes, Erfreuliches vorfinden? Ich bin aufs zweite gespannt.

Mit herzlichen Grüssen,

Kurt Amonn

CH-3006 Bern


ENSEMBLESCHUTZ

Gaberhof 01

Wieder wird ein historisches Gebäude abgebrochen !

Es bestätigt sich neuerlich: Das Ensembleschutzgesetz ist unwirksam !

Wie nicht anders zu erwarten war, wird in Taisten leider ein historisches Gebäude, das so genannte „Gaber-Haus", abgebrochen, um an dessen Stelle einen modernen Neubau zu errichten. Obwohl die Baukommission bereits einmal den Abbruch des Gebäudes und den Neubau einstimmig abgelehnt hat, wurde das Projekt jetzt trotzdem genehmigt. Der Heimatpflegeverband mit seinen Ortsbeauftragten Josef Sulzenbacher und Josef Oberhammer haben sich vehement für den Erhalt dieses Gebäudes und des Ensembles eingesetzt.

Das Landesdenkmalamt schrieb dazu in einem Gutachten: „... dass es sich um einen erhaltenswerten historischen Einhof handelt Dieses Amt bedauert einen Abbruch des Hofes, mit dem ein Teil historischer ländlicher Architektur verloren geht und weist noch einmal die Gemeinde auf ihre Verpflichtung zum Ensembleschutz hin. ...Beim Neubau fehlt zudem jeder Bezug zur historischen Umgebung und zum Bestand. Es ist ein anonymer Bau, der überall stehen könnte."

Auch das Kollegium für Landschaftsschutz hat den eingereichten Rekurs abgelehnt und macht sich die Begründung des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler zu eigen. „... Es handelt sich in der Tat um eine Zone von größtem landschaftlichen Wert, sehr exponiert und eingesehen, die vor allem durch die St.-Georgs-Kirche, den gegenständlichen erhaltenswerten historischen Einhof, von besonderem ästhetischen und architektonischen Wert, sowie vom darüber liegenden Hof, der dieselben Wertmerkmale aufweist, geprägt wird. Zusammen bilden sie ein Ensemble von großem historisch-kulturellen, ästhetischen und landschaftlichen Wert, das größten Schutz verdient, und das Kollegium vertraut darauf, dass die Gemeindeverwaltung auf Grund der Bestimmungen zum Ensembleschutz umgehend die erforderlichen Schutzmassnahmen trifft. ..."

Trotz der klaren Aufforderungen von Denkmalamt und Kollegium für Landschaftsschutz an die Gemeinde zur Ausweisung dieses Bereiches als Ensemble, wird dies ignoriert. Und genau hier setzt unsere Kritik an. Denn bereits vor 15 Jahren haben wir ein Ensembleschutzgesetz gefordert. Doch seit Inkrafttreten desselben haben wir andauernd auf dessen Wirkungslosigkeit hingewiesen, was sich auch vielfach bestätigt hat. Außerdem fehlen immer noch die Durchführungsbestimmungen. An den vielen Beispielen (Hotel Post und Bahnhof in Bruneck, Villen in Meran, Gebäude in Brixen, Höfe im ganzen Land ...) ersieht man deutlich, dass die allermeisten Gemeinden gar kein Interesse haben, Ensembles auszuweisen. Deshalb fordern wir die zuständigen Organe und Politiker auf, dringend tätig zu werden, bevor das Land komplett ausgeräumt ist. Aber solange der Leitspruch verschiedener Bürger, Politiker und Gemeinden „Länge mal Breite mal Geld" lautet, wird noch viel Kulturgut den Bach hinuntergehen.

Mit freundlichen Grüßen

Albert Willeit
Bezirksobmann- Landesverband für Heimatpflege


ENSEMBLESCHUTZ

Neuer Sitz des Tourismusvereins in der Meusburger Schule

Wie man aus der Presse am 04.12.2002 erfahren konnte, wird im Herbst des Jahres 2003 der Tourismusverein Bruneck am Graben, im Erdgeschoss der Meusburger-Schule, seine Büroräume einrichten. Die Errichtung eines funktionellen, repräsentativen und vor allem endgültigen Sitzes des Brunecker Tourismusvereines war sicherlich seit Jahren überfällig. Allerdings wirft der neue Standort eine Reihe von Fragen auf. Warum wurde die ursprünglich vorgesehene Unterbringung im Neubau des Rathauses plötzlich fallengelassen? Am Platzmangel kann es wohl nicht liegen. Oder: Aus welchem Grund hat die Gemeindeverwaltung diese touristische Anlaufstelle zwar an der Hauptstraße, allerdings weit entfernt von jeglicher Parkmöglichkeit errichtet? Geht man vielleicht davon aus, dass die Mehrheit der Touristen umweltbewusst mit dem Zug anreist? Aber besonders interessant ist, wie man in Bruneck mit dem Denkmalschutz umgeht. Einerseits wurde genauestens darauf geachtet, den ursprünglichen Farbton des Anstriches an der Fassade der renovierten Grundschule wiederherzustellen, andererseits wurde das Gesamtbild wesentlich beeinträchtigt, indem das Dachgeschoss ausgebaut und ein neuer Zugang von Außen errichtet wurde. Weitere bauliche Eingriffe werden wohl in Form einer Zugangsrampe bzw. -treppe und eines Schutzdaches oberhalb des neu errichteten 2. Einganges noch folgen. Leider haben bisher nur wenige erkannt, dass die historischen Gebäude für alle Bürger unserer Stadt, auch aus touristischer Sicht gesehen, ein unschätzbares Kapital darstellen. Es wäre deshalb dringendst notwendig, diese Gebäude im Interesse der Allgemeinheit endlich konsequent zu schützen.

Walter Boaretto


FUNDSACHEN

Das schwarze Schaf

Nicht weit von der Weide entfernt lebte ein Wolf. Er schlich sich an die Herde heran und hetzte eines der Schafe so lange, bis er das arme Tier am Hals packen konnte und es zu Boden warf. Er fraß sich satt. „Das ist nun mal sein Schicksal", bemerkte lakonisch eines der Schafe.

„Das kommt davon, wenn sich eines der Schafe zu weit von der Herde entfernt", sagte ein anderes Schaf.

Eines Tages graste die Mutter des schwarzen Schafes abseits der Herde. Das schwarze Schaf suchte sie, um wieder einmal nach seinem Vater zu fragen. Plötzlich bemerkte es, wie der Wolf sich an seine Mutter heranschlich, die nichts ahnend das saftige Gras fraß. Das Blut kochte in seinen Adern und es rannte wütend auf den Wolf zu. Da der Wolf damit beschäftigt war, sich so nah wie möglich an das ahnungslose Schaf heranzuschleichen, merkte er nicht, dass sich ihm das schwarze Schaf mit den messerscharfen Hörnern näherte. Er schoss vor Schreck in die Höhe und fiel kopfüber auf den Boden. Als er das schwarze Schaf sah,

knurrte er: „He, du Bastard, was soll das! Dich bekomm ich auch noch vor meine Klauen."

Aber das schwarze Schaf stieß erneut zu und traf ihn diesmal in den Bauch.

Immer wieder griff es den jaulenden Wolf an, bis dieser blutend und mit eingezogenem Schwanz das Weite suchte und einen großen Bogen um die Weide machte, um zu seiner Höhle zurückzukehren.

„Das war aber unnötig brutal. Sieh dir das Blut auf dem Gras an", rief eines der Schafe.

„Igittigitt, wer soll das noch fressen!" beschwerte sich ein anderes angeekelt.

„Willst du gegen das Schicksal kämpfen?" Der größte und stärkste Hammel der Herde war herangetreten.

„Ob unter dem Messer der Metzger oder unter den scharfen Zähnen des Wolfes, das ist doch egal", meinte der zweitgrößte Hammel weise.

Alle Schafe nickten, nur nicht das schwarze und seine Mutter. „Dann werft euch doch gleich ins Wasser und ertränkt euch!", rief die Mutter aufgebracht.

„Ihr seht doch, dass es möglich ist", bekräftigte das schwarze Schaf und fuhr dann fort: „Bietet ihm doch eure Hörner anstatt eure Hintern, und ihr werdet sehen, ob der Wolf ein Wolf bleibt"

„Ach, was bist du doch für ein Angeber", riefen mehrere Schafe, und die Herde begann wieder zu grasen und vergaß schnell die Erlebnisse des Tages.

Seit diesem Tag achtete der Wolf teuflisch genau darauf, dass ihn bei seinen Beutezügen nicht das schwarze Schaf erwischte.

Rafik Schami


GEMEINDEPOLITIK

Bauleitplanbeschneidung

Nach Studium der Durchführungsbestimmungen zum Bauleitplan der Gemeinde Bruneck (Quelle Internet) bin ich sehr verwundert, dass die Gemeindeväter einen "Wasserspeicher für die künstliche Beschneidung" vorsehen.

Meines Wissens ist die Beschneidung nur in jüdischen und muslimischen Kulturen üblich und dort wird dieser Akt meistens noch händisch ausgeführt und nicht künstlich. Wasser wird wahrscheinlich auch benötigt um Messer und Hände nach dem Vorgang zu reinigen.

Da in Bruneck ein eigener Wasserspeicher vorgesehen wird, nehme ich an dass eine großangelegte Beschneidungsaktion an aller Bürger Säckel geplant ist.

So " ... lasst uns die Messer wetzen, ... "

Andrä Niederbacher


GEMEINDEPOLITIK

Bruneck braucht keine Stadtzeitung!

Die Olanger haben sie, die St. Lorenzner, die Prettnauer und die Toblinga... - eine eigene Zeitung, ein Dorfblattl, wo man das Neueste aus der Gemeinde herauslesen kann, ein Blattl, das alle Haushalte kriegen, das im Budget drin ist, das es auch unseren Gemeindevätern und den paar Gemeindemüttern wert sein sollte!

Nur, Bruneck braucht so etwas offenbar nicht, wo kämen wir denn hin, wenn alle alles – oder einiges – aus der Gemeindestube erfahren würden, dann würden sie das nächste Mal ja am Ende sogar anders wählen.

Man hat zwar irgendeinmal eine Kommission ernannt, die eine Machbarkeitstudie zu einer gemeindeeigenen Zeitung erstellen sollte, doch studiert diese wohl noch immer. Ins Internet – wie ein idealistischer Gemeinderat einmal gefordert hat - dürfen Beschlüsse und Informationen auch nicht, weil das den Internetbesucher überfordern würde. Die Brunecker brauchen nichts zu wissen. Und über Transparenz redet man, aber tut man nicht schreiben. Und außerdem ist ja die neue Gemeinde dann transparent genug, da sieht man dann genau, wer arbeitet.

Und dann gibt es da ein paar Fanatische, die jetzt schon die 7. Nummer eines Blattls herausbringen, wo jeder frei seine Meinung äußern und informieren kann, egal ob rechts oder links, deitsch oder walsch oder ladinisch. Natürlich sind es immer die eher Unfolgsamen, die zu stänkern haben und denen nichts recht ist. Man hat zwar gehofft, dass dieses „Forum" bald einmal stirbt, aber nichts da, auch wenn in Südtirol normalerweise nichts geht ohne Subventionen und den Segen von oben. Das Ferdinandeum in Innsbruck hingegen hat seine Freude über das Blattl aus Bruneck bekundet –siehe Forum Nr.7!

Fein wäre es jedenfalls schon, wenn man so ein Blattl ins Haus flattern sehen würde, wo man die neuesten wichtigsten Beschlüsse leserfreundlich finden könnte, wo ein Veranstaltungskalender der Stadt für Einheimische und Touristen Übersicht und Informationen bieten könnte, wo Historisches, Anekdotisches, Geologisches, Wirtschaftliches, Vereinsmäßiges bis hin zu Feuerwehrhaftem Platz hätte, wo man Bildchen von Stadt und Leuten, von Feiern und Überschwemmungen bewundern, die Geborenen und die Toten nachlesen könnte, wo auch ein Leserbrief-Forum erwünscht wäre.

Da stellt sich nun der einfache Bürgersmann die Frage, warum das in anderen Gemeinden geht und in der Hauptstadt mit Vorbildcharakter und zudem noch – nach des Bürgermeisters Wunsch und Meinung – als heimliche Kulturlandeshauptstadt nicht! Könnte man nicht etwas Geld zur Verfügung stellen (sich vielleicht ein Sofa im Gemeindehaus ersparen), ein paar Schreiberlinge anstellen, eine Bibliothekskraft halbtags dafür verwenden... und schon wäre die neue Stadtzeitung da. Dass die Leute lesen und schreiben wollen, beweist ja die Existenz dieses lästigen Forum-Blattls.

Nur informierte Bürger und Bürgerinnen sind politisch mündige Menschen – so kann man lesen - und hätten ein Recht dazu, das Neueste und Wichtigste, das Netteste und das Schrecklichste aus der Gemeinde, in der man nun einmal lebt, zu erfahren. Oder ist die Gemeindepolitik - warum auch immer – eine zu verbergende Geheimsache? Dumme Menschen regiert man leichter – so kann man schon seit ein paar Tausend Jahren lesen.

Toni Taschler, grüner Gemeinderat


GESCHICHTE

1910 - Bruneck stellt sich vor

Das Stadtbild von Bruneck ist eine stimmungsvolle Verschmelzung von Mittelalter und neuer Zeit. Von der alten, einst von Mauern umgebenen Stadt finden wir in der Oberen und Unteren Stadtgasse, im Kloster-, Floriani-, Rienz- und Ragentor, sowie in dem gewaltigen Eckturme an der Reichsbrücke die Überreste. Die neue Stadt finden wir in dem mit einer schönen Allee geschmückten Graben, dessen zumeist moderne Häuser sich vom Ursulinenkloster bis zur Reichsbrücke hinziehen. Hier ist die Hauptverkehrsader, der Korso von Bruneck. Das heutige Stadtbild erstreckt sich auch jenseits der Rienz und umfaßt den großen Kapuzinerplatz, ferner Oberragen mit der Pfarrkirche und mehrere Ansitze von Adelsgeschlechtern. Die Luft ist rein, ozonhaltig und stärkend, dabei gestatten die zahlreichen Spaziergänge und Anlagen, meist Schöpfungen des Verschönerungsvereines, nicht nur gesunden, sondern auch erholungsbedürftigen Menschen den heilenden Aufenthalt im Freien. Von solchen Spazierwegen erwähnen wir die schattigen Anlagen am Kühberg, mit der aussichtsreichen Kaiserwarte, den Weg zur Vogelhütte, nach Waldheim, zur Schwimmschule, längs des Rienzskai, in die Rienzschlucht, zum Schießstand, zu den Dörfern Dietenheim, Aufhofen, St. Georgen und Stegen. Bruneck ist eine der beliebtesten Sommerfrischen Tirols, dort genießt man die vielen Naturvorzüge und findet alle Bequemlichkeiten einer Stadt, welche eine Reihe guter Gasthöfe besitzt. Besondere Erwähnung verdient das altangesehene Hotel zur Post .

Aus einem Fremdenverkehrsführer aus dem Jahre 1910

Walter Boaretto


GESCHICHTE

Der Andreas Hofer Film

Er bot eine großartige, wirklichkeitsnahe und damit grausame Darstellung der Kämpfe. Sehr gut dargestellt war der Zwiespalt unter den führenden Tirolern nach der Niederlage vom Nov. 1809. Die Unentwegten (Pater Haspinger) zwingen die Einsichtigen zu weiterem, nutzlosen Widerstand gegen die Übermacht. Andreas Hofer erlebt die Tragik der Verantwortung. Aber warum war Speckbacher nicht zu sehen ? Warum wird dem Andreas Hofer eine aus der Luft gegriffene Liebschaft angehängt, warum wird die Vergewaltigung der Tochter des Innsbrucker Bürgermeister durch Schützen dargestellt und dabei war dieselbe damals erst ein Jahr alt! (Taufmatriken der Pfarre Innsbruck) ! Jeder Tiroler lehnt solche Zugeständnisse an einen üblen Zeitgeschmack als Mistkäferei ab! Der Film wäre nicht nur fesselnd, sondern auch kulturell wertvoll, wenn die Zusammenhänge des Jahres 1809 herausgearbeitet worden wären. Das müßte doch einem guten Filmemacher -ohne lehrhaft zu werden- möglich sein.: Zum Beispiel die Tiroler Landesverteidigung, über die viele nur beiläufig Bescheid wissen.

Diese geht in den Anfängen auf Meinhard II. (+ l295) zurück, der die Unabhängigkeit seiner "Gefürsteten Grafschaf't Tirol" wahren wollte. Das Landlibell von 1511 ist eine gesetzliche Fassung einer bereits bestehenden Einrichtung. Dieses freiwillige Aufgebot besiegte 1703 den "Bayerischen Rummel" und 1797 die eindringenden Franzosen (Spinges). Die große Bewährung war 1809, als die sieggewohnten Truppen Napoleons mehrmals den Schützen weichen mußten. Das Vorrecht Tirols, nur die eigenen Grenzen mit eigenen Kräften zu verteidigen galt bis 1914 !! Es brauchte einen eigenen Landtagsbeschluß für den Einsatz der Tiroler Regimenter in Galizien !

Die Wendepunkte von 1809, die eine Darstellung verdient hätten sind kurz gefaßt die folgenden: 1805 Friede: von Preßburg.: Abtretung Tirols an Bayern. Dieses und noch einige andere südwestdeutsche Fürstentümer sind wegen der Vorliebe der Führenden zur Vernunftphilosophie (Locke, Hume, Russeau; Voltaire) zum Gedankengut der französischen Revolution - zu Bundesgenossen des Reichfeindes, des Tyrannen Napoleon geworden. Die Bayerische Regierung hatte für die Eigenart der Tiroler kein Verständnis (Eingriffe gegen religiöse Bräuche und Aushebung von Rekruten). Dies löste 1809 die Landesverteidigung aus.

9.April 1809: Kampf um die Brücken von St. Lorenzen und Ladritsch (Franzensfeste). 11. April: Die Passeirer be- siegen die französische Besatzung von Sterzing. 12. April: Die bayerische Besatzung von Innsbruck ergibt sich den Schützen (General Kinkel). 13. April: General Bisson, auf der Flucht von Sterzing her, will sich den "Bauern" nicht ergeben. Der Hauptmann der Schlanderser Schützen nimmt ihm in einer geborgten österreichischen Majorsuniform den Degen ab. (Das wäre doch eine wirkungsvolle Filmszene!) Anfang Mai: Marschall Lefebvre greift von Salzburg her an. Kampf am Paß Strub (6 Stunden). 15. Mai: Schwaz niedergebrannt. Irlnsbruck zurückerobert. 21. Mai: Sieg der Österreicher über Napoleon bei Aspern. 29. Mai: Wolkersdorfer Handschreiben: Keine Abtretung Tirols. 25. Mai: Unentschiedene Schlacht am Berg Isel.

29. Mai: Innsbruck wieder in Tiroler Hand. Anf. Juli: Niederlage Österreichs bei Wagran. 30. Juli: Besetzung Innsbrucks durch Lefebvre. Anfang August: Der Feind auf dem Marsch nach Süden an der Sachsenklemme und bei Pontlatz vernichtet. Neues Aufgebot durch Andreas Hofer. 15. August: Lefebvre aus Tirol verdrängt. Andreas Hofer Landesre~ in Tirol. 14. Oktober: Friede von Schönbrunn, Abtretung Tirols (Straffreiheit für die Schützen bei Aufgabe des Widerstandes. Zwiespalt zwischen den Unentwegten und den Einsichtigen. 16. November: Sieg der Tiroler am Küchelberg. 22. November: Im Passeier ergehen sich 1000 Franzosen. 10. Dezember: Letzte erfolglose Kämpfe bei Bruneck und an der Lienzner Klause.

Viele Tiroler in lebenslanger Gefangenschaft. Andreas Hofer nimmt seine Erschießung als Sühne für das Schicksal der Seinen an.

Der Kampf des kleinen Tirol gegen Napoleons Übermacht löst den Wiederstand der Deutschen aus. In der Völkerschlacht bei Leipzig, 16. -19. Okt. 1813 beginnt der Niedergang des Usurpators.

Lothar Sternbach


GESCHICHTE

Lebendiger Faschismus in Bruneck 01: Das Alpinidenkmal, die Straßennamen in Bruneck und eine Brücke in Stegen.

Das in den schlimmen Jahren des Faschismus errichtete Alpinidenkmal war, ist und bleibt in seiner Form, Lage und Aussage, eine Beleidigung der Brunecker und eine Verhöhnung des Südtiroler Volkes. Damit verbunden ist das große Leid der Südtiroler während jenen Jahren, deren Unterdrückung und Misshandlung, sowie der von Kanonikus Michael Gamper oft zitierte Todesmarsch der Südtiroler. Das Denkmal ist aber auch das Symbol der Unterdrückung unserer Heimat nach den Jahren der Diktatur. Denn mit den Bombenjahren kamen wieder abertausende Alpini und Carabinieri in unser Land und verwandelten Südtirol in ein Heerlager. In diesen Jahren wurden viele unschuldige Bürger Südtirols verhaftet, gefoltert und ermordet. So gibt es Berichte, wonach die Soldaten zwei Jugendliche Olanger erschossen haben, die auf dem Weg nach Hause waren, in der Meinung dass diese beide Freiheitskämpfer gewesen wären. Im Vinschgau wurde ein Jugendlicher erschossen, der auf dem Weg zu seiner Freundin war. Weiters gibt es Berichte, dass die vom Süden Italiens herbeigezogene Soldaten in den Bergen wild um sich ins Leere geschossen haben, da sie im natürlichem Knacken des Eises und des Schnees Freiheitskämpfer vermuteten.

Die Inschrift „Alla Gloria imperitura degli Alpini" ist schon selbst ein Hohn und eine Lüge. Denn diese Inschrift wurde in der Faschistenzeit hergestellt und rühmt die Kriegsverbrechen der Italiener während des Abessinienkrieges (ein Stein aus Abessinien wurde u.a. damals auch in den Sockel der Statue eingefügt). Sie rühmt jedoch auch die Taten der Unterdrückung in Südtirol: Da damals Heer und Carabinieri noch enger zusammen arbeiteten als heute und im Grunde eine Einheit bildeten, gilt es auch für die Verbrechen der Carabinieri in Südtirol mit Schlägen Rizinusöl und Verbannung. Eines der schrecklichsten Verbrechen, die sich in Südtirol ereignet haben, war der qualvolle Tod eines zwölfjährigen Kalterer Mädchens: Da ihre Eltern sich für die Auswanderung entschlossen haben, brachte es das Schwarzhemd ihres Bruders zu den Carabinieri, mit den Worten, dass er es nicht mehr braucht. Darauf zogen die Carabinieri das Mädchen nackt aus, übergossen es mit Teer und verjagten es. Der Teer konnte nicht mehr von der Haut entfernt werden, die Haut konnte nicht mehr transpirieren und das Mädchen starb an den Folgen.

Auch nach dem Faschismus blieben Heer und Carabinieri bei ähnlichen Methoden: so starben Franz Höfler und Anton Gostner aufgrund der Foltermethoden während der Verhöre der Carabinieri. Sepp Kerschbaumer starb aufgrund der Haftbedingungen, und die meisten Überlebenden der Foltermethoden leiden heute noch psychisch und physisch an das erlittene Trauma.

Auch das Schicksal der Pfunderer Buabm darf nicht vergessen werden: Sie wurden in den Fünfziger Jahren verhaftet und als Mörder unschuldig verurteilt, weil man ihnen einen Mord an einen Carabiniere zugeschoben hat.

Man gedenke auch an die vielen eingesperrten Leute, welche die damals verbotene Tiroler Fahne hissten, oder die Jalousien rot-weiß angestrichen haben oder an jene Leute, die in der Faschistenzeit eingesperrt oder verbannt wurden, nur weil sie ein deutsches Lied, zum Beispiel „im Märzen der Bauer", sangen. An die vielen Opfer des Codice Rocco sollte auch kurz erinnert werden.

Die Verbrechen von Heer und Carabinieri, aber auch der Podestá und anderer Faschisten am Südtiroler Volk wurden nie wirklich gesühnt. Lächerlich ist auch die Widmung an die Gloria der Alpini am Denkmal. Hätten die Italiener wirklich einen Krieg gewonnen, so wäre es mindestens zum Teil gerechtfertigt. Aber Verlierer sollten sich nicht mit Ruhm bekleckern. Auch nicht Kriegsverlierer.

Außerdem gibt es in Italien ein sonderbares Umgehen mit solchen Symbolen der Mussolinidiktatur: Nirgendwo in Europa stehen heutzutage noch Denkmäler, die die Wehrmacht oder die NSDAP aufgestellt haben. Sogar am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg findet man keine Hakenkreuze mehr. In Italien aber findet man überall noch die faschistischen Liktorenbündel – besonders in Südtirol, als ob der PNF (Partito Nazionale Fascista) noch heute an der Macht wäre. So findet man an der Steinbrücke in Stegen noch eingemeißelte Liktorenbündel, in Bozen sieht man an verschiedenen Gebäuden Friese und Aufschriften, die Mussolini und seinem Gefolge huldigen. So stand auch zu Waidbruck, bis zu seiner Sprengung, das Reiterstandbild Mussolinis, und am Dorfeingang von Sand in Taufers wurde auf einem gelben Haus eine Zeichnung, die Mussolini huldigt, nie übermalt. Auch die vielen Gebeinhäuser, die überall in Südtirol verstreut sind, erinnern nur an die Gefallenen auf italienischer Seite und wurden zur Zeit des Faschismus errichtet. Unsere Tiroler Gefallenen sind nicht berücksichtigt. So berücksichtigt auch das Alpinidenkmal nicht unsere Toten.

Auch künstlerisch ist der „Wastl" nicht wertvoll und ist ein Schlag ins Auge, da das so genannte „Denkmal" nicht ins Stadtbild hineinpasst. In Deutschland würde es so einen Schandfleck nicht geben.

Aus all diesen Gründen, sollten das Alpinidenkmal, aber auch die Liktorenbündel in Stegen, entfernt werden. Da die Stimmung gewisser Italiener angeheizt werden könnte, könnte man versuchen, dies in einer Nacht- und Nebelaktion durchführen. Ich persönlich wäre dafür das Denkmal nach der Entfernung zu vernichten, aber eine Verschiebung in eine Kaserne wäre theoretisch machbar, praktisch jedoch zu langwierig und kompliziert. An dessen Stelle sollte man ein neues Denkmal stellen, das an alle Opfer der Kriege, aber auch an die Opfer der italienischen Unterdrückung bis heute und an den Todesmarsch der Südtiroler erinnert, sowie auch vielleicht an die Opfer auf italienischer Seite.

Die Liktorenbündel in Stegen sollten einfach abgemeißelt werden und an deren Stelle könnte man ja das Südtiroler Wappen setzen, und zur Erinnerung eine Inschrift einmeißeln, wo an die Unterdrückung durch die Faschisten erinnert wird.

Vor protestierenden Italienern sollten wir uns nicht fürchten. Es wäre nur eine kleine Minderheit von Leuten, die sowieso gegen die deutsch-Südtiroler sind und autonomiefeindlich eingestellt sind – siehe AN und Unitalia. Vielen anderen Italienern wäre es, glaub ich, egal ob der Wastl steht oder nicht.

Da sich auch die Diskussion um Straßennamen angeheizt hat, will ich auch dazu einige Zeilen dazuschreiben: In Innsbruck gibt es eine Brunecker Straße, in Wien einen Brunecker Platz und auch in den anderen Landeshauptstädten unseres Vaterlandes Österreich findet man Südtirolbezogene Straßennamen. In Südtirol gibt es hingegen weder eine Wiener Straße, noch einen Innsbrucker Platz. Dafür gibt es aber italienische Städtenamen zuhauf auf unseren Straßenschildern. Warum haben wir in Bruneck eine Romstraße? Weil damals die Faschisten die Straßen so benannten. Wäre es nicht an der Zeit auch hier eine Änderung herbeizuführen? Erstens gibt es in Rom keine Via Brunico, in Innsbruck gibt es aber- wie bereits gesagt eine Brunecker Straße. Deswegen sollte die Romstraße in Innsbrucker Straße umbenannt werden. Weiters sollte man die Alpinistraße in Lienzer Straße, die Dantestraße in Wiener Straße, die Verdistraße in Johann Strauß-Straße und, da der Kaiser Franz Joseph II. hier in Bruneck weilte, sollte man die Marco Polo-Straße in Kaiser Franz Joseph Straße umbenennen. Somit wäre eine Sache endlich richtig gestellt, wo es Jahrzehnte lang Versäumnisse gab und das verbriefte Recht unseres Volkes wäre zum Teil wiederhergestellt.

Ich schließe mit einem Zitat des Kanonikus Michael Gamper: „Ein Volk, das um nichts anderes kämpft als um sein verbrieftes Recht, wird den Herrgott zum Bundesgenossen haben."

Mirko Costa, 39031 Bruneck.


GESELLSCHAFT

Nächstes Jahr wird alles anders!

In diesen Wochen, wenn die Weihnachtsmärkte allerorten wie Pilze aus dem Boden schießen, Weihnachtslieder-Gedudelunsere Lauscher terror-isiert, wir allmählich den kindlichen Glauben an "die stillste Zeit im Jahr" verlieren und dieWeihnachtsgänse und Truthähne ihren Glauben an die Zukunft, dann sehnt man sich bereits nach dem Ende des alten Jahres, das für uns doch nur wieder die üblichen Steuerbescheide, Gebührenrechnungen und die alltäglichen Schrecken und Heimsuchungen, wie überfallartige Schwiegermutter-u. Verwandtenbesuche, masern- und windpockengeplagten Nachwuchs, nebst vergeblichen Erziehungsversuchen an sich infantil gebärdenden Ehegatten, Lebensabschnittsgefährten, Hausfreunden und ähnlichen männlichen Wesen, parat hatte.

So feiert man dann nach der Weihnachtsvöllerei (leider) noch einmal, und zwar voll neuer Hoffnung, denn nur diese hält uns noch aufrecht, den Beginn des neuen Jahres. Inmitten von Sektkorken- und anderer Knallerei, inmitten von Konfettiregen, bunten Luftschlangen um den Hals und feiernden Artgenossen und man fasst (wieder einmal) gute Vorsätze für das neue Jahr.

3 Mal habe ich mir vorgenommen, nicht mehr SO überaus und ausschließlich vernünftig zu sein. Ich werde des öfteren fünf gerade sein lassen, mehr Sport treiben, weniger Auto fahren und nicht mehr Fußgänger auf dem Zebrastreifen jagen ("stell aus, alte Henne"), mehr Kuchen mit Sahne futtern und dafür weniger Spinat und Karotten -und die Kalorientabelle absichtlich daheim vergessen. Und wenn mir die kläffende zauselige Teppichratte unseres weiblichen dörflichen Info-points (=Dorf-Ratsch- Kattel) wieder einmal an die Beine pinkelt, werde ich in Zukunft gelassen lächelnd flöten: "Der hat' s wohl an der Blase!" Ich werde von nun an weniger klug und weise vor mich hinleben. Auf Leute, die mir weismachen wollen, nur der "tätige Mensch" zähle in unserer technisierten Zeit, werde ich pfeifen und den Mut haben, inmitten eines unermüdlich tätigen menschlichen "Ameisenhaufens" in aller Gemütsruhe den bunten Schmetterlingen zuzuschauen und mir sogar einen kostenlosen, echten, romantischen Sonnenuntergang, wo auch immer, zu Gemüte führen, ohne auch nur eine Sekunde ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Genau das werde ich tun !

Mit meinen Enkeln werde ich jeden Lunapark abklappern, behangen mit Leb- kuchenherzen, Papier- u. Plastikblumen, mit eisbekleckerten Fingern und klebrigem Mandorlato zwischen den nicht mehr ganz jungen und voll- ständigen Zähnen, Karussel, Geisterbahn und Go-Kart werden wir allesamt fahren, dass es die reinste Gaudi ist. Ebenso werde ich in allem etwas sorgloser sein: Warum sich schon im Februar über die Steuernachzahlung den Kopf zergrübeln? Das hat Zeit, bis diese wirklich ins Haus geflattert kommt. Dann ist es immer noch Zeit genug für einen wirkungsvollen, bühnenreifen Nervenzusammenbruch im örtlichen Steuerbüro. Überhaupt denke ich mir jetzt So im Stillen, wenn die Völker bzw. die Oberbosse vom Ganzen endlich/mal auf die glorreiche Idee kämen, Welt- karneval statt Weltkriege zu erklären um wie vieles friedlicher wäre es auf unserer Erde. Statt über "die Achse des Bösen" und über vermeintliche "Schurkenstaaten" zu faseln, nur weil ein amerikanischer Cowboy die Muskeln spielen lässt, um seinem Papi zu zeigen, was für ein toller Hecht er doch ist, und statt Raketen aufeinander zu schießen, würden sich Saddam und Bush junior mit Luftschlangen und buntem Konfettibewerfen: statt Hass ab sofort ein fröhliches "Helau !" In einer Welt, in der es viel zuviel überaus ernste und gesittete Leute gibt, will ich mich von nun an über alles Ernste erheben und das Leichte zur Devise meines Lebens machen, denn ich gebe dem Philosophen recht, der einmal gesagt hat, dass "Fröhlichkeit weiser als Weisheit" ist.

Brigitte Comploj


GESELLSCHAFT

Tagung zum Thema Gewaltprävention in Bruneck

Bemerkenswerte Referate von Dr. Christine Baumgartner und Dr. Helmut Zingerle.

Die Fragestellung, ob Frau und Mann sich in Bezug auf Gewalt unterscheiden, wurde von der Psychologin Frau Dr. Christine Baumgartner in ihrem Referat differenziert behandelt.

Ausgehend von der biologischen Unterschiedlichkeit zeigte sie auf, dass das Weibliche von Natur aus auf Langzeitbelastung und Durchhalten von Krisensituationen angelegt ist. Das zeigt sich bereits in der weiblichen Eizelle als der Größten aller menschlichen Zellen. Anders das Männliche, welches auf kurzfristige Hochleistung und Durchsetzungsvermögen im Kampf- und Aggressionsverhalten ausgerichtet ist; deutlich sichtbar im Wettlauf der männlichen Spermen mit nur einem Sieger. Während der Lebensphasen bleiben diese biologischen Grundmuster prägend. Nicht minder deutlich wies die Referentin auf die psychologischen Differenzen hin. Frauen sind viel stärker auf innerseelische Vorgänge und Entwicklungen, persönliche Beziehungen und emotionales Erleben ausgerichtet. Während für Männer der starke Realitätsbezug, das kraftvolle Gestalten der Umwelt, sowie Kampf- und Eroberungsverhalten verbunden mit persönlicher Durchsetzung im Vordergrund stehen.

Somit hat die Natur beide Geschlechter mit komplementär sich ergänzenden Anlagen und Fähigkeiten ausgestattet, die im Sinne des chinesischen YIN für weibliche und dem YANG für die männliche Schöpfungskräfte erst die Harmonie und Ganzheit des Menschen ausmachen.

Für viele TeilnehmerInnen interessant war die auf der biologisch-psychischen Geschlechtsdifferenz basierende unterschiedliche Reaktion auf Stress und Belastung.

Während Frauen in belastenden Situationen das große Bedürfnis verspüren, sich im Dialog auszusprechen und mögliche Lösungsansätze verbal durchzuspielen, oft verbunden mit starken Gefühlsausbrüchen, erleben männliche Partner dies als äußerst bedrohlich.

Die männliche Reaktion auf Stress besteht dagegen im Rückzugsverhalten und Schweigen, da im eigenen konzentrierten Nachdenken erst Lösungsansätze ausgedacht werden müssen, ehe darüber gesprochen werden kann. Eine Art Gefühlsblockade soll zudem vor eventueller Schwäche schützen.

Und gerade an diese heiklen Stellen eines Paarkonfliktes zwischen Mann und Frau stellte die Referentin deutlich das STOPP Schild, da gerade in Stresssituationen die Gefahr von Gewaltanwendung am größten ist. Die psycho-sozialen Bedingungen von Frauen stellen einen weiteren Risikofaktor dar; nämlich ihre ökonomische, gesellschaftliche und emotionale Abhängigkeit. Verbale Demütigung, physische Gewalt und sexuelle Nötigung sind leider immer noch gängige Methoden, mit welchen der ökonomisch und gesellschaftlich besser gestellte Mann seinen Willen durchsetzt oder eigene Erniedrigungserfahrungen weitergibt.

Dabei wird vielfach übersehen, dass wenn Frauen Gewalt in der Familie erleben, zu 90% Kinder anwesend sind – entweder direkt oder indirekt in Nebenräumen Diese erleben folglich die Hilflosigkeit, den Schmerz und die Ohnmacht mit. Dies erschwert ihre Identifikation mit den Eltern-Vorbildern und fördert eher „Kettenreaktionen", wobei Gewalt als Mittel der Konfliktlösung von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

„Alle Erscheingungsformen der Gewalt in Taten und Worten sind Ausdruck gestörter Beziehungen, Ausdruck eines zur Sprachlosigkeit verkommenen Dialogs zwischen den Menschen und auch der Umwelt. Entsprechend dieser These von Thea Bauriedl, Autorin des Buches Wege aus der Gewalt, wurden folgende Lösungsansätze für die Vorbeugung von Gewalt aufgelistet, die verstärkt in Familien, Kindergärten, Schulen, Jugendzentren und Verbänden umgesetzt werden sollten/müssten.

1.) Die Geschlechterdifferenz bewusst als Bereicherung wahrnehmen und falsche Klischees über starke/schwache Geschlechter entrümpeln. Denn sowohl männliche Hochleistung als auch weibliches Durchhaltevermögen sind gefragt für die Vielfalt der Lebensaufgaben, die es in Familie, Beruf und Gesellschaft zu bewältigen gibt.

2.) Die Dialogfähigkeit auf persönlicher, familiärer als auch gesellschaftspolitischer Ebene muss dringen entwickelt werden. Der Sprachlosigkeit über Gefühle, Wünsche, Beziehungsmuster und Leiblichkeit sollen befreiende Worte Raum und Verständnis schaffen.

3.) Wir brauchen eine Kultur der Solidarität, welche auch Grenzen und Begrenzungen anerkennt, um der Maßlosigkeit unserer Gesellschaft entgegenzutreten, denn alle Grenzüberschreitungen verführen zur Gewalt mit vielen Facetten. Diese Anstrengung kann nur gemeinsam von Frauen und Männern angegangen werden.

Dr. Helmut Zingerle hat in seinen Ausführungen Zusammenhänge zwischen Alkohol und Gewalt hergestellt und dazu neun Thesen zur Diskussion gestellt.

1. Gewalt ist Teil eines Problems, als dessen Lösung es sich ausgibt.

2. Alkohol wird zum Problem, obwohl oder weil er zur Lösung eines Problems eingesetzt wird.

3. Gewalttaten unter Alkoholeinfluss (und anderen Substanzen) werden durch ihre Häufigkeit zu einem ernst zu nehmenden Problem unserer Gesellschaft.

4. Die überwiegende Mehrzahl der Gewalttaten ereignen sich unter Alkoholeinfluss in den Familien.

5. Von allen psychischen Substanzen ist Alkohol am häufigsten mit Gewalt assoziiert.

6. Gewaltverhalten selbst kann einen stimulierenden, berauschenden Effekt auf das Gehirn ausüben.

7. Es gibt einen linearen Zusammenhang zwischen kindlicher Verhaltensauffälligkeit (asoziales und aggressives Verhalten) und späterem Alkohol und Suchtmittelmissbrauch.

8.Hochaggressive Personen werden unter Alkohol Gewalt eher gegen andere ausüben, aggressionsgehemmte eher gegen sich selbst.

9.Gewalt disponierende Faktoren sind: Geringe Frustrationstoleranz, erhöhte Reizbarkeit, fehlende Empathie und geringer Selbstwert, Umgebung wird als feindselig und bedrohlich erlebt.

Auf den Punkt gebracht heißt das: primäre Suchtprävention ist primäre Gewaltprävention.

Hans Schwingshackl


GESUNDHEIT

Elektrosmog - ein Risiko für die Gesundheit

Am 8. und 10. Mai 2002 organisierte die Verbraucherzentrale Südtirol die Aktionstage „Elektrosmog" in Bozen. Die wichtigsten Ergebnisse der Veranstaltung werden hier zusammengefasst.

Umweltmediziner warnen

Die Ängste und Proteste der Anrainer von Mobilfunkantennen werden noch immer damit abgetan, dass es heißt, ein Zusammenhang zwischen den Handymasten und gesundheitlichen Beschwerden bis hin zu bösartigen Tumoren sei noch nicht nachgewiesen.

Der Umweltmediziner Dr. Gerd Oberfeld widerspricht dieser Aussage: „Es liegen eine Unzahl von Untersuchungen vor und die belegen eindeutig, dass nicht nur biologische Effekte da sind, sondern auch gesundheitliche Auswirkungen." Er kritisiert die Tatsache, dass auf offizieller Ebene noch immer um Grenzwerte gefeilscht wird, die allesamt viel zu hoch liegen, während die Hinweise darauf, dass bereits minimale Belastungen zu bleibenden Schäden führen, immer deutlicher werden. Der Punkt ist, dass die Gruppe von sogenannten Elektrosensiblen immer größer wird. Sie leiden bei entsprechender Exposition unter Schlafstörungen, Herz- Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Blutdruckerhöhungen. Neben diesen biologischen Störungen gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf schwerwiegende Schäden durch hochfrequente Strahlung. Das Problem sind vor allem Langzeitauswirkungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen, bzw. auch Krebserkrankungen.

Wissenschaftler aus aller Welt haben bei einem Kongress in Salzburg im Juni sämtliche Erkenntnisse zusammenzutragen, und diese Ergebnisse lassen keinen Zweifel darüber, dass hochfrequente Strahlung aus Handys und Handyantennen krank macht. Es geht jetzt darum, zu erreichen, dass auch die zuständigen Behörden diese Tatsache zur Kenntnis und den entsprechenden Schutz der Bevölkerung ernst nehmen. Nähere Informationen unter www.salzburg.gv.at/celltower

Handys nicht in Kinderhand!

Besonders gefährdet von den Auswirkungen hochfrequenter Strahlung aus Handys und Mobilfunkantennen sind wiedereinmal die schwächeren Glieder der Gesellschaft, also die Kinder. Sie haben sowohl als passiv Bestrahlte, also wenn in der Nähe des Hauses eine Mobilfunkantenne steht, als auch als Handybenützer mit einer starken gesundheitlichen Gefährdung zu rechnen.

„Handys gehören auf gar keinen Fall in Kinderhände", so heißt es beim Netzwerk „Bürgerwelle" e.V., einer europaweiten Vereinigung, die sich mit den negativen Auswirkungen von hochfrequenter Strahlung befasst.

Dipl. Ing. Sigrid Grubauer von der Bürgerwelle Graz weist auf deutliche Warnungen aus England hin, dass Kinder unter 16 Jahren das Handy nicht benützen sollten. Aufgrund der Forschungsergebnisse denkt die englische Regierung daran, ein Handyverbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu erlassen. Die Forscher verweisen unter anderem darauf, dass schon nach wenigen Minuten Handy-Benutzung die Blut-Hirn-Schranke durchlässig werden kann. Dadurch können Gifte und Eiweiße in das Gehirn eindringen und Nervenzellen zerstören.

Außerdem gibt es aus anderen Studien dringende Hinweise auf mögliche Erbgutschädigungen, sowie auf ein erhöhtes Kopf- und Augentumorrisiko.

Neueste Untersuchungen in Österreich verweisen auf eine weitere Gefährdung und zwar, dass die Spermienqualität durch eine Exposition von hochfrequenter Strahlung verschlechtert wird. Eine Belastung der Genitalzone ist bei Buben vor allem dann gegeben, wenn sie das Handy eingeschaltet in der Hosentasche tragen. Bei dem von Kindern und Jugendlichen so häufig praktizierten SMS-Verschicken verlagert sich die Belastung auf jene Körperzonen, in deren Nähe das Handy beim Verschicken der Botschaft gehalten werde. Und da dies häufig unter der Schulbank passiert, ist wieder der Genitalbereich von der Strahlung betroffen.

Die Bürgerwelle in Österreich fordert daher ein Werbeverbot für Kinderhandys und setzt auf flächendeckende Information von Kindern und Eltern. Aufklärung braucht es auch bei den LehrerInnen: Ein Handyverbot in der Schule, das für Schüler und Lehrer gilt, wäre der erste dringend notwendige Schritt.

Nähere Informationen dazu: www.buergerwelle.com

Vernetzung nun auch in Südtirol

Die Verbraucherzentrale Südtirol bietet eine Infostelle für BürgerInnen, welche Informationen zum Thema Handys, Mobilfunkantenne und hochfrequente Strahlung benötigen, an. Die Infostelle wird von betroffenen BürgerInnen aufgebaut und geführt. Jeden ersten Freitag im Monat, jeweils von 16 bis 18 Uhr, wird Beratung angeboten. Interessierte können sich jederzeit bei der Verbraucherzentrale (Tel. 0471 975 597) für einen Termin vormerken oder einfach in der angegebenen Zeit vorbeischauen.

Außerdem bietet die Infostelle die Möglichkeit der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung bei Initiativen gegen die Errichtung von Mobilfunkantennen.

Verbraucherzentrale

Quelle: Naturschutzblatt


GESUNDHEIT

Slow Food, una cornice per progettare un nuovo modo di intendere l’eno-gastronomia

Ogni „attività" ha bisogno di una direzione, di un senso, di un progetto. Per anni la gastronomia e l’enologia sono state intese come quelle attività un po’ plebee che avevano a che fare con gli istinti meno nobili dell’uomo, toccando con una estremità il paese sconcertante della fame e con l’altra quello non meno discutibile del vizio, della smodatezza, del lusso. La recente evoluzione della società (in specie nell’epoca dell’avvenuta industrializzazione dei consumi) ha in realtà posto sempre più in evidenza come le problematiche inerenti l’alimentazione rappresentino un punto di snodo per comprendere di quanta „salute" goda veramente la società che noi chiamiamo assai presuntuosamente del „benessere". La diagnosi non è incoraggiante. Proprio nel momento in cui le frontiere dell’abbondanza sembravano schiudere per ogni abitante delle regioni più ricche del mondo prospettive infinite di scelta (basti pensare alla vertigine, anche geografica, che ci coglie nel visitare un fornitissimo supermercato occidentale), le nostre abitudini alimentari sono state messe radicalmente in crisi dall’emergere di pericoli imprevisti, sbocciati come funghi malvagi all’interno di un modo di produzione che allude al facile e inalienabile possesso di ogni possibile risorsa. La ricchezza si è rivelata così apparente: un’apparenza sovrapposta alla realtà di un mondo progressivamente modificato nella sua natura più originaria e familiare. Un mondo in gran parte desertificato. È proprio a questo punto di smarrimento e di confusione che la figura del gastronomo, da semplice comparsa, acquista una centralità del tutto inedita. Mediante lo studio e la ricerca degli intrecci che legano il cibo e le bevande all’ambiente e alla cultura di cui essi sono espressione, il gastronomo può indicare all’umanità una riflessione assai utile sul modo di produzione capitalistico e sulle conseguenze che esso esercita sul mondo-ambiente in cui viviamo. Slow Food è nato, sono ormai più di 15 anni, proprio per alimentare una corrente di discussione e di attività volta ad indirizzare il popolo dei consumatori verso una riscoperta di quegli intrecci che lo studio paziente del territorio e l’amore per la tradizione cercano di rivalutare opponendosi al flusso frenetico di una certa modernità, oggi compresa dalla formula giornalistica di „globalizzazione", la quale sembra sacrificare ogni diversità in nome di un „progresso" tanto convincente quanto devastante. La passione dei soci, il lavoro delle condotte, le manifestazioni sempre più ambiziose (Il salone del Gusto di Torino, Cheese, Il Premio Slow Food), il progetto di una mobile Università del Gusto, preambolo di una Prima Università del Gusto a Parma e Pollenzo, l’Arca dei Presidi dei prodotti da salvare... sono solo le perle più visibili di un progetto nato con il desiderio di animare quante più persone alla riscoperta del piacere sensibile e al godimento delle diversità biologiche e culturali che testimoniano l’incontro tra l’uomo ed il paesaggio in cui vive. Contrariamente alla massima che vuole (o vorrebbe) essere il gusto faccenda di pochi (di chi „ha" gusto, appunto, e chi non ce l’ha pazienza), Slow Food intende allora rendere „la pratica del gusto" un esercizio di comprensione quanto più razionale della realtà in cui viviamo, un esercizio cioè che è ricerca di quella qualità alla quale in fondo tendono tutti i nostri sforzi.

Nella cornice appena tracciata deve essere inscritta anche l’attività della piccola condotta (o convivio) di Rio Pusteria/Mühlbach. Nata circa tre anni fa grazie al proteiforme interesse di Hansi Baumgartner (chef dello storico e oggi purtroppo chiuso ristorante „Pichler") e alla passione di alcuni collaboratori (tra i quali l’estensore di queste righe e Andrea Bovo) l’attività della condotta si è fin dall’inizio prodigata a testimoniare la filosofia del movimento animando occasioni d’incontro e degustazioni volte all’elaborazione di un dialogo tra le più interessanti realtà produttive locali e nazionali. Il carattere esplicitamente „dialogico" e „didattico" delle condotte deve essere sottolineato con forza. Opponendosi decisamente all’ispirazione che generalmente anima le manifestazioni enogastronomiche „legate al territorio", le proposte di Slow Food non si prestano infatti ad una mera magnificazione pubblicitaria del già esistente (secondo la goffa sequela che allinea le nostre montagne, i nostri cibi e i nostri vini in una beota danza da „sagra di paese"). Ogni territorio deve infatti essere pensato nel gioco mutevole che lo lega ai territori vicini, nella consapevolezza che le qualità da esso „possedute" gli siano in realtà donate dallo sguardo di chi le può riconoscere come tali. Il mondo della produzione enogastronomica è attraversato così in ogni sua parte dalla linea di un confine che corrisponde alla logica ancipite della sua conservazione/dissipazione, come l’impercettibile scarto che separa la tradizione dal tradimento, l’innovazione dalla moda, il salubre dall’insalubre. Osservare questo confine, seguirne gli spostamenti al di là e al di qua delle frontiere continuamente tracciate nel suo paesaggio, rappresenta il contributo che il movimento di Slow Food ha deciso di prestare al ripensamento del nostro rapporto con il mondo dell’alimentazione e il tentativo di influire positivamente sul senso del suo sviluppo. Esemplare a questo proposito è la rituale cena prenatalizia dedicata all’Arca dei prodotti da salvare. Si tratta di un’occasione per convocare sulla stessa tavola alcune specialità afferenti dalle più diverse regioni, ma tutte caratterizzati da una comune tensione verso un traguardo, l’eccellenza del gusto, ottenuto nel rispetto e nella valorizzazione del contesto ambientale che ha suscitato e in qualche modo distillato quel particolare tipo di prodotti. Quest’anno la cena, che si effettuerà il 17 dicembre presso il ristorante Oberraut di Amaten, avrà il suo culmine nella degustazione delle incomparabili carni provenienti dalla razza Chianina, candido monumento gastronomico proveniente dalle dolci colline toscane. Chiunque volesse ottenere maggiori informazioni riguardo la condotta e la sua attività (compresa la cena sull’Arca) può contattare Gabriele Di Luca inviando una mail all’indirizzo dilucagabriele@hotmail.com o telefonando al numero: 3385715268.

Gabriele Di Luca


GESUNDHEIT

Suizid - wer zurück bleibt, leidet.

Forschungsprojekt „Hinterbliebene von Suizidopfern" im Pustertal.

Immer wieder steht Südtirol im Schatten der vielen Suizide, die bei uns stattfinden. Vor vielen Jahren ist deshalb vom Land eine ständige Arbeitsgruppe zur Vorbeugung von Selbsttötungen ins Leben gerufen worden, seit 3 Jahren werden alle Suizide auf ihre Begleitumstände hin untersucht. Wir erwarten uns dadurch Aufschluss über besondere Risikogruppen und Risikofaktoren.

Suizide sind schwer verarbeitbare Ereignisse, die besonders die Partner und nächsten Verwandten der Opfer in seelische Krisen und tiefe Zerrissenheit stürzen. Gleichzeitig ist das Thema so tabu, dass es meistens heimlich verarbeitet werden muss. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es Hinweise dafür, dass Hinterbliebene von Suizidopfern ein erhöhtes Risiko eingehen, Depressionen oder psychosomatische Störungen zu entwickeln. Anderseits sind gerade sie „Experten der Betroffenheit": sie können uns am besten sagen, wie sie ihre Schwierigkeiten bewältigen konnten, und sie können angeben, welche Hilfe oder Unterstützung sie sich dabei wünschen würden.

Dieser für Südtirol wichtige Bereich ist auch international noch nicht erforscht.

Eine Arbeitsgruppe der Universität Hamburg (Univ. Prof. Dr. Rainer Richter), des Institutes für Psychologie Innsbruck (Ass. Prof. Dr. Hildegard Walter, gebürtige Bruneckerin) und der Psychiatrie Bruneck hat deshalb beim Assessorat Saurer ein Forschungsprojekt eingereicht, das vor wenigen Tagen von der Landesregierung beschlossen worden ist.

Im Gebiet des Sanitätsbetriebes Bruneck sollen in den kommenden Monaten möglichst viele Partner, Eltern, Kinder und Geschwister von Suizidopfern angesprochen und um ihre geschätzte Teilnahme gebeten werden. Den ersten Kontakt stellen erfahrene Mitarbeiter des Psychiatrischen Dienstes Bruneck her. In der Folge werden eigens ausgebildete und psychologisch begleitete Mitarbeiterinnen des Institutes für Psychologie Innsbruck mit möglichst vielen Hinterbliebenen ein eingehendes Gespräch führen. Dabei geht es vor allem um die Erschütterung, die das Ereignis ausgelöst hat, und um ihre Bewältigung. Auch wollen wir erfahren, welche Art von Betreuung oder Begleitung, welche Reaktionen der Gesellschaft sich Hinterbliebene wünschen. Selbstverständlich werden alle Informationen anonym behandelt und ausgewertet.

Je mehr Betroffene sich an dem Projekt beteiligen, desto aussagekräftiger können die Ergebnisse sein. Es geht also bestimmt nicht um das „Aushorchen" von ohnehin erschütterten Menschen, sondern um einen gezielten Beistand, den andere Hinterbliebene später erhalten können, sobald wir mehr über ihre Lage wissen.

Wenn Betroffene im Anschluss eine intensivere Betreuung wünschen oder benötigen, steht ihnen in Bruneck die Krisenberatung „Seele in Not" offen.

Natürlich brauchen gerade die Mitarbeiterinnen des Projekts psychologische Begleitung und Betreuung. Diese bedeutsame Aufgabe hat die erfahrene, aus dem Pustertal stammende Psychotherapeutin Dr. Brigitte Andres übernommen. Sie hat im Rahmen einer Voruntersuchung bereits Hinterbliebene im Pustertal möglichst taktvoll anzusprechen versucht, und beschreibt ihre Erlebnisse: „Viele wissen anfangs nicht, ob sie ein solches Gespräch überhaupt wollen oder durchstehen. Sobald das Eis gebrochen ist, macht sich meistens Erleichterung breit. Ich bin überzeugt, die Gespräche über ihre eigene Lage helfen Hinterbliebenen, klarer zu sehen und sich besser zu organisieren."

Die Medien spielen bei der Verwirklichung des Vorhabens eine wichtige Rolle. Klare und nüchterne Berichterstattung kann den Hinterbliebenen Schwellenängste nehmen und sie auf die Kontaktaufnahme vorbereiten.

Die wissenschaftliche Auswertung der gesammelten Informationen werden Universität Hamburg und Institut für Psychologie Innsbruck übernehmen. Dasselbe Vorhaben wird auch in Nordtirol mit Unterstützung von Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber, Psychiatrie Innsbruck, durchgeführt. Es werden deshalb bald zwischen beiden Ländern vergleichbare Daten vorliegen.

Roger Pycha


IN EIGENER SACHE

In der Kürze liegt die Würze

Die Redaktion freut sich über Beiträge, Anregungen und Kritik. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Daher: Je kürzer und prägnanter Ihr Brief ist, desto besser sind die Chancen für eine Berücksichtigung. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Das Forum Team


LITERATUR

Bruneck für Anfänger 02, nach unsystematischen und unalphabetischen Stichworten, 2. Teil

Kronplatz

Ehemaliger Berg im Süden von Bruneck. Wird zuweilen immer noch als "Hausberg" bezeichnet, was den Tatsachen nicht mehr ganz entspricht, denn an den Bergstationen der Seilbahnen (am Kronplatz läuft prinzipiell alles im Plural ab) steht nicht mehr nur ein Haus, sondern ein ganzes Vergnügungsviertel.

Winter für Winter sind rund um den Kronplatz eigenartige Phänomene der Massenhysterie zu beobachten. Offensichtlich verspürt ein gewisser Teil der urbanisierten Bevölkerung Mitteleuropas in der kalten Jahreszeit das Bedürfnis, die üblichen Unannehmlichkeiten des urbanen Lebens (Menschenmassen, Platzmangel, hoher Prozentsatz an unfreundlichen bis gemeingefährlichen Zeitgenossen) auf 2000 Meter Meereshöhe und bei Minusgraden in intensivierter Form zu erleben. Da die eigentlichen Beweggründe für dieses Verhalten auch den meisten Betroffenen schleierhaft sind, werden meist konfuse Erklärungen dafür abgeben, in denen sehr oft Worte vorkommen, die offensichtlich nichts damit zu tun haben, wie "Urlaub", "Spaß", "Erholung", "Natur" usw.

Der Kronplatz gehört zu jenen ominösen Objekten, die Eingeweihte als "Wirtschaftsfaktoren" zu bezeichnen pflegen. Worum es sich dabei genau handelt, konnte bis heute nicht geklärt werden. Weniger eingeweihte Personen verwenden zur Beschreibung der den Kronplatz betreffenden Zustände auch andere Bezeichnungen, die an dieser Stelle allerdings schwerlich wiederholt werden können.

Die Aufstiegsanlagen zum Kronplatz weisen ungefähr die zwölffache Beförderungskapazität der Straßenverbindungen auf, die zu den Talstationen führen. Dass dies zu Verkehrsproblemen führt, dürfte allerdings eine Unterstellung schlecht informierter und übel gesinnter Zeitgenossen sein. Außerdem werden hier sehr oft die Fakten durcheinander gebracht: wenn schon, hat das Pustertal ein Verkehrsproblem, nicht der Kronplatz. Bis wann das Problem durch die Errichtung zweier neuer Talstationen in der Nähe von Verona und München behoben sein wird, ist noch nicht abzusehen. Vor allem die Beschneiung der vorgesehenen Verbindungspisten bereitet noch Schwierigkeiten.

Straßenraumgestaltung

Obwohl sich eine von der Gemeindeverwaltung eingesetzte Expertenkommission bereits seit 14 Jahren mit der Frage beschäftigt, konnte bis heute die genaue Bedeutung dieses Begriffs nicht geklärt werden. Man geht allerdings davon aus, dass Bruneck von einer eventuell mit diesem Begriff zusammenhängenden Problematik nicht betroffen ist.

Tiefgarage

Obwohl bis heute strittig ist, welcher Natur das gemeinhin als "Bruneck" bezeichnete Häuseragglomerat genau ist (siehe Stichwort "Stadt" in Forum Nr. 7), ist in letzter Zeit durchaus ein gewisses Bemühen um Urbanität festzustellen. Die zu diesem Zweck einberufene Urbanitätskommission hat sich bisher noch auf keine genaue Begriffsbestimmung einigen können - allerdings hat sie bis jetzt erst 42 Sitzungen abhalten können, da einige ihrer Mitglieder auch in anderen Kommissionen tätig sind. In der provisorischen Vorversion des ersten Zwischen-Teilberichts lässt sie jedoch verlauten, dass z. B. unterirdische Anlagen zur Deponierung des stehenden Verkehrs im Allgemeinen als sehr urban gelten. Ein Prototyp wurde inzwischen errichtet, der genaue Zweck der Anlage muss der Bevölkerung allerdings noch klargemacht werden. Damit soll die noch zu gründende Kommission für Kommunikationsfragen im Zusammenhang mit Tiefgaragen betraut werden.

Hans Peter Niederkofler


LITERATUR

Würmer

josef oberhollenzer, 030701

nur das TSCHTSCH der lokomotive,

das ihn aus dem traum geweckt hatte,

hatte max noch im ohr –

1

Setze ein zeichen, hat meine großmutter, in ihren letzten jahren, mir immer & immer gesagt. Bleib an deinem ort! Denn die erde bewegt sich nicht schneller, auch wenn das geleut drauf sich immer unsteter und kreuz & quer. Diese zeitraffer, hat sie gesagt, bringen sie auch nicht aus der ruh.

Und dann hat meine großmutter immer von den bergen geredet. Und vom meer, das sie nie gesehen hat. Das ihr aber, als bloßer gedanke schon, alles lächerlich mache, was da kreuche, was fleucht. Wie der himmel, hat sie gesagt, wie es in der bibel steht. Bis das herz auseinanderbricht, hat sie gesagt.

Und dann hat sie das rauschen des baches besungen, der einen steinwurf von unserem haus vorüberfließt, und das wehen des winds. Und immer, wenn ich zaghaft einwarf, ein vielleicht, vielleicht, in ihr predigen hinein, als das ich ihr immer gleiches reden manchmal auch empfand, daß doch wind oder bach oder himmel oder meer, daß doch dies alles und die wolken ständig in bewegung sei und stets weiterzöge und von hier nach dort, ist sie mit der hand über mein haar und hat leise gesagt: Aber stet, aber stet –

Und schließlich am ende ihres redens, das dann kaum noch hörbar war, hat sie sich niedergebeugt zu mir, ist mit ihrem mund an mein ohr. So hat sie mir, behutsam, ihre worte in den kopf gelegt. Schau dir doch den graukäse an, dort aufm brett, wie er noch ruht & ruht, hat sie gesagt. Wenn der mit den würmern immer wimmelnder aus seiner ruhe kommt, ist es bald aus, ist es schon vorbei, mit ihm. Und nicht einmal für die preßknödel taugt er mehr; und für die kasnockn nicht, die dir ein ständiger ekel sind.

2

Als meine großmutter gestorben ist, da war ich schon fort; sie hat mir, ein letztes mal, noch lange nachgewinkt. Und als sie also ruhte, für immer und tot, haben sie ihr dreimal & dreimal „Sie ruhe in frieden!" nachgeschrien. Aber keiner, nicht einer, hat dazu gelacht. Vielleicht haben die da, vielleicht, vielleicht haben die auch an die würmer gedacht. Die sich bald über sie hermachen würden wie über den graukäse auf dem brett. Am ende sind sie dann alle in ihre häuser zurück; weil ein jeder hatte sich eines gebaut, damit er sich bewegen muß.

3

Setze ein zeichen, hat meine großmutter, dann, mir in den traum gesagt. Geh fort, mein bubo, geh fort! Denn sonst bleibt alles & immer an seinem selbigen ort. Wie die erde, die sich wie wild immer im kreise dreht, um die sonne und um sich wie auf der Renne-Bahn, wie das geleut da drauf, das nicht zur ruhe kommt.

Schau dir das meer an, worüber ich nachts mit dem winde jetzt flieg, zum himmel hinauf & herab, geh hinunter zum bach und schau seinem fließen zu. Wie alles fort will wie die wolken und doch an kein ende kommt: Immer ist alles noch da, wenn du dann wiederkehrst.

Setz dich hinein in den zug, in bruneck oder wo, wie jener reisende einst in einer winternacht, steig am anfang aus und am ende ein .. und bleib nie länger als eine liebe am selben ort. Und pack die geschichten in dein herz, fahre fort, fahr fort. Und wo das herz voll ist, bevor das glück über dich fällt, her und hin und her und über deinen schatten hinaus, dort drehe dich nicht nach der erinnerung um. Sondern schlaf, schlafe ein, träum dich zu mir, her –

Dann schüttelt meine großmutter ihr schlohweißes haar. Das peitscht jetzt im sturm den himmel, das meer; der auseinanderreißt, das zu bergen wächst. Das dann, wie ihr reden, an den HOHEN TAUERN zerbricht –

Noch ein echo im kopf, wogt es hin

4

„Es war an einem mittwoch gewesen, mitte juni, vielleicht. Die nacht hatte sich gerade hinter die berge zurückgezogen, der himmel war blau. Max stand am offenen fenster und rieb sich den schlaf aus den augen. In der ferne verschwand sein traum und nahm die häuser mit, die bäume, die berge. Alles, was gestern noch vorm fenster gewesen war, blich nach & nach aus. Und auch das vogelgezwitscher wurde leiser und hörte dann mit all dem anderen auf. Es war still draußen, wie wenn schnee fällt; wie ein weißes blatt papier war es vorm fenster leer. Nur das TSCHTSCH der lokomotive, das ihn aus dem traum geweckt hatte, hatte max noch im ohr –

Oberholenzer Josef


MINDERHEITEN

La quarta minoranza

Questo ritratto dello straniero che abbozzi, mi sembra quanto meno assai discutibile

Edmond Jabès

Se dovessimo indicare con una formula il nodo capace di legare tutte le più rilevanti questioni altoatesine non c’è dubbio che la formula suonerebbe: „Alto Adige, terra di minoranze". Pochissimi politici locali (e massime quei politici nelle cui mani è concentrato un certo potere) rinuncerebbero per esempio a ribadire quella che appare la conquista più rilevante del loro lavoro: l’Alto Adige, essi affermano, costituisce un modello ed un esempio di convivenza tra persone di lingua e cultura diverse. „Minoranze" e „convivenza" sono gli elementi fondamentali di un discorso del quale apparentemente non ci si stanca di articolare le più sottili implicazioni. Ma che la cosa non sia poi così paradigmatica ed esemplare come sembra, o meglio che il paradigma e l’esempio ai quali ci si riferisce non indichino esattamente l’esemplare situazione che si vorrebbe descrivere lo dimostra l’incertezza e la difficoltà d’individuare con chiarezza il soggetto della definizione minoritaria (chi, che cosa e in base a quale tipo di raffronto è minoranza?) e la natura di una così attraente forma di convivenza. Senza scendere in una analisi particolareggiata basterà qui alludere al più macroscopico ed unanimamente riconosciuto motivo d’imbarazzo: il gruppo minoritario tedesco, quello che ha sollevato a suo tempo la questione stessa del legittimo riconoscimento del proprio statuto di minoranza, esercita entro i confini amministrativi della provincia autonomizzatasi un predominio ed una influenza difficilmente spiegabili alla luce dello status di minoranza del quale esso (gruppo) continua comunque a profittare. Specularmente il gruppo maggioritario italiano rappresenta (o comunque „sente" di rappresentare) in questo contesto la „vera" minoranza, peraltro aridamente certificata dal conteggio etnico che le assegna una modesta quota di presenza territoriale (in base alla più recente rilevazione del censimento) e dal connesso principio regolativo che presiede, sul piano amministrativo, all’applicazione della cosiddetta „proporzionale etnica". Il quadro è poi notoriamente complicato dalla presenza di una ulteriore minoranza, espressa dal gruppo ladino, che incide con una ancora più smilza percentuale sul totale delle cosiddette componenti etno-linguistiche censite.

La situazione appena descritta è stata più volte analizzata ed il potenziale contraddittorio che si sprigiona dalla sua aperta ambiguità fornisce invero una riserva polemica pressoché inesauribile per tutti coloro che vedono nel riferimento etnico (e dunque nel sapiente dosaggio delle pulsioni conflittuali immanenti alla logica profonda di ogni discorso etnico) la condizione imprescindibile per pensare ed agire. „L’attuale ordinamento autonomistico – affermava già più di quindici anni fa Alexander Langer citando le parole del professor Anton Pelinka dell’Università di Innsbruck – comporta che le forze dominanti debbano essere interessate al mantenimento del conflitto etnico che non deve né perdere la sua importanza, né uscire dal controllo di queste forze". Il „conflitto ben temperato" di cui parlava Langer non agisce però soltanto come possibile incubatrice per conflitti manifestamente cruenti, come se i pericoli derivanti da una passiva accettazione dell’instabile equilibrio tra le varie componenti etniche venissero da una improvvisa balcanizzazione della piccola provincia alpina. Al contrario: i pericoli maggiori sembrano oggi derivare dalla ostinata e proterva cancellazione di una componente ulteriormente (e vorrei dire questa volta eminentemente) minoritaria rintracciabile al margine del paesaggio culturale ed antropologico fotografato dal meccanismo numerico del censimento ed identificabile provvisoriamente con il titolo di „quarta minoranza".

Che cos’è questa „quarta minoranza"? Abituati a tematizzare ogni domanda di questo tipo nel quadro di una precomprensione votata ad evidenziare soltanto identità monolitiche e compatte dobbiamo qui marcare finalmente una differenza radicale: la „quarta minoranza" non intende infatti ricadere nel dato naturalistico di una provenienza automaticamente ereditata e, soprattutto, non intende barricarsi entro il perimetro di una sola lingua e di una sola appartenenza, a sua gelosa ed esclusiva custodia. Se il termine non fosse già purtroppo inquinato dal deprecabile funzionalismo (che, beninteso, non coincide con la talvolta lodevole funzionalità) della burocrazia provinciale si dovrebbe poter dire che la lingua di questa „quarta minoranza" è la lingua molteplice (bi-lingua e tri-lingua) che non riconosce in linea di principio una gerarchia affettiva nell’uso delle sue possibilità espressive. Una lingua cioè irriducibile al feticcio pernicioso della „madre-lingua" e invece disposta a modellare per contrasto un progressivo e virtuosistico gioco di scambio tra codici diversi. È molto importante cogliere questo punto: mentre il discorso delle altre tre „minoranze" (e delle altre tre „mono-lingue") è in un certo senso costantemente rivolto all’indietro, per cercare di risalire alla fonte di un’origine da salvaguardare e da immunizzare (essendo ogni ossessione identitaria - ça va sans dire - espressione di una più o meno grave fobia del contatto), il discorso di questa „quarta" è idealmente e costitutivamente proiettato in avanti, consegnato cioè al flusso di un divenire che cerca di leggere ogni tipo di provenienza non alla luce del mito naturalistico dell’origine, ma piuttosto in virtù dello spostamento, del progresso e quindi della costruzione della storia a-venire. Per l’individuo in grado di articolare questa lingua molteplice (e della quale l’italiano, il tedesco ed il dialetto sarebbero soltanto da intendere quali semplificazioni locali, modalità della sua perpetua e cangiante figurazione) anche il senso d’appartenza non indicherebbe la via a ritroso di una rassicurante „matria" (matria: come a voler raccogliere e trattenere il ricordo affettuoso della „lingua madre" sulla soglia di una immacolata e per questo irredimibile Heimat), ma alluderebbe allo spazio più vasto ed indeterminato nel quale ogni forma di „identità" si apre alla sua costitutiva „alterità". Non c’è bisogno di esagerare se adesso diremo come questa „quarta" e ineffabile minoranza sia la più sbeffeggiata, la più osteggiata e in fondo la più discriminata. Non esistendo infatti fino adesso in Alto Adige alcuna forma di benevolenza nei confronti di questa rara forma di minoranza (essendo per esempio ogni „vero poliglotta" altoatesino condannato alla fine a comportarsi come il più stolido o semplicemente sfortunato dei suoi concittadini: ad abbassare la testa per entrare nella gabbia dell’unica lingua e dell’unica etnia che lo dovrà rinchiudere, come una bara, possibilmente per sempre) chiunque voglia reclamare la dignità di un’esistenza fondata soltanto sulla propria competenza e sulla propria voglia di imparare si vedrà condannato a scagliarsi contro gli immensi mulini a vento delle disposizioni ipocritamente elevate a protezione e salvaguardia dei diritti delle „altre" cosiddette minoranze. I figli delle coppie miste saranno così condannati a sprecare la metà dei loro talenti in scuole pensate e costruite soltanto per studenti „deboli nella seconda lingua"; i genitori di altri figli legittimamente ambiziosi di ottenere un’istruzione linguistica completa saranno costretti ad attendere che intanto passi il tempo di una scuola troppo occupata a definire i propri grotteschi Leitbilder pseudo-aziendali; gli uomini di buona volontà che, nei fatti, tessono quotidianamente la rete di scambi e di relazioni tra le diverse trincee scavate nelle mille frontiere immaginarie che ancora ci assediano saranno costretti a cedere il loro posto al primo candidato dell’"etnia giusta".

Da più parti oggi si leva la richiesta di rendere visibili le istanze oscuramente elaborate nel corpo e nella mente di questa sofferente e negletta minoranza. La richiesta cioè di moltiplicare gli sforzi per far riuscire a comprendere ad un numero sempre maggiore di persone che la „temperatura del conflitto etnico" è possibile soltanto al prezzo di un „raggelamento" della realtà effettivamente „esistente" e che lo scollamento dalla „realtà", dal suo più ovvio ed auspicabile sviluppo, provoca necessariamente una necrosi del reticolo comunicativo che quella stessa realtà dovrebbe invece descrivere, animare, vitalizzare. Quando si cerca di impedire a dei bambini di apprendere nel modo più facile e naturale la lingua di altri bambini che abitano nella casa difronte, quando la certificazione delle competenze specifiche passa innanzitutto per la lama insensibile del pregiudizio etnico-proporzionale, quando alla conoscenza del nuovo si preferisce sempre e comunque il rimestamento del nauseante brodo primordiale della provenienza e dell’appartenenza, quando tutto ciò si verifica allora significa che i tentacoli della necrosi si sono già allungati su ogni centro vitale, finendo per soffocare lo spazio necessario alla stessa percezione del male. „L’inferno dei viventi – scriveva Italo Calvino chiudendo uno dei suoi libri più belli con parole che potrebbero certamente fare da guida sulla difficile strada battuta da questa quarta minoranza – non è qualcosa che sará; se ce n’è uno, è quello che è già qui, l’inferno che abitiamo tutti i giorni, che formiamo stando insieme. Due modi ci sono per non soffrirne. Il primo riesce facile a molti: accettare l’inferno e diventarne parte fino al punto di non vederlo piú. Il secondo è rischioso ed esige attenzione e apprendimento continui: cercare e saper riconoscere chi e che cosa, in mezzo all’inferno, non è inferno, e farlo durare, e dargli spazio". Credo che cercare di dare spazio, visibilità e forza alle ragioni della „quarta minoranza" rappresenti oggi la sfida alla quale tutti coloro i quali sono interessati al progresso di questa terra non possono più davvero sottrarsi.

Di Luca Gabriele, Bressanone

22 novembre 2002


PHILOSOPHIE

Das Eigene, das Gemeinsame und das Andere

"Denn um das Eigene kümmern wir uns am meisten, um das Gemeinsame weniger oder doch nur gerade soweit, als es einen jeden angeht. Was das Übrige betrifft, so neigen wir eher dazu, es zu vernachlässigen, in der Annahme, es werde sich schon irgendein anderer darum kümmern"

[Plato, griech. Philosoph (427-347)]

Wolfgang Strobl


PRESSESCHAU

Umweltschützer müssen zusammenhalten

Wie andere Südtiroler auch, so habe ich mich am vergangenen Freitag von Fritz Gurgiser aufwiegeln lassen: am Morgen zu Hause im Radio, später am Tage in Vomp, auf der blockierten Autobahn.

So eine volksnahe Mischung aus "goschat" und gescheit wie an der Spitze des Transitforums Austria gibt es bei uns nicht. Südlich des Brenners haben wir keinen ehrenamtlichen Weltverbesserer, der uns so hartnäckig, überparteilich, glaubwürdig und witzig zur Gegenwehr aufruft, gegen den immer schrankenloseren gesundheitsschädlichen Schwerverkehr durch unsere Alpentäler - und gegen unsere Resignation.

Für den selben Zeitpunkt hatte der Dachverband für Natur- und Umweltschutz zu seiner 20-Jahr-Feier nach Schloss Runkelstein geladen. Die blies er aber eine Woche davor überraschend ab: Schluss- endlich war ihm die Solidarisierung mit den Transitgegnern doch wichtiger. Der Dachverband ist die repräsentativste Organisation in Südtirol, die sich für die Umwelt stark macht. Stark ist allerdings übertrieben. Bei 13 sehr unterschiedlichen Mitgliedsvereinen, vom Alpenverein bis zu den Heimatpflegern, und zusätzlich 2200 Einzelmitgliedern, tun sich Vorsitzender und Vorstand, die alle ehrenamtlich arbeiten, sehr schwer, sich nach innen und, wichtiger, nach außen durchzusetzen.

So ist das Kräftemessen mit den unvergleichlich üppiger ausgestatteten Wirtschaftsverbänden eigentlich gar keines. Umso wichtiger ist es, die öffentliche Meinung mit klaren Botschaften für sich zu gewinnen, wie dies dem Transitforum seit vielen Jahren gelingt.

Diesbezüglich schaut es beim Dachverband momentan schlecht aus. Am selben Tag, an dem der Vorstand die 20-Jahr-Feier zu Gunsten der Anti-Transit-Kundgebungen vertagte, warnte der Vorsitzende per Zeitungsinterview eindringlich, das Transitforum nütze nur der Nordtiroler Wirtschaft, während Südtirol darunter leide. Über solche Töne schütteln Dachverbandsmitglieder den Kopf. Wenn ihr Vorsitzender weniger Verständnis für den Großprotest gegen den Transit aufbringt als der (von der Wirtschaft unterstützte) Umweltlandesrat, dann stimmt etwas nicht. So stark ist unsere Umweltlobby wirklich nicht, dass sie es sich leisten könnte, sich in provinzielle Revierabgrenzungen hinein zu steigern, während die Globalisierung über uns drüberfährt.

Georg Schedereit

Quelle: Tiroler Tageszeitung 2002-10-30 19:07:51


TOPONOMASTIK

Die Strassennamen in Bruneck – Vergesslichkeit, oder weiterer Hohn auf unser Tirol?

Da sich in den vergangenen Monaten auch die Diskussion um Straßennamen angeheizt hat, will ich dazu einige Zeilen als Anregung für einen machbaren Gemeinderatsbeschluss schreiben: In Innsbruck gibt es eine Brunecker Straße, in Wien einen Brunecker Platz und auch in den anderen Landeshauptstädten unseres Vaterlandes Österreich findet man Südtirolbezogene Straßennamen. In Südtirol gibt es hingegen weder eine Wiener Straße, noch einen Innsbrucker Platz. Dafür gibt es aber italienische Städtenamen zuhauf auf unseren Straßenschildern. Warum haben wir in Bruneck eine Romstraße? Weil damals die Faschisten die Straßen so benannten. Wäre es nicht an der Zeit auch hier eine Änderung herbeizuführen? Wir sollten die Romstraße in Innsbrucker Straße umbenennen. Weiters sollte man die Alpinistraße in Lienzer Straße, die Dantestraße in Wiener Straße, die Verdistraße in Johann Strauß-Straße und, da der Kaiser Franz Joseph II. hier in Bruneck weilte, sollte man die Marco Polo-Straße in Kaiser Franz Joseph II.-Straße umbenennen.

Und einen Tiroler Platz sollte es auch bald geben. Natürlich könnte man auch eine kleine Straße Romstraße benannt werden, um der geschichtlichen Korrektheit keinen Abbruch zu tun. Und somit wäre eine Sache endlich richtig gestellt, wo es Jahrzehnte lang Versäumnisse gab und das verbriefte Recht unseres Volkes wäre zum Teil wiederhergestellt.

Mirko Costa, Bruneck.


TOURISMUS

Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'

Was tun Politiker, wenn sie bei der Durchsetzung ihrer Interessen auf Bedenken oder gar auf Widerstand stoßen? Ganz einfach: Sie geben mit dem Geld der Gemeinschaft (Gemeinde, Land, Körperschaft usw.) ein Gutachten in Auftrag. Die Honorare für derartige Studien sind zwar erfahrungsgemäß sehr hoch, aber es lohnt sich, denn das Ergebnis liegt meistens ganz im Sinne der Auftraggeber.

So ist es auch mit dem touristischen Entwicklungskonzept für Reischach – Kronplatz gelaufen.

Obwohl Bruneck mit seiner Umgebung den touristischen Sättigungsgrad längst erreicht hat, wurde vom Stadtrat von Bruneck die Edinger Tourismusberatung GmbH (ETB – Innsbruck/Wien) beauftragt, nach Möglichkeiten zu suchen, in unserem überfüllten Gebiet weitere Betten und Gastronomieplätze zu verwirklichen. Und siehe da: Die Herren wurden natürlich fündig. Sie geben zwar zu, dass im Talstationsbereich die über 900 (Heinz, Hardimitz’n, Perathoner, Irschara, Untermoar) bestehenden bzw. bereits genehmigten „gewichteten" Plätze (man zählt also nicht jeden Stuhl!) als „außerordentlich hoch" zu bezeichnen sind. Die Herren geben auch zu, dass im Gipfelbereich die Konzentration der gewichteten Gastronomieplätze (fast 2000 !) ebenfalls als „sehr hoch" einzustufen sei. Aber zwischen der Talstation und dem Gipfel, entlang den zwei Talabfahrten, da gibt es offenbar noch viel unnützen Wald, da lässt sich aus unserer Naturlandschaft noch bare Münze herausholen. Deswegen wird die Erweiterung der Herzl Alm (250 zusätzliche Plätze) und ein neues Restaurant in der Seewiese (73 Plätze) befürwortet.

Ähnlich erfreulich für die Auftraggeber ist die Empfehlung des Beratungsstudios, die gastgewerblichen Betten in der Kategorie von 3-5 Sternen in Reischach zu verdoppeln. Dies bedeutet eine Aufstockung der gegenwärtigen 802 auf mindestens 1500 Betten. Diese Empfehlung muss als besonders bedrohlich angesehen werden. Denn wer heute bei der Vollbeschäftigung weitere Tourismusbetten genehmigt, wird mehr Verkehr säen, mehr Einwanderung anstiften, mehr Landfraß heraufbeschwören, sich an unserer Landschaft versündigen und schließlich den Verlust unserer Lebensqualität verschulden.

Eduard Stoll,
Gemeinderat der Union für Südtirol


UMWELT

La guerra dell'acqua

Dimissioni del Sindaco; discussioni fuori e dentro le sedi istituzionali; un paese percorso da velenose insinuazioni su veri o presunti interessi personali, accuse di scarsa trasparenza nella gestione della cosa pubblica; una popolazione scissa tra la fiducia negli amministratori "storici" e i dubbi sull’opportunità di alienare anche parte di quello che viene, a torto o a ragione, ritenuto di proprietà della comunità; scetticismo manifesto su quanto concordato con il "grande vicino".

Questo e altro nella "guerra dell’acqua" scoppiata a Perca e fra Perca e Brunico.

Senza entrare nei fatti che credo noti a tutti, quanto è successo merita alcune considerazioni.

La disputa ha riportato alla luce del sole i problemi ambientali e politici che da anni noi Verdi sottoponiamo all’attenzione dell’amministrazione e per anni sono rimasti ignorati, sottovalutati o affrontati senza la necessaria convinzione:

la bomba ecologica rappresentata dalla discarica comprensoriale e il pericolo di inquinamento della fonte d’acqua potabile annessa;

i valori preoccupanti di nitrati nell’acqua potabile di Brunico ma anche l’analisi delle cause di questa situazione;

l’assoluta necessità di decidere le priorità d’uso dell’acqua: metterla a disposizione per usi potabili mi sembra più importante che utilizzarla per produrre energia o neve artificiale;

la definizione, una volta per tutte, della "proprietà" di questo bene;

la rivendicazione infine del ruolo di Brunico nell’ambito del Comprensorio pusterese o, per essere più espliciti, chiedersi se sia ancora accettabile che sulla nostra comunità si scarichino volentieri compiti e impegni che impegnano territorio, finanze e risorse, ma continuare a rimanere un Gulliver imbrigliato dai lacci delle piccole Amministrazioni del circondario quando si rivendica "in cambio", il diritto all’acqua potabile, l’opportunità della ricerca comune di alternative al problema del traffico e a una distribuzione dei costi, per esempio, del centro di riciclaggio.

Le discussioni hanno però sempre degli aspetti anche positivi: dopo la Venosta, Merano e Bolzano, l’acqua ha finalmente acquistato, anche qui dove sembrava essere "purissima" e inesauribile, un ruolo centrale nell’interesse collettivo.

Tempestiva quindi la decisione della Commissione ambiente di Brunico che, dopo quello dell’energia e dell’alimentazione, dedicherà il prossimo anno all’approfondimento del tema acqua.

E’ una scelta che condividiamo pienamente.

Sarà un’occasione per impegnare l’Amministrazione comunale ma anche le scuole e i singoli cittadini in una riflessione ampia e approfondita e per mettere in cantiere decisioni che appaiono improrogabili.

Nella gestione dell’acqua non partiamo da zero, l’Azienda elettrica (ora Publiservizi) ha fatto molto in questi anni per sostituire canalizzazioni, per eliminare le perdite o per destinare a usi industriali l’acqua pompata dai pozzi artesiani. Mi sembra però arrivato il momento di fare dei passi più coraggiosi in direzione dell’uso meno illogico dell’acqua che appare sprecata se scaricata nel water, se utilizzata per innaffiare i fiori del giardino o per lavare l’automobile. Sembra un’osservazione scontata ma per questi scopi utilizziamo decine di litri d’acqua potabile a persona e al giorno.

Per queste "attività" si può utilizzare l’acqua piovana, raccogliendola e filtrandola adeguatamente.

La tecnologia è già matura e a disposizione. Se ne potrebbe prevederne l’installazione standard nelle nuove costruzioni, come si prevedono già ora sistemi di sicurezza elettrica o idraulica e favorirne l’installazione negli edifici già esistenti.

Dopo l’impegno profuso con successo per incentivare il risparmio energetico, la nuova scommessa potrebbe essere quella di impegnarci in un convinto risparmio dell’acqua potabile.

Qualche anno fa parlare di case isolate in modo diverso, di teleriscaldamento esteso a tutta la città provocava espressioni scettiche come di fronte a un sogno irrealizzabile; parlare di sistemi diffusi di recupero e riuso dell’acqua piovana susciterà all’inizio i soliti sorrisini.

Una cosa è certa. Di fronte al ritiro dei ghiacciai, i nostri attuali bacini d’acqua potabile, di fronte a un diffuso inquinamento del terreno, l’unica alternativa alle prospettive di carenza d’acqua potabile è una sua gestione precoce, oculata e sostenibile.

Franco Nones, consigliere comunale dei verdi


UMWELT

Müllprobleme der Gemeinde Bruneck

Groß wird in der Tageszeitung "Dolomiten" vom 9./10. November 2002 der neueste Schlag seitens der Gemeinde gegen Müll-Sünder, die ihren Restmüll illegal an Sammelinseln für Wertstoffe ablagern, angekündigt: Eine Plakataktion, die mir angesichts der Ernsthaftigkeit der Lage etwas lächerlich erscheint. Die Adressaten der Slogans ["Müll trennen ist kinderleicht. Deshalb gleich richtig sammeln, statt im Dreck vergammeln! / È un gioco da bambini: separando i rifiuto ogni giorno ti levi le immondizie di torno!] scheinen eher Kinder als ignorante Bürger zu sein, die ihren Müll neben Wertstoffinseln -oder noch schlimmer, einfach im Gebüsch entlang der Gehwege- ablegen. Dabei ist, meiner Meinung, nach heute jedes Schulkind mehr für Umweltpolitik sensibilisiert als mancher Erwachse.

Meine Vorschläge zur Lösung diese Problems, das mir sehr am Herzen liegt: Grundsätzlich sollte man gegen Müllsünder/Innen1 härter vorgehen: Solange dieses "Kavaliersdelikt" geduldet wird und der Täter nicht in die eigene Geldtasche greifen muss, wird es zu viele schwarze Schafe geben. Doch auch ein paar generelle Kritikpunkte am Trennsystem der Gemeinde seien mir erlaubt:

Erstens sind die Sammelinseln für Wertstoffe (in meinem persönlichem Vergleich zu Innsbrucker Sammelinseln) ein bisschen dürftig ausgestattet: Container für Plastik und Karton gibt es an den Brunecker Sammelinseln meines Wissens nicht. Wohl aber hat die Gemeinde Lorenzen beispielsweise auch eine Kartonsammelstelle (am Parkplatz bei der Markthalle). Nun mag man sagen, dass die Brunecker dafür ja einen neuen, "gut sortierten" und mit dem Auto bequem zu erreichenden (und sogar "befahrbaren") Recyclinghof haben, was sich bei genauerem Nachdenken aber nicht unbedingt von Vorteil erweist: Da die innerstädtischen Sammelinseln nur für wenige Wertstoffe vorgesehen sind, muss der konsequente Mülltrenner (wenn schon, denn schon) seine Wertstoffe im Recyclinghof abgeben, der dies Unterfangen durch bestimmte Öffnungszeiten etwas einschränkt. Außerdem ist man dazu fast auf ein Auto angewiesen, wenn man nun mal größere Mengen an Wertstoffen getrennt hat. Was ist aber beispielsweise mit älteren Leuten, die kein Auto mehr fahren, oder mit denen, die ihr Auto, sooft es geht, stehen lassen wollen?

Ich denke jedenfalls, dass es zur Lösung dieses Problems pragmatischerer Aktionen als einer Plakataktion bedarf.

Verena Palfrader


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Stellungnahme zur Studie zum Ausbau der Pustertaler Straße

Die Studie zur Pustertaler Straße (Kauer/Gretzer/Seehauser) enthält insgesamt recht vage und vieldeutig interpretierbare Formulierungen. Sie enthält allerdings die klare Aussage, dass bei anhaltendem Wachstum des Straßenverkehrs auch eine ausgebaute Straße in wenigen Jahren an die Kapazitätsgrenze stoßen würde und deshalb Maßnahmen zur Eingrenzung dieses Verkehrswachstums dringend notwendig sind. Verschwiegen wird, dass die künftige Verkehrszunahme ganz wesentlich davon abhängt, wie großzügig die Straße ausgebaut wird.

Zur gesamten Problematik halten wir folgendes fest:

Investitionen in den öffentlichen Verkehr sind nicht als "begleitende Maßnahmen" zum Straßenausbau zu sehen, sondern müssen den Kern einer umfassenden Verkehrspolitik bilden.

Die Plattform Pro Pustertal stimmt deshalb keinem Straßenausbau zu, bevor klare Entscheidungen zur Entwicklung des öffentlichen Verkehrs getroffen sind. Ein detailliertes Programm für Investitionen in den Schienenweg und die Bahnhöfe sowie für die Entwicklung des Personen- und Güterverkehrs auf der Bahn und des regionalen und lokalen Busverkehrs ist auszuarbeiten, zu genehmigen und zu finanzieren. Der öffentliche Verkehr kann schwerlich eine entscheidende Rolle einnehmen, solange praktisch nur in Straßen investiert wird.

Die Studie sagt klar aus, dass keine Neutrassierung der Straße notwendig ist, auch weil dadurch keine nennenswerte Kapazitätssteigerung zu erzielen ist. Es wird deshalb empfohlen, nur Ortsumfahrungen zu verwirklichen und die Straße auf einen einheitlichen Standard zu bringen, wobei die Fahrbahnbreite 7,5 m betragen soll. Wir stellen dazu fest, das keine der bisher verwirklichten Umfahrungen (Bruneck, Mühlbach, Welsberg) diesen Vorgaben entspricht. Wir fordern die Landesregierung auf, definitiv festzuschreiben und durchzusetzen, dass eine Fahrbahnbreite von 7,5 m bei keiner Ausbaumaßnahme überschritten wird und dass keine Umfahrung mehr verwirklicht wird, die in Wirklichkeit eine kilometerlange Neutrassierung ist. Die strikte Festlegung von Kurvenradien und Maximalsteigungen lehnen wir für die Pustertaler Straße ab, die Trasse soll sich weiterhin dem Gelände anpassen.

Eine nähere Analyse des Straßenabschnittes Mühlbach-Bruneck ergibt, dass die Problemstellen entlang der Trasse sehr begrenzt sind: Niedervintl , Obervintl, Gisse, Kiens und die Kreuzung ins Gadertal. In keinem dieser Fälle ist der problematische Abschnitt mehr als ein paar hundert Meter lang. Es gilt daher, der jeweiligen Situation angemessene, minimale Lösungen zu finden. Für einen allfälligen Ideenwettbewerb zum Straßenausbau sollte deshalb klar formuliert werden, dass die Aufgabe darin besteht, diese Problemsituationen zu beheben im Sinne einer Entlastung der Bevölkerung und Erhöhung der Verkehrssicherheit bei minimalem Aufwand, bzw. landschaftlichem Eingriff.

Auch im Lichte des zur Verabschiedung stehenden Landestransportplans fordern wir die Landesregierung auf, für das Pustertal ein umfassendes Mobilitätskonzept zu definieren, das vorrangig auf die Förderung der talverträglichen Bewegungsformen setzt, klare Vorgaben für die  Struktur- und Raumordnungspolitik macht und für alle vorgesehenen Infrastrukturmaßnahmen eine umfassende Raumverträglichkeitsprüfung vorsieht.

Christine Baumgartner
Sprecherin der PPP


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Bahnabbau auch in Südtirol beängstigend

Ich war gestern in Sillian in Osttirol auf einer Pressekonferenz wegen der Zugverbindung "Lienz - Innsbruck - Lienz". Auf meiner Anreise mit der Bahn machte mein Zug auch in Niederdorf halt. Was es dort zu sehen gibt, ist eigentlich ein Skandal ersten Ranges.

Am Bahnhof Niederdorf wurden ALLE Gleisanlagen abgerissen. Es liegt nur noch ein einziges Gleis. Nachdem die Pustertalbahn eingleisig ist, können dort keine Zugkreuzungen mehr stattfinden. Sollte irgendwann in der Zukunft jemand auf die Idee kommen, mehr Güter auf dieser Bahn befördern zu lassen, kann es Probleme geben, wenn die Kreuzungsgleise fehlen: Abbau von Kreuzungsgleisen führt zu einer Verminderung der Streckenkapazität speziell bei eingleisigen Strecken. Und dieser Skandal ist nur die Spitze eines Eisberges: Denn wenn man in Niederdorf am Bahnhof in einem Zug sitzt, der Richtung Franzensfeste fährt und zur linken Seite aus dem Fenster schaut, sieht man ein großes Straßenbaustellenloch, an dem gerade gearbeitet wird. Ich nehme mal an, das soll eine weitere (überdimensionierte) Ortsumfahrung werden.

Um Millionen von Euro baut man eine neue Straße, und direkt daneben am Bahnhof wurden vorsorglich bereits sämtlich Gleisanlagen abgerissen..

Es wäre ein Skandal höchsten Ausmaßes, wenn die FS plötzlich und unerwartet die Gütergleisanlagen in Franzensfeste oder Innichen abreißen würde, nur weil die Bahnhöfe zur Zeit im Güterverkehr geschlossen sind. Solche Dinge sind in Deutschland längst an der Tagesordnung (siehe Güterbahnhof Rosenheim).

Mir soll nur ja kein politisch Verantwortlicher sagen, dass es in Italien ernsthafte Überlegungen gibt, den Straßengüterverkehr teilweise auf die Schiene zu verlagern. Jede dies bezüglichen Aussage ist angesichts der geschilderten Fakten Lug und Trug! Es ist höchst an der Zeit, dass der sich nun auch in Südtirol anbahnende Gleisabbau sofort und umgehend ein Ende findet. Italien ist zwar flächenmäßig ca. 3,5 mal so groß wie Österreich, verfügt aber bereits jetzt im Wagenlandungsverkehr um ca. 100 Güterverladestellen weniger als Österreich. Nachdem in Südtirol jetzt Wahlkampf ist, kann man die PolitikerInnen ja einmal fragen, wie sie der aufgezeigten Problematik gegensteuern wollen, und zwar ganz KONKRET, auf den BESTEHENDEN Bahnstrecken.

Ein allgemeines Geschwafel zum Brennerbasistunnel wirkt angesichts dieser Fakten doch mehr als lächerlich. Für wie dumm will uns die "Politik" eigentlich verkaufen?

Mit freundlichen Grüßen

Martin Teißl
Tiroler Landessprecher von Fahrgast Österreich

am 27.11.02


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Bruneck - Lienz

Die Städtepartnerschaftliche Zweckgemeinschaft einigt sich und gibt die wichtige Meldung bekannt: Eröffnung des Adventmarktes am 29. November. - siehe PZ- Beilage.

Ein Vorschlag: Um trotz vorweihnachtlicher Hektik einen Ruhepol zu ermöglichen, möge Bruneck dem Lienzner Bahnhof einige Sitzbänke leihen da dort bei Zuganschluss Wartezeiten von bis zu einer Stunde die einzige vorhandene Bank nicht ausreicht!

Bevor dann der letzte Zug nach Bruneck eingestellt wird, sollten die Sitzbänke wieder zurückgeschickt werden.

Auf diesen Bänken könnten wir dann sinnieren:

Über Anregungen zur Schlosssanierung in Bruneck.

Über den Verlust des gewohnten Orts- und Landschaftsbildes.

Über eine Gegenüberstellung der Akustik der Stadtsäle in Bruneck und Lienz.

Über die Revitalisierung der Bahnhöfe, deren Abriss und den Verwendungszweck.

Über all die Lügen, die den Leuten rund um Bahn und Straßen straflos erzählt werden.

Warum Bruneck eine Umfahrungsstraße hat und eine zweite baut, während Lienz nicht einmal eine plant?

Sowie über vieles andere .....

Zurück zur Realität: Sand in Taufers beginnt bereits am 23. November mit dem vorweihnachtlichem Treiben, mit „Akzep-Tanz" und dem Frequenz- Bringer- Motto: ... „und Kinderaugen leuchten – mit Schönwettergarantie!"

Vielleicht finde ich am dortigen Weihnachtsmarkt mein Weihnachtsgeschenk: Bessere Zugverbindungen zwischen Lienz und Bruneck.

Heinz Zelger


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Gefährliche Stelle für Radfahrer, ältere Leute und Fußgänger mit Kinderwägen.

Wieder einmal möchte ich auf eine nicht ganz ungefährliche Stelle aufmerksam machen. Wenn man Richtung Sand in Taufers fährt, vor dem Bahnübergang beim Hotel Andreas Hofer, wurden kürzlich die Grabungen für die Fernheizung abgeschlossen. Beim Zuschütten hat man aber nicht an die Fußgänger und Radfahrer gedacht. Ich wünschte mir schon, dass einmal einige Damen oder Herren der Brunecker Stadtpolizei mit dem Fahrrad Richtung Taufererstraße fahren und in der Praxis einen Lokalaugenschein machen. Der Zebrastreifen vor dem Bahnübergang ist eine erhebliche Gefahrenquelle. Er ist zwar gut beleuchtet und die Hinweisschilder sind ausreichend. Man sollte aber versuchen, den Zebrastreifen zu überqueren, und zwar von der Defreggerstraße kommend auf die andere Seite. Sie würden feststellen, dass das ziemlich gefährlich ist. Der Bordsstein des Gehsteiges nämlich ist auf der anderen Seite sehr erhöht. Ich überquere also die Straße und die herannahenden Autos aus Richtung Stadtzentrum sehen mich ja schon von Weitem, die anderen aber, die vom Tauferer Ahmtal kommen, sehen mich später, also beeile ich mich und komme aber, beispielsweise mit einem Kinderwagen oder Fahrrad nicht so schnell über diese Erhöhung. Wenn der Autofahrer allerdings nicht weiß, bzw. rechtzeitig sieht, dass ich hier Probleme beim Überqueren habe, so verlangsamt er sicher nicht, also... Und da möchte ich schon mal gerne einen Ordnungshüter in dieser Situation sehen, wo er sich von zwei Seiten herankommenden Autos gegenübersieht und jetzt noch dieses Hindernis nehmen muss.

Ich kann mich nur wiederholen, es wird immer wieder gesagt, man solle das liebe Auto zu Hause lassen, man solle sich zusammenschließen und nicht jeder einzeln die Einkäufe machen usw. Das fällt aber schwer, wenn man sich bei Sicherheitsfragen im Stich gelassen fühlt und immer der Autofahrer sein Recht behaupten kann.

Ich möchte nicht immer nur klagen, es wird schon einiges für die Radfahrer und (auch ältere!) Fußgänger getan, aber halt immer noch zu wenig!

Claudia Zenleser


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Ideenwettbewerb für die unterpustertaler Straße?

Man sollte endlich den Versuch unterlassen, den Leuten zu suggerieren, dass sich die Pusterer als Freunde oder Feinde „der Wirtschaft" auseinanderdividieren lassen und dass es da Kräfte gäbe, die sich auch einem moderaten Ausbau unserer Straße widersetzen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie man die Zukunft unseres Tales gestalten will. Die häufigen Forderungen eines Teiles unserer Wirtschaft nach Priorität für den Straßenausbau sind deshalb sinnlos, rennen offene Türen ein und werden durch die innerhalb weniger Tage wiederholte Veröffentlichung von identischen Artikeln mitsamt Fotos (siehe Dolomiten, vom 21.10.02-Pustertal), nicht berechtigter und sinnvoller! Es sei denn, man führt ganz anderes im Schilde. Diesen Verdacht nährt neben der nur widerwillig und nur vorläufig zu den Akten gelegten, aber durchaus nicht aufgegebenen Neutrassierungsabsicht auch die Ankündigung eines so genannten Ausbau-Ideenwettbewerbs, der die Thematik- man verzeihe diesen Eindruck- lediglich bis zur Zeit nach den Wahlen dehnen soll. Wenn diese Hürde einmal genommen sein wird, dürften wir vermutlich Bekanntschaft mit der „Katze aus dem Sack" machen. Für einen schonenden (- die Menschen und die Landschaft!) Ausbau braucht man jedenfalls keinen Ideenwettbewerb; dafür gibt es im Tal einen breiten Konsens und man würde besser heute als morgen damit beginnen! Zur Klarheit: unter „moderat" (Straßenkat.5) versteht man eine Fahrbahnbreite von 7 bis 8 Meter, d.h. die bestehende Straße würde streckenweise um bis zu einen halben Meter pro Fahrtrichtung verbreitert, könnte auf der derzeitigen Trasse bleiben und würde bei notwendigen Begradigungen, bzw. Entschärfungen der ärgsten Kurven, sowie kleinräumigen Ortsumfahrungen unseren Bedürfnissen gerecht. Parallel dazu und gleichzeitig müsste man natürlich für einen oft beschriebenen, aber offenbar nicht angestrebten, funktionierenden und zeitgemäßen S-Bahn Service sorgen- mit einer den U-Bahnen in den städtischen Ballungsräumen vergleichbaren Akzeptanz! Niemand kann uns etwas anderes vorschreiben; die Entscheidung liegt ausschließlich bei unserer Landesregierung! Diese hat die Pflicht, die Bürger sofort zu informieren und nicht auf Zeit zu spielen, während man in Wirklichkeit eifrig an der Vollendung der E66 weiter plant- und baut! Darauf deutet die nach Mühlbach und Bruneck nun auch an der Umfahrung in Welsberg gemessene Fahrbahnbreite von sage und schreibe 9,5 Metern hin! Dabei hantiert man mit Verkehrszählungen, die angeblich belegen, dass im Unterpustertal mindestens das doppelte Verkehrsaufkommen des Oberpustertales vorliegt. Schwer zu glauben, dass man beim so genannten Unterpustertal- Ideenwettbewerb eine 7 Meter-Fahrbahnbreite anstrebt! Zudem redet man sich jetzt darauf heraus, dass man bei den so genannten Umfahrungen alte ANAS- Projekte realisiere; das bedeutet aber, dass man deren Maße schon längst kennen müsste, diese Informationen der Bevölkerung aber vorenthalten hat! Abgesehen davon, dass die Straßen schon eine Weile beim Land sind! Die Strategie der vollendeten Tatsachen mag zwar der einfachste Weg sein, ist zugleich aber auch der verantwortungsloseste der eigenen Bevölkerung gegenüber, die man durch die bewusste Degradierung des Pustertales zum Transittal völlig unter Wert verschachert! Die Gesundschrumpfung (Privatisierung) der Trenitalia kann doch nicht rechtfertigen, dass wir sehenden Auges ( Zustand der Bahnhöfe, Entfernung oder Stilllegung von Geleisen, Streichung von Verbindungen....) dem Verlust der Option auf die Verlegung der Schwertransporte auf die Schiene, sowie auf eine moderne S-Bahn, tatenlos zusehen!? Das würde den Verzicht auf das einzige Mittel zur Erhaltung eines lebenswerten Tales bedeuten! Das Eisack- und Wipptal sollten uns eigentlich Abschreckung genug sein! Sollte sich der ungute Eindruck bestätigen, dass man weiterhin Lobbyismus für einige wenige betreiben möchte und nach wie vor auf die Wünsche der Bevölkerung nicht eingehen will, werden wir die Mittel finden, damit diese noch klarer artikuliert werden können; ob vor oder bei den nächsten Wahlen!

PS Wo die verantwortungslosesten Politiker sind ist am meisten Verkehr!

Walter Harpf SVP- Gemeinderat Bruneck, Mitglied der Plattform Pro Pustertal - PPP

Bruneck, am 22.10.02


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offener brief an ferdinand willeit.

so nicht herr willeit! mir reicht's mit ihrer firmenpolitik. die ständigen gegenverkerhsbereiche auf der A22 bin ich leid, da trotz der behinderungen der volle mautpreis zu entrichten ist. wenn wenigstens gearbeitet würde! So wie gestern - monatg 21.10.02, 22.00 uhr - ich war unterwegs von bozen süd bis nach brixen. ein gegenverkehrsbereich nach dem anderen und nirgends ein arbeiter! hinzu kommen noch die zahlreichen LKW's die überholen trotz verbot. es ist zum ärgern und eine "verarschung" hoch drei dem dienstleistungsnehmer gegen über. als wenn dem nicht genug wär', wurde zur besagten zeit nach der mautstelle brixen der kreisverkehr geteert. Die strasse ins pustertal war blockiert, und so musste ich nach brixen runter um über schabs ins pustertal zu gelangen. warum war das nicht in bozen bei der auffahrt gekenntzeichnet? ich wäre so in klausen runter gefahren und hätte mir unnötige kilometer erspart! nehmen sie alle ihre kunden so ernst?

wahrscheinlich sind die hiesigen kunden ihnen eh wurscht, hauptsache  der transit bringt den rubel. mit unfreundlichen grüssen,

armin mutschlechner, mühlbach


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Pakt für die Zukunft, Kufstein, 16.11.02

Einladung für diejenigen, die nicht so wie die Inntaler schon jetzt jeden Tag so gut wie überrollt werden, aber bald so weit sein werden.

Gurgiser: Seit 15 Jahren kämpfen einige wie ich gegen diesen Wahnsinn, der sich auf unseren Autobahnen abspielt. Jeder von euch weiß, dass wir im Alpenraum wenig besiedelbare und bewirtschaftbare Fläche haben: Jeder von uns muss sich irgendwo einschränken, egal ob im Haushalt, im Betrieb oder sonst wo. Nur auf der Autobahn möchten sie unbegrenzte Freiheit; diese gibt es aber nicht-  und sie wir es nie geben, weil unsere Täler nicht breiter werden, wenn wir immer mehr zubetonieren. 

Deshalb die Grundsatzentscheidung: Es geht nicht darum, dass man den Transit aussperrt, aber er muss sich unterordnen! Die Rahmenbedingungen, die wir brauchen, müssen den Menschen und seinen Lebens- und Wirtschaftsraum in den Mittelpunkt stellen!

Dazu hat man vor Jahren, im Mai 1992 den Transitvertrag mit der Gemeinschaft geschlossen. Den hätte es ohne den Tiroler Widerstand ohnehin nicht gegeben. Die zwei Faktoren: die technische Verbesserung der Fahrzeuge und die Begrenzung der Fahrzeuge, damit nicht durch eine ständige dramatische Steigerung der technische Fortschritt aufgehoben wird.

Jetzt können wir schauen, was dabei herausgekommen ist: Aus einer Reduktion in der Zielsetzung von minus 60% haben wir einen Zuwachs um 18%. Man hat uns vorgeworfen, wir könnten nicht rechnen; allerdings ist die Quelle der EU-Kommissionsbericht! Diese Fakten stimmen natürlich, da brauchen wir nicht darüber reden, von diesen ganzen Streitereien, von einem Vertrag, den 15 Regierungen und 15 Parlamente abgeschlossen haben!

Es geht hier nicht um einen „ Streit " zwischen Tirol und dem Rest der EG, sondern darum, dass 15 Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.  Verträge sind zum Halten und nicht zum Brechen da. 

Ich brauche euch nicht erklären, dass wir in  unseren Tälern mit besonderen Voraussetzungen leben müssen. Man sieht auch ganz genau, warum die Schadstoffreduktion nicht greifen konnte, aufgrund der Zunahme der Transitfahrten. Sie haben legal zugenommen, weil man schon im Transitvertrag und genauso im Beitrittsvertrag gefälschte Basisdaten hineingeschrieben hat! Diese Daten waren um 50% zu hoch und ich sage dazu auch, nur zur Erinnerung, dass wir das schon 1991 in einem Tiroler „Sonderlandtag Transit" jedem einzelnen Abgeordneten diesen Betrug auf den Tisch gelegt haben; sie haben sich trotzdem dafür ausgesprochen. Das zeigt uns allen, dass der Verrat immer im  eigenen Land anfängt . Nicht umsonst hat schon der Wallnöfer gesagt: "Sucht's die Verräter nicht immer in Wien, sucht sie im eigenen Land".  

Bis vor zwei, drei Jahren haben wir es durch unseren ständigen Druck auf die Kommission noch etwas begrenzt.  Jetzt  will man den letzten Hebel,  die mengemäßige Begrenzung "killen". Das ist die Strategie: zuerst zu hohe Fahrten zulassen und dann die Begrenzung weg. Nicht mir uns.

Man sieht auch , wie die Politik funktioniert: Zuerst verspricht man viel, dann wiederruft man dies,  und dann das  usw..  Unser letzter Hebel ist die mengenmäßige Begrenzung der Transitfahrten. Wenn wir die nicht mehr haben, ist freie Fahrt; da dürfen wir uns keine Illusion machen.

Jedenfalls sei denjenigen, die immer behaupten, dass wir der Wirtschaft große Schäden machen, gesagt: Nicht wir richten die Schäden an, sondern diejenigen, die keinerlei Rücksichten auf die Bedingungen in diesen Tälern nehmen.

Man sieht auch, was aus anderen Instrumenten geworden ist: Über die Kostenwahrheit hat schon Rudolf Streicher 1989 geredet. Tatsächlich ist der Brennertransit seither um 60% billiger geworden! Es braucht sich also kein Mensch zu wundern, warum alle auf der Straße, und nicht auf der Eisenbahn fahren. Wenn ich Fuhrunternehmer bin, fahre ich halt auch auf der Autobahn, dort bezahle ich einen 1000 er (ÖS) an Maut, wenn ich mit der ROLA fahre kostet  sie 6000  (3500 subventioniert der Steuerzahler und den Rest der Transporteur) und ich muss mich drei Tage vorher anmelden!

Und deshalb diese dramatische Zunahme; mittlerweile sind wir schon auf 27 Millionen Tonnen, aber das ist eh schon wurscht und nicht das Entscheidende. Auf der Eisenbahn haben wir eine lächerliche Zunahme, obwohl 10 Mrd, Schilling investiert wurden; in die Strecke Kufstein-Brenner. Man hat es also geschafft, Unsummen von öffentlichen Geldern zu verwenden, ohne dass auch nur ein einzelner LKW, ich wiederhole, nicht einer von der Straße auf die Schiene verlagert wurde! Jetzt reden sie uns ein sie bräuchten die Unterinntaltrasse, die natürlich erst in 8 Jahren in Betrieb geht! Und dann sollten wir verlagern! Schwer zu sagen, ob man da lachen oder weinen sollte. Ich sage: Mit Baustellen beschäftigen wir uns nicht mehr! Auch nicht mit dem Brennerbasistunnel! Weil wir jetzt bereits 20 % über den ohnehin hohen EG-Gesundheitsgrenzwerten liegen.

Jetzt liegt ein  Kommissionsvorschlag auf dem Tisch - ausgerechnet im heurigen internationalen Jahr der Berge : kein Problem, in den nächsten fünf-sechs Jahren den Schwerverkehr auf der Straße durch Österreich zu verdoppeln , wenn man diesen Schmarrn umsetzt !

Ganz besonders wichtig für unsere Freunde aus Südtirol und Bayern: Was durch Österreich fährt, geht natürlich auch über die Zulaufstrecken: Von Verona zum Brenner und weiter nach Bayern. Deshalb auch unser Wunsch, jetzt intensiv eine Zusammenarbeit aufzubauen, auf Basis der Transiterklärung, damit wir endlich von diesen unseligen Diskussionen wegkommen, dass es sich hierbei um ein Problem des Tiroler Unterinntales handelt. Wir haben ein Alpenproblem, ein Kernproblem unseres ureigensten Lebens- und Wirtschaftsraumes! Wir haben keine  Sekunde  Zeit  mehr  zu verlieren!  Egal, ob wir in Kufstein, in Vomp, in Brixen oder Klausen daheim sind. 

 Das Spiel mit den falschen Zahlen ist vorbei;  der Vertragsbruch ist abgepfiffen! Abgepfiffen, aus und Ende. Jetzt geht es ums Eingemachte, darum,  ob wir zulassen, dass unsere Betriebe zusperren müssen, damit auf der Autobahn mehr Müll herumgefahren werden kann. Mehr Abfall auf der Autobahn und daneben weniger Arbeitsplätze!  Und ich bitte euch um Verständnis, dass ich zornig bin .

Als ich vor einigen Wochen in Kundl mit mehreren hundert Fernfahrern zusammentraf, sah ich, dass man die Leute derart aufhetzt, dass einige von ihnen forderten, man solle doch endlich die Leute entlang der Autobahn enteignen! Ich habe auf den Tisch geschlagen, dass es den anwesenden Umweltlandesrat fast umgehauen hat , der die Tragweite  dieser  Aussagen gar nicht überrissen hatte.  

Ich sagte: Wenn in Tirol eine solche Diskussion beginnt, dann dürften sie sich nicht wundern, wenn es für manche aus ist mit gewaltfrei. Wenn für manche plötzlich Endstation ist. Nur damit der Müll zehnmal am Tag hin und her gefahren werden kann , sollen wir "enteignet" werden, unsere Kinder zum Teufel gejagt werden?  Aus ihrer Heimat in den Bergen?

Das muss man sich vor Augen führen: Müll ist  "ökopunktebefreit, im Gegensatz zur Milch! Grüß Gott, sage ich da nur. So schaut es aus; das haben  sie sich also  ausgemacht!  

Wir wissen was auf uns zukommt: es gibt keine Lärm- und Schadstoffentlastung ; mittel- und lanfristig Ende  für Tourismus  und Landwirtschaft; die Betriebe werden in Zukunft aus- statt angesiedelt! Wenn  Sie bei uns mit einem Gewerbereferenten reden, um etwa einen Betrieb zu erweitern, weiß dieser schon gar nicht mehr, was er sagen sollte, da wir bereits um 20% über den EU-Gesundheitswerten liegen; das ist unser größtes Problem. Weiters bedeutet das natürlich das Aus für die Schiene, Erhöhung des Drucks auf Erweiterung der Autobahn, ein Sicherheitsproblem für alle Verkehrsteilnehmen, aber das ist ihnen eh egal.

Aus diesen Gründen heraus haben wir als Arbeitsgrundlage eine Transiterklärung schon vor einem Jahr in Angriff genommen, bzw. überarbeitet und auf einen Stand gebracht, der  europarechtlich hält. Auf dieser Basis wollen wir jetzt den Druck erhöhen und dazu seid auch ihr alle eingeladen.

Im Rahmengebiet der Alpenkonvention sieht man was los ist. Es muss jedem von uns klar sein: wenn wir uns nicht wehren, die wir hier leben und arbeiten, werden unsere Kinder in zehn oder zwanzig Jahren keine Perspektive mehr haben, wenn es überhaupt noch solange dauert. Für diejenigen, die hier nur durchfahren oder auch kurz Urlaub in abgelegenen Tälchen machen, haben wir jedenfalls keinen Stellenwert.

Die Transiterklärung ist unser Standard werk, das jeder von uns kennen muss.

 Zu den Fernfahrern: bei den drei schweren Tunnelunfällen  (Mont Blanc, Tauern und Gotthard), und es gab noch andere,  waren die Fahrer Verursacher . Einer hatte weder ein Transitpapier noch sonst was und die Arbeitszeit um Stunden überzogen . Derjenige im Montblanctunnel hatte  zuviel  Promille und kein Mensch redet darüber, wer die eigentlich dazu treibt.  

Es ist  viel zu einfach , sich bei den Fahrern "abzuputzen" und  zu sagen, der Fahrer war besoffen und hätte gar nicht fahren dürfen. Das nützt nichts mehr. Man muss fragen, was das für ein  krankes System, das ist die Kernfrage. Wir müssen den Mut haben und sagen, dass  ist ein System, das die Leute in den Ruin treibt.  

Deshalb habe ich den Fahrern auch gesagt, sie sollten doch nicht so blöd sein, sich gegen die eigenen Leute aufhetzen zu lassen, da wir unterm Strich im selben Boot sitzen. Ob sie auf der Autobahn draufgehen und wir daneben vergiftet werden ist ghupft wie gsprungen. Wir müssen eine Allianz bilden; es gibt keinen Fernfahrer, der freiwillig 15, 20 oder 30 Stunden ununterbrochen fährt. Stellt euch vor mit einem Pkw auch nur 10 Stunden durchzufahren! Die fahren dreimal so lange und müssen sich aufputschen. Hier muss was getan werden , da müssen die Bedingungen für die Fahrer verbessert und fair gestaltet werden.

Bei der Osterweiterung muss im Laufe der Verhandlungen  solange vom Einspruchsrecht Gebrauch gemacht werden , bis die Verkehrsregelungen passen. Leider  schaut es da sogar in der eigenen österr. Politik sehr schlecht aus:

Zitate:  Der Grüne Van der Bellen sagt, dass „ die Erweiterung und der Brennertransit ja ganz was anderes  wären (als ob die Tschechen und Polen bei einem Beitritt dann den Brenner freiwillig meiden und nur "rund um Wien fahren werden").  Der rote „ Gusi"  hat gar gemeint, wir müssten „Straße und Schiene ausbauen , damit wir nicht vom Verkehr überrollt werden!" sowas habe ich in 15 Jahren noch nie gehört. Bei den Schwarzen ist die Sache eh klar: wenn es Probleme gibt, bauen die halt irgendwo ein Loch; im Unterinntal, am Brenner oder sonst wo. Hauptsache, die Mauwurfabteilungen der internationalen Baufirmen können wieder ein paar Milliarden vergraben. Ganz die Liebsten sind mir aber die „Blauen"! Da plakatiert doch tatsächlich  einer in Innsbruck: „Keine Erweiterung ohne Transitlösung!", während sein eigener Minister  (Mathias Reichhold) auf europäischer Ebene darum „kämpft", dass wir die Verdoppelung des Transitverkehrs kriegen! Dass so ein Trottel, man verzeihe mir den Ausdruck, bei Lunardi einen Zettel, wo drinsteht , dass es in Zukunft keine Beschränkung der Lkw-Transitfahrten mehr geben darf, unterschreibt,  und das dann noch als "Transit-Durchbruch" vermarkten will, erspare man mir zu kommentieren!"

Man sieht, in einem solchen Umfeld hat man es nicht leicht. Da  können  wir uns  nur behaupten , wenn wir Seite an Seite für unsere Heimat kämpfen!

 Deshalb ist es so wichtig, dass wir heute letztlich auseinander gehen und sagen: Wir kämpfen. Wir sind umzingelt von einer politischen Mafia, die das eigene Land am liebsten jeden Tag verraten und verkaufen würde! Verkaufen nehme ich zurück; sie verschenken es, da sie zu  dumm  sind, dafür etwas zu nehmen!

 Wenn man weiß welche Flotten an den Grenzen stehen, und zu welchen Bedingungen die fahren, können aus den erwarteten 200% Zunahme ohne weiteres 400% werden! Da gibt es keine Soziallasten, noch sonst was; da wird gefahren bis sie herausfallen, dann fährt der nächste weiter!

 Es ist also 5 nach zwölf. Auf der Wandprojektion könnt ihr nachschauen, wo ihr wohnt. Es sind alle Verkehrsströme eingezeichnet. Es geht jetzt nicht mehr darum, darüber zu befinden ob es für euch noch fünf vor oder schon fünf nach zwölf ist; es gehr darum, dass wir, bei denen der Zeiger schon weiter ist, noch härter auftreten und kämpfen werden und für diejenigen, bei denen der Zeiger noch nicht auf Zwölf steht, geht es darum, ob sie jetzt mittun, um diese Schäden zu verhindern, oder ob sie so lange warten, bis sie sich auch irgendwo hinstellen und sagen: jetzt ist es fünf nach zwölf, jetzt müssen auch wir was tun! Diese Entscheidung haben wir mit dem „Pakt für die Zukunft" heute vorbereitet: Wir starten heute eine gemeinsame Aktion über die nächsten Monate und Jahre, damit wir für alle das verhindern, was sich im Tiroler Inntal abspielt!

 Zum Schluss sage ich euch aus meiner Sicht noch eines: Ich erwarte, dass ihr den Weg mitgeht. Geht ihr nämlich nicht mit, bringt ihr mich in eine Situation, dass ich im Transitforum sagen muss: Wir konzentrieren uns halt nur mehr auf das Inntal und den Brenner und ihr habt den Verkehr! Das ist ganz klar. Ich habe das X-mal durchgedacht und gesagt: Wenn uns von Außen tatsächlich keiner mehr hilft und alle nur zuwarten bis sie auch überfahren werden, komme ich nicht mehr weiter und wir kommen nicht mehr weiter. Unsere Leute erwarten, dass wir diese Sache jetzt klären. Ihr solltet diese Chance nutzen, unsere Kraft mitnehmen, unser  das Know How mitnehmen und mit uns kämpfen!

Wenn wir das nicht tun, kriegt jeder von  euch  in seiner Region den Verkehr den er verdient, so wie er die Politiker hat, die er verdient! Unsere Leute sagen, überall „seid ihr gescheit"; in der Steiermark, in Oberösterreich, in Südtirol, aber bei uns werden wir überfahren! Da muss mich dann auch ich nach der Decke strecken!  Deshalb haben wir keine Alternative als noch mehr zusammenzurücken. Dazu reichen wir euch vom Transitforum und vom Österreichischen Alpenverein die Hand. Nehmt sie einfach.

Und ganz persönlich: ihr habt mir heute eine große Freude gemacht, dass ihr so zahlreich gekommen seid. Ich bin euch dafür persönlich dankbar, zu tiefstem Dank verpflichtet.

Fritz Gurgiser

Tonbandabschrift von Walter Harpf


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Payrdorfer Manifest

beschlossen im Rahmen der Vorstandssitzung vom 28. November 2002 im Fallmerayerhaus in Payrdorf/Brixen

Südtirol liegt an einer der meist befahrenen Transitrouten Europas.

Tag für Tag befahren im Durchschnitt 8.500 Lastkraftwagen die Brenner-Autobahn und befördern Jahr für Jahr rund 40 Millionen Tonnen an Gütern über diese zentrale europäische Transitroute, das sind fast 90 Tonnen pro Südtiroler. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass diese Menge sich bis 2015 noch einmal verdoppelt. Hinzu kommen durchschnittlich rund 20.000 Personenkraftwagen pro Tag.

Wir leben am Auspuff Europas.

Diese mörderische Fahrzeugschlange stößt Tausende Tonnen von giftigen Schadstoffen aus, erzeugt Lärm und vielfältige Gefahren und schädigt die Ökosysteme an den Transitrouten auf irreparable Weise. Der Alpenraum gehört zu den sensibelsten Öko-Systemen Europas, die Schadstoff- und Lärmbelastung hat auf Grund der landschaftlichen und ökologischen Voraussetzungen wesentlich schädlichere Auswirkungen als vergleichbare Verkehrsachsen im Flachland.

Ein großer Teil des Siedlungsgebietes unseres Landes liegt in einer lt. Aussage des zuständigen Landesamtes „lufthygienisch bedenklichen Zone", in der es immer wieder zu markanten Überschreitungen der Grenzwerte bei Schadstoffen und Lärmbelastung kommt. Es ist ausgeschlossen, dass die künftig auf EU-Ebenen vorgesehenen und wesentlich niedrigeren Grenzwerte bis zu deren Inkrafttreten im Jahr 2010 in Südtirol auch nur annäherungsweise erreicht werden können.

Transit tötet: Menschen sterben am Transit!

Es gibt eindeutige Erkenntnisse aus internationalen wissenschaftlichen Studien und auf der Grundlage von Messungen an den Transitrouten, dass die Gesundheit weiter Teile der Bevölkerung, die in unmittelbarer Nähe und auch in einiger Entfernung zu den Transitrouten lebt, durch die Auswirkungen des motorisierten Verkehrs stark gefährdet ist. Es ist davon auszugehen, dass an den Transitrouten erhöhte Mortalitäts- und Hospitalisierungsraten, sowie viele chronische Erkrankungen auftreten, die auf die Schadstoff- und Lärmbelastung zurückzuführen sind.

Rechnet man die Ergebnisse der Schweizer Studien auf Südtirol um, sterben Jahr für Jahr in unserem Land neben 80 bis 100 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr, zwischen 120 und 200 Menschen frühzeitig an den Folgen der Umweltbelastung durch den motorisierten Verkehr.

Dreckschleuder Nummer eins: der Schwerverkehr.

Es ist nachgewiesen, dass über 90% der für den Menschen und die Natur gefährlichsten Luftschadstoffe durch den Schwerverkehr erzeugt werden, der durch Steuermittel direkt und indirekt gefördert wird und der durch unsinnige Austauschprozesse und Subventionsleistungen erheblich gesteigert wird. Wir stellen die Behauptung auf, dass die transitgeplagten SüdtirolerInnen durch ihr Steuergeld die Zerstörung ihres Lebensraumes und die nachhaltige Schädigung ihrer Gesundheit teilweise selbst finanzieren.

Die alarmierenden Daten sind bekannt. Untätigkeit ist verantwortungslos!

Die politischen EntscheidungsträgerInnen auf Landes- und auf Staatsebene sind über die alarmierenden Messdaten und die Auswirkungen der Luft- und Lärmbelastung auf die an den Transitrouten lebenden Menschen informiert, geben die Informationen aber nicht weiter, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen und um zu verhindern, dass die betroffenen Bürger einschneidende Gegenmaßnahmen fordern.

Diese Haltung ist verantwortungslos und zynisch und zeugt von der mangelnden Sensibilität der politischen Entscheidungsträger gegenüber der Bevölkerung. Wir wollen nicht Panik schüren, aber die vorliegenden objektiven Daten und Erkenntnisse sind schockierend und lassen kein weiteres Hinauszögern mehr zu.

Die Bevölkerung muss sich wehren. Es ist Zeit zum Handeln.

Während engagierte Vorkämpfer wie Fritz Gurgiser und das Transitforum Austria/Tirol in Nordtirol schon seit Jahren für konkrete Maßnahmen kämpfen und dafür gesorgt haben, dass die Bevölkerung sich der Gefahren des exorbitant wachsenden Transitverkehrs bewusst ist, hat sich bisher in Südtirol wenig bis gar nichts getan, obwohl Umweltgruppen und engagierte Bürger immer wieder auf die bedrohliche Situation hingewiesen haben. Diese Zurückhaltung ist beschämend. Wenn wir uns als betroffene Bevölkerung nicht wehren, werden wir sprichwörtlich überrollt und müssen immer stärker unter den gesundheitsschädigenden Auswirkungen des Alpentransits leiden.

Der Brennerbasistunnel garantiert keine Lösung.

Die Situation wird angesichts bevorstehender Entscheidungen zum Bau des Brenner-Basistunnels noch dramatischer, da alles darauf hindeutet, dass es sich dabei im Sinne der transitgeplagten SüdtirolerInnen um eine gigantische Fehlplanung handelt, die auf Jahrzehnte hinaus alle Infrastrukturmittel binden wird.

Brenner-Basistunnel mit falschem Konzept. 

Die Verkehrsprobleme auf der Brennerachse verlangen nach kurzfristigen Maßnahmen, die umgehend greifen. Die Bahnlinie bietet heute schon ungenutzte Kapazitäten, die durch organisatorische Eingriffe noch gesteigert werden können. Der Verweis auf den Brenner-Basistunnel darf nicht länger als Vorwand für die heutige Untätigkeit dienen. Es ist aber auch klar, dass die erhöhte Lärmbelastung durch den steigenden Zugverkehr der Bevölkerung an den Transitrouten nicht mehr länger zugemutet werden kann.

Die bisher vorgelegten Projekte zum Brenner-Basistunnel und zu seinen Zulaufstrecken bieten keinerlei Garantie dafür, dass dieses Großprojekt die Verkehrsprobleme entlang der Brennerachse auch tatsächlich lösen kann. Die Planungsgruppe geht offensichtlich davon aus, dass man nur den bis zur Inbetriebnahme des Basistunnels entstehenden Güterzuwachs auf die Bahn verlagern können wird, während der Güterverkehr auf der Autobahn auch nach Bau des Basistunnels nicht abnehmen wird.

Wenn nun also Milliarden Euro in ein Großprojekt gesteckt werden sollen, das in vielerlei Hinsicht problematisch ist, muss vorher ein organisatorisches, logistisches und normatives Konzept vorgelegt werden, das mit Inbetriebnahme der neuen Brennerbahn die vollständige Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene garantiert. Die Infrastrukturentscheidungen sind von diesem Konzept abzuleiten, nicht umgekehrt. Ansonsten ist ein derartiges Vorhaben weder verkehrs- und umweltpolitisch noch finanziell vertretbar.

Darüber hinaus müssen die enormen Belastungen in der Bauphase einer gesonderten Betrachtung unterzogen werden.

Generell sind die mit dem Schienengüterverkehr zusammenhängenden Probleme heute vorwiegend organisatorischer, politischer und finanzieller Natur. Es ist nicht glaubwürdig, neue Großinfrastrukturen zu versprechen, während man offensichtlich außer Stande ist, das heutige Potenzial des Schienennetzes zu nützen.

Wir müssen folglich davon ausgehen, dass bei Beibehaltung des aktuellen Brenner-Basistunnel-Konzepts die sehr häufig die Grenzwerte überschreitende Schadstoffbelastung an den Brenner-Transitrouten nicht einschneidend reduziert werden kann und dass der Basistunnel in seiner aktuellen Konzeption lediglich ein prestigeträchtiges und profitables Mega-Vorhaben für Konzerne und Banken ist. Dies kann von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden.

Suche nach alternativen Konzepten.

Die Transitinitiative will im Einvernehmen mit möglichst allen Interessengruppen unmittelbar wirksame Maßnahmen vorschlagen und durchsetzen und mittelfristig alternative Ansätze und Lösungen unterstützen und zu einer breiten Diskussion verhelfen. Die Transitinitiative sieht einen visionären Ansatz in der Überlegung, europaweit Personen- und Gütertransporte zu entflechten und prioritär die Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Ein Tourismusland wie Südtirol kann es sich nicht leisten, dass das Land für Millionen von Reisenden nur ein schwarzes Loch ist.

Die Rolle der Transitinitiative Südtirol- Sudtirolo.

Die Transitinitiative versteht sich als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Interessengruppen und der Transit geplagten Bevölkerung und stellt sich auf deren Seite. Dabei wird ein konstruktives Vorgehen und der Dialog mit allen dazu bereiten Interessengruppen angestrebt und den berechtigten Interessen der regionalen Wirtschaft ein gebührender Stellenwert eingeräumt.

Die Transitinitiative will dazu beitragen, kurz-, mittel- und langfristige Lösungsansätze sowie Zukunftsvisionen aufzuzeigen, systematisch zu analysieren und in einen Zusammenhang zu bringen. Damit soll auch zur Entscheidungsfindung beigetragen werden.

Die Transitinitiative Südtirol - Sudtirolo ist sich der Bedeutung des Warenaustausches für die Wirtschaft und den Wohlstand der europäischen Bürger bewusst, will aber sicherstellen, dass die im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen Auswirkungen des Transitverkehrs in seiner heutigen Form einschneidend entschärft werden und dass die Lebensqualität an den Transitrouten entscheidend verbessert wird.

Markus Lobis, Sprecher, Brixen, Transitinitiative Südtirol Sudtirolo

Walther Dorfmann, Klausen - Sepp Kusstatscher, Villanders - Klauspeter Dissinger, Brixen - Dagmar Gnieser, Brixen - Konrad Stockner, Brixen - Elisabeth Ladinser, Eppan - Walter Harpf, Bruneck - Hanspeter Niederkofler, Bruneck


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Straßenmaße Pustertaler Straße

Nachdem die Fragen nach der Art des Ausbaues der Pustertaler Straße nach vier Monaten noch keiner Antwort würdig waren seien sie hiermit öffentlich gestellt. Vielleicht klärt man uns auf diese Weise darüber auf, womit uns die Betonierer beglücken möchten?

Bruneck, am 09.08.02

An den Bautenlandesrat D. Florian Mussner

Sehr geehrter Herr Landesrat!

Der erfreulichste Aspekt an der Vorstellung der Studie zur neuen Pustertaler Straße ist der, dass man ab jetzt die Öffentlichkeit in die Diskussionen über das „Wie" mit einzubeziehen gedenkt.

In diesem Sinne hätte ich als Gemeinderat, als Mitglied der Brunecker Verkehrskommission und als Mitglied der Plattform Pro Pustertal zwei Bitten an Sie:

A: Könnten sie mir bitte den aktuellen Stand der Pläne zur Studie zukommen lassen?

B: Könnten Sie mir so bald als möglich via E-mail einige Anschauungsbeispiele nennen für die Fahrbahnbreite von 7,5m + je 0,5m mit bzw. ohne die Kronenbreite von 10,5m?

Weiters würde mich interessieren, welche Kronenbreite bzw. Fahrbahnbreite die Südumfahrung von Bruneck, die Mühlbacher- und die Welsberger Umfahrung, die Straße zwischen der Grenze und Lienz , die MEBO, die im Bau befindliche Gadertaler Straße sowie die aktuelle Pustertaler Straße aufweisen.

Gibt es zwingende Vorgaben für die Wahl der Straßenbreite, aufgrund der verschiedenen Straßenkategorien (z.B. E-66)?

In Erwartung einer baldigen Antwort & mit freundlichen Grüßen:

Walter Harpf,
Bruneck


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Worte statt Taten?

Beschlussantrag L.Abg. Herbert Denicolò:

Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Warenverkehrs auf der Schiene im Pustertal

Das „Fahren mit der Bahn" muss eine spürbare Alternative zum hausgemachten auto-mobilen Verkehr werden, fordert L.Abg. Herbert Denicolò in einem dem Landtag zugeleiteten Beschlussantrag. Darin wird ein erklärtes Nein zur Alemagna genauso zum Ausdruck gebracht wie das Nein zum Bau einer Schnellstraße durch das grüne Tal. Was die Bahn betrifft, werden folgende Forderungen gestellt:

Bahnhöfe und dazugehöriges Areal müssen benützerfreundlich erschlossen, gestaltet und gewartet werden.

Der Busverkehr ist dem Schienenverkehr zuzuordnen, hat vor allem Zubringerdienst zu leisten und die peripheren Gemeinden zu versorgen.

Taktverkehr von fünf Uhr früh bis 24 Uhr sowie mehr direkte Verbindungen zwischen Innichen und Bozen.

Lienz ist in das Wertkartensystem Südtirols zu integrieren und deshalb die Bahnverbindung Innsbruck-Bruneck-Lienz-Klagenfurt über das Jahr 2002 hinaus zu sichern.

Die Bemühungen um einen kundenfreundlichen Bahnservice einschließlich Information, Lesbarkeit von Fahrplänen, Wertkartenverkauf, Pünktlichkeit, Zielgruppenbetreuung und Ernstnehmen von Beschwerden sind zu verstärken.

Die von einzelnen Gemeinden vorgelegten Nahverkehrskonzepte sind nachhaltig zu fördern und somit Verkehrslinien von Gemeinden unverzüglich und positiv zu bearbeiten.

Der Beschlussantrag wird von den SVP-Abgeordneten Walter Baumgartner, Seppl Lamprecht, Rosa Thaler, Richard Theiner, Roland Atz, Arthur Feichter, Martina Ladurner, Siegfreid Messner, Franz Pahl, Albert Pürgstaller, Martha Stocker und Hermann Thaler

Mit Dank für die Veröffentlichung, Bozen, 23.11.01

De Nicoló Hebert

Pressemitteilung vom 23.11.01