FORUM 07


BERGE

Bergrausch

Hier ruht Ignaz Sültzrather

überglücklich in seinem Werk

11° 57’ 23’’ ö.L., 46° 48’ 11’’ n.Br.

I

Auch diese geschichte, sagt er, ist jetzt beinahe aus der welt. Denn seit damals, am beginn dieses letzten jahrtausends, mit dem rinderwahnsinn das glück über die menschen gekommen ist, schauen wir mehr & mehr löcher in die geschichte hinein. Schon erlöst uns das vergessen von der vergangenheit, endlich dreht sich die erde in den taumel hinein. Und längst schwindelt uns, sagt er, vor dem abgrund nicht mehr.

II

2011, sagt er. Als die fremden, sagt er, weil allerorten immer mehr menschen sich endgültig in ihre betten gelegt hatten, um nicht stundenlang suchen zu müssen nach diesem sichersten ort, vielleicht von einem bein über den nächsten fuß stolpernd & stürzend dabei und sich so, auf der suche nach dem rettenden, den schädel einschlagend vielleicht, als die fremden auszubleiben begannen und, weil naturgemäß auch hierzulande das schifahren aufgrund des sich epidemisch ausbreitenden schwindelgefühls längst in unauflösbar verknotete verknäuelungen ausgeartet & entartet war, auch noch der winterliche fremdenverkehr kurz vor lichtmeß zum erliegen kam, beschlossen die bürgermeister der sogenannten kronplatzkommunen nach einem ebenso kurzen wie heftigen wortgefecht einstimmig, den kronplatz abzutragen und einzuebnen. So entstünde, geht das einige tage nach diesem durch händeschütteln gefaßten beschluß vom brunecker bürgermeister aufgeschriebene gedächtnisprotokoll ungefähr, mitten in den bergen ein gewaltiger platz, an welchem wunderbar wunderbar –

Bis dahin, sagt er, hätten die bürgermeister der kronplatzkommunen, damals, unter der sogenannten GLÜCKSGLOCKE, die seinerzeit als anfang & nabel eines modernen stonehenge gedacht gewesen war, welches aus einem glockenring, bestehend aus einem dutzend auf den berggipfeln rund um den kronplatz aufgestellter riesenglocken, und eben der GLÜCKSGLOCKE selbst als dem geläuteten mittelpunkt des glockenrings bestanden hätte, wenn letzterer jemals verwirklicht worden wäre, diesen gedanken gedacht. Wunderbar! Aber dann, sagt er, seien sie alle allem anschein nach plötzlich in ein glücksloch hinein; und bis heute, augenscheinlich, seien sie aus diesem nicht mehr heraus. – Bis auf einen, doch, der hätte das loch ausgesponnen; der sei ihrem letzten gedanken, später, öffentlich kreuz & quer hinterher.

Weil es könnte dann aber auch, habe der am karsamstag oder am ostersonntag nach dem wetterbericht mutig in die kamera argumentiert, der kalterer see, der ja längst schon zum bloßen auffangbecken der rinderwahnsinnigen glücksritter & bockskranken schwindler des überetsch verkommen sei, mit dem kronplatz zugeschüttet werden, womit unsereiner, so habe er immer wieder und von mal zu mal überzeugter sich ins zeug geredet, dann zwei fliegen auf einen schlag erschlüge. Zwei fliegen auf einen schlag! Wenn das nichts sei, dann sei nichts mehr! Weil wir müßten ja nicht das tapfere schneiderlein sein, weil märchen & lärchen seien ja nicht von dieser welt, da habe er höchstpersönlich nachgeholfen genug, so habe er sich seinen letzten gedanken von der seele und ins volk geredet. Am karsamstag oder am ostersonntag, nach dem wetterbericht; wenn hierzulande das ganze land österlich gleichgeschaltet ist.

Und so, sagt er, sei die geschichte nun in ihren lauf; einmal angestoßen, sei sie mit schaufeln & baggern voran. Ein riesenwerk, den ägyptischen pyramiden gleich, aber stunde um stunde sei der kronplatz mehr auf die erde herab. Was noch der kronplatz war, wurde mit allen mitteln zum platz. Und mit welcher begeisterung, sagt er, mit welcher euphorie! Als gälte es alle tiroler seelen zu retten für das himmelreich oder als grübe man sich mit jedem schaufeln tiefer in eine unendliche glückseligkeit hinein! Wie einmal auf dem heldenplatz, sagt er, oder bei den beatles, vielleicht. Aber hierzulande hielt der bergrausch über monate & monate an.

Der brunecker bürgermeister, also ignaz sültzrather höchstselbst, war zuerst mit schaufel & pickel an den berg. Und als dann die GLÜCKSGLOCKE scheppernd & dröhnend den kronplatz hinab war, alles zerschmetternd & niederwalzend, was ihr an pflanzen oder leuten im wege stand, riß er die arme in die höhe und baritonierte unsere landhymne hinaus. Und bald aus tausenden kehlen, einem ersten, sozusagen, südtirolerischen arbeiterchor, jodelte es den berg hoch hinauf und tief in die täler hinab.

Das Schönste auf der Welt ist mein Tirolerland,

mit seinen steilen Höhen, mit seiner Felsenwand.

Hollaria, hollaro, hollaria, hollaro, hoch droben auf der Alm.

Tirolerland, du bist so schön, so schön,

wer weiß, ob wir uns wiedersehn! Tirolerland, du bist .. etc.

Des Morgens in der Früh’ steig’ ich so hoch hinauf,

da geht so wunderschön die liebe Sonne auf.

Hollaria, hollaro, hollaria, hollaro, hoch droben auf der Alm.

Tirolerland, du bist so schön, so schön,

wer weiß, ob wir uns wiedersehn! Tirolerland, du bist .. etc.

Des Nachts, wenn alles schläft, nur ich allein bin wach,

dann steig ich auf die Alm hinauf und jag’ dem Gamsbock nach.

Hollaria, hollaro, hollaria, hollaro, hoch droben auf der Alm.

Tirolerland, du bist so schön, so schön,

wer weiß, ob wir uns wiedersehn! Tirolerland, du bist .. etc.

Den Schatz, den ich nicht mag, den seh’ ich alle Tag,

und der mein Herz erfreuet, der ist so weit, so weit.

Hollaria, hollaro, hollaria, hollaro, hoch droben auf der Alm.

Tirolerland, du bist so schön, so schön,

wer weiß, ob wir uns wiedersehn! Tirolerland, du bist .. etc.

Wenn ich gestorben bin, so tragt mich hoch hinauf,

begrabt ihr mich im Tale, dann steig’ ich selber ’nauf.

Hollaria, hollaro, hollaria, hollaro, hoch droben auf der Alm.

Tirolerland, du bist so schön, so schön,

wer weiß, ob wir uns wiedersehn! Tirolerland, du bist .. etc.

So, ja, so, an einem mainachmittag, jodelte es den berg hoch hinauf, jodelte es tief in die täler hinab – daß himmel & erde noch lange davon erfüllt gewesen warn. Am beginn der letzten strophe aber, sagt er, schien manch einer aus dem fluß zu geraten: Da kamen die stimmen ins straucheln und so der chor aus dem tritt, da ging einigen deutlich hörbar kurz der atem aus. Und dann, als ein letztes mal der tirolerlandrefrain zu posaunen war, floß nun die hymne breit & schwer, war eine schaufel melancholie im hellen jauchzen drin.

III

Was gäbe es nicht alles zu erzählen, sagt er, von der umbettung des kronplatzes in den kalterer see! Bis dann doch der berg und der see abgetragen oder zugeschüttet warn – gegen alle anfechtungen und das begleitende kassandrageschrei! Aber wer gesehen habe, wie der im vorigen jahr feierlichst eröffnete ALPENBOGEN, wie diese brücke von mayrhofen nach sand in taufers über die zillertaler alpen gespannt worden sei, dem erzähle er, wenn er davon erzähle, nichts neues damit.

Zwei plätze also, sagt er, wie mitten in den alpen noch keiner war. Der eine ort, berglos, wurde jetzt endlich seinem namen gerecht, und überm andern, wo einst ein see war, lag kein pesthauch mehr. Und ignaz sültzrather, am ende, in einer sommerlichen vollmondnacht, rannte auf dem kronplatz, „wie ein irrer", wie ein hase kreuz & quer, und auf dem kalterer platz, eingezäunt, stolpern sie sich die schädel ein. So nahm das glück seinen lauf, verloren wir uns in den ebenen.

josef oberhollenzer


ENSEMBLESCHUTZ

Bewahrung des Gesamtbildes

Ensemble bedeutet die Gesamtheit einzelner Eindrücke. Auch die Sprache ist so eine Einheit. Der Sprechende – Vortragsredner oder etwa auch ein Marathon-Prediger, dem, das, was er sagt, selber so gut gefällt – sollte Ausdrücke wie „konfrontieren, Chance, Nuance, Ensemble, integrieren, Interesse, Kommunikation oder gar das fachchinesische Wort Feedback der Psychologen und Therapeuten vermeiden, denn diese stören den Gesamteindruck der Sprache als Heim des Geistes. Fremdwörter sind meist so genannte Schwammwörter, die viele verschiedene Begriffe in sich aufsaugen. Der Redner braucht über den wirklichen Sinn nicht lange nachzudenken, er greift so ein Schwammwort heraus, es wird schon stimmen! Wenn es der Zuhörer nichjt recht versteht, ist’ s seine Schuld! Sprechen hängt mit denken zusammen, denk’ nach, was du sagen willst. Fremdwörter sind bunte Flicken auf dem Gewand oder lächerliche Federn am Hut!

Doch wir wollen über das Gesamtbild unserer Stadt sprechen, es wird durch einzelne Bauten gestört. Beim neuen Athesiahaus gab’s viel Ablehnung, wohingegen sich niemand über die übergroßen Schaufenster am Haus Nr. 9 – links neben dem Tor zur Brücke aufregte – ebenso wenig auch über das vor nicht langer Zeit neu entstandene Haus Nr. 22, 24. demnach stören diese Anblicke das mittelalterliche Bild der Stadtgasse ebenso, wie das Athesiahaus, vor dem aber die Stadtgasse so eng ist, dass ein Gesamtblick kaum möglich wird.

Passen etwa die Schaufenster links und rechts entlang der ganzen Stadtgasse in das mittelalterliche Gesamtbild? Dennoch haben die letzten 150 Jahre diese Neuerung mit sich gebracht, denn kein Kaufmann hätte sich den wert seines Hauses durch ein Verbot mindern lassen. Die Zeit geht unaufhaltsam über solche Vorschriften hinweg. Uns bleibt das Heimweh nach unwiederbringlichen Werten!

Was hat es nun mit den Veränderungen am Graben nach dem bevorstehenden Abbruch des Hotel Post auf sich?

Der Befestigungsgraben wurde 1829 zugeschüttet. Das Gerichtsgebäude und der Gasthof zur Post – damals noch der Stützpunkt für die romantische Postkutsche – wurden wenige Jahre danach im späten Empire-Stil errichtet. Sie sind uns Bruneckern alt vertraut. Die Straßenlinie ist dann durch den Gilmplatz unterbrochen und anschließend an diesen und die Rathausgasse stand das heute nicht mehr vorhandene Gemeinde- und Postgebäude im nachgemachten Renaissancestil mit Turmaufsatz, den Höhen- und Breitenverhältnissen im goldenen Schnitt und den gleichschenkligen niederen Dreiecken ober den Fenstern. Dieser Prachtbau ist dem nüchternen Gebäude der Bank für Trient und Bozen gewichen. Die Sparkasse wurde vor dem ersten Weltkrieg – wenn ich mich recht erinnere – vom Münchener Architekten Lasne erbaut. Er erntete damals allgemeine Anerkennung. Nun seien noch zwei – wie mir scheint – gut gelungene Straßenzüge aus letzter Zeit erwähnt: Die Häuserzeile anschließend an die Sparkasse bis zur Waldebrücke und der Sternhof. Es sind Bauten mit Anschluß an Brunecks Vergangenheit, die auch heute ansprechen.

Der Graben entstand zur gleichen Zeit, wie die Ringstrasse in Wien – Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Donaumonarchie nehmen sich kleine Städte beim Bau neuer, breiter Durchzugsstraßen die Residenzstadt zum Vorbild. Das gab den Anlass für das groß angelegte Gemeindegebäude. Ob dessen Abbruch gut zu heißen ist oder nicht … er ist geschehen. Wir stellen fest, dass die städtebauliche Entwicklung in der Auseinandersetzung der Kräfte des Beharrens und des Fortschreitens vor sich gehen – ob wir es wollen oder nicht.

Gäbe es genügend einzelne, denen es ein Anliegen ist, unsere Sprache zu einem würdigen Heim des Geistes zu machen, so könnte dies gelingen. Ein einheitliches Gesamtbild unserer alten Städte zu gestalten, ist schwieriger, denn dabei wirken auch Umstände und Kräfte mit, die der Einzelne nicht in der Hand hat.

Lothar Sternbach, Bruneck


ENSEMBLESCHUTZ

Edilizia a Brunico e in provincia

Salvaguardiamo qualità di vita e il patrimonio architettonico e paesaggistico.

Sono un appassionato dell’Alto Adige e di Brunico in particolare, ove soggiorno più mesi all’anno.

In particolare ho sempre ammirato la natura , il paesaggio che grazie alla secolare cura dell’uomo assume qui un aspetto di giardino incantato, dell’Eden di cui l’umanità ha nostalgia. E ho imparato ad apprezzare la gelosa difesa delle proprie tradizioni culturali, della lingua, del rispetto verso la comunità e i singoli, valori tutti che sembravano costituire un sicuro baluardo contro quegli aspetti della globalizzazione, che rischiano di omologare il pianeta in un unico quartiere omogeneo.

E’ quindi con grande dolore che registro da alcuni anni un incremento, a mio avviso insostenibile, della pressione edilizia sul territorio e soprattutto l’avanzare di uno stile architettonico dirompente, che sembra voler cancellare ogni continuità culturale con il passato , inserendo nel paesaggio scenari tipici delle moderne periferie delle grandi città tedesche, che tuttavia nulla ha a che spartire con l’urbanistica brunicense o altoatesina.

Sono infatti riferibili all’architettura tedesca i tetti di colore azzurro (nuovo edificio a Gais), i tetti in lamiera curvi o trapezi, quelli inclinati a una sola falda (quelli - per intenderci - che sembrano conferire agli edifici l’aspetto di una stazione della funivia), giustificati questi ultimi da presunte economie del riscaldamento, l’uso di metalli e del cemento al posto del legno. Anche l’uso del legno come rivestimento di volumi architettonici geometrici parallepipedi (per intenderci la forma di una scatola per le scarpe), è, a mio avviso, del tutto avulso dai valori culturali locali. Chiunque comprende facilmente come queste innovazioni non assicurano (come pure sarebbe indispensabile nel contesto urbano e paesaggistico di assoluto valore) la necessaria continuità dei valori urbanistici e architettonici tradizionali, pur nella naturale rielaborazione dei temi architettonici e paesaggistici esistenti, ma al contrario generano una commistione e confusione di stili, con un effetto di disordine e di disturbo irreversibile sul tessuto urbano e sul paesaggio, inteso come armonica fusione dell’ambiente naturale e degli esistenti edifici realizzati nei secoli, in una equilibrata distribuzione di agglomerati urbani e spazi verdi.

Si citano come esempi il nuovo albergo (a forma parallepipeda, rivestito in legno) a Rina, percepibile dalla strada che da Pieve di Marebbe conduce a S. Martino come un’incomprensibile francobollo giallo a fianco dell’antica chiesa.

E ancora si cita il "palazzo" sorto a Brunico al posto dell’officina Ford, che invece di sfruttare l’occasione di riqualificazione dell’ex periferia occidentale, offerta dall’abbattimento degli anonimi capannoni industriali, ha inserito a poca distanza dei bellissimi edifici di stile liberty esistenti, un complesso che - se degnissimo ad esempio nel contesto urbano di Lipsia – costituisce un’ingombrante, eccessiva e incoerente presenza a Brunico. Ed è ancora più incomprensibile questo episodio se si pensa che lo stesso realizzatore di quel fabbricato ha realizzato a Lipsia in anni recenti graziosi edifici residenziali (con tetti in legno a due falde), di limitato volume, che si sarebbero inseriti benissimo nel contesto urbanistico di Brunico.

Incomprensibile per ora, ma certo eccessivo quanto al volume, il "colosseo" in corso di realizzazione vicino alla stazione dei pulmans.

Sempre a Brunico il nuovo edificio sulla Rienza, dietro la chiesa del S.Spirito, con il suo tetto a falda inclinata, i suoi balconi con parapetti in metallo, crea una frattura insanabile nell’ambiente architettonico circostante.

Il condominio per turisti a Valdaora di sopra, volume immenso, collocato davanti a basse case a due piani, che hanno perso il panorama dei monti e la vista della chiesa dominata ora dal complesso, costituisce, a mio parere, un esempio in cui valutazioni meramente economiche hanno preso il sopravvento sulle valutazioni di impatto paesistico e socio-ambientale.

A Lappago è sparito un albergo rivestito all’interno di legni antichi: solo 2 inverni fa cercavo di convincere il proprietario che la vetrina esterna in alluminio era stonata con il suo albergo e con tutto il paese. E si potrebbe continuare così per pagine.

Non si dovrebbe ignorare che quel 20% di turisti che preferiscono a Rimini la montagna vengono qui per quel "clima", quella cultura per cui un capanno per gli attrezzi era una piccola casetta con le tendine e i girani alle finestre, in ogni orto a fianco dell’insalata erano amorevolmente coltivati i fiori, il fienile con in legno segnato dal tempo era illuminato da macchie di fiori collocati in ogni angolo, i muri delle case dagli spigoli irregolari raccontavano una storia di secoli e davano una sensazione di protezione, di essere entrati in un mondo incantato.

Vorrei che da Brunico si facesse una breve gita nel vicino Tirolo, per esempio a Sillian, per vedere come non sia presente alcuna traccia di stile germanico, ma al contrario si continui (forse persino con eccessiva monotonia) a costruire case che sembrano vecchie di secoli ( mi riferisco in particolare alla valle in sponda settentrionale , ove ad Ausservillgraten numerosi edifici, identici a quelli del sei-settecento, sono datati 1995 e 1996). Sui tetti di forma tradizionale di alcune ville di nuova costruzione fanno mostra di sé i pannelli solari, che possono realmente ridurre le spese di riscaldamento. E soprattutto la densità edilizia sul territorio è molto più bassa e non si vede il panorama di gru edilizie, ormai a Brunico e dintorni più familiari dei campanili.

A Cortina dopo anni di selvaggia espansione edilizia si sono accorti che stavano distruggendo anziché edificare e ora regole severe del piano regolatore contribuiscono a dare armonia al contesto urbano allo sviluppo edile, molto contenuto e teso principalmente al recupero del patrimonio edile degradato.

Gli effetti degli eccessi di sviluppo nella provincia sono sotto gli occhi di tutti, più case, più gente, più compromissione, più traffico. Non bastano le tangenziali e i parcheggi; le valli sono quelle che sono e l’andirivieni di turisti in numero eccessivo rende difficile recarsi sul luogo di lavoro, spostarsi per Brunico e nelle valli. Si vedono i primi prati e boschi recintati. Si vive in tranquillità solo a maggio giugno, ottobre e novembre. E incrementi dello sviluppo non sono necessari per assicurare un dignitoso tenore di vita alla popolazione. Al riguardo ricordo come già nel 1995 risultò impossibile a chi scrive trovare un geometra bilingue disposto a trasferirsi per un anno a lavorare in Germania; ed ancora dal giornale radio regionale in agosto ho appreso come stia acquisendo rilevanza il problema della manodopera extracomunitaria in nero nell’attività alberghiera, giustificata dalla difficoltà di ottenere i permessi di soggiorno e dalle esigenze di assicurare il servizio alberghiero.

Penso sia opportuno considerare che come a Roma dobbiamo in molti casi rinunciare a costruire parcheggi sotterranei, perché sotto il suolo capitolino giacciono reperti archeologici che riteniamo appartengano non ai romani ma all’umanità intera, così dobbiamo convincerci che questo Eden appartiene anch’esso idealmente all’umanità e che non può essere compromesso in nome di un mero sviluppo economico o per assecondare mode architettoniche dettate dall’impulso estemporaneo del momento.

Di seguito alcune proposte flash, solo per dare impulso ad un dibattito su come evitarela compromissione della qualità della vita a Brunico e nella provincia e sollecitare i contributi di chi, nato e vissuto sul posto, conosce meglio la realtà socioeconomica locale e i possibili correttivi delle tendenze di rottura della cultura altoatesina.

Si alle aree industriali per mantenere le nuove generazioni sulla montagna

Si alle ristrutturazioni edilizie, conservando la pelle esterna. Se qualcuno ha ceduto il vecchio maso ad un operatore economico, invece di demolirlo, ristrutturiamolo all’interno, migliorando il comfort, gli impianti ,l’isolamento. Gestiamo questi masi come depandances degli alberghi più vicini; personale apposito oppure cooperative di giovani possono gestire la funzionalità di queste case albergo.

Favoriamo una cultura della conservazione, disincentivando le demolizioni di edifici di pregio storico, architettonico, paesaggistico (Villa Maria in via Teodone!), con un regime che dal vincolo assoluto per i nuclei abitativi più significativi, si stemperi sino ad imporre tuttavia una diminuzione della cubatura edificabile anziché un aumento in caso di demolizione, e offra agevolazioni economiche e finanziarie, oltre a sgravi fiscali e/o concessori a chi ristruttura o fa manutenzione.

Per le case nuove – ove non ancora previsto – si abolisca il pagamento di oneri concessori per i volumi del sottotetto e al di fuori di Bolzano e altri grandi centri urbani si penalizzi - sino al divieto - l’uso di tetti piani o a falda unica inclinata, di colori per i tetti non armonici con i colori tradizionali.

Si limiti in Brunico e nei piccoli centri la cubatura di un singolo edificio.

Favoriamo una cultura dell’essere anziché dell’avere già a partire dalla scuola, in modo che i giovani stimino il denaro come strumento e non come obiettivo.

Sempre nella scuola si dia un maggior risalto alle tradizioni e alla cultura altoatesina, esaltando i valori ambientali, paesaggistici e architettonici, in modo che i giovani imparino ad apprezzare il patrimonio che li circonda.

Si trovi il modo di inserire nei corsi di laurea di architettura e ingegneria di Bolzano e Innsbruck l’insegnamento dei principi della tutela e continuità culturale e si favorisca la formazione su tale argomento dei funzionari pubblici con responsabilità urbanistica .

Giorgio Mazzocchi, Brunico/Via Keilbach2 - Roma


ENSEMBLESCHUTZ

Farbliche Monotonie in Bruneck

Vor einer Woche wurde ich am Brunecker Bauernmarkt von einem deutschen Urlauberehepaar angesprochen und gefragt, ob es denn hierzulande besondere Gründe dafür gäbe, dicht aneinander gereihte Gebäude in ein und demselben, oder einem ähnlichen Farbton zu streichen, ohne dabei auf das Stadtbild Rücksicht zu nehmen. Es war nicht schwer zu verstehen, welche Stadtzone Brunecks damit gemeint war, denn seit auch noch das neu renovierte Gebäude der Mittelschule Meusburger ockergelb erstrahlt, wird jeder auch nur einigermaßen aufmerksame Bürger bemerkt haben, dass unsere Stadt nach der "rötlichen Zone" vom Kapuzinerplatz, nun rund um den Tschurtschenthaler Park um eine "gelbe Zone" reicher ist.

Von den beiden Deutschen angestachelt, schritt ich dann tags darauf die Brunecker Pacher Straße ab (vom Sparkassengebäude bis zur ehemaligen Fiat-Garage), konnte jedoch die unglaubwürdige Feststellung des Ehepaares, dass es in diesem Straßenabschnitt nicht weniger ais siebzehn mehr oder weniger intensiv gelb angestrichene Häuser gebe, nicht widerlegen.

Dass alte Bausubstanz, trotz großzügiger Renovierung so hergerichtet werden kann, dass sie zur Verschönerung des Stadtbildes beiträgt und nicht umgekehrt, haben andere Kleinstädte wie Brixen, Klausen und Sterzing bestens bewiesen. Warum das Südtiroler Denkmalamt jedoch dem phantasielosen Schwachsinn, ganze Straßenzüge in einem Farbton zu halten, wie es derzeit in Bruneck geschieht, kein Ende setzt, sondern durch eigenes Zutun (Mittelschule Meusburger) auch noch unterstützt, wird nicht nur mir, sondern Mitbürgern, wie Urlaubern ein unverständliches Rätsel bleiben.

Hannelore Lott



ENSEMBLESCHUTZ

Gerichtsgebäude Welsberg

Annullierung der Abbruchverfügung für das ehemalige Gerichtsgebäude in Welsberg durch den Staatsrat

Mit großer Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass auf Antrag von „Italia Nostra„ und vom Landesverband für Heimatpflege der Staatsrat in Rom den eingebrachten Rekurs gegen das unverständliche Urteil des regionalen Verwaltungsgerichts angenommen hat, welches diesen Verbänden ein Klagerecht in Denkmalschutzinteressen abgesprochen hatte! Diese Auslegung hätte katastrophale Auswirkungen auf die künftige Handhabung von Denkmälern seitens der öffentlichen Hand gehabt, da italienweit kein Verband mehr im allgemeinen Interesse Fehlentscheidungen mangels Klagerecht anfechten hätte können!! Genau dies wollten wir mit unserem Rekurs beim Staatsrat genauer wissen. Dieser ist nun unserer Argumentation gefolgt und er hat den Beschluss der Landesregierung und damit alle folgenden Akten der Gemeinde bezüglich Abbruch des ehemaligen Gerichtsgebäudes annulliert.

Mit dem Staatsratsurteil wurde weiters festgehalten, dass es für den Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes auch eine fachliche Begründung seitens des Denkmalamtes braucht. Damit wird die Kompetenz und die Zuständigkeit dieses Amtes gestärkt und festgeschrieben.

Seit Jahren haben wir uns als Landesverband für Heimatpflege gemeinsam mit Bürgern und dem Landesdenkmalamt vehement für die Erhaltung dieses geschichtsträchtigen ehemaligen Gerichtsgebäudes eingesetzt. Umso größer ist unsere Genugtuung über diese Entscheidung. Deshalb möchten wir uns beim Staatsrat für dieses Urteil herzlichst bedanken. Auch wenn uns bewusst ist, dass damit das Gebäude noch nicht gerettet ist, so sind wir doch guter Hoffnung, dass damit neue Initiativen für eine Sanierung und Neunutzung ergriffen werden.

Albert Willeit, Bezirksobmann des Landesverbandes für Heimatpflege Bruneck
11.10.2002.


ENSEMBLESCHUTZ

Überdimensionales Rathaus

Es fällt schwer zu verstehen, warum die Brunecker Gemeindeverwaltung sich ein neues Rathaus gebaut hat. Mit einem geringen Aufwand und nur bescheidener Erweiterung hätte das alte Rathaus im ehemaligen "Hotel Europa" die notwendige Unterbringung aller Gemeindeämter für die nächsten Jahre garantiert. Die Errichtung eines zusätzlichen Nordflügels wäre dafür völlig ausreichend gewesen. Aber die Brunecker sind traditionell niemals mit der Unterbringung Ihres Rathauses zufrieden, wie die zahlreichen Umzüge in der Geschichte der Stadt ausreichend beweisen. Jetzt allerdings scheint es allen Entscheidungsträgern ernst geworden zu sein: der Neubau hat alles bisher in Bruneck Dagewesene übertroffen. Der Beton-Glas-Bau ist unaufhaltsam in die Höhe geschossen und nur das Bezirkskrankenhaus kann damit standhalten. Angesichts der Tatsache, dass ein großer Teil des Gebäudes an Dritte vermietet werden soll, fragt man sich, warum das neue Rathaus so groß ausgefallen ist. Die Unterbringung der Büros der Gemeindeverwaltung war dafür nicht ausschlaggebend. Was den gigantischen Platz vor dem Rathaus betrifft, bleibt nur zu hoffen, dass er nicht nur zum Veranstaltungsort für Vereinsfeste und Platzkonzerte wird. Wünschenswert wäre es, den Rathausplatz zur Freude aller Brunecker mit viel Grün zu füllen. Ob die Gemeindeverwaltung das überdimensionale Rathaus und den Platz davor allein für die Brunecker Bevölkerung errichtet hat, wird die Zukunft beantworten.

Walter Boaretto


FUNDSACHEN

Die Produktion einer Kilowattstunde

kostet beim Reschen-Stausee 30 Lit. An die Bürger wird sie um 360 Lit. weitergegeben. Dazwischen sollte eigentlich schon ein Spielraum sein, um die Bürger durch niedrere Strompreise zu entlasten!

Graun’s Bürgermeister beim runden Tisch zum Thema Energie,
im Sender Bozen
am 30.09.02


FUNDSACHEN

Weil Du uns trägst

Bewahre uns vor den Folgen kurzatmigen Denkens der Politiker, die oft heute das bauen , was morgen eingerissen wird!

Gefunden im Buch „Weil Du uns trägst" Fürbitten, Herder Verlag 


GEMEINDEPOLITIK

PUC = "Piano Urbanistico Cittadino" o "Per un’Utopia Concreta"?

L’estate amministrativo-politica brunicense è stata sicuramente all’insegna del nuovo Piano urbanistico. L’accurata pianificazione della discussione consiliare tra le fila della maggioranza ha riservato però poca spettacolare tensione alla platea di cittadini interessati alle discussioni dall’esito già scontato.

Le cinque ore di confronto meritano almeno un paio di considerazioni.

La prima è da riservare all’impegno ambientalista che abbiamo scoperto tra i rappresentanti del mondo economico: hanno proposto e ottenuto una tosatura radicale delle aree da destinare alle imprese andando ben al di là di quanto proposto da noi Verdi. La necessità del risparmio del territorio e delle risorse; la mancanza di mano d’opera disponibile a coprire i bisogni che ogni nuova impresa o ogni ampliamento comporta; le ricadute sulla collettività in termini di richiesta di case, di servizi e di aumento del traffico, sono gli argomenti addotti e sono del tutto condivisibili.

Appaiono però almeno inconsueti se manifestati da chi, fino a ieri, si era impegnato in Comune a ottenere aree da riempire di capannoni industriali e artigianali senza manifestare o accettare un confronto su nessuno di questi aspetti dello sviluppo.

Delle due una: o abbiamo esaurito i "nostri" bisogni e non ci serve "altro" (o "altri"), o le leggerezze del passato hanno fatto scuola.

Siamo propensi a escludere la seconda delle ipotesi perché, con una sola eccezione, nessun dubbio a sfiorato i rappresentanti del mondo imprenditoriale sull’uso del territorio, sull’assenza di personale a disposizione, sulle altrettanto gravi ricadute sull’intera comunità, sul prevalere della quantità sulla qualità, impliciti nell’ulteriore massiccio aumento delle camere d’albergo previsto dal progettista e approvato.

E, per ampliare un po’ il raggio delle nostre considerazioni, nessun dubbio ma solo certezze vengono manifestate dal mondo imprenditoriale sui progetti di rettifica e allargamento della strada della Pusteria.

Anche in questo caso l’inevitabile aumento del traffico e le prospettive di degrado dell’intera vallata vengono considerate il prezzo da pagare alla logica dello sviluppo necessario.

Le contraddizioni sono però parte integrante del nostro essere esseri umani. Non ne sono privi neanche i rappresentanti della frazione di Riscone che sembrano scoprire, ora, il problema del traffico.

Se questo rispettabilissimo impegno a salvaguardare la salute dall’impatto veicolare avesse preceduto la discussione sull’uscita della circonvallazione, se si fosse manifestato con la stessa energia quando si discuteva del raddoppio degli impianti di risalita a Plan de Corones, quando si metteva in dubbio l’opportunità di una nuova pista, quando ci si opponeva ai parcheggi della stazione a valle, se si fosse detto "no" al campo di golf e alla prospettiva di nuovi o più grandi Hotel all’ombra del Kronplatz, di quest’impegno avrebbero giovato anche tutti i brunicensi che da anni di questo problema sono ben consci.

Per rimanere nell’ambito del traffico, nel nuovo Piano sono presenti le condizioni per avviare un nuovo modello di viabilità: l’anello Nord è previsto dietro la zona industriale; ci sono i parcheggi satellite e un garage sotterraneo nei pressi del Castello.

Sono le premesse urbanistiche per offrire a brunicensi e ospiti una mobilità interna alla città più pedonale, più ciclabile, affidata a un sistema di bus frequenti e efficienti. Una città più ricca del verde dei giardini pubblici e delle promenaden lungo il fiume che potrebbero sostituire i parcheggi dislocati lungo l’asse delle circonvallazioni esterne.

Il Piano urbanistico è un documento complesso e denso: riserva un po’ di posto anche ai sogni.

Franco Nones


GEMEINDEPOLITIK

Der Bauleitplan und die Wirtschaft, oder: Der Durchmarsch der Demagogie.

Tourismus

Hier ist man anscheinend von dringenden Geboten der Mäßigung völlig unbelastet. Die Devise lautet: „Wer rastet, rostet! bzw. wir verbauen sofort alles Verbaubare!" Besonders die Reischacher erkennen Nachholbedarf; das „Investitions- Gleichgewicht zwischen den Kronplatzanrainergemeinden" muss angeblich wiederhergestellt werden und für „Qualität" müsse gesorgt werden! Dieselbe gibt man vor, durch den Bau neuer Aufstiegsanlagen, Abfahrtspisten und immer neuer Tourismuszonen, Eigenbedarfs-Golfplätzen, in den Konsequenzen nicht durchdachter Verkehrsinfrastrukturen, usw. erreichen zu müssen. In den Tourismuszonen wird die Kubatur willkürlich erhöht; in den Durchführungsbestimmungen kann man lesen, dass das Land für Tourismuszonen eine Baudichte von 1,2 m3 pro m2 vorsieht. Bei der Tourismuszonen Reiperting beträgt sie 2,2; bei der Herzl Alm 2,5!

In den Tourismuszonen- Restauration- kommen zu den bereits bestehenden 219 Sitzplätzen weitere 500 hinzu. Der Bauleitplan- Planer Arch. Moroder selbst spricht von einer „starken Kapazitätssteigerung" an der Talstation. Gleichzeitig will man offenbar mit dem durch diese Politik geförderten Verkehr nichts zu tun haben!

Durch die Verhinderung der Pustertaler- Straßen- Neutrassierung wurde die reibungslosere Zu- und Rückfahrt der vielen, für derartige Massenstrukturen erwünschten „Quantitäts"- Tagestouristen" erschwert. Dadurch wären die Kronplatzpisten noch voller und die meisten Beherbergungsbetriebe sowie beispielsweise die Brunecker Stadtgasse noch leerer! Gäste, die Urlaub nicht mit verstopften Pisten und Straßen assoziieren wollen, bleiben aus, was unsere Detail- Wirtschaftsvertreter aber nicht weiter kümmert.

Verkehr

Jedenfalls scheint dieses entgangene Riesengeschäft zu Lasten der Bevölkerung und der Gesamtwirtschaft Rachegelüste der Gemeinderats- Wirtschaftsvertreter provoziert zu haben. Bei der Bauleitplandebatte im Gemeinderat entdeckte G.R. Außerhofer sein Herz fürs „wunderbare Moessmerwiesele", das doch durch den Bau der geplanten Moessmer- Ausfahrt- nicht „verschwendet", sondern mit weiteren Kondominien verbaut werden sollte! Dabei werden Erinnerungen wach an die Geschichte der Tennisbrücke und den von denselben Kreisen mit denselben Hintergedanken „angedachten" Nichtbau des Freibades in Bruneck!

Frau G.R. Moser- Werth setzte die Behauptung in die Welt, die Moessmerrampe koste 12 Mrd. Lit.- ungeachtet eines schlüsselfertigen Planes von Ing. Manfred Ebner/ Meran, der maximal vier Milliarden errechnet, von denen man zudem noch eine vom Landeshauptmann zugesagte weitere Milliarde für den Bau der Moessmerrampe abziehen könnte! Die suggerierte Botschaft: Man baue doch stattdessen endlich die Kuntnerrampe! Was dies verkehrstechnisch bedeuten würde braucht eine Wirtschaftsvertreterin ja nicht zu kümmern!

Stadtrat Volgger haut in dieselbe Kerbe und schlägt allen Ernstes den Bau der Kuntnerrampe anstelle der Südausfahrt/Reischach vor. Somit wäre das alte Konzept von zwei Zufahrten zum Kronplatz quer durch Bruneck wieder am Tisch; bei gesteigertem Verkehr für die Brunecker und für die Reischacher Straßen- Anwohner! Wenn solche Vorhaben und Interessensvertreter weiterhin Gehör finden sollten, kann man eine umfassende Verkehrsberuhigung im gesamten Brunecker Gemeindegebiet definitiv zu den Akten legen.

Das in der SVP- Gruppe mehrheitsfähige Festhalten an der Schließung des Nordrings in offener Bauweise ist angesichts vorliegender Berechnungen, die eine Tunnelvariante unterm Strich und langfristig als günstiger ausweisen, eine weitere Verhöhnung der Offensichtlichkeit.

Verantwortlichkeit für die Landschaft, die Umwelt, die Lebensqualität und für die nächsten Generationen scheint jedenfalls, zumindest für Teile der sogenannten Wirtschaft, kein Kriterium zu sein. Schneller eigener Profit geht vor Allgemeininteresse!

Vielleicht finden sich irgendwann Wirtschaftsvertreter mit Visionen und Sensibilität für durchdachte Konzepte mit allgemeiner Akzeptanz? Anderswo hat man sich darauf schon längst geeinigt!

Walter Harpf, SVP- Gemeinderat der Bürgerinitiativen Bruneck – B.I.B.


GEMEINDEPOLITIK

Bemerkungen zur Überarbeitung des Bauleitplanes

Sie wurden dem Gemeinderat in der Sitzung am 18. 09.2002 vorgetragen.

Als Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Familie, Kinder, Jugendliche und Senioren habe ich 5 Jahre an der Entwicklung des Leitbildes Bruneck 2020 mitgearbeitet. Ziel aller an diesem Prozess Beteiligten war es, ein lebens- und liebenswertes Bruneck für die Bürger von Bruneck zu schaffen,

eine Stadt, wie sie sich laut Bürgerbefragung die Mehrheit der Bürger zum Wohlbefinden wünscht,

eine Stadt also mit innerstädtischen Freiräumen als Naherholungsräume für Jung und Alt,

eine Stadt mit sauberer Luft und Ruhe.

Einige Maßnahmen hierzu hätten auch im vorliegenden Bauleitplan ihre Konkretisierung finden müssen.

Wo ist aber der Grüngürtel bestehend aus Alleen und Promenaden geblieben, der wie eine Stadtmauer Bruneck umfangen und gegen die nördlichen Freiflächen abgrenzen sollte?

Wo sind die neuen Grünanlagen und innerstädtischen Erholungszonen?

Im Stadtentwicklungskonzept ist von Parkanlagen im Moessmer Bereich, im italienischen Gartl und am Stegener - Marktplatz die Rede.

Wo bleibt die Vernetzung der Grün- und Freiflächen zu einem zusammenhängenden innerstädtischen Grünsystem?

Wo sind die Raststätten am Ende von Spazierwegen?

Im gesamten Gemeindegebiet ist die Baudichte erhöht worden- was ich auch für richtig halte- Im Stadtentwicklungskonzept Leitbild 2020 S.226 ist hierzu aber zu lesen: "Den erforderlichen Maßnahmen zur Nachverdichtung müssen entsprechende Wiederherstellungsmaßnahmen von Grün und Freiflächen gegenüber stehen." Wo ist in diesem Sinne für die Zone Europa-, Rom- und Marconistraße, wo die Verdichtung besonders groß sein wird, eine Freifläche im Bauleitplan vorgesehen?

Viele Grünflächen im Bauleitplan sind Straßenböschungen oder Restflächen, die keiner anderen Nutzung zugeführt werden konnten. Ich hoffe, dass die nächste Überarbeitung des Bauleitplanes das allgemeine Bedürfnis der Bürger nach Freiflächen mehr berücksichtigt und dass man bis dahin wenigstens die größeren Grünflächen in einen annähernd Park ähnlichen Zustand bringt, ich spreche vom Tschurtschenthaler Park, der Grünfläche zwischen Odeon und Reischacherstraße, dem Graben, und dass auch die Uferpromenaden zur Gänze realisiert werden.

Ich wünsche mir, dass die im Bauleitplan vorgesehenen Kinderspielplätze nach und nach auch verwirklicht werden. Wenn die Umwidmung eines Spielplatzes aus einem triftigen Grund erforderlich ist, so darf dies nicht ersatzlos erfolgen, sondern es muss die Verpflichtung für einen Ersatz damit verbunden sein.

Im Leitbild wurde das Schaffen eines Fahrradnetzes für das gesamte Gemeindegebiet als vorrangiges Ziel formuliert. Laut Begleitbericht muss aber erst eine weitere Machbarkeitsstudie durchgeführt werden, ehe eine Eintragung in den Flächenwidmungsplan erfolgen kann. Dasselbe gilt für die Zufahrt nach Waldheim.

Ich wünsche mir, dass es nicht nochmals 5 Jahre dauert, bis brauchbare Studien aufliegen, und dass das Fahrradnetz und die Zufahrt nach Waldheim dann auch ehestens realisiert werden.

Ich befürworte es, dass die 5 Villen zum Ensemble erklärt und unter Schutz gestellt werden. Ich kann es aber nicht verstehen, warum man den Schutz nicht auch auf die Bauten in der Oberstadt, der Stadtgasse und am Graben, die nicht unter Denkmalschutz stehen, ausdehnt, wo sie in den Durchführungsbestimmungen bereits „wegen ihres geschichtlichen und künstlerischen Wertes und wegen ihrer architektonischen, typologischen und morphologischen Eigenheit" als Ensemble bezeichnet werden.

Parallel zur Überarbeitung des Bauleitplanes wurde gegen den Wunsch eines Großteils der Bürger von Bruneck ( siehe Bürgerbefragung) eine Reihe von Maßnahmen für den Wintertourismus beschlossen. Dabei wurde mehr auf eine quantitative und als auf eine qualitative Erweiterung gesetzt. Über Infrastrukturen, damit der Sommertourismus neue Impulse erhält, hat man sich hingegen kaum Gedanken gemacht, ansonsten hätte man dem Fahrradwegenetz, Raststätten, Parkanlagen mehr Bedeutung im Bauleitplan gegeben.

Was die Festlegung neuer Wohnbauzonen betrifft sollte man in Zukunft das Bedürfnis älterer Menschen, möglichst nahe beim Stadtzentrum zu wohnen, mehr berücksichtigen.

Die angeführten Maßnahmen für den Verkehr im Bauleitplan: Schließung des Nordringes, Verlegung des Nordringes hinter die Industriezone, Bau einer Ausfahrt Mitte für Bruneck und Reischach sehe ich als notwendig, um die Stadt vom Verkehr zu entlasten. Zumal die Bürger in der Befragung den Verkehr im Stadtzentrum als besonders belastend empfinden. Für die Ausfahrt Mitte wird man sicher noch andere Möglichkeiten prüfen müssen, wozu sich die Verkehrskommission den Anrainern gegenüber bereits verpflichtet hat. Die angeführten Maßnahmen für den Verkehr machen aber nur dann einen Sinn und rechtfertigen die Kosten, wenn auch die weiteren Schritte folgen, die die Verkehrsplaner Prof. Tiefenthaler- Ing.Winkler, Ing,Pfeifer, Architekt Moroder und die Leitbildgruppe Verkehr vorschlagen, nämlich Erweiterung der Fußgängerzone im Stadtzentrum und das Schaffen von Stichstraßen vom Ring zu den Stadtvierteln mit ihren Parkplätzen und Garagen.

2012 wird es die nächste Überarbeitung eines Bauleitplanes geben. Vielleicht hat sich bis dahin die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch die Wohn- und Lebensqualität wichtige Voraussetzungen für die Attraktivität Brunecks als Wirtschaftsstandort sind.

Dr. Margit Baumgartner/Sinner 


GEMEINDEPOLITIK

Bauleitplan, Gedanken zur Reduzierung der Gewerbezone

Für mich scheint die drastische Reduzierung der Gewerbefläche von ursprünglich 56.000 m² auf 18.000 m² nicht sinnvoll, da beim BLP über ein Dokument abgestimmt wird, das 10 Jahre lang seine Gültigkeit haben soll.

Unverständlich scheint mir, dass gerade die Wirtschaftsvertreter im Gemeinderat diesen Abänderungsvorschlag eingebracht haben und trotz ausführlicher Diskussion keinen Kompromiss eingegangen sind.

Durch diese Haltung werden Entwicklungsmöglichkeiten von bereits bestehenden Betrieben in Bruneck massiv behindert.

Dabei möchte ich auf einen in Bruneck angesiedelten Betrieb verweisen, der sich seit mehreren Jahren um die Ausweisung eines Gewerbegrundes zur Auslagerung der Produktion bemüht, da der derzeitige Standort am Nordring aus Platzmangel keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr zuläßt. Weiters befindet sich die Produktionsanlage in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten, sodass die mit der Produktion zusammenhängende Lärm- und Staubentwicklung, sowie der tagtäglich starke LKW-Verkehr bereits öfters zu Protesten der Anrainer geführt hat.

Um eine neue Produktionsstätte möglichst fern von Wohngebieten anzusiedeln und auf Grund der idealen Verkehrsanbindung zur Pustertaler-Strasse, wäre für diesen Betrieb vor allem die Gewerbezone Ost als neuer Standort in Frage gekommen. Durch die Nicht-Ausweisung dieser Zone, oder zumindest einem Teil davon, werden alle Pläne dieses Unternehmens zunichte gemacht.

Ich frage mich, warum diese Aussiedelung verhindert wurde, obwohl dieser Betrieb für einen Gewerbepark sowieso nicht in Frage kommt.

Ich bin zwar auch für eine Reduzierung der auszuweisenden Gewerbefläche, da mit landwirtschaftlichem Grund schonend umgegangen werden muß. Dabei sollte jedoch versucht werden, einen für alle tragbaren Konsens zu finden.

Karl Felder, Gemeinderat


GEMEINDEPOLITIK

Bauleitplandebatte

Die Debatte im Gemeinderat, den Bauleitplan der Gemeinde Bruneck betreffend; hat es wieder einmal eindeutig gezeigt: der Großteil der gewählten Bürgervertreter fühlt sich nicht für die gesamte Gemeinde verantwortlich, sondern nur für sich selbst und für die von ihnen vertretenen Kleingruppen. Ob Fraktion, Berufskategorie, Wirtschaftsverband, Sportverein u.a.m., nur einzelne Gemeinderäte denken im Sinne des Gemeinwohles aller Bürger der Stadt. Diese Art und Weise Politik zu machen, geht auf Kosten jener, die genügend oder gar keine Befürworter im Gemeinderat haben. Es wäre deshalb dringend an der Zeit, dass manche Gemeinderäte ihre Vorgangsweise überdenken. Da ein Bauleitplan eine Gültigkeit von zehn Jahren hat, muss daran erinnert werden, dass es sich dabei um ein Lenkungsinstrument handelt, welches die Entwicklung der Gemeinde für einen langen Zeitraum bestimmt. Was sicherlich fehlt, ist eine für das gesamte Gemeindegebiet geltende Vision, welche die Verwandlung einer vom Verkehr geplagten, chaotischen, krankmachenden und damit nicht mehr lebenswerten Stadt ins genaue Gegenteil davon verwandelt. Dazu braucht es allerdings mehr als kleinkarierte Fraktions- und

Kirchturmpolitik.

Walter Boaretto


GEMEINDEPOLITIK

Das neue Freibad und die Kleinkinder

Endlich ist es so weit. Das Brunecker Freibad ist wieder geöffnet und wie es scheint, sind alle zufrieden. Wir haben ein schönes großes Becken, einen Beach-Volley-Platz und als absolute Neuheit einen „froxxy". Diese Einrichtungen sind bestimmt gut gelungen, aber kann es sein, dass der Schein vom wunderbaren Freibad nicht doch ein bisschen trügt? Wer kleine Kinder hat, wird in die Lobgesänge auf das neue Freibad nicht einstimmen können. An die Kleinsten hat man wieder ein klein wenig gedacht, mehr nicht. Der Sandkasten ist viel zu klein geraten. Eine Steigerung ist dann noch das einzige Kinderklo, wo man doch weiß, wie eilig es gerade kleine Kinder oft haben. Ein „froxxy" reicht, aber ein Kinderklo ist entschieden zu wenig. Gegen die zwei mit einer Rutsche verbundenen Planschbecken wäre nichts einzuwenden, wenn sie nur etwas größer geraten wären. Viel mehr als ein Alibi sind sie nicht, um so mehr, als die kleine Rutsche sehr oft vor allem von größeren Kindern benutzt wird. Wunder ist es keines, denn wer kein Kleinkind mehr ist und sich den täglichen Froxxy-Trip nicht leisten kann, wird viel Abwechslung nicht finden. Eine angemessene Rutschbahn für diese Altersgruppe müsste auf dem noch freien Gelände eigentlich noch zu machen sein. Auch die zwei „Hutschen" mittendrin sind nicht ganz ungefährlich. Ich weiß, dass man das Freibad unbedingt heuer öffnen wollte, aber ich zweifle, ob Planer und Kommissionen nicht doch die Zeit hätten finden können, die Einrichtungen etwas ausgewogener auf die verschiedenen Altergruppen abzustimmen, wie inzwischen von offizieller Seite auch zugesichert wurde. Weit vorausgedacht hat man hingegen bei den hohen Eintrittspreisen. Aber vielleicht ist es heuer noch möglich, kleine Ergänzungen zu machen, zum Beispiel auch noch zwei, drei, vier Bänke in der Nähe des Sandkastens.

Elisabeth Strobl


GEMEINDEPOLITIK

Grundverbrauch beim Bauleitplan

Bruneck verbraucht seinen Grund und Boden. Die von der Stadtverwaltung geplanten Straßenbauten und die Gasleitung besetzen die kostbarsten Gründe; besonders im Norden der Stadt, wo Bruneck eventuell noch Entwicklungsmöglichkeiten hätte.

Es würde sich auszahlen, die Schließung des Nordrings als Unterflurstraße zu bauen: landschaftlich gesehen sowieso, aber auch finanziell, wenn man mit etwas Weitsicht an die Sachen herangehen würde.

Ab der Taufererstraße gegen Stegen zur Pfalznerstraße ist eine zweite Ringstraße geplant, knapp 20 Jahre nach dem Bau der ersten (München hat auch mehrere Ringe!). Das zeigt so richtig die Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit im Umgang mit den noch freien Grünflächen am Stadtrand.

Eine Ausfahrt für Reischach wäre mit minimalem Grundverbrauch zu realisieren, etwa mit Kreisverkehr. Oder läuft dies den Plänen einer Pustertaler Schnellstraße zuwider?

Gewiss, momentan verliert einmal die Landwirtschaft, aber auf längere Sicht gesehen, gehen diese Flächen doch der Gesamtbevölkerung verloren. Denken wir ein wenig nach!

Maria Knoll Hilber, St. Georgen


GEMEINDEPOLITIK

Kinderspielplätze

Die Stadt Bruneck wurde in den vergangenen Jahren vor allem im Zentrum durch viele Blumenanlagen zur Freude der Touristen und Einheimischen verschönert. Im Kapuzinergarten hat man eine schöne Erholungsanlage mit Kinderspielplatz gebaut. Diese wird auch das ganze Jahr hindurch mustergültig gepflegt. Aber wie geht es den anderen Spielplätzen? Trostlos sind sie, einige verwahrlost, alle führen nicht viel besseres als ein Aschenputteldasein. Die im Frühjahr verdreckten Sandkästen werden zwar vielleicht irgendwann im Sommer mit neuem Sand aufgefüllt, aber sonst passiert nicht viel. Etwas mehr Liebe zu den abgelegeneren Spielplätzen würde vielen Familien mit Kleinkindern sehr wohl tun. Es wäre eine gute Investition, denn die vielen schönen Spaziergänge entlang der Rienz oder zum „Sternwaldile" sind ja durch Hundekot verdreckt. Vielleicht könnte man diese „beschissene" Situation bereinigen, indem man wie gesetzlich vorgesehen endlich auch einmal Strafzettel ausstellt. Das Geld könnte für die Sanierung der Spielplätze hergenommen werden. Ein kleiner Tipp für alle Verwalter und Stadträte zum Abschluss: Einige der schönsten Kinderspielplätze des Landes im Burggrafenamt wären allemal eine Reise wert. Kleine Kinder und ihre Eltern würden es ihnen danken.

Elisabeth Strobl


GESCHICHTE

Zur baulichen Geschichte der Stadt Bruneck

Wenn wir die Entwicklung der Stadt Bruneck untersuchen, so sind wir auf alte Quellen angewiesen. Bestens dafür geeignet sind neben Urkunden, zeichnerische Darstellungen oder Bilder. Unter vielen anderen seien hier einige hervorgehoben:

Die zeichnerischen Rekonstruktionen von J. N. Tinkhauser, davon insbesondere eine die Bruneck im 14. Jh. zeigen dürfte[1],

ein Bild von 1570, das sich im Museum Ferdinandeum in Innsbruck befindet[2],

Das Bild am Hochaltar der Kapuzinerkirche in Bruneck, um 1630[3],

Der Stich von Merian, zwischen 1550 und 1650[4],

Die Zeichnung oder Lithographie des Ursulinenklosters, um 1800[5],

Eine Zeichnung Tinkhausers von 1829[6],

Eine weitere Zeichnung Tinkhausers von 1835[7].

Inwieweit natürlich ältere Drucke oder Bilder Zuverlässigkeitskriterien erfüllen, ist nicht immer leicht festzustellen. Im Allgemeinen kann aber gesagt werden, dass Baulichkeiten, oder deren Besonderheiten, die sich auf mehreren Werken wiederholen, als gesichert gelten können.

Ziehen wir also die bauliche Entwicklung unserer Stadt anhand der genannten bildlichen Quellen in Betracht. und werden uns dabei an das Bild von 1570 halten:

Phase 1): um seine Pustertaler Besitzungen vor dem Zugriff der expansionslustigen Grafen Albrecht von Tirol und Meinhard III. von Görz zu schützen, übersiedelt Bischof Bruno von Kirchberg und Wullenstätten[8] um 1250 seine Amtsgebäude von Aufhofen an den Ort der heutigen Unterstadt, am Fuße seiner Burg am Worberg. Hier befindet sich nun im Westen des Ballplatzes das Ballhaus, im nordwestlichen Eck dieses Platzes das Hohezornhaus, das bischöfliche Amtsgebäude, und das Neustifter Amtsgebäude, sowie das Richterhaus. Leute aus der Umgebung werden zum Ansiedeln überredet, indem ihnen Steuerfreiheit gewährt wird. Dafür verpflichten sie sich, eine Stadtmauer zu bauen. Ungefähr ab dem Saumüller wird ein Seitenarm der Rienz in einem Graben an der Stadtmauer entlang, bis zum Zwinger im Süden gezogen. Hier verläuft der Stadtgraben dann gegen den Felsen. Zwischen Ursulinenturm und Florianiturm befand sich der Teutsche Turm[9]. Am Florianitor überquert eine gedeckte Holzbrücke, etwa so, wie heute eine bei St.Lorenzen über die Rienz führt, den Graben[10]. Diese Brücke ist jedenfalls auf dem Gemälde von 1570 und dann noch auf dem Kapuzinerbild von 1630 sichtbar. Nach der Darstellung von 1570 macht die Stadtmauer gleich östlich anschließend an das Florianitor einen Knick, verläuft hier gegen Süden, indem sie praktisch den Ostabschluß der Florianigasse bildet und verläuft dann wieder nach Osten: dieser östliche Teil der Hintergasse fehlt also, während es eine westliche Hintergasse sehr wohl gab[11]. Möglicherweise findet die Stadtmauer in dieser ältesten Phase ihren Abschluß beim Paradeishäusl, wo angeblich in den Kellerfundamenten vor einigen Jahren der Rest eines Stadttores zu sehen war.[12]

Phase 2): jedenfalls noch vor 1336, also als die Stadtmauer unter Bischof Albert von Enna dann endlich fertig wurde, war die Stadtmauer bis zum heutigen Ragentor gezogen [13]. Das sich dort auf der Außenseite befindliche Fresko mit dem Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, datiert 1388, wurde also bald nach der Vollendung der Mauer ausgeführt. Gleichzeitig mit der Fertigstellung der Stadtmauer, wurde diese hier am Ragentor auch zuerst mit einem Halbturm weiter oben verbunden, machte dann erneut einen scharfen Knick nach Osten und schließt dann zum Messerturm ab. Möglicherweise entstehen in dieser Zeit auch schon zumindest einige der Häuser der Oberstadt. Jedenfalls stehen hier mit Sicherheit die kleine Kirche Zu Unserer Frau und eine frühe Phase des Ragenhauses.

Phase 3) es entstehen Anfang des 15. Jh. die Teiserhube[14] und um 1500 das Schloss des Ritters Bartlmä von Welsberg, heute Palais Sternbach.

Phase 4) irgendwann zwischen 1570 und 1630 wurde dann mit dem Bau der Häuserreihe begonnen, die Florianitor mit Kälberkopf verbindet und die östliche Hintergasse einschließt.

Carlo Sansone, Verein für Kultur- und Heimatpflege, Bruneck.


GESELLSCHAFT

Bruneck, am 15.10.02

Hundescheiße-Kinderspielplätze

Nach häufigen Klagen von Eltern , die feststellen mussten, dass es offenbar niemanden stört, wenn Kinder anstelle eines halbwegs sauberen Spielplatzes mit einem stark benutzten Hundeklo vorlieb nehmen müssen – z.B. festgestellt am 15.10.02, 12.00, im Kinderspielplatz „Bruder Willram"-, trifft es wieder mal mich, was zu schreiben, „weil’s sonst ja eh niemand tut". Dies fällt mir leicht, da es sich in diesem Falle beim Kind um meine Tochter handelt.

Auffallend ist jedoch, dass die meisten betroffenen Eltern, wie auch andere Mitbürger bei anderen Problemen, zwar hervorragend schimpfen und alles kritisieren, „sich dann aber doch nicht trauen"- aus welchen Gründen auch immer, selber aktiv zu werden, bzw. die beauftragten Stellen wenigstens über Missstände zu informieren.

Ich bin Mitglied der Umweltkommission und muss sagen, dass genug über das Thema Hundekot geredet worden ist; auch über die nötigen Schritte.

Nur die Taten sind halt noch immer überfällig!

Das kann nur heißen, dass endlich damit begonnen werden muss, die Hundehalter, die beim „Gassi-Gehen" ohne das inzwischen an mehreren Stellen (gratis) abholbare „Hundescheißenecessaire" angetroffen werden, empfindlich zur Kasse zu bitten.

Dabei könnte sich unsere Stadtpolizei des Dankes des überwiegenden Teils der Bevölkerung sicher sein!

Walter Harpf - Gemeinderat


GESELLSCHAFT

Politiker-Sprache- über den Missbrauch der Worte

Die Politiker haben es fürwahr nicht leicht: alle schimpfen auf sie, aber keiner will selber einer werden, um es besser zu machen. Sie müssen an stundenlangen Sitzungen teilnehmen, Reden halten, Interviews geben, Statements abgeben und sachkundig Stellung beziehen, und das meist zu Themen, von denen die meisten nicht viel Ahnung haben. Doch es gibt ein probates Hilfsmittel, das die Politiker befähigt, rasch und elegant über diese Hürden zu springen: die Politiker-Sprache.

Wer dieses spezielle Idiom beherrscht, kann mühelos Normalbürger einschüchtern, ihnen suggestiv ein schlechtes Gewissen einreden, unschöne Tatbestände schönreden, Bedrohliches verharmlosen oder verschleiern und Verdächtiges unter den Teppich kehren. Wer die Phrasen-Dreschmaschine jederzeit und allerorts mühelos anwerfen kann, wer hohle Worthülsen wie am Fließband zu produzieren vermag, wer die Sprache auf akrobatische Weise zur Heuchelrhetorik verbiegen kann, ist den Bürgern weit überlegen -zumindest mit der Zunge -, denn rhetorisches Leergut bietet für jeden Anlass die Möglichkeit, leicht beunruhigtes und aufmüpfiges Volk alsbald wieder "ruhigzustellen", auf dass es ja keinerlei politische Veränderung anstrebe.

So wird die Ticketeinführung im Gesundheitsbereich in der 8-seitigen Hochglanz-Rechtfertigungs-Broschüre des Assessorates Saurer als "Steuerungsmaßnahme" verniedlicht, da "Gesundheit kostet" und "Qualität ihren Preis hat" ( z. B. monatelange Wartezeiten auf einen Untersuchungstermin !). Mit weiteren Worthülsen dieser Art soll uns kosten geplagten Bürgern ein schlechtes Gewissen suggeriert werden, darum "müssen wir ab sofort gemeinsam Verantwortung tragen", denn "das.Geheimnis des Lebens liegt in der Gesundheit", sogar die Poesie muss für diesen Blödsinn herhalten. Der "Kostenexplosion" muss daher "eine klare Absage" erteilt werden, auch anderen schlimmen Dingen hier. Ist irgend etwas faul im Gebälk, verlangt der Politiker "selbstredend eine lückenlose Aufklärung" -wo sind wir denn ?

Neue Ideen und daher für die Volksvertreter von vornherein suspekt, müssen "gefälligst außen vor bleiben". Drohen die Zuhörer langsam hinüberzudämmern, verleiht der Redner seinem langweiligen Polit-Bla-Bla durch „energisches Betonen" und "Unterstreichen" etwas Pfeffer. Denn "energisch" sind sie alle, unsere Volksvertreter, die reinsten Energiebündel !

Wenn man etwas nicht genau weiß, dies aber in der Öffentlichkeit nicht zugeben möchte, "geht man davon aus" -ein ewiges Gehen !

Sportlich, sportlich, unsere Politiker! Wird gar einer dieser Spezies irgend eines Vergehens beschuldigt -dafür sorgt meist die Opposition -spricht man von einer "beispiellosen Diffamierungskampagne". Bei einer Diskussion muss der Assessor noch genau in seinem Amt „rückfragen" oder „sich kundig machen" , obwohl er seine Meinung zu dem betreffenden Thema "in keinster Weise" ändern wird. "Schritte in die richtige Richtung zu setzen" , ist ihnen ebenfalls ein großes Anliegen schließlich könnte man sich ja auch einmal verlaufen. Wenn sie sich ihre Bezüge kräftig erhöhen, ist es' nur eine harmlos klingende "Diätenanpassung", ebenso ist die Erhöhung der Selbstkosenbeteiligung in der Behindertenbetreuung zynischerweise eine "Harmonisierung".

Wird der Hasenstall eines Kaninchenzüchtervereins von Politikern feierlich eingeweiht, "ist das ein Meilenstein in der Geschichte", vor lauter "geschichtlichen Meilensteinen" kommt man jedoch leicht ins Stolpern. Geld verteilen -vornehmlich vor Wahlen - das tut immer "die öffentliche Hand" sehr gerne, um das kritische Volk bei Laune zu halten. Aber ist dann meine Hand eine "nicht-öffentliche"?

Der Philosoph Friedrich Nietzsche weissagte schon im vorigen Jahr- hundert, daß die wirklichen Machthaber der Zukunft eine neue, ganz spezielle Sprachregelung durchsetzen würden. Wie recht er doch damit hatte !

Brigitte Comploj


GESUNDHEIT

Elektrosmog - ein Risiko für die Gesundheit

Am 8. und 10. Mai 2002 organisierte die Verbraucherzentrale Südtirol die Aktionstage „Elektrosmog" in Bozen. Die wichtigsten Ergebnisse der Veranstaltung werden hier zusammengefasst.

Umweltmediziner warnen

Die Ängste und Proteste der Anrainer von Mobilfunkantennen werden noch immer damit abgetan, dass es heißt, ein Zusammenhang zwischen den Handymasten und gesundheitlichen Beschwerden bis hin zu bösartigen Tumoren sei noch nicht nachgewiesen. Der Umweltmediziner Dr. Gerd Oberfeld widerspricht dieser Aussage: „Es liegen eine Unzahl von Untersuchungen vor und die belegen eindeutig, dass nicht nur biologische Effekte da sind, sondern auch gesundheitliche Auswirkungen." Er kritisiert die Tatsache, dass auf offizieller Ebene noch immer um Grenzwerte gefeilscht wird, die allesamt viel zu hoch liegen, während die Hinweise darauf, dass bereits minimale Belastungen zu bleibenden Schäden führen, immer deutlicher werden. Der Punkt ist, dass die Gruppe von so genannten Elektrosensiblen immer größer wird. Sie leiden bei entsprechender Exposition unter Schlafstörungen, Herz- Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Blutdruckerhöhungen. Neben diesen biologischen Störungen gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf schwerwiegende Schäden durch hochfrequente Strahlung. Das Problem sind vor allem Langzeitauswirkungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen, bzw. auch Krebserkrankungen.

Wissenschaftler aus aller Welt haben bei einem Kongress in Salzburg im Juni sämtliche Erkenntnisse zusammenzutragen, und diese Ergebnisse lassen keinen Zweifel darüber, dass hochfrequente Strahlung aus Handys und Handyantennen krank macht. Es geht jetzt darum, zu erreichen, dass auch die zuständigen Behörden diese Tatsache zur Kenntnis und den entsprechenden Schutz der Bevölkerung ernst nehmen. Nähere Informationen unter

www.salzburg.gv.at/celltower

Handys nicht in Kinderhand!

Besonders gefährdet von den Auswirkungen hochfrequenter Strahlung aus Handys und Mobilfunkantennen sind wieder einmal die schwächeren Glieder der Gesellschaft, also die Kinder. Sie haben sowohl als passiv Bestrahlte, also wenn in der Nähe des Hauses eine Mobilfunkantenne steht, als auch als Handybenützer mit einer starken gesundheitlichen Gefährdung zu rechnen.

„Handys gehören auf gar keinen Fall in Kinderhände", so heißt es beim Netzwerk „Bürgerwelle" e.V., einer europaweiten Vereinigung, die sich mit den negativen Auswirkungen von hochfrequenter Strahlung befasst.

Dipl. Ing. Sigrid Grubauer von der Bürgerwelle Graz weist auf deutliche Warnungen aus England hin, dass Kinder unter 16 Jahren das Handy nicht benützen sollten. Aufgrund der Forschungsergebnisse denkt die englische Regierung daran, ein Handyverbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu erlassen. Die Forscher verweisen unter anderem darauf, dass schon nach wenigen Minuten Handy-Benutzung die Blut-Hirn-Schranke durchlässig werden kann. Dadurch können Gifte und Eiweiße in das Gehirn eindringen und Nervenzellen zerstören.

Außerdem gibt es aus anderen Studien dringende Hinweise auf mögliche Erbgutschädigungen, sowie auf ein erhöhtes Kopf- und Augentumorrisiko.

Neueste Untersuchungen in Österreich verweisen auf eine weitere Gefährdung und zwar, dass die Spermienqualität durch eine Exposition von hochfrequenter Strahlung verschlechtert wird. Eine Belastung der Genitalzone ist bei Buben vor allem dann gegeben, wenn sie das Handy eingeschaltet in der Hosentasche tragen. Bei dem von Kindern und Jugendlichen so häufig praktizierten SMS-Verschicken verlagert sich die Belastung auf jene Körperzonen, in deren Nähe das Handy beim Verschicken der Botschaft gehalten werde. Und da dies häufig unter der Schulbank passiert, ist wieder der Genitalbereich von der Strahlung betroffen.

Die Bürgerwelle in Österreich fordert daher ein Werbeverbot für Kinderhandys und setzt auf flächendeckende Information von Kindern und Eltern. Aufklärung braucht es auch bei den LehrerInnen: Ein Handyverbot in der Schule, das für Schüler und Lehrer gilt, wäre der erste dringend notwendige Schritt.

Nähere Informationen dazu:

http://www.buergerwelle.com/

Vernetzung nun auch in Südtirol

Die Verbraucherzentrale Südtirol bietet eine Infostelle für BürgerInnen, welche Informationen zum Thema Handys, Mobilfunkantenne und hochfrequente Strahlung benötigen, an. Die Infostelle wird von betroffenen BürgerInnen aufgebaut und geführt. Jeden ersten Freitag im Monat, jeweils von 16 bis 18 Uhr, wird Beratung angeboten. Interessierte können sich jederzeit bei der Verbraucherzentrale (Tel. 0471 975 597) für einen Termin vormerken oder einfach in der angegebenen Zeit vorbeischauen.

Außerdem bietet die Infostelle die Möglichkeit der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung bei Initiativen gegen die Errichtung von Mobilfunkantennen.

Verbraucherzentrale – Quelle: Naturschutzblatt


GESUNDHEIT

Früchtetees - Pestizide frisch aufgebrüht

Apfel, Hagebutte, Hibiskus, Orange und Holunder: Früchtetees liegen voll im Trend. Kaum Zucker, kaum Kalorien, aber viel Aroma. Wer Früchtetee kauft, denkt an Gesundheit und Geschmack. Die Stiftung Warentest hat 50 Früchtetees getestet. Erschreckendes Ergebnis: Die bunten Mischungen enthalten Pestizide und hochgiftiges PCP (Pentachlorphenol).

Holzschutzmittel im Tee

Betörende Düfte und exotische Aromen: Früchtetees sind in. Sie heißen Fruits of Paradise, Sonnenuntergang oder Tropentraum. Aus der Traum: 28 Teeproben enthielten das hochgiftige Pentachlorphenol - kurz PCP. Die Chemikalie wurde lange Zeit in Holzschutzmitteln verwendet. PCP wirkt gegen Pilze und Schimmel und ist giftig. In Tierversuchen löste das Chlorphenol Krebs aus. Seit 1989 ist der Stoff in Deutschland verboten. Für Lebensmittel wurde PCP noch nie verwendet. Doch Lebensmittel enthalten Rückstände. Bis zu 0,01 Milligramm PCP pro Kilo sind für Tee und teeähnliche Produkte erlaubt. Die Stiftung Warentest fand bis zu 0,098 Milligramm in einem Kilo Früchtetee. Zehnmal mehr als erlaubt.

Hagebutte mit Gift

Wie kommt ein Holzschutzmittel in den Früchtetee? Die chemische Analyse entlarvte die Hagebutte. Sie ist in den Früchtetees fast allgegenwärtig und enthält oft PCP. Der Grund: Die Früchte werden auf Holzrosten oder in Öfen, die PCP-belastet sein können, getrocknet. So geht das Gift auf die Hagebutten über. Die süß-sauren, Vitamin-C-reichen Früchte der Heckenrose kommen meist aus Chile, China und den Balkanländern. Da hilft kein deutsches PCP-Verbot.

Grenzwert überschritten

Besonders unangenehm: PCP ist wasserlöslich. Je länger der Tee zieht, desto höher wird die PCP-Konzentration im Tee. Nach 15 Minuten Ziehzeit waren bis zu 31 Prozent des PCP-Gehalts in das Getränk übergegangen. Trinkwasser darf höchstens 0,5 Mikrogramm PCP pro Liter enthalten. Einige Früchtetees lagen deutlich über diesem Grenzwert. Erschreckend - denn Früchtetee dient als Durstlöscher. Er wird reichlich getrunken, auch von Kindern.

Nur fünf sind rückstandsfrei

Neben PCP stören vor allem die vielen Pflanzenschutzmittel. Die Stiftung Warentest analysierte die Tees auf 260 verschiedene Pestizide. 21 Produkte, darunter auch drei Bio- und drei Kindertees, enthielten mehr Pflanzenschutzmittel als der Gesetzgeber für Tee und teeähnliche Produkte erlaubt. Neun weitere Produkte waren immerhin deutlich mit Pestiziden belastet. Woher sie stammen, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich sind die verwendeten Früchte gespritzt. Doch selbst aromatisierte Tees, die keine Früchte enthalten, sind nicht rückstandsfrei. Nur in fünf Tees wurden überhaupt keine Pflanzenschutzmittel gefunden. Die Testsieger heißen: Great Value Früchtetee, Reichelt Hagebuttentee, Teekanne FixFrutta, Spinnrad Erdbeer-Sahne und Westdeutsche Teegesellschaft Früchteteemischung.

Stiftung Warentest – Quelle: Naturschutzblatt


IN EIGENER SACHE

Gerichtsgebäude Welsberg in Forum Nr. 6- Juli 2002

Nach einem Telefonat mit Dr. Albrecht Lucerna, betreffend ein Foto vom halbzerstörten Gerichtsgebäude in Welsberg in der Mittelseite der letzten Forum- Ausgabe bedarf es der folgenden Richtigstellung:

Für die Gestaltung der Mittelseite zum Thema Ensembleschutz bin ich persönlich verantwortlich.

Die Auswahl der Mittelseite- Fotos und die Erstellung des lay outs geschahen unter großem zeitlichen Druck.

Dabei wurde leider übersehen, dass die Einreihung des Gerichtsgebäudes- in dessen momentanem Zustand- unter den Objekten, bei „denen es leider zu spät ist" die falsche Botschaft vermitteln könnte.

Das betreffende Verfahren ist, entgegen anderslautender Fehlinformationen noch nicht abgeschlossen und somit könnte es ebenso gut passieren, dass man das Gebäude restauriert.

Deshalb gehört das Foto auf die Seite jener Objekte, die wir sehr wohl noch retten könnten!

Ich persönlich wünsche dem Gerichtsgebäude noch ein langes Leben.

Entweder im jetztigen Zustand, als Mahnmal gegen die Hemdsärmeligkeit und Überheblichkeit mancher Lokalpolitiker.

Oder als restauriertes Schmuckstück für Welsberg; und als Symbol für die Einkehr eines Bewusstseins, das dem zunehmenden Verlust unserer Identität nicht weiter tatenlos zusehen will.

Walter Harpf, Bruneck

14.08.02


IN EIGENER SACHE

Das ehrt uns!

Archiv des Ferdinandeums

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum sammelt und dokumentiert seit über 175 Jahren Publikationen aus und über Tirol. Durch Zufall sind wir nun auf die 6. Ausgabe der Zeitschrift Forum gestoßen, die natürlich bei uns nicht fehlen darf. Wir wären Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie uns zukünftig ein Belegexemplar zur Verfügung stellen könnten, bzw. die bisher erschienen Ausgaben zukommen lassen könnten, damit auch Ihre lobenswerte Initiative in Innsbruck dokumentiert wird.

Mit einem herzlichen Dankeschön im voraus und freundlichen Grüßen

Roland Sila, Bibliothek, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Museumsstr. 15, 6020 Innsbruck

14.08.02


LITERATUR

volksverbloedung im zeichen der tricolori: ein erlebnisbericht

das maul hat's mir aufgerissen und nimmer hab's zu gebracht waehrend der ganzen live-uebertragung - vom volksmusikspektakel "gran brie der volksmusik" - aus meran. das wollt' ich mir geben, aber auch um der gewissheit willen, dass mit unseren steuergeldern mal was gescheites fabriziert wird. etwas mit nachhaltigkeit; etwas, von dem wir alle direkt profitieren!

ja, volksmusik wollt' ich mir geben. hatte mir's komott gemacht samt speck mit brett'l, brot und ein liter'le hergerichtet. zuvor noch die tagesschau, und schon gings los; gruess gott meran! oh du allmaechtiger, auf was hatte ich mich da eingelassen. "total romantisch" gaben sich billige "albano" verschnitte - in blond - die tuerklinke in die hand in "santa monica". eine peinliche schlager-schnulze folgte auf die andere! wo blieb die volksmusik, auf die ich sehnendlichst wartete.

zwischen den einzelnen interpreten super kommentare, welche dem niveau der dargebotenen musikeinlagen das wasser reichten. diese waren recht informativer natur. so weiss ich nun dass das törggelen die fuenfte jahrzeit ist ... dass, laut norbert rier, unsere badiotischen und gredner mitbürger "die ureinwohner" sind, welche "allein in einsamkeit" dahin fristen. aber auch, dass weder der schnauzer, noch alt-silvius, oder gar der pfalzner-tschusto zu den bekanntesten sidtirolern gehoeren. da sind: norbert rier, kurt oetzi, luis trenker und reinhold messner! welch ein quartett und sichere stichkarten. von aepfeln, wein und brot war die rede, aber von den leuten die in dem angepriesenen land hausen keine silbe! nicht einmal pusterer erdaepfel fanden erwaehnung. nur gut dass die ausfuehrungen der feschen moderatoren nicht auch playback eingespielt wurden, denn sonst waere ich um diese weisheiten gekommen. wieder was dazu gelernt!

und die show? ja, was soll ich sagen, selbst frankenfelds "musik ist trumpf" war seinerzeit um laengen besser, als das, was da in meran dargeboten und mir's vors speckbrettl geknallt wurd'! wenn ich nicht genau wuesste dass ich keine brille brauch', so haette ich zum zweifeln begonnen bei den unscharfen bildern die mein heissgeliebter sender bozen mitunter fabrizierte.

so kaute vor mich hin, nervoes gelangweilt an meinem speckbrett'l in erwartung von volksmusikalischen gustostueckerln. aber nein, es sollte nicht sein. der "verein zu foerderung der deutschsprachigen unterhaltungsmusik", wollte mich nicht begluecken. warum dann soviel wirbel in der presse im vorfeld und bei der gerichtsbarkeit? ein maennerchor samt jodelnder pfott haett'n diesen fernsehabend auch nicht mehr gerettet. ja, so sass da, mit mittlerweilen nur noch der neige in der flasche.

so standen schliesslich die sieger fest. nur keine volksmusik war dabei ... scheisse!!! dr. durnwalder, unser ministerpräsident, und die krönung des abends folgte. an die zwoelfjahrige burgenlaenderin & co uebergab er eine mega wein flasche. in zeiten von neuer festkultur und 0,5 promill-grenze eine zumutung! sind wir ein land der flaschen, oder wie ist das zu verstehen? war wohl nicht die feine englische art, aber fuer diese ist der tiroler nicht bekannt und schon gar nicht unser landesfuerst. gut abgeschitten haben's ja, die unsern oder besser gesagt, die azzurri. dabei grueble ich noch immer, wie es das ladiner-duo schaffen konnten den zweiten rang zu erzielen? der gitarrist, kaempfte sich mit zwei akkorden durchs lied, wobei die linke hand am gitarrenhals angeklebt schien und die rechte hand ausser takt in die seiten schlug. und der kleine mit der bontempi im hintergrund war kaum praesent in den fernsehbildern. ja, das frag ich mich, wie dies moeglich war? aber wahrscheinlich hatten die "allein in einsamkeit" vegetierenden ladiner –ihrer sprache im liedgut beraubt – das mittleid des eurovisionspublikum auf ihrer seite. und der oberhammer! die sidtiroler haben sich selbst ein eigentor geschossen mit ihrem votum! haetten's das nockalm quintett nicht mit zwoelf punkten bedacht, so waeren "die ureinwohner" als sieger hervor gegangen. ja, dumm gelaufen... aber halb so schlimm, in meran waren's danach wohl trotzdem beim saufen!

armin mutschlechner

070902


LITERATUR

Feuerbrand!

Dem Homo Sapiens sei gedankt,

das Gleichgewicht der Schöpfung schwankt.

Als "Zauberlehrling", immer dreister,

erschafft er ständig neue Geister.

Neben Auswahl, Züchtung und Hormonen,

versucht er sich auch gern mit Klonen.

Für kranke Wesen, kranke Pflanzen

gibt's dann keine Lebenschancen.

Dem Mensch fehlt jegliches Gespür,

ein Holocaust für Pflanz und Tier .

Rind, Huhn, Schwein und Schaf:

SEIN Todesurteil bereits er traf.

Und nun gellt noch ein Schrei durch’s Land :

Feuerbrand- Feuerbrand!

An Cotoneaster, Vogelbeer und Feuerdorn

entlädt sich stracks des Volkes Zorn.

Mit Schutzanzug, Zang und Scher'

wird man des Bakteriums Herr. .

später - mit vielen öffentlichen Moneten,

kann man die sterile Schönheit wieder retten. !

Doch

Einen Bonus hält die Natur sich bereit:

Sie hat Zeit, sie hat Zeit!"

Gerda Furlan


LITERATUR

Bruneck für Anfänger- nach unsystematischen und unalphabetischen Stichworten, 1. Teil

Stadt

Auch wenn Bruneck seit seiner Gründung amtlich als „Stadt" geführt wird, ist die genaue Bedeutung dieser Bezeichnung im spezifischen Fall weiter strittig. Insbesondere können viele Stadtbewohner nach wie vor nicht begreifen, was an Bruneck eigentlich so interessant ist, dass sich jeden Tag Tausende Nicht-Stadtbewohner veranlasst sehen, die örtlichen Straßen zu verstopfen. Weiters tun sich viele Stadtbewohner weiterhin schwer, bestimmte nicht-städtische Verhaltensformen abzulegen - wie z. B. für Strecken von über 70 Metern prinzipiell das Auto zu verwenden und sodann mit äußerstem Unverständnis zu reagieren, wenn im Umkreis von 300 Metern vom Zielort kein Parkplatz frei ist. Überhaupt lässt sich für viele das Wort „Stadt" am ehesten erklären mit „Ort zur konzentrierten Schaffung und Hinverlagerung von Problemen jeder Art". Was natürlich ein guter Grund ist, sich in sicherer Entfernung in gepflegten Einfamilienhauslandschaften niederzulassen und die Probleme den Leuten zu überlassen, die dumm genug sind, in der Stadt wohnen zu wollen.

Fraktionen

In Brunecks Fraktionen lebt der Geist der einst grausam eingemeindeten Ortschaften fort und kommt nicht zur Ruhe. Hauptzweck dieser Einrichtung ist es, ein allzu reibungsloses Funktionieren der Gemeindeverwaltung zu verhindern.

Mindestvoraussetzung für den Fraktionsstatus ist der Besitz eines Kirchturms. Eine Fraktion ist unter anderem dazu berechtigt, eine eigene Feuerwehr samt Halle zu unterhalten sowie eigene politische Vertreter zu entsenden, die folgenden vier, bisher nicht schriftlich festgehaltenen Regeln verpflichtet sind:

1) Keine Zeit mit Angelegenheiten anderer Fraktionen verlieren. Nur gegebenenfalls auf die Tatsache verweisen, dass diese in der Vergangenheit immer alle bevorzugt worden sind.

2) Insbesondere sich nicht auf Probleme einlassen, die Bruneck-Stadt betreffen. Nur gegebenenfalls weniger Verkehrschaos und mehr Parkplätze in der Stadt fordern.

3) Niemals etwas zulassen, das der eigenen Fraktion zum Nachteil gereichen könnte.

4) Niemals etwas zulassen, das einer anderen Fraktion oder insbesondere der Stadt zum Vorteil gereichen könnte.

Im Zweifelsfall ist stets der vierten Regel der Vorrang zu geben.

Bruneck hat fünf richtige Fraktionen und zusätzlich noch die Fraktion Bruneck Stadt. Letztere verfügt zwar über ganze 6 Kirchtürme, allerdings auch über ein sehr mangelhaftes fraktionelles Bewusstsein seiner Bewohner, das auch durch vergleichsweise disziplinloses Wahlverhalten zum Ausdruck kommt.

Stadtgasse

War bis vor 100 Jahren praktisch die ganze Stadt und ist auch heute meist noch das, was man meint, wenn man sagt, dass man in "die Stadt" geht. Vor nicht allzu langer Zeit mischten sich hier Läden, Handwerker, Gasthäuser und Rindviecher. Inzwischen ist das Ganze etwas urbaner und stellt das Herz der Einkaufsstadt Bruneck dar.

Das Warenangebot ist mittlerweile hoch spezialisiert. 80% der Geschäfte verkaufen Bekleidung der oberen Preisklasse, die übrigen 40% verkaufen Bekleidung der obersten Preisklasse. Der Rest sind Cafes und Geschäfte mit typischen Produkten der Nahversorgung wie z. B. Goldschmuck oder Markenparfüm.

Es ist dringend davon abzuraten, in der Stadtgasse laut das Wort "Parkplatz" auszusprechen. Man riskiert sonst, von einem örtlichen Wirtschaftstreibenden in ein 90minütiges Gespräch über den Mangel derselben verwickelt zu werden. Die Stadtgassen-Forschungsabteilung hat einen Bedarf von 4,02 Parkplätzen je Quadratmeter Geschäftsfläche ausgerechnet, die jeweils maximal 22,43 m vom entsprechenden Geschäftseingang entfernt sein dürfen. Die Umsetzung dieser Vorgaben dürfte sich allerdings noch leicht verzögern, da es sich um ein schwer lösbares geometrisches Problem handelt, auf das der Zentralrechner bisher regelmäßig mit Absturz reagiert hat.

Hans Peter Niederkofler


LITERATUR

Briefe eines Heimatfernen 03 - Gedanken zur politischen Situation in Italien

Lieber Carlo, liebe Angelika, liebe kleine russische Prinzessin Katharina!

Es gibt viele Arten von Pausen und keine ist wirklich erholsam, denn überall gibt es die Pausenjäger, die schon seit Ewigkeiten im Parlament dafür kämpfen, dass die Pausen verboten werden. Die Mehrheit war eines Tages für ein Verbot der Pausen, als ein schlauer Abgeordneter sich laut die Frage stellte, wie man überprüfen könnte, dass ein Mensch eine Pause macht.

Plötzlicher panikartiger  Aufschrei im Parlament und jeder einzelne nahm seine Stimme zurück, sprach von einer Mückenplage im Parlament, die zufällig soviele Arme bei der Abstimmung hochschnelllen ließ und selbstverständlich wird die Pause nicht aufgehoben, denn wer hätte schon das Recht die globale Pause abzuschaffen.

Der Protokollführer des italienischen Parlaments war ein gewisser signore Matagg, Sohn einer im Krieg eingewanderten deutschen Familie, die sich im Wald verirrt hatte als sie Lebkuchen suchte und dabei versehentlich die italienische Grenze überschritten hatte. Dies war zumindest die offizielle Version und das Gegenteil konnte keiner beweisen, was den Vater Matagg furchtbar stolz und verwegen machte. Der Sohn war genauso fett wie verwegen und hatte viele Geschichten auf Lager, die das Böse im Parlament säten. Er war davon überzeugt, dass die er die Wahrheit sagte solange ihm die anderen nicht das Gegenteil beweisen konnten. Ganz im Sinne seines Vaters. Aber der Sohnemann ging noch weiter und erzählte jedem von seinem Glaubensgrundsatz und da dies ja recht vernünftig klang, glaubte ihm jeder. Man war auch zu müde um sich auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben.

Außerdem war es ständig zu heiß. So erzählte der Protokollführer Matagg seine Geschichten der zweiten Protokollführerin signora Schawega während seiner Arbeit. Er vernachlässigte seine Arbeit dabei nicht, sondern schwätzte nur, wenn die Abgeordneten fluchten und sich schlugen. Er genoss diese regelmäßigen und zusätzlichen Pausen und lebte ausschließlich für die Pausen, da er sie nutzte um seine Geschichten loszuwerden. Am liebsten erzählte er der signora Schawega von der furchtbaren und obszönen Bemerkungen der Abgeordneten über sie. Sie wurde immer purpurrot dabei und fixierte dabei den Täter, der seltsamerweise auch immer anwesend und in Sichtweite war. Sie starrte ihn während der ganzen Sitzung an und vergaß dabei ihre Arbeit als zweite Protokollführerin. Matagg war entzückt und
liebte sein Leben.

Aber eines Tages drohte eben die Abschaffung der Pause und wurde wirklich abgeschaffen. Signore Matagg hielt die Abstimmung schriftlich fest und war untröstlich. Er war der Henker der scheinbar Gerechten und musste sich selbst verurteilen.

Nach der Abstimmung gab es seltsamerweise eine Pause, da man sich noch nicht an das eigene Gesetz gewöhnt hatte. Es war eine bereits abgeschaffene Pause im Abgeordnetenhaus bis der bereits erwähnte Abgeordnete sich laut eine Frage stellte. Und plötzlich erzählten die feinen Herren des Hauses kunterbunte Geschichten von einer Mückenplage, der sie nur gemeinsam Herr werden konnten und dass alles ei Irrtum sei. Der Geschichtenerzähler Matagg hatte eine Sinnkrise. Instinktiv fühlte er, dass eine Lüge den Raum beherrschte, aber vor allem wusste er, dass die Mückenplage die momentane Wahrheit in dieser auch von ihm geschaffenen Welt war. Er blieb ruhig, da man die Pausen scheinbar wieder retten wollte. Leider war im Abgeordnetenhaus aber Ernst und Ehrfurcht geboten und signore Matagg hatte schon Protokoll geführt über die Abstimmung.

Matagg fürchtete sich, da er unsicher war. Das erste Mal in seiner Laufbahn wurde eine Abstimmung annuliert und er wusste nicht weiter. Er griff zum Notfallhandbuch und er erfuhr daraus, dass eine Annulierung am selben Tag, aus welchen Gründen auch immer, unmöglich sei und ein Gesetz erst nach der Sommerpause abgeschaffen oder verändert werden könnte, da die Köpfe da wieder bewiesenerweise klarer seien. Zu diesem Zeitpunkt war Dienstag, der 10. Juli. Die Pausen des Sommers fielen also in den Bach. Matagg informierte die Abgeordneten über die Sachlage und das erste Mal war allen klar, dass das Gesetz über den Geschichten steht. So wurde auch das Pausenverbot zum Gesetz. Matagg errötete immer demütig vor allen Gesetzen wie auch vor diesem Gesetz, das stärker war als die Geschichte mit der Mückenplage und für die es keinen Gegenbeweis gab. Die Erziehung des Vaters, der in der Familie das personifizierte Gesetz war, ließ den Sohn Matagg noch immer zusammenzucken, wenn ein Gesetz beschlossen wurde. Er hatte deshalb eine Arbeit gewählt, die ihn emotionell wach hielt und an seinen hassgeliebten Vater erinnerte. Nun aber hatte er eine grässliche Entdeckung gemacht und herausgefunden, dass die Abgeordneten ihre eigenen Gesetze mit Geschichten angreifen und unwirksam machen wollten. Die Geschichten standen also über den Gesetzen. So grassierten inzwischen überall im Land Geschichten, die drohten Gesetze zu verändern, wenn nicht ein großer Staatsmann, an den sich niemand mehr erinnert, da er niemals im Ferseher präsent war, ein Gesetz durchgekämpft hätte, nach dem ein Gesetz erst nach der Sommerpause verändert werden dürfe.

Aber am 10. Juli mischten sich die Abgeordneten ins politische Geschehen ein. Wieder einmal hatte der sehr geehrte Abgeordnete signore Perzufall die Idee, die Pausen abzuschaffen Und sie haben auch die Pause der Sommerpause abgeschaffen und wer Pausen abschafft, kann auch den Sommer abschaffen, wenn doch scheinbar fast alle ihr Gehirn als Überraschunggeschenk aus dem Waschpulverkübel haben. Und wenn der Sommer abgeschaffen wird, dann können Gesetze sofort geändert werden, da die Sommerpause nicht mehr existiert.

Tatsächlich ist der gesetzliche Sommer heute noch immer in  Kraft. Die Pausen darf man noch immer nicht machen und jeder leugnet eine Pause zu machen. Signore Matagg fürchtet sich vor dem Ende eines jeden Sommers, denn er ist der Protokollführer und erkennt die Gesichter vor ihm, die Geschichten mehr lieben und respektieren als Gesetze. Vielleicht fällt eines Tages einem ehrenwerten Herrn tatsächlich die Geschichte mit der Abschaffung des Sommers ein und es könnten jederzeit Gesetze verändert werden, auch im Sommer, die dann noch komischer wären als die Gesetzesentwürfe vor dem Sommer.

Lieber Carlo!
Hier handelt es sich um ein kurzes Gedankenspiel zur politischen Situation in Italien. Die italienische Politik lässt sicher Freiraum für Geschichten, aber in der Überfülle der Geschichten wird sich das Land eines Tages selbst auffressen. Die Bürokratie hält noch die Nähte zusammen und schützt noch ein wenig vor zuviel Spontaneität. Das Sommergesetz, das es in Wirklichkeit ja nicht gibt, wurde eingeführt,, da die Regierungen ja regelmäßig nach dem Sommer abgesetzt werden, aufgrund der Kürze des Sommers. Sicher kann man dadurch nicht verhindern, dass dumme Geschichten zu Gesetzen werden, aber zumindest gilt der angerichtete Schaden eine Zeit lang und man kann fröhlich und heiter lästern. Tägliche Gesetzesänderungen hätten nur einen täglichen Regierungswechsel  mit einer permanenten Fliegenplage im Parlament zur Folge.

Wünsche einen schönen Urlaub und bis bald!

Friedl Pircher


LITERATUR

„Mir san mir"– Realpolitik; Straßensatire- verstehen sie Spass?

Seppl und Tondl*) beim gewohnten Watten mit den Rusina- Karten, auf halber Strecke, im Gasthaus an der Kreuzung nach St. Sigmund, vulgo „Zimat".

Bei diesem miserablen Straßenzustand traut sich nämlich keiner von beiden die ganze Strecke zwischen Bozen und Sand in Taufers zu! Das macht die beiden wütend auf die Straße, die politischen Verhältnisse und die Niederungen der Demokratie.

Die beiden würden übrigens Wert auf die Feststellung legen, dass sie bei solchen Gelegenheiten nicht besoffen sind, sondern lediglich "a bissl lustig" und meistens nur scherzen und über Belanglosigkeiten reden!

Do Tondl wischt si in Schwoaß fa do Stirn und seifzt:

„Prost, Seppl! Des isch jo wi a Ockkoweg; letza wi ba den Hupfa in Schtegn. Woasch no? Sem osch nettamol mitt an Ochziga driebofohrn gikennt, uhne dass dis ausnkatapultiert hot; den honni ihnan ondoscht wecktion gimocht!

Und nebmbei, wieviel ba de Stroßn la Wattzeit draugeaht, sogg do Jaussohofa a olm; wos moansch du, Seppl?! Hekschte Zeit, dass mo ins eppas infolln lossn! Jowwoll; mir mochns wi ba di ondon guotn Gscheftlan; lodd la mi, Seppl; a Frau no jung, bring an oltn Monn no giwoltig in Schwung. Wersch schun segn!"

Do Tondl haut in Pius Leitna-Lab Obo affn Tisch: Do Tisch knorrt fodächtig und hot ioz an Sprung mehr.

"Woasch wos, Seppl: Do rett’ as mittn Weschenhuoba und mitn Kulifta, nocha setzt as enk mittn Jaichna und mit inson Grolli af an Tisch ba do Traudi und mocht a Studie. So groaß und toio wi meglich. Wenn si’s schluckn, mochmo a schions Gscheftl und bilebn insre (locht!) Wirtschoft. Wenn si rebelliern, fokafmo ihnan a Noitrassierung af do oltn Stroße (locht herzlich). Woasch Seppl, wi do Kamarx schun gsogg hot: man muss di Leit asso betriogn, dass si dobei a no glicklich sein (haut sich af di Schenkl und brillt joz fa lochn)!"

Do Seppl prostit in Tondl zuo, jauchtzt fa Freide, knollt di Eva Klotz- Lab(l)dame affn Tisch und vostaucht sich an Fingo. A Glasl Roato fliogg affn Bodn. Di Wirtin lächlt und wischt au.

"Auaa - Schei... ! - wi is moch, ischs folsch – fofluocht; hoass Teiffl! Des hoasst, jawoll, selbfoschtendlich, Tondl; du soggschs!! Af de Ort honni nocha in do Politik a mietziredn; war jo zi lochn, wenn i dess et irgndwonn dorichtat! I woas a schun wi moss’ungion: Mir baudn die olte-Stroßn- Noitrassierung af a Kronenbroate va 10 a holb Metto, di Stroße selbo obbo la af sibbmaholb, noa kenn mo olbm sogn, dass mo inson Bischluss inholtn, di elf Metto net zi ibboschreitn, und sowwiso la a kloane Stroße baudn. Fa de gonzn 8 Metto Kron’broate- Bischlisse fa friha redmo oanfoch nimma. Braucht jo niomand zi wissn, wos di Birga und di Bauon seit zwanzig Johr ibbro fordon und mit „moderat" moan! Tiomo oanfoch asso als ob olbm la fa ibbo elf Metto di Rede giwessn war. Des terfmo nocha obbo olbm la strecknweise mochn. Olbm widdo a Stickl, wi in Bruneck, in Milboch und Welschberg und Niddodorf. Siggsche wo; semm’ otts a ibbro et donoch ausgschaugg und nocha ischs dechto gong! Dess kemmo doweil woll! Noa bau mo di Sticklan longsom zom und zin Schluss hommo de „superstrada di montagna a scorrimento veloce" dechto gimocht, wi i se in Brissl und in Roum voschprochn hosch. War jo no schiana! Zi wos’ osch en de gonzn Stimm kriogg, wenni nocha di schionschtn Gscheftlan et mochn sollasch, wi mir welln!? Und ibbrigens: wer viel frogg, geat viel irr und die Obrigkeit und die Oltn sollsche in Ehrn holtn weil wer gegn in Wind brunzt, mocht sich di Hosn noß."

"Jowoll; Prost!- horch zuo, Seppl: Mit de grion Raunza wermo mitn kloan Fingole fertig; a bissl letza sein de Elemente in insre eigenen Reihdn; des nimmp in leschto Zeit unguote Ausmoße un! Obbo wos willsch mochn, als Sommlpartei musche si la a win redn lossn. Villeicht kriog jo a do Hias no di Kurve. Suscht dransch du widdo ammol au oddo mir schick ihnan in Jokassiel. Af jedn Foll kaf mo in de a no di Schneid’ o; de gonzn Voreine wi do Familienvobond, do KVW, do Bauonbund und wi se olla hoaßn, brauchn jo a Beiträge, oddo? Schließlich wert ioz jo ibbro gschport! Isch niamand in Lond, der mi schmeißt, der mi fongg, der mi schmeißt, der mi schwingg, der mo's Ledole onimmp!"

Do Tondl jauchzt fa Stolz af di eigine Hintotriebnheit, knollt di Müheike affn knorratn Tisch, und moant no: „Porzellona; jeds Trepfl a Fackl!". Di Wirtin und di ondon Gäschte foschtion net, schaugn entgeischtot und bisorgg, obbo mit Zuoneigung und Biwundorung. Di hibsche Kellnarin bring zielstrebig und rutiniert zwoa noie Flaschlan Roatn.

Do Seppl fiehlt sich teiflisch schlau und schmunzlt:

"Prost, Tondl; wort la. Mir lossn se a win zappl, nocha moch mo a Pressekonferenz in do Bizirksgimeinschoft, weil sem hom la finf Leit Plotz, in Juli oddo Auguscht, pol foscht niomand do isch und de wos do sein la in Urlaub in Kopf hobm. Dozehl tiomo ihnan natierlich nicht Ginauis. I garantier’ do, dass niomand eppas va de elf Metto Broate merkt. Mir missn la inson Hias fernholtn, sischt mochn ihn de PPP- Schmeißfliogn no Schwierigkeitn. Donoch sog mo a Weile nicht ma und wenn si decht no läschtig wern werf mo ihnan vor, dass si olbm raunzn pols schun zi spot isch (locht mitleidig). Woasch no wi si in Welsberg gimault und gitun hobbm; va wegn Rickstufung af Stroßnkatigorie 5.

A gschickts Birgomeischtole wos mitn Oriss fan Girichtsgipaide und mit do Ausfohrt Mitte zifriedn isch und affoamo gett olls, wi e siggsch. Obbo wos iz do in Niddodorf los isch, voschteat koa Mensch. Obbo loss mo se la a win tion, wort mo no a win und donoch bau mo dechto und in di Leit sogmo, dass man leido et mittn in a zeitgimässo Stroße und la weils in di Niddodorfa passat, af di Londschoft, affn Lärmschutz und insra Bauon Ricksicht nemm konn, heintzitoge. Oddo? und dassis

oanfoch zi spot isch und dass suscht no zehn Johr et gebaut wern kennat. Do kheart a ordntliche Strosse hin und basta!- sogmo; wi in Obfoltosboch und pan Haida Jergl dohoam und pa di Ungarn! Schließlich well mir zwoa wo groasse Europapolitik mochn! Oddo? Osche gimerkt, bolle mittn Hjergl vosprochn hosch, dass mo di E-66 et welln, wor widdo a poor Wochn a Ruo. War jo zi lochn, wenn grott mir mit Ricksicht af di Wähla unfongatn, wo mo di Stimm bis iotz jo olbm no automatisch kriogn!? In Vipeintna mochmo a no stillesein, mit sein Gschwätz fa die Eisacktola Fohältnisse. Des konna sich denkn, obbo er terfs decht et sogn, wenna af sei Position an Wert legg! In Untopuschtotol kennats sich obbo dechto no wehrn. Do braut sich moane eppas zom. De Brunecka Klicke gfollt mo olbm wioniga. „Aus an bitton Maul komman et siaß speibm!"

Do Tondl isch af af oamo wi fowondlt und nimma zi kenn, rutsch unruhig af do Bonk hin und her, redit sich obbo glei selbo Muot zuo:

"Na, na Seppl; iz schaug mo, dass inso Plan gilingg. Donoch moch mo inson Grolli zin Birgomeisto fa Bruneck, bifor monn ins Lond wähl loddn; schlioßlich seimo jo et undonkpor! Nocha gebbmo ihm an Haufe Geld fir viela schione Projekte, noa werd sich des mit der grion und sozialn Birgapaggasch schun auhearn! - Hennen, Kind und Weiboleit bringen in olla Nochborn in Streit!

Olbm vorausgsetzt, dass i nocha no ’s Sogn hon; weil i hon gheart, dass i ’s negschte Mo in eiginen Tol nimma mit do Untostitzung fa olla rechn konn. Do redn a Poor umma, di Leit sollattn sich pa de Stroßn-und Bohngschichtn et ewig fir bled vokafn lossn!" A Träne kullot über Tondls Wonge.

Do Seppl vosteat die Welt nimma, fosst obbo schließlich dechto schnell widdo Muot:

"Na, na, wort la, Tondl. Wi’s Gscherr, so do Herr! I sogat, mir sollattn zierscht amo de PPP eliminiern oddo zimindescht inschläfon. Ioz, wo mo foscht in Ziel sein! Wenn di Leit bis ioz et mietkriog hobm, wos mo do baudn, wer mo ins et in leschtn Moment no Probleme mochn lossn!? Des wert inso "Hiasl fan Nikkolaus" wo dorichtn (boade grinsn tamisch, hämisch und missginschtig). Den passt des ols moane selbo nimma, dass a de „Pixe fa do Valdaora, oddo Pamdorra", oddo wi des hoast, augitun hot; mit sein "ibboparteilich" und seina Spielzoigziege. Letza wi de Vinschga! Se war jo eh koa Problem, wenn se ins la mit do Stroße tion lossn! Sem erledigt sich des mit do Bohn nocha fa alloane! Nebmbei hommo se aso wionigschtns a win unto Kontrolle; do fenn mo schun in oan odo ondon, wos ins ols dozehlt! Und ausschaugn tuats a wi wemmo demokratisch warn (locht dogibbig). Fa der PPP- Pande, wos si do ungsommlt hot, konni obbo la wornen! Do solln a poor va do Union und do Glang dobei sein und a poor wos nettamol insre Sproche redn, moant do Jokassiel! De pochn iotz af inson Bischlussontrog zin Puschtra Vokehr fan Novembo. 12 fa insriga hom sem mietgstimmp; wi des la passiern gikennt hot!? Nicht zi wundon, wenn olla moan, mir hettn des erst gimoant! Di Grion und do Pleitna wellattn ioz frisch oan mittn gleichn Inholt inbreng. Kimmp et in Froge, weil ioz Wohlzeitn sein, sogmo. In Londtog wer mo anno zi kuschn mochn. A giwisso Lutarini soll ibbrigens schun widdo di Rickstufung fa do Stroße gfordot hobm und scheint’s warsch du an Ort Diktator! Olls wos recht isch! Entwedo mir erledign se iotz, oddo nimma; sischt kemmo ins glei olls gfoll loddn und in de s’Feld ibbolossn. Wi schaug mo en sem aus?! Wi sich de la gitraudn, sich Pro Pustotol zi hoasn! De Sachilan hommo olbm no unto ins ausgimocht; des isch „cosa nostra"! (lächt mochtbiwusst)

Wort la, do stellmo in Hiasl un. Der isch obbo meglichoweise selbo et gonz saubo; der soll jo koana Faxn mochn; sischt konna glei selbo do Londeshias wern, wenna sich gitraut! 

 

Do Tondl isch ioz schun widdo zifriedina: "Jowwoll, Seppl, Prost, zin Wohle- war jo zi lochn, porzellona no amol! Di „DoloPravda" wert wo hoffntlich weitahin in di Leit nicht Wesntlichs dozehln, obwohl man pa der noistn Mebna- Umweltlinie af olls gfosst sein sollat! Und di „FF" und di „TZ" lest zin Glick eh niomand. Af jedn Foll geat as ioz weitahin af Werbetour und di Birgomeistolan biorbatit as jo schion oanzeln und hinto foschlossina Tiern! So eppas wi in St. Lorenzn terf sich nioma widdoholn! Obbo zin Glick hom di Leit s’ Gidächtnis fa Oantogsfliogn. Wiggsogg, nocha mochtas widdo amol a poor Presseaussendungen und Bizirksleitungssitzungen mit di Induschtrielldn und mittn Jokassiel; und s’ Chgartnale, do Jaussohofa oddo do Hpfux oddo frisch do Vipeintna kennattn ruhig a widdo amol eppas sogn! La oft owexln, nocha schaug’s aus, as wi wenn as fir olle Puschtra und fir di „foreinigte Wirtschoft" redat; und jo olbm mit groassa Pressefoto in do „Dolo Pravda"! Des kriagg as schun hin, wearsch segn! Do Hiasl muss hot olbm a guate Ausrede hobm weckzibleibm; der konn olbm sogn, dassa irgndwo a Predigt zi holtn hot oddo dass do Zug Fospätung ghob hot (grinst beasortig). Jednfolls, des wert ioz gimocht und basta, wiggsogg; porzellona, do isch et long zi ploddon! War jo no schiona; „wer si selbo kitzlt, locht boll’a will!

Obbo ioz reichts! Mir welln ins decht et di Laune und’s Kortale vosaudn loddn, oddo? Pros..tata, zin Wohlele, porzellona, tschiers, salutt (rülps)!"

Di Kortn knolln widdo efta; do Seppl schleidot se ioz mit do Linkn und kropft olbm efta. Minuttn späta, pan Kury & Kasslatta- Ass, krochts giwoltig und do Tisch geat endgiltig zi Bruch. In Seppl ischs ioz dechto a win peinlich: er plerrt foscht fa Wea und holtit sich mit Doborm- erregendn Augnauschlog in linkn Orm.

Di Wirtin isch’s giwehnt und lächlt folegn, obbo kompliznhoft und voständnisvoll va oan Oare zin ondon und sulzt zi do feschn orietalischn Kellnarin: "Di beschtn Geschte hom obbo olbm no mir; weisch, des sein zwoa gonz feine!" S’ schneidige Madl foschteat Bohnhof und bring, bifor sich’s jemand fosiecht, zwoa noie Floschn Wiesswein. ....

Di boadn Polizistn, wos di leicht lustign Korta donoch in di jeweils richtige Richtung affn Ockoweg inweisn miosn, wortn olbm no brav und dofriern schun seit drei Stundn.

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*Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen ist selbstverständlich rein zufällig

Von Waharpf & Carsansone & Bricomploj


THEATER

Theaterdonner

Schreibt man in Südtirol einen Brief an Landes- und Gemeindepolitiker - bekommt man ihn dann, weiß Gott warum in verschiedenen Zeitungen wieder serviert. Aber leider nur auszugsweise aber, was die grundsätzliche Aussage des Schreibens zwar nicht verändert, den Lesern aber eine unvollständige Information vermittelt.

Wir schrieben vor kurzem dem Landesrat für Kultur, dem Brunecker Bürgermeister und anderen Politikern einen Brief, mit der Bitte sich über die Zukunft des Brunecker Stadttheaters einige Gedanken zu machen.

Da die Subventionen, die das Theater bekommt, eindeutig zu niedrig sind um das gewohnte Pensum und die bewiesene Qualität auch weiterhin aufrecht zu erhalten, haben wir die zuständigen Politiker gebeten, eine klare Entscheidung zu treffen. Braucht es ein Stadttheater oder nicht? Will man sich eine kulturell ganzjährig tätige Institution weiterhin leisten – oder soll das Kulturangebot einer Stadt nur mehr von Agenturen und Managern mit einmaligen „Events" abgedeckt werden?

Wahrscheinlich hat man sich einfach nur daran gewöhnt, dass wir seit Jahren anspruchvolles Theater anbieten – für ein „Trinkgeld". Leider wissen die Leute nicht, wie viel Geld (auch zu Recht!) für andere kulturelle Tätigkeiten oder Events ausgegeben wird - sie hören nur, dass wir schon wieder mehr Subventionen verlangen, aber nicht dass wir nur so behandelt werden möchten wie andere auch.

Wenn in Südtirol ein Theaterverein (auch zu Recht!) - für wesentlich weniger Theaterproduktionen - und viel, viel weniger Aufführungsabende, von der öffentlichen Hand 10 mal soviel Geld bekommt wie wir, so ist das eine politische Entscheidung! Und die müssen wir halt akzeptieren.
Anderseits aber muss man aber auch von uns akzeptieren, dass wir langsam aber sicher alles hinschmeißen werden:

weil wir als Verein nicht mehr in der finanziellen Lage sind die gewohnte Qualität aufrecht zu erhalten;

weil wir keine Lust mehr haben, viel Arbeit, Verantwortung und Risiko auf uns zu nehmen - und nicht mehr gewillt sind weiterhin unser privates Geld, das wir als „Theaterprofis" bei ANDEREN Theatern verdienen, hier in Bruneck, in eine von der Politik nicht ernst genommen Kulturinitiative zu investieren.

Wann wird man verstehen, dass das „Stadttheater Bruneck" kein Amateurverein ist, der einmal jährlich in seiner Freizeit soziokulturelle Tätigkeiten absolviert, sondern ein professionell ausgerichtetes Theater, das regelmäßig mit anderen Bühnen (auch viel größeren, wie das Tiroler Landestheater, oder die Vereinigten Bühnen Graz) international kooperiert, bis zu 10 Eigenproduktionen im Jahr mit über 150 Aufführungen anbietet - und als einziges Theater des Landes, immer wieder zu Gastspielen in wichtige Theater des deutschsprachigen Auslands geholt wird? (Heuer z.B. sieht man Produktionen von uns u.a. in Wien (Theater Akzent), Graz (Vereinigte Bühnen Graz), am Salzburger Landestheater, in Innsbruck, am Vierwaldstätter Hoftheater, bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs usw.

Wir sollen Kultur produzieren, - andere leisten es sich, fertige „Events" einzukaufen und geben nur für die Werbung dafür, mehr Geld aus, als wir für die Erarbeitung eines Theaterstückes, inklusive Regisseur, Schauspieler, Kostüm- Bühnen- und Maskenbildner die jeweils ca. 2 Monate dafür in Bruneck leben müssen, was auch für die Brunecker Wirtschaft nicht uninteressant ist.

Wir haben es in wenigen Jahren zu einem der renommiertesten Theater des Landes gebracht, Das „Stadttheater Bruneck" ist zum Aushängeschild der Südtiroler Theaterszene geworden und möchte endlich auch dementsprechend behandelt werden.

Ein erster Schritt dazu kommt jetzt vom Landesrat Hosp und dem Brunecker Bürgermeister Christian Tschurtschenthaler. Die beiden Politiker denken daran, den fast verwaisten Kolpingsaal für das „Brunecker Stadttheater" anzumieten. Eine interessante, für die Stadt sicher positive Idee, könnte doch das einzige für Theater geeignete Haus Brunecks so zu einem wirklichen „Stadttheater" werden - zu einem lebendigen Kulturzentrum in dem nicht nur das wir, sondern auch der Filmclub, die von uns ins Leben gerufene internationale Theaterschule, das Kolping-Kindertheater und andere Brunecker Gruppen ihren Platzt finden. Dank unserer Eigenproduktionen, Kleinkunst-Gastspiele und Konzerte, kann dem Brunecker Publikum ein ausgewogenes, anspruchvolles Jahresprogramm geboten werden, das durch Filmprojektionen, Amateurtheateraufführungen, Kindertheater, Vorträgen usw. aufgewertet wird.

Sollte das Kolpinghaus tatsächlich zum Brunecker „Stadttheater" werden, bekommt unsere Stadt endlich ein Haus, das diesen Namen auch verdient - ein Zentrum das ganzjährig Kultur und Unterhaltung anbietet und von dem aus auch andere Aktivitäten wie das „Straßentheater" und das „Jazzfestival" organisiert und koordiniert werden sollten, um so der Gemeindekasse sinnlose Agenturkosten zu ersparen und Sponsorengelder sinnvoll zu bündeln.

Klaus und Jan Gasperi


UMWELT

Experten warnen vor Wasserengpässen durch schwindende Gletscher

Durch das Schwinden des Gletschereises könnte es zu Engpässen bei der Wasserversorgung in den Alpen kommen. Davor haben Experten bei der Tagung zum Thema „Der Klimawandel und die Auswirkungen auf den Alpenraum" im österreichischen Neukirchen gewarnt.

Klimaszenarien zufolge würden sich die Abflussbedingungen im Zentralalpenraum stärker ändern als in den unvergletscherten Voralpen, erläuterte Ludwig Braun von der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Höhere Temperaturen im Sommer und weniger Schneefall im Winter bewirken, dass das Eis schneller abschmilzt und damit höhere Abflussmengen zustande kommen. Sollte sich der starke Gletscherschwund über weitere Jahrzehnte fortsetzen, dann werde die Wassermenge, die das Hochgebirge freigibt, aber ebenfalls immer weniger, warnte Braun.

„Beim endgültigen Verschwinden der Gletscher werden die sommerlichen Abflüsse stark reduziert, was unter Umständen zu empfindlichen Engpässen in der Wasserversorgung führen kann." Als Beispiel nannte Braun den Vernagtferner in Tirol, der in den vergangenen 20 Jahren im Mittel zwölf Meter Eis verloren hat. Das entspricht etwa 110 Milliarden Litern Wasser oder dem jährlichen Trinkwasserverbrauch der Region München.

Michaela Falkensteiner – Quelle: Naturschutzblatt


UMWELT

Der Treibhauseffekt

Das Leben auf der Erde ist abhängig von der eingestrahlten Energie der Sonne. Diese wird durch Reflexion und Verdunstung größtenteils wieder abgegeben. Die natürlichen Treibhausgase, Wasserdampf und CO, verhindern aber die vollständige Abstrahlung der gesamten Energiemenge, indem sie diese absorbieren und somit in der Erdatmosphäre zurückhalten. Sie wirken also wie die Glaskugel eines Treibhauses. Ohne die natürlichen Treibhausgase würde die durchschnittliche Temperatur der Erdoberfläche nicht 18° Celsius wie jetzt, sondern -15° Celsius betragen. Weil die Anteile der Treibhausgase in der Atmosphäre als Folge menschlicher Aktivitäten ansteigen, nimmt der Treibhauseffekt stetig zu. Das natürliche Gleichgewicht wird durch die von Menschen verursachte Emission von CO, Methan, FCKW und Distickstoff zerstört. Als Hauptverursacher gilt CO2 (Kohlendioxid), das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Erdgas, Erdöl und Kohle (2/3), und durch Brandrodung (1/3) entsteht. CO2 ist ein ungiftiges Gas. Ein Teil davon wird von Pflanzen aufgenommen, ein anderer Teil von den Ozeanen gebunden und der Rest verbleibt in der Atmosphäre. Dort soll es die Erde vor Auskühlung schützen, indem es die Wärmeabstrahlung speichert und nach und nach wieder abgibt (Treibhauseffekt). In den letzten hundert Jahren hat sich immer mehr CO2 in der Atmosphäre angesammelt, bedingt durch die Industrialisierung. Der Treibhauseffekt verstärkt sich und führt langfristig zu einer Erhöhung der Temperatur auf der Erde. Die weltweiten Extremwetterlagen, die wir in zunehmend drastischer Form erleben, sind möglicherweise Folgen davon.

Michaela Falkensteiner- Quelle: Naturschutzblatt


UMWELT

Waldheim - Augen zu oder weggeschaut ?

Seit etwa 20 Jahren ist die Umfahrungsstraße von Bruneck eröffnet.

In Waldheim hat man da gleich nach der Ausfahrt vom Tunnel in Richtung St.Lorenzen eine ziemlich lange Pannenhilfestelle eingerichtet.

Diese Ausweichstelle wird von Anfang an häufig als Parkplatz zweckentfremdet. Was jedoch mehr als ärgerlich ist, ist die Tatsache, dass der Wald hier auf der gesamten Länge als kostenloser Müllentsorgungsplatz und sogar als W C = Waldklosett benutzt wird. Es passiert nicht gerade selten, dass Müllsäckchen bis zu den Anwesen Nr.6 und Nr.8 herunter rollen und wir Bewohner dieser Anwesen dann die Bescherungen direkt am Haus haben.

Ich verbringe seit mehr als 40 Jahren viel Zeit in dieser schönen Stadt Bruneck und wohne dabei in Waldheim. Meine Frau ist eine geborene Bruneckerin und seitdem ich Rentner bin, sind wir cirka die Hälfte des Jahres hier in Bruneck, bzw. Waldheim. Verschiedene Bewohner von hier und auch ich haben schon vielmals in Telefonaten, in persönlichen Gesprächen und auch in Briefen an verschiedene Stellen der Gemeindeverwaltung und an die Stadtpolizei auf diese Missstände hingewiesen. Passiert ist jedoch bis heute nichts. Stellt man hier die Ohren auf Durchzug? Oder sind die Papierkörbe in gemeindlichen Stellen besonders groß?

Es wäre schön, wenn man den verschmutzten Wald sauber machen könnte, einen oder zwei Müllcontainer oben an der Ausweichstelle aufstellen könnte und vielleicht eine mehrsprachige Tafel mit freundlichen Appellen anbringen könnte. Sicher gibt es aber noch viele weitere geeignete Maßnahmen, die überlegt werden könnten. Ich bedanke mich für die freundliche Beachtung dieses Schreibens und viele Waldheimer würden sich über Aktivitäten freuen.

NS: Mit Freude habe ich festgestellt, dass am Graben, gegenüber des Sparkassengebäudes schöne Hausrenovierungen durchgeführt wurden. Das ist bestimmt ein Gewinn für das Stadtbild. Leider gibt es aber in der Stadtgasse nun auch ein ziemlich negatives Beispiel. Am Unterrainer Tor wurdeein einmalig schönes Altstadt-Ensemble brutal zerstört. Bei allem Verständnis für eine moderne Architektur. Hier ist sie meines Erachtens fehl am Platze!

Rudi Seibold, Bruneck/München


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Gebt der Bahn endlich eine Chance!

Ich bin schon verwundert, wenn sich 12 Abgeordnete aus parteipolitischen Gründen nicht dazu aufraffen können, Anträge für die Bahn mitzutragen. Es dient nun einmal der Sache nicht, sich nur medial „Pro Bahn" auszusprechen, aber der Bahn dann bei Abstimmungen keine Chance zu geben.

Dabei wäre es ganz einfach (wenn man will): Jetzt die bestehende Bahn den Erfordernissen der heutigen Zeit anzupassen, damit der heutigen und den nächsten Generationen diese Bahn als echte und vor allem attraktive Alternative zur Straße anzubieten. Wie langweilig es ist, jeden Tag in einem Auto herumzukutschieren, weiß ohnehin jeder. Und wie gefährlich es ist, haben mir vor wenigen Tagen wieder die Kreuze und Marterln entlang der Pustertaler Straße gezeigt. Die Eisenbahn schützt den Lebens- und Wirtschaftsraum, schafft Arbeitsplätze und ist sicher. Darum geht es und deshalb meine Bitte an die Pusterer SVP-Abgeordneten: Nehmt halt den Grünen Antrag und bringt’s ihn selber ein und gebt damit der Bahn die Chance. Eure Kinder und Kindeskinder werden es danken. Und schaut’s ins Außerfern, wie gut wir da am Weg sind. Diese Bahn wollten sie vor zwei Jahren einstellen – jetzt geht es aufwärts.

Fritz Gurgiser, Transitforum Austria-Tirol


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Kommentar zum TZ- Artikel: "Streit um den Guru" (Schraffl- Gurgiser), am 17.10.02

Herzlichen Dank, jetzt weiß ich wenigstens, warum wieder eine kleine Aufregung herrscht.

Was nicht stimmt ist, dass es "seit langem einen heftigen Streit zwischen dem Chef des Dachverbandes Kuno Schraffl und dem Nordtiroler Anti-Transit-Guru Fritz Gurgiser gibt". Ich habe das gestern deutlich gesagt; dieses Kapitel ist längst geschlossen und interessiert mich nicht, weil es mich nur aufhält. Es hat vor über einem Jahr eine kleine Auseinandersetzung gegeben und ich habe in meiner Verantwortung gegenüber dem Transitforum die Konsequenzen gezogen.

Das ist alles.

Und das zweite ist, dass ich seit 9.1.1987 ehrenamtlich in diese Sache investiere und nie einen Unterschied zwischen Nord- und Südtirol gemacht habe. Ungeachtet dessen, ob uns gerade wer unterstützt oder nicht (ich habe wohl auch da mit wechselnden Wegbegleitern zu tun; beinahe so wie in der Politik, wo ich schon den 7. Verkehrsminister überstanden habe).

Geradezu absurd scheint mir die Formulierung, "ich kann doch nicht offen reden, wenn Gurgisers Spion hier sitzt". Das zeigt nur von persönlicher Wichtigmacherei - denn wenn schon "Spione", dann setzt man sie nicht in den eigenen Reihen ein, sondern dort, wo sie tatsächlich der Sache helfen können (in Ministerien, der Kommission etc.). Mir einen solchen Unsinn zu unterstellen und den Walter Harpf als "Spion" zu bezeichnen, nur weil wir in der Sache Pustertal gut zusammenarbeiten, ist nicht einmal zum Lachen.Entscheidend für uns ist, dass wir ganz klar bei der Umsetzung unseres Programmes arbeiten (Alpenschutz-Transiterklärung) und dass wir immer dann zur Stelle sind, wenn es um schwerwiegende Änderungen geht, so wie diesmal. Schauen Sie sich bei uns top-aktuell an: www.transitforum.at - Für wen wir auf der Straße stehen Teil 1, 2, 3 .... und schauen Sie sich da auch die Konsequenzen des Kommissionsvorschlags an. Jeder ein Dolm, der meint, das trifft nur Österreich. Wenn auf den österr. Transitrouten keine Grenzen mehr gelten, gelten sie auch im Vor- und Nachlauf nicht mehr. Und da vermisse ich seit über einem Jahr die sogenannte "Unterstützung" vor allem aus dem Süden - denn es sind die Italiener, die mit aller Kraft gegen jede Begrenzung arbeiten. Ob im Umwelt- oder Verkehrsausschuss des EP oder auf Ministerebene mit Pietro Lunardi. Da braucht man nur das Papier anzusehen, das Reichhold und Lunardi unterschrieben haben - und aus Südtirol weder von offizieller (Landes) als auch von inoffizieller (Initiativen) Seite auch nur Sterbenswörtchen. Vielleicht hat sich im Süden niemand um dieses bemerkenswerte und brisante Papierl gekümmert, das bei uns in Verwahrung ist.

So einfach ist das und da braucht niemand jahrelang herum zu philosophieren, ob "der Gurgiser den Nord- oder Südtirolern hilft". Das ist ausgemachter Unsinn und Unkenntnis der Sachlage. Schon 1988 in Brixen in der Cusanusakademie habe ich festgehalten, dass wir das Problem von Rosenheim bis Verona lösen müssen und nicht in Vomp oder Schönberg oder Brixen oder Bozen. Da hat man von einem Kuno Schraffl noch gar nichts gehört und damit ist diese Frage geklärt und erledigt.

Die Qualität des Transitforums liegt darin, dass wir seit vielen Jahren konsequent für die Menschen und Betriebe mit unserem Projekt "Am Brenner fürdie Alpen" kämpfen und keinen Millimeter nachgeben. Es mag sein, dass das auch zu Neidkomplexen und Platzhirschverhalten führt, was ich persönlich sehr schade und unnötig finde.

Daher eine persönliche Bitte von mir: Geben Sie unseren Inhalten, für die wir auf der Straße für die Menschen zwischen Rosenheim und Ala kämpfen, den gleichen Platz wie diesen kleinlichen Streitereien, die es von meiner Seite ohnehin nicht gibt. In dieser Sache geht es darum, wie wir den Lebens- und Wirtschaftsraum in den nächsten Jahren gestalten. Für unsere Kinder, die ein Recht darauf haben, auch in 5, 10 oder 20 Jahren in diesen Tälern zu arbeiten, zu leben, zu wirtschaften und dieses einzigartige Erbe weiterzugeben.

Diese künstlich erzeugten und für die Sache unnötigen Konflikte dienen nur dazu, von den eigentlichen Problemen abzulenken. Das können wir uns nicht leisten - denn da freut sich die Politik und es freuen sich diejenigen, die rücksichtslos den Lkw-Transit über den Brenner in den nächsten Jahren verdoppeln wollen. Daher gibt es von meiner Seite zu diesem Unsinn keine Stellungsnahme, da ich keinen Konflikt kommentiere, den es nicht gibt.

Außerdem habe ich mit meinen Freunden genug zu tun.

MfG, Ihr

Fritz Gurgiser


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Lettera da Palermo

Gentile Signor Harpf,

La scorsa estate, la mia famiglia ed io, abbiamo fatto uno stupendo viaggio in Scandinavia. Abbiamo percorso circa 12.000 km con la nostra auto, partendo da Palermo,attraverso l'Italia, l'Austria, la Germania, la Danimarca, la Norvegia, la Finlandia, la Svezia e ritorno.

Siamo rimasti particolarmente colpiti dal rispetto per l'ambiente dei paesi scandinavi, specie della Norvegia, paese in cui non esistono superstrade, nè tantomeno autostrade ma solamente strade a due corsie, a volte, specie nei tratti più montani, così strette da necessitare a intervalli regolari, di piccoli slarghi laterali, utilissimi per permettere il passaggio dei veicoli più grandi.

  Rientrando nell'Europa centrale abbiamo notato come la cura per l'ambiente vada progressivamente diminuendo man mano che ci si avvicina all'Italia, paese in cui l'ambiente è molto trascurato.

  Il Trentino alto Adige è ancora un'isola felice, e noi che siamo innamorati di Brunico ci auguriamo che non venga mai fatto scempio  delle vostre Dolomiti e delle vostre valli.

  Cari saluti e arrivederci

Renata Scalici, Palermo


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Mobil wie nie zuvor

Tatsache ist, dass das Auto unser liebstes Verkehrsmittel ist. Mit Nachdruck bauen wir weiter an der autozentrierten Gesellschaft, trotz der bekannten Schattenseiten: In Ortschaften tragen Emissionen des Kfz-Verkehrs wegen der geringen Ausblashöhe mit über 80 Prozent zur bodennahen Luftbelastung (Immission) bei.

Hinzu kommen Ozonsmog, Unfälle, Lärmbelastung, Klimaveränderung, Zersiedelung und geschmälerte Wohnqualität. Gegenüber wirtschaftlichen Argumenten scheinen wir ebenso immun, denn neben Essen und Wohnen belastet der Verkehr das Haushaltsbudget einer durchschnittlichen Familie am meisten.

Mit den Entdeckungen von Benz und Daimler vor etwa 100 Jahren avancierte das Auto zum Massenverkehrsmittel. Nicht zuletzt, weil es uns fast unbeschränkt „mobil" macht oder weil wir in vielen Fällen dieser Täuschung erliegen. Diese Form der Mobilität frisst sich in die Landschaft ein und bringt eine radikale Veränderung, die ihresgleichen sucht.

Die allseits bekannte Diskussion über die individuelle motorisierte Mobilität soll hier nicht fortgeführt werden. Mit dem Verteufeln des Autos beraubt man sich der Möglichkeit, jenes Wissen anzuwenden, das uns erlauben würde, einige der vom Auto verursachten Umweltbelastungen teilweise sogar erheblich zu vermindern – würden sie konsequent von den Autofahrern umgesetzt. Das Auto kann und soll nicht von den genannten Folgeschäden freigesprochen werden. Aber Fahrerinnen und Fahrer können mit Hilfe sachlicher Informationen bei der Wahl des kleineren Übels sehr wohl zu einer geringeren Umweltbelastung beitragen. Auch das Benutzerverhalten hat erheblichen Einfluss auf den Verbrauch. Viel zu wenig werden die möglichen Einsparpotentiale ausgeschöpft. So können zum Beispiel mit einer vorausschauenden und niedertourigen Fahrweise die Emissionen in der Größenordnung von zirka 30 Prozent reduziert werden.

Norbert Lantschner, Direktor des Amtes für Luft und Lärm


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Mobility: Taten statt Worte

Auch in Bruneck beherrschen seit Jahren Verkehrsthemen die Diskussionen in politischen Gremien und auch in der Bevölkerung. Dabei wurden eine Vielzahl mehr oder weniger praktikabler und mehr oder weniger kostspieliger Lösungs/Verbesserungs-Varianten durchgedacht. Konkret passiert ist bisher allerdings wenig.

Anders das Konzept von Mobility: Seit der Gründung des Vereins im vergangenen Sommer befindet es sich bereits in der Umsetzungsphase, die für die öffentliche Verwaltung keinerlei Kosten verursacht (und deshalb vielleicht unbeachtet bleibt?!) und bei entsprechender Beteiligung von Seiten der Bevölkerung neben finanziellen und organisatorischen Vorteilen für alle Teilnehmer ein merkliches „Gesundschrumpfen" des Individualverkehrs bewirken könnte. Gerade für die Bürger der Fraktionen und Nachbargemeinden von Bruneck könnte das Konzept von Mobility eine attraktive Alternative sein, um in die Stadt zu kommen.

Worum geht es: Autofahrer bilden auf ihren alltäglichen Fahrten gegen eine Unkostenbeteiligung (die über Mobility verrechnet wird) und ohne Einschränkung der persönlichen Freiheiten spontane Fahrgemeinschaften mit anderen registrierten Teilnehmern. Fahrer und Mitfahrer erkennen sich bei genügend hoher Teilnehmerzahl auf der Straße durch das Mobility-Erkennungsschild (wird am Auto angebracht) bzw. den Mobility-Ausweis und müssen sich daher auch nicht zeitlich verabreden. Damit ist gewährleistet, dass die Teilnehmer keine unmittelbaren Verpflichtungen eingehen müssen, was bei den klassischen Fahrgemeinschaften mitunter Probleme verursacht.

Die Aufnahme bei Mobility erfolgt durch Erledigung der entsprechenden Formalitäten und Entrichtung der einmaligen Beitrittsgebühr von 10 Euro. Alle Interessenten sind herzlich willkommen.

Molling Hermann - Mobility

Kontakte und Infos:

Internet: http://www.mobility-online.org/

E-Mail: info@mobility-online.org

Tel.: 349 38 26 979


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Parkplatzkapitalismus

Seit Jahren bzw. nun schon seit Jahrzehnten sieht die Parkplatzpolitik der Gemeinde Bruneck wie folgt aus: Reihenweise werden im Stadtgebiet Parkplätze durch Blumenbeete ersetzt bzw. es werden dort Betonschalen mit Sträuchern hingestellt; andere Parkplätze werden durch neue Halteverbotszonen bzw. durch Sperren von Zufahrtsstraßen (z.B. zur Oberstadt) eliminiert bzw. wird die Zufahrt dazu erschwert. Andere Parkplätze wieder werden durch Errichtung von Gehsteigen, die niemand benützt, eliminiert, wie kürzlich jene entlang des Despar-Geschäftes am Mahlkondominium in der Dantestraße.

Alle noch verbleibenden Parkplätze auf öffentlichem Grund sind inzwischen in Mautparkplätze umgewidmet worden bzw. werden demnächst in solche umgewandelt (z.B. der Goetheparkplatz). Während so die Gemeindeverwaltung als Parkplatzkapitalist ihre Bürger und ihre Gäste (Feriengäste und Kunden, die in Brunecker Geschäften einkaufen) in ständig steigendem Maß schröpft, kräftig unterstützt von der Gemeindepolizei, die auch in zweifelhaften Fällen und wegen Kleinigkeiten stets saftige Strafen verhängt, wird die Brunecker Geschäftszone allmählich wenn nicht zu Tode, so doch krank beruhigt. So erleidet das Despar-Geschäft in der Dantestraße Umsatzeinbußen durch die Eliminierung seiner Kundenparkplätze zu Gunsten des Gehsteiges, den noch kein Fußgänger, auch kein Schüler, benutzt hat. Die Kunden schleppen die schweren Einkaufstaschen nicht Hunderte Meter weit, sondern fahren zum Disko-Plus oder zum Supertip. Reihenweise fahren weiters bereits ehemalige Brunecker Kunden z.B. nach Sand in Taufers, wo sie vor Kleidergeschäften ungestraft und ohne abgezockt zu werden, parken können.

Zum Brunecker System des Parkplatzkapitalismus gehört weiters, daß von Gratis-Auffangparkplätzen am Stadtrand (z.B. beim „Prima" in der Nähe des Hotels Andreas Hofer) und von der Einführung eines effizienten Bussystems mit 20-Minuten-Takt zwischen Bruneck-Zentrum und Pfalzen-Stegen, Gais-St. Georgen, Aufhofen-Dietenheim-Percha und St. Lorenzen-Stefansdorf-Reischach zwar ständig die Rede ist, diese aber nie realisiert werden.

Ein Bürgerprotest gegen dieses System wäre höchst an der Zeit.

 RA Dr. Günther Lang, Gemeinderat

ARGENUP
Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz Pustertal
Gruppo di lavoro Natura e Ambiente Val Pusteria
Litschbach 13
39030 Percha - Perca


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Presseaussendung: Pusterer Bahn

Die jüngst in einigen Medien wiedergegebenen Äußerungen von Landesrat Di Puppo zur Situation auf der Pustertaler Bahn bedürfen aus unserer Sicht einiger Klarstellungen.

- Zustand der Bahnhöfe: es ist bekannt, dass die Bahnhöfe im Besitz der RFI sind. Das Land ist aber Auftraggeber der Regionalverkehrsleistungen und muss damit auch klare Qualitätsanforderungen an die Auftragnehmer stellen. RFI kassiert eine Abgeltung für die geleisteten Zugkilometer und ist damit verpflichtet, eine Infrastruktur mit angemessener Qualität sicherzustellen, die über einen Verhandlungsprozess zu erreichen ist, in dem klar die Rollen und Verantwortungsbereiche festgelegt werden.  

- Ex-Korridorzüge: ein Fahrtzeitgewinn durch Streichung von Haltestellen ist im Abschnitt Innichen-Franzensfeste ohne größere Überarbeitung des Fahrplans unmöglich, da die Kreuzungspunkte bereits feststehen. Es gibt daher keinen Grund, die Pustertaler Bahnhöfe nicht auch weiterhin alle zu bedienen, zumindest bis eine organische Lösung für den gesamten Regionalverkehr gefunden wird.  

- Anstieg der Fahrgastzahlen im Zeitraum 1995-2000 von 152.000 auf 518.000: diese Zahlen beziehen sich offensichtlich nur auf die Entwertungen innerhalb des Landestarifsystems (Magnetkarten). Diese haben in letzten Jahren nach und nach die Einzelfahrkarten der Bahn ersetzt, besonders seit diese teurer sind als der Wertkartentarif. Es hat sicherlich infolge der Angebotsverbesserungen eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen gegeben, allerdings sind dazu bisher keine vollständigen und nachvollziehbaren Zahlen bekannt gegeben worden. 518.000 Fahrgäste entsprechen ca. 1400 Fahrgästen am Tag, das ist besser als früher, aber sicher noch kein befriedigender Wert für eine Regionalbahn dieses Ranges.

- Steigerung der Zuganzahl von 16 Zügen im Jahr 1995 auf 27 Züge im Jahr 2000: Laut offiziellem Fahrplan verkehrten 1995 an Werktagen 20 Züge, im aktuellen Fahrplan sind es 24. Für einen tatsächlichen Stundentakt werden mindestens 32 Züge benötigt.

- Reduzierung des Busverkehrs auf der Linie Innichen-Brixen: Im Abschnitt Bruneck-Brixen wurde er auf Halbstundentakt verdichtet, im Abschnitt Bruneck-Innichen wurde er in einem ersten Schritt leicht reduziert und danach schrittweise wieder ausgeweitet. Derzeit verkehren 12 Zugpaare, 28 Buspaare im Abschnitt Bruneck-Brixen und 10 Buspaare im Abschnitt Bruneck-Innichen.

- Fahrpreise seit 10 Jahren stabil: das trifft nur auf die Abonnementtarife zu, die Einzelfahrttarife wurden bereits durch die Übernahme des Landestarifsystems um 50% erhöht und liegen heute deutlich über dem italienweiten Bahntarif, und mit 2002 wurde eine weitere Erhöhung des Werkartentarifs um ca. 26% vorgenommen.

Comunicato stampa: ferrovia della Val Punteria

Le dichiarazioni dell'Assessore provinciale Di Puppo riportati recentemente da alcuni organi di stampa e riguardanti la situazione sulla ferrovia della Val Pusteria a nostro avviso necessitano di alcune precisazioni:

- Situazione delle stazioni: è noto che le stazioni sono di proprietà di RFI. La Provincia è però il committente dei servizi di trasporto regionale e deve quindi esigere determinati criteri di qualità. RFI incassa un pedaggio per ogni treno-km ed è quindi tenuta a predisporre un'infrastruttura di qualità adeguata, da raggiungere attraverso un processo di contrattazione che stabilisce chiaramente i ruoli e responsabilità. 

- Ex "Korridorzüge": nel tratto S.Candido-Fortezza non sono fattibili riduzioni del tempo di percorrenza attraverso l'eliminazione di fermate senza riprogettare l'intero orario, poiché i punti di incrocio sono già definiti. Non c'è quindi motivo per non continuare a servire tutte le stazioni della Val Pusteria, almeno finché non si trova una soluzione organica per tutti i servizi regionali.

- Aumento del numero di passeggeri da 152.000 a 518.000 nel periodo 1995-2000: queste cifre si riferiscono evidentemente solo alle convalide nell'ambito del sistema tariffario principale (carte magnetiche). Queste negli ultimi anni hanno sostituito gradualmente i biglietti di corsa singola, soprattutto da quando la tariffa di questi ultimi è più alta di quella delle carte valore. In seguito ai miglioramenti dell'offerta c'è sicuramente stato un notevole incremento di passeggeri, ma finora non sono mai stati pubblicati dati completi e ripercorribili. 518.000 passeggeri corrispondono ad una media di 1400 al giorno circa - meglio di qualche anno fa, ma sicuramente non ancora un valore soddisfacente per una ferrovia regionale di questo rango.

- Aumento del numero di treni da 16 nel 1995 a 27 nel 200: secondo l'orario ufficiale, nel 1995 i treni nei giorni feriali erano 20 e attualmente sono 24. Per un cadenzamento orario effettivo servono almeno 32 treni.

- Riduzione dei collegamenti autobus sulla linea S.Candido-Bressanone: nel tratto Brunico-Bressanone l'autoservizio è stata intensificato con un collegamento ogni 30 minuti, sul tratto S.Candido-Brunico è stato ridotto in un primo momento e poi gradualmente riesteso. Attualmente abbiamo 12 coppie di treni, 28 coppie di autobus tra Brunico e Bressanone e 10 coppie di autobus tra Brunico e S.Candido.

- Tariffe stabili da 10 anni: vale per gli abbonamenti, ma non per le tariffe di corsa singola, che sono già state aumentate quando è stato introdotto il sistema tariffario provinciale, con tariffe sensibilmente più alte rispetto alla tariffa ferroviaria nazionale. Con il 2002 c'è stato un ulteriore aumento della tariffa della carta-valore del 26% circa.

Mit freundlichen Grüßen
Con distinti saluti

ARGENUP
Hans Guggenberger
Hanspeter Niederkofler


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Sonntagsreden: Nein, danke!

Schiene hätte Zukunft, wenn die höchsten Politiker im Lande außer Sonntagsreden halten, auch etwas tun würden. Es wurde eine Machbarkeitsstudie im Auftrag gegeben; wie schön, schon wieder eine Studie! Und während wir studieren, werden Geleise abgetragen (Franzensfeste, Mühlbach, Vintl, Niederdorf); die Bahnhöfe verfallen nach wie vor; der Stundentakt lässt zu wünschen übrig (weil er nicht auf den Zubringerdienst abgestimmt ist); jede Gemeinde macht, ohne Absprache mit den anderen, aus den Bahnarealen, was „Metropolis" und den Mächtigen im Dorf gerade am besten passt. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es sich hier um eine miese Art handelt, um die Leute zu ver…führen und für dumm zu verkaufen. Eine moderne Bahn ist die einzige und letzte Möglichkeit, um das Pustertal von der Blechlawine zu retten, aber den oben genannten Politikern ist es egal, was mit diesem Tal passiert. Sie sagen ständig, dass die Ausgaben zu hoch sind; ich sage, dass wir das Geld schon haben, und zwar in den überdimensionierten Umfahrungen von Vintl, Kiens, St. Lorenzen, Bruneck-Nord, Bruneck-Süd, Niederdorf Toblach und Innichen (hier wird wie in Mühlbach und Welsberg der Straßentyp IV angewandt, die höchstmögliche Stufe!); man braucht das Geld nur umzuwidmen! Oft sagen sie, es braucht viel Zeit, es geht nicht schneller; ich sage: bei der Rodung der Rautpiste am Helm in Vierschach ist es ruckzuck gegangen! Noch eine Bemerkung: Es sitzen in der Landesregierung sechs „Pusterer", was tun die eigentlich?

Lucio Tarini, Innichen


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Ausbau Pustertalerstraße: Pro und Contra

Verschiedene Interessensverbände (allen voran der Wirtschaftsbund, im Schlepptau davon der Bauernbund) fordern einen raschen und großzügigen Ausbau der Pustertaler Straße. Kosten- und Zeitersparnis,

Wettbewerbsfähigkeit,

kurzum die Bedürfnisse der heimischen Wirtschaft werden als Argumente ins Treffen geführt.

Es darf an einige Gegenargumente erinnert werden: der Argumentationsnotstand gegenüber den Alemagna-Befürwortern, steigendes Schwerverkehrsaufkommen auf einer zusehends attraktiver werdenden Ost-West-Transitroute, zunehmende Schadstoff- und Lärmbelastung und -damit verbunden- wachsende Gesundheitsrisiken für die ansässige Bevölkerung. Sofern man bereit ist, diese absehbaren Folgeerscheinungen in Kauf zu nehmen, möge man dies den Bürgern zumindest nicht verhehlen, ehrlichkeitshalber!

Dr. W. Strobl, Toblach


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11.09.2002

Herrn Vizebürgermeister

Dr. Ing. Roland Griessmair

Betreff: Streichung E66/Alemagna

Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister!

Zu Ihrem Schreiben vom 21.Juni 2002, Proz. Nr.: 12727, mit dem Sie einen Beschluss des Gemeinderates vom 12. Juni 2002 betreffend die Alemagna- Autobahn vorlegen, teile ich Ihnen auf der Grundlage einer Stellungnahme des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie folgendes mit:

Die E66 ist eine in Anlage 1 des AGR (Europ. Übereinkommen über die Hauptstraßen des internationalen Verkehrs) angeführte internationale Straßen- Hauptverbindung (von Fortezza/ Franzensfeste in Italien über Sillian, Spittal/ Drau, Klagenfurt und Graz bis Szekesfehervar in Ungarn). Gemäß Art.8 des ARG bedarf eine „Streichung" der E-66 aus dieser Anlage 1 der Zustimmung der Anrainerstaaten Italien und Ungarn. Ein österreichischer Versuch aus dem Jahre 1997, die E66 streichen zu lassen, scheiterte am Wiederstand Italiens und Ungarns, Auf italienischem Gebiet (also zwischen Toblach und Franzensfeste/ Fortezza) ist die E66 daher ausgeschildert.

Auf Wunsch der Tiroler Landesregierung (welche gem. STVO auf den ehemaligen Bundesstraßen B für die Beschilderung zuständig war), kam es in Tirol auf ehemaligen Bundesstraßen B zu keiner Ausschilderung der E-Straßen. Somit ist auf österreichischem Gebiet die E66 bis zur Landesgrenze Tirol/Kärnten nicht ausgeschildert.

Im übrigen ist auf Grund des Bundesstraßen-Übertragungsgesetzes die in Frage kommende Drautalstraße durch das Pustertal (ehemalige B100) keine Bundesstraße mehr und fällt somit nicht in die Kompetenz des Bundes sondern in die des Landes Tirol.

Im österreichischen Bundesstraßengesetz ist weder eine Autobahn noch eine schnellstraße durch das Pustertal vorgesehen.

Abschließend darf noch bemerkt werden, dass sich die sog. Europastraßen nicht, wie offensichtlich fälschlich von der Stadtgemeinde Bruneck angenommen, in der Zuständigkeit der Europäischen Kommission befinden, sondern in der Kompetenz der Europäischen Wirtschaftskommission (ECE) der Vereinten Nationen in Genf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Klaus Wiesmüller, Bundeskanzleramt

Ministerratsdienst

GZ:350.710/452-IV/8/2002


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Verkehr(t) im Pustertal

Ich bin schwer enttäuscht und verärgert, dass der Entschlussantrag von Frau Cristina Kury im Landtag keine breite Zustimmung von SVP-Mandataren gefunden hat.

Müssen wir unser ganzes Tal verbetoniert , verlärmt, verstunken und vergiftet haben, bis wir einsehen, dass breite, schnelle Straßen uns Bewohnern viel schaden und wenig nützen, dass den Nutzen nur jene haben, die unser Tal als Durchzugsstrecke missbrauchen, mit Megatonnen von Waren, die in unserer Region weder produziert, noch gebraucht werden. Es ist eine Schande, wenn unser Landeshauptmann die Straße zwischen Staatsgrenze in Winnebach und Innichen als Schande empfindet. Dieser Straßenabschnitt führt durch kein Siedlungsgebiet, welches umfahren werden müsste, das Verkehrsaufkommen ist noch relativ gering. Die Studie von Gretzer und co. zum Ausbau der Pustertaler Studie ist verräterisch. Der Bau von Ortsumfahrungen kann noch damit begründet werden, dass man die ansässige Bevölkerung vom Verkehr entlasten möchte. Die in der Studie geforderte durchgehende Verbreiterung der Straße auf 10,5 Meter Kronenbreite aber hat wohl nichts mehr mit Entlastung der Bevölkerung zu tun. Im Gegenteil, sie garantiert eine massive Verkehrszunahme, vor allem eine Zunahme des Schwerverkehrs, (ich erinnere daran, dass das österreichische Bautenministerium in den 70er Jahren den Ausbau der Drautal-Bundesstraße in Kärnten auf 10,5 m Kronenbreite mit der Begründung beschlossen hat, dass diese später leicht in eine vierspurige Straße ausgebaut werden könnte), die verbreiterte, begradigte Straße garantiert außerdem eine Zunahme von schweren Unfällen, einen unverantwortlichen Anstieg der Luft- und Bodenschadstoffe mit entsprechender Gesundheitsgefährdung der Talbewohner und eine nicht wieder gut zu machende Störung des ökologischen Gleichgewichtes. Leider reagiert das Pustertal wie auch andere Alpentäler besonders sensibel auf Verkehrszunahme: Der Siedlungsraum ist begrenzt; der Luftaustausch ist vermindert, die Schadstoffkonzentration steigt vor allem durch die häufigen Inversionslagen gefährlich an, der Lärm wird von Bergen und Hängen reflektiert. Am Ende wird auch die übermäßig ausgebaute Straße den von ihr angezogenen Verkehr nicht mehr "schlucken", und wie in einem Strudel der Unvernunft werden einige, die "wissen wie es geht" und glauben, mit ihrer Macht dieses "Wissen" umzusetzen, wieder eine neue Straße bauen wollen. Hat das "grüne Tal" so wenig Sensibilität verdient? Wäre es nicht zukunftsweisend und verantwortungsvoll im eigenen Interesse und in dem unserer Kinder, umweltfreundliche Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen, und dafür die erforderlichen Gelder bereitzustellen. Für die italienische Autoindustrie wurde die Pustertaler Bahn vor einigen Jahren modernisiert und elektrifiziert. Es wird doch möglich sein, diese Bahn zur Entlastung unseres Tales und zur Steigerung unseres eigenen Komforts weiter zu verbessern. Sind dafür die Gelder zu schade, die für die Straße so selbstverständlich vorhanden zu sein scheinen?

Mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass PPP dazu dient, dass unser Tal lebenswert bleibt und nicht überrollt wird,

Gottfried Kühebacher – SVP-Gemeinderat, Innichen

27.September 2002


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Wipp- Eisack-und Pustertal

Man versuche sich vorzustellen, wie vor mehr als zwanzig Jahren den Wipp-und Eisacktalern der Bau der Brennerautobahn schmackhaft gemacht worden sein dürfte. Ich bin sicher, dass es dieselben Schlagworte waren, die man uns heute im Pustertal vorkaut: Verringerung von Staus, wirtschaftliche Notwendigkeiten, zeitgemäße, schnelle Verbindungen, auch in die angrenzenden Täler, Belebung der eigenen Wirtschaft, usw.

Die Beschreibung der Ist- Situation im Wipp-und Eisacktal überlasse ich anderen, kann mir aber nicht vorstellen, dass man nach den gemachten Erfahrungen einem ähnlichen Projekt noch einmal zustimmen würde. Dabei hatte man damals keine Ahnung, was auf die Bewohner zukommen würde. Anders als heute im Pustertal: jeder weiß von der beabsichtigten EU-Osterweiterung. Jeder, der eine Landkarte lesen kann, sieht, dass jene durch das Pustertal die kürzeste Verbindung zwischen (mindestens!) Budapest und, sagen wir Franzensfeste, darstellt; bei Vorhandensein von Alternativrouten in weniger sensiblen Gebieten und der bekannten Schnellbahn-Alternative für unseren eigenen Regionalverkehr. Jeder kann sich den dadurch zwangsweise eintretenden Transitzuwachs errechnen und vorstellen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass diese untragbare Entwicklung in unseren Nachbartälern fast dreißig Jahre dauerte; nach dem Bau der Pustertaler De-facto-Schnellstraße werden wir die gleiche Situation in einigen wenigen Jahren haben! Dann wäre es aber leider zu spät fürs Erwachen! Daraus folgt für mich: Entweder unsere Politiker, „Promotoren" und Planer haben „die Weisheit nicht mit Löffeln gegessen", oder, ich kann’s nur wiederholen: wir sind im Begriff, verraten und verkauft zu werden!

Am 25.10.02 böte sich bei der Bürgerversammlung in Lienz eine gute Gelegenheit, solchen Machenschaften die Grenzen zu weisen!

P.S. Die Eisack- und Wipptaler würden sich über den neuen Verkehr aus dem halben Ex- Ostblock zweifellos mitfreuen!?

Dr. Karl Obwegs

17.10.02


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Ausbau Pustertaler Straße

Erdrückende Beweise: Wer die Pustertaler Straße ausbaut, baut eine europäische Hauptverkehrsader aus (E66), baut für die Alemagna und macht der Bahn im Drau- und Pustertal den Garaus.

Die Behauptung von LH Dr. Luis Durnwalder in der aktuellen Fragestunde im Südtiroler Landtag vom 6. NOV 2001, dass die E66 (von Shekesfehervar bei Budapest bis Franzensfeste) aus dem Verzeichnis der Europastraßen gestrichen worden sei, stimmt nicht. Die E66, laut AGR-Abkommen von Genf 1975 eine "Hauptstraße des internationationalen Verkehrs", ist weiterhin in diesem Europastraßen-Verzeichnis mit gleicher Strecke enthalten. Wer also die Pustertaler Straße ausbaut, baut sie zu einer leistungsfähigen internationalen Ost-West-Transitroute aus.  Sämtliche Ausbauprojekte im Südtiroler Pustertal (soweit bekannt) sowie jene an der Bundesstraße B100 in Osttirol und im Oberen Drautal (Oberkärnten) erfüllen die Standards für Europastraßen. Obwohl Österreich das AGR-Abkommen niemals ratifiziert hatte, bauen die österreichischen Straßenbau-Verwaltungen die Straße im Drau- und Osttiroler Pustertal weiterhin nach den Standards für zweistellig bezifferte Europastraßen aus. Offenbar gibt es ein abgekartetes Spiel bestimmter Regierungs- und Verwaltungskreise diesseits und jenseits der Grenze, die Strecke im Drau- und Pustertal unter dem Vorwand der Entlastung der Bevölkerung vom bestehenden Durchzugsverkehr und der Staubeseitigung leistungsfähig für den internationalen Transit auszubauen.

Anfang der Neunziger-Jahre wurde in Tirol noch mit offeneren Karten gespielt:

Ein Straßenbau-Verantwortlicher im Baubezirksamt Lienz verkündete 1991 bei der Vorstellung diverser Ausbauprojekte an der B100 im Lienzer Bildungshaus den verblüfften Zuhörern, dass die Straße im Drau- und Pustertal Teil der  Europastraße 66 sei. Den Bau der Nordumfahrung Abfaltersbach begründete  die Tiroler Landesbaudirektion 1992 unter anderem damit, dass die Drautalfurche die erste Ost-West-Verbindung südlich des Alpenhauptkammes sei und deshalb ausgebaut und für LKW ganzjährig befahrbar gemacht werden müsse. Bereits Anfang der Siebziger-Jahre legte das österreichische Bautenministerium für das Oberen Drautal eine bahnparallele Trassenführung für den Neubau der Drautalstraße mit der Begründung fest, dass bei dieser Trassenführung die Straße später leichter in eine vierspurige Straße ausgebaut werden könne als bei einer ortsnahen Trassierung. Der Kärntner Landesverkehrsreferent Dörfler schwieg vielsagenderweise, als er am 22. März 2002 in Steinfeld/Drau mit der Tatsache konfrontiert wurde, dass die Drautalstraße B100 Teil der Europastraße E 66 sei und der in Gang befindliche bzw. geplante großräumige Ausbau/Neubau dieser Straße den Ausbau einer internationalen Ost-West-Transitroute darstelle. Der ehemalige Südtiroler Landesrat Kofler sagte im November 1994 bei einem Vortrag in Bruneck, dass bei seinem Amtsantritt eine ganz ordentliche Transitstrecke durch das Pustertal geplant gewesen sei. Ausdruck dafür sei die bereits fertige Umfahrung von Mühlbach.

Offenbar soll jetzt an dieser Transitroute weiter gebaut werden. Wenn man das Protokoll der Vorstellung der Ausbauprojekte vom 1. August 2002 in Bruneck liest, sollen die jetzt geplanten "Ortsumfahrungen" (?) längerfristig in eine neu zu bauende Talstraße im Abschnitt A22-Bruneck eingebunden werden. Aber schon bei einem Ausbau der Pustertalerstraße auf der heutigen Trasse mit Ortsumfahrungen (Vintl,Gisse,Kiens) auf RQ 7A könne die theoretische Grenz-Leistungsfähigkeit im Abschnitt A22-Bruneck auf  1850 Kfz pro Stunde gesteigert werden.

Wer die Pustertaler Straße ausbaut, baut auch an der Alemagna und provoziert den Weiterbau dieser Autobahn in Richtung Pustertal. Mehrere italienische Senatoren, Abgeordnete und sonstige hochrangige Politiker haben auf diesen Zusammenhang zwischen der Alemagna und der E66 hingewiesen (z.B. Serena, Stiffoni, Calzavara und andere). (siehe Anhang)

Der regionale Verkehrsplan der Region Veneto sieht ausdrücklich die Verbindung der Alemagna mit dem Pustertal vor, um dort eine doppelte Verbindung zu schaffen, einerseits in Richtung Franzensfeste und andererseits in Richtung Lienz, von wo die Felbertauernstraße in Richtung Salzburg und München abzweigt: 

"- il collegamento con la Val Pusteria;

- il prolungamento della A27 fino a Pieve di Cadore - infine l'auspicata prosecuzione fino alla zona di Dobbiaco-Toblach per realizzare un doppio collegamento con Fortezza-Franzenfeste e verso Lienz, donde si diparte la Felber-Tauern Strasse verso Monaco e Salisburgo."

Es gibt schon zum Nachdenken, wenn trotz der großen Gefahr für das Pustertal durch E66 und Alemagna zahlreiche Pustertaler Landtagsabgeordnete im Südtiroler Landtag bei der Abstimmung über einen Antrag gegen die E66 entweder gegen diesen Antrag stimmten oder überhaupt durch Abwesenheit im Plenarsaal glänzten.

Gerhard Unterweger für „Arge Stop Transit"

Bereich Kärnten, Ost- und Südtirol

Anhang (Protokolle sind auch auf der Website der Arge-Stop-Transithttp://members.aon.at/astsued/ zu finden)