FORUM 06


ARCHÄOLOGIE

Sebatum: römisches Gräberfeld entdeckt (1. - 4. Jh. n. Chr.)

Dieser Beitrag wurde im Winter 2001 verfasst

Nach den im 19. Jahrhundert sowie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Pflaurenz (Marmorsarkophag) und am Fuß des Sturmbühels erfolgten Entdeckungen von Gräbern, enthüllt die antike römische Stadt Sebatum neuerlich weite Teile ihres Gräberfeldes.

Präventive archäologische Untersuchungen von Seiten des Amtes für Bodendenkmäler auf Grundstücken, auf denen Handwerks- und Handelsbetriebe entstehen werden, haben einen Teil des Gräberfeldes der römischen Stadt frei-gegeben.

Das Areal liegt auf dem höchsten Punkt einer niederen Flussterrasse im Bereich der Besitztümer der Handwerksbetriebe Gatterer, Plankensteiner, Edilfer und Innerhofer. Gerade die letztgenannte Firma hat einen beträchtlichen Beitrag zur Finanzierung der archäologischen Untersuchungen auf jenen Grundstücken geleistet, die ihnen vor kurzem zur Erweiterung ihres Betriebes zur Bebauung bestimmt wurden. Die Nekropole erstreckt sich auf diesem Rücken von Osten nach Westen. Im Norden wird sie von einer kompakten Schotterschicht begrenzt, die wahrscheinlich als Teil einer antiken Trasse, welche sich von Sebatum ausgehend in Richtung Osten schlängelte, betrachtet werden kann.

Auf der Straße wurden römerzeitliche Funde, wie charakteristische Schuhnägel, entdeckt. Die Tatsache, dass in diesem Bereich keine Gräber ausgemacht werden konnten, führt zur Annahme, dass dieses Bauwerk zeitgleich zum Gräberfeld ist, das am östlichen Rand der Siedlung liegt. Beim momentanen Forschungsstand kann jedoch schwer beurteilt werden, ob es sich um die Römerstraße in Richtung Aguntum oder um einen weniger bedeutenden Weg handelt, der nur mit dem Gräberfeld im Zusammenhang stand.

Es kann jedoch angenommen werden, dass sich die Nekropole ungefähr auf einer Länge von 500 Metern erstreckt, vom Sturmbühel ausgehend bis zum soeben entdeckten Areal, das sicherlich die äußerste Grenze der Nekropole darstellt.

Das Gräberfeld weist drei verschiedene Grabtypen auf:

a) gemauertes Steinkammergrab mit Körperbestattung (bislang wurden zwei davon entdeckt),

b) Körperbestattung in einfacher Grube mit Grabbeigaben in einem Holzsarg oder in einer Erdgrube (bisher 11 Individuen),

c) Brandbestattungen mit Hinterlegung der verbrannten Knochen des Verstorbenen in kleinen Erdgruben zusätzlich zur Grabausstattung.

Zwanzig der letztgenannten Gräber enthielten Leichenbrandgefäße (Keramikgefäße mit den kalzinierten Knochen des Verstorbenen) und acht wiesen nur Knochen auf, Erde vom Scheiterhaufen und Grabbeigaben.

Der Ort (oder die Orte), an denen die Scheiterhaufen brannten, konnte(n) am östlichen Ende der Nekropole ausgemacht werden und zwar dort, wo nachträglich in der Spätantike, das gemauerte Steinkammergrab Nr. 1 angelegt worden war. Im Umkreis dieses Grabes wurden Mauerreste und Dachziegelfragmente aus der Römerzeit entdeckt; folglich kann angenommen werden, dass sich das Grab innerhalb eines kleinen überdachten Bauwerks, faktisch eines kleinen Mausoleums, befand.

Bedauerlicherweise wurde das Grab vor den archäologischen Ausgrabungen geplündert, in seinem Innern jedoch wurden einige Skelettfragmente gefunden, ein Goldring sowie wenige weitere Funde.

Das gemauerte Steinkammergrab Nr. 2 weist, durch Schotterabbau aus dem 18. Jh. bedingt, Beschädigungen auf. Auf dem Grubengrund fanden sich Reste des Skeletts, Teile eines Tränengefäßes, ein Kamm sowie eine kleine Bronzeschatulle mit Spuren einer dunklen Masse, möglicherweise einer kosmetischen Substanz.

Die weiteren Körperbestattungen enthielten alle eine für die Reise ins Jenseits bestimmte Grabausstattung: verschiedene Keramikgefäße sowie Becher und Krüge. In zahlreichen Fällen waren auf den Verstorbenen Ketten, Arm-schmuck, Fibeln, Messer und Ringe gelegt worden.

In den Brandgräbern finden sich sowohl auf dem Scheiterhaufen zu Bruch gegangene Keramikgefäße als auch verbrannte Metallgegenstände, wobei diese Gegenstände vorwiegend in nicht verbrannten Gefäßen aufbewahrt sind, die von weiteren ins Grab hinterlegten Keramikbehältern für Speis und Trank umgeben sind. Auch Münzen, die als Bezahlung für den Fährmann am Fluss in die Unterwelt dienen sollten, sog. Obolus des Charon, sollten den Verstorbenen auf seiner Reise ins Jenseits begleiten.

Die Münzen in den Brandgräbern weisen Brandspuren auf; in den Körperbestattungen des 4. Jh. n. Chr. hingegen fanden sich als Häufchen neben dem linken Knie des Toten auch fünf Stück beieinander. Jedenfalls sind hier die Münzhinterlegungen selten, oftmals scheinen sie durch Gegenstände ähnlichen Wertes ersetzt worden zu sein, z.B. durch große Nägel, die damals einen nicht unbeträchtlichen Handelswert gehabt haben müssen.

Zur Zeit sind die Ausgrabungen wegen des Winterfrosts stillgelegt. In diesem Jahr werden die Arbeiten in Richtung der Siedlung von Sebatum fortgesetzt. Die Notgrabungen werden im Hinblick auf die Bauvorhaben, die sich momentan in Ausarbeitung befinden, in diesem Gebiet durchgeführt werden.

Lorenzo Dal Ri, Dir. d. A. für Bodendenkmäler der A. Prov. Bozen-Südtirol

Gianni Rizzi, Società Ricerche Archeologiche G. Rizzi & Co, Brixen

Umberto Tecchiati, Zoneninspektor für das Eisacktal und das Pustertal, Amt für Bodendenkmäler der A. Prov. Bozen-Südtirol


ARCHITEKTUR

Colosseo 01

Non tutto il male viene per nuocere

L’entusiastico slancio edilizio che contraddistingue da qualche tempo la città di Brunico, anche se non sempre condiviso dalla sua popolazione, secondo l’antico proverbio che recita "non tutto il male vien per nuocere", meriterebbe invece il plauso dei cittadini, i quali per esempio d’ora in poi , quando sarà ultimata la costruzione del nuovo municipio, non avranno più bisogno di recarsi a Roma, per ammirarvi il Colosseo, trovandoselo ormai comodamente in casa.

E speriamo che anche la facciata del nuovo edificio, per ora non visibile ai non addetti ai lavori, sia anch’essa all’altezza della situazione, risparmiando magari ai Brunicensi di recarsi in Egitto per ammirare i templi di Abu Simbel o di Luxor o di Karnak.

Un ‘Minimundus’ nel cuore della Pusteria potrebbe diventare un ulteriore attrattiva turistica per questa vallata che ne è così povera!

Dott. Giovanni F. Biadene


ARCHITEKTUR

DAS KULTURDENKMAL

Ein Stück alt-österreichischer Eisenbahngeschichte

Der Bahnhof von Bruneck

Was andernorts bereits Geschichte ist und sich nur mehr in alten Fotografien erhalten hat, ist in Südtirol lebendige Gegenwart: nämlich eine historische, original erhaltene und funktionierende Eisenbahnarchitektur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die alt-österreichischen Bauten der Brennerbahn und jene der Pustertaler Bahn besitzen besitzen mit ihren zum Großteil aus der Bauzeit stammenden und kaum veränderten Gebäuden Denkmalcharakter: Die Stationsgebäude, Wärterhäuser, Wasserstationen und die dazugehörigen Nebenbauten sind materielle Zeugnisse der Verkehrsgeschichte des Landes, die mit dem 24. August 1867, dem Tag der Eröffnung der Brennerbahn, beginnt. Die Pustertaler Bahn war Bindeglied zur Südtiroler Bahn Verona – Bozen, die 1859 gebaut wurde. Nur wenige Jahre nach dem Bau der Brennerbahn, am 30. November 1871, wurde die Pustertaler Bahn in Betrieb genommen. Für Tirol ist dieses Datum von großer politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Beweggrund für den Bahnbau war zum einen die Schaffung einer militärstrategischen Verbindung zwischen Oberitalien und dem österreichischen Kernraum, zum anderen befand sich Österreich zum Zeitpunkt des Bahnbaus im „Fieber der Gründerjahre", in einem wirtschaftlichen Aufschwung, der sich in allen Bereichen niederschlug.

Geplant wurden die Hochbauten der Pustertaler Bahn von Wilhelm Ritter von Flattich , dem Hochbaudirektor der österreichischen Südbahn, einer privaten Gesellschaft , die auch den Bau der Brennerbahn durchführte. Bereits in der damaligen Literatur wurde die neue Bahn als großartige Leistung und Musterbeispiel einer neuen, mit dem alpinen Umfeld in Bezug tretenden Eisenbahnarchitektur gepriesen. Die Hochbauten sind das Ergebnis einer auf Funktion ausgerichteten Architektur, die sich in Auseinandersetzung mit der besonderen Landschaft und unter Verwendung der ortsspezifischen Materialien und Bauweisen eine eigenständige Gestaltungssprache erarbeitet hat. Neben den bestimmenden architektonischen Gestaltungsprinzipien war aber auch eine Bauweise gefordert, die mit möglichst niedrigen Bau- und Instandhaltungskosten auskam.

Der von Hochbaudirektor Flattich entwickelte Formenkanon – modulartig erweiterbar – stellt für die Südtiroler Landschaft eine neuartige Bautypologie dar: Die meist einflügeligen dreigeschossigen Gebäude besitzen ein Sockelmauerwerk aus Natursteinen, bossierte Etrustika, sowie ein reich gestaltetes Giebelfeld aus Holz mit Laubsägearbeiten und geschnitztem Ornament. Die auf einen einfachen Klassizismus verweisenden Stilelemente, wie bossierte Fensterverdachung und Eck-Rustika gepaart mit den Holzsägearbeiten ergeben den Typischen Stil dieser Bauwerke; eine Art ländlicher Villenarchitektur. Der Bahnhof Bruneck ist einer der drei wichtigsten Haltestationen der Pustetaler Bahn und ist- auch wegen seiner Lage und dem regen Verkehr- sehr gut erhalten. Er befindet sich in zentraler Lage, nordwestlich der Altstadt von Bruneck, an der Eisenbahntrasse, die von Südwesten nach Nordosten führt. Neben dem dreigeschossigen Empfangsgebäude mit schön gestaltetem Giebelfeld gehören auch weitere historische Gebäude zum Bahnhofskomplex: eine Wasserstation, ein Nebengebäude, zwei Bahnwärterhäuser sowie eine Stallwerkhütte. Die Stellwerkhütte war der Arbeitsplatz des Stellwerkmeisters, der während der ersten Jahre der Pustertalerbahn die Verlegung der Bahngeleise leitete. Alle Gebäude haben sich in ihrer originalen Struktur und stellen somit ein wichtiges Stück lebendiger Südtiroler Eisenbahngeschichte dar, erklärt die Leiterin des Landesamtes für Bodendenkmäler, Waltraud Kofler Engl.

Aus: „Das Land Südtirol"- März 2002, zugesandt von Arch. Werner Franz


BAUBRANCHE

Besorgte Fragen einer Brunecker Bürgerin

Als Anrainerin des letzthin verbauten Sonnenhof- Areals erfuhr ich kürzlich von Bauabsichten am Gelände des Hauses Franzelin, bzw. Dator.

Dies würde für die in der Villa Franzelin lebenden drei Familien eine Zukunft eingesperrt in Beton, ohne Ausblick, Luftzufuhr und somit Lebensqualität, bedeuten.

Kann es sein, dass solche Werte heutzutage keine mehr sind?

Zählen bei uns nur mehr Ellebogenpolitik, die Baufirmen, die bis aufs Letzte ausgereizten Kubaturen?

Sind Ensembleschutz, Lebensqualität und Transparenz leere Worte?

Heidrun Franzelin


BAUBRANCHE

Costruzione d’un laghetto a Brunico

6 anni fa, il Consiglio Comunale di Brunico, ha deliberato su mozione del Consigliere Stancher, l’esigenza della costruzione di un laghetto nel Comune di Brunico da assegnare in gestione al Circolo Pesca ARCB (550 Soci) ove pescatori e cittadini, avrebbero potuto espletare il loro sport preferito. Fu assegnato ad un Consigliere il compito di ricercare il luogo adatto per costruirvi l’impianto. Passavano gli anni ma non si riusciva a trovare il luogo.

Nel febbraio del 2001 il Sig. Manzolli Lucio, costatava che nei terreni oltre il sentiero che passando davanti alla Ditta Baumex porta a S. Stefano scorreva un ruscello proveniente dal laghetto Moaberg con acqua limpida perenne sia d’estate sia d’inverno e che la zona si prestava benissimo alla costruzione di un laghetto con relative attrezzature.

Rilevati i nominativi dei proprietari dei terreni adiacenti al ruscello e richiesto se fossero stati disponibili alla costruzione di un laghetto sulla loro proprietà, solamente uno su tre acconsentiva con una superficie di circa 5.500 mq di terreno.

Dopo ripetuti contatti tra le parti interessate, si arrivava ad un incontro in Comune con il Sindaco Sig. Christian Tschurtschenthaler, l’Assessore De Martin Paolo, il proprietario del terreno e il presidente del Circolo Pesca ARCB Sig. Perego Romano oltre al sottoscritto. In tale incontro il proprietario del terreno si dichiarava disponibile a dare all’ARCB di Brunico il diritto di superficie per la costruzione del laghetto. Il Sig. Sindaco affermava che da parte del Comune non vi era alcuna disponibilità finanziaria per la costruzione del laghetto.

Il Presidente Perego affermava che il Comune non doveva spendere una lira e che le spese inerenti alla costruzione, sarebbero state trovate a cura della pesca ARCB: Si evidenzia che la struttura si verrebbe a trovare sotto la Villa del Bosco oltre la ferrovia e diverrebbe il punto d’incontro dei vari sentieri che vi confluiscono dal Monte Spaliera, da Riscone e da S. Stefano. Nella zona verrebbe costruita una casetta con distribuzione di bibite e merende e un’area attrezzata con tavoli, panchine e un caminetto per grigliate ove chiunque vi potrà accedere. Naturalmente il luogo essendo inserito in un circuito pedonale per motivi di quiete e ambiente, saranno ammesse solamente persone a piedi o in bicicletta.

Il 5 dicembre 2001 durante la cena sociale dell’ARCB all’Hotel Andreas Hofer, il Sig. Vice Sindaco Adang Guenther davanti a tutti i commensali, affermava che il progetto Manzolli della costruzione del laghetto per pescatori verrà inserito nel nuovo piano urbanistico della Città di Brunico e portato in Consiglio Comunale per l’approvazione entro febbraio 2002.

Il 15 dicembre 2001 sotto una valanga a Predoi, moriva il compianto amico e Vice Sindaco Adang Guenther. Egli era la persona che stava elaborando assieme all’Architetto Moroder, il nuovo piano urbanistico della Città di Brunico.

Da allora nulla piu’ si è saputo del laghetto. Il piano urbanistico non è stato completato e la volturazione del terreno da verde privato a verde pubblico non è ancora stata fatta. Basterebbe fare una modifica al piano urbanistico e approvarla in Consiglio Comunale per poi inviarla alla Giunta Provinciale per la definitiva approvazione e pubblicazione sul bollettino della Regione. Ma per il momento tutto è fermo non si sa il perché.

I cittadini di Brunico attendono questa struttura da ormai lungo tempo.La località è situata in una zona fantastica con visibilità sul Plan de Corones e la ferrovia che passa ad un centinaio di metri.

Voglio sperare che in poco tempo le cose si sblocchino e che finalmente i cittadini di Brunico possano avere a disposizione un laghetto con attrezzature, nella zona situata nel circuito pedonale della Villa del Bosco.

Lucio Manzolli


BAUBRANCHE

Rund ums Schwimmbad 01

Die Baumaschinen fahren nach wie vor zur Baustelle, aber pünktlich zum Beginn der Schulferien wurde die „Brunecker Schwimmschule" – nach einer Zwangspause wieder geöffnet und alle Wasserratten und Sonnenanbeter dürfen sich endlich über eine großzügig gestaltete Anlage freuen.

Dem sportlichen Gedanken, das Freibad zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen wurde entsprochen, indem der bestehende (staubige) Parkplatz nicht vergrößert wurde.

An diesen schwülen Junitagen kommen dennoch viele mit dem Auto und stellen ihr Vehikel wahllos in unmittelbarer Nähe des Schwimmbades ab, besetzen privaten Grund, stehen im Bereich der engen Kurven und versperren Zufahrten zu Wohnhäusern.

Der umliegende Bereich des Schwimmbades ist zeitweise mit Pkws voll gestopft und im Straßenzug Neurauth geht es neuerdings recht lebhaft zu. Das kann auf die Dauer wohl nicht die Lösung sein!

Hier gilt es auf lange Sicht ein klares Konzept für die Zufahrt zu den Sportstätten Ost: sprich Freibad, Yoseikan Budo und Eisstadion zu erarbeiten, um eine der wenigen ruhigen Wohnzonen in Bruneck nicht durch neues Verkehrsaufkommen zu belasten.

Einige Überlegungen dazu:

Die Eingänge der Sportanlagen befinden sich auf der Seite der Rienz, so dass sich die sinngemäße Zufahrt flussseitig anbietet.

Im Verhandlungsweg mit der Fraktionsverwaltung – als Eigentümerin – dürfte es gelingen einen abgegrenzten Teil des ungenützen Fußballfeldes als Parkplatz auszuweisen. Selbstverständlich müsste die Ein- und Ausfahrt geregelt, sowie ein Durchgang zum Freibad geöffnet werden. Eingezeichnete Plätze für Einsatzfahrzeuge sind dringend vorzusehen. Die Blechkisten würden sich auch über eine Strohabdeckung gegen die Sommerhitze freuen.

Der bestehende Parkplatz Neurauth mit Anbindung an den Fußballplatz könnte die vielen Fahrräder aufnehmen.

In absehbarer Zeit werden die Räume des Yoseikan-Budo übergeben. Auch steht die Verpachtung der Pizzeria und des Barbetriebes an. Beide Einrichtungen sind im Gebäude des Freibades untergebracht und werden ganzjährig geführt - Letztere mit Öffnungszeiten bis 23:00 Uhr. Es liegt auf der Hand, dass der motorisierte Verkehr zunehmen wird und die Nachtruhe der Anrainer gestört sein dürfte.

Flora Rainer


BAUBRANCHE

Rund ums Schwimmbad 02

Das anhaltende schwüle Sommerwetter ist nicht immer leicht zu ertragen und so mancher schaut in die Zeitung, um unter anderem die Werte der Luftgüte zu kontrollieren. Letztere hängen jedoch nicht nur von der Temperatur ab, sondern zum großen Teil von der Intensität des Auto- und Motorradverkehrs, dem die Stadt ausgesetzt ist.

In Bruneck scheint dieser Verkehr ständig zu wachsen, indem er sich speziell auf einzelne Durchgangsstrassen konzentriert. Eine von diesen ist die Neurauthstrasse; hier wird eine bisher eher ruhige Wohngegend mit einem Autolärm und einer Luftverschmutzung konfrontiert, welche der Lebensqualität bedeutend Abbruch tun. Zu viele Fahrzeuge benützen diese Strasse, um mit eher beträchtlicher Geschwindigkeit zum neu eröffneten Sportzentrum zu gelangen.

Wir fragen uns deshalb, ob man nicht diesen Verkehr, der abends dann auch, auf Grund der neu zu eröffnenden Pizzeria weiter bestehen wird, wenigstens auf die Strasse dem Fluss entlang verlegt werden könnte. Dort würden Autos und Motorräder nicht wie in der Neurauthstrasse mit zirka zwei Meter Abstand von den Privatwohnungen hin- und herrasen.

Auch die Ein- und Ausfahrt des Parkplatzes ist eine beträchtliche Lärmquelle für diejenigen, die in unmittelbarer Nähe wohnen und von den Balkonen direkt auf das Hin und Her der ankommenden und abfahrenden Autos schauen müssen.

Es muss ja nicht so sein, dass alles was den Einen von Nutzen ist, den Anderen zum Schaden gelangt. Natürlich freuen sich viele über ein schönes Sportzentrum mit Pizzeria – aber dafür kann man nicht die Ruhe der dortigen Wohngegend aufs Spiel setzen.

Eva Barontini


BAUBRANCHE

Warum keine Transparenz in der Baukommission

Es ist mehr als auffällig, wie nach jeder Gemeinderatswahl ein Gerangel darüber entsteht, wer in der Baukommission Sitz und Stimme hat. Tatsächlich ist dieses Gremium ziemlich undurchsichtbar und geheimnisumwittert. Es wäre daher im Sinne der viel beschworenen Transparenz, die die Bürgermeisterkandidaten und Parteien vor der Wahl dem Wähler hoch und heilig versprechen, wenn auch in dieses Gremium etwas hineingeleuchtet werden könnte.

Einen Vorstoß in diesem Sinne machte in der Gemeinderatssitzung vom 24. April 2002 der unterfertigte Gemeinderat, indem er in einem Beschlussantrag verlangte:

1. Der Südtiroler Landtag soll aufgefordert werden, im Landesraumordnungsgesetz für Bürokratieabbau und Transparenz in der Gemeindebaukommission Sorge zu tragen;

2. Der Planer des jeweiligen Projektes soll die Möglichkeit erhalten, zwecks allfälliger Erläuterungen und Behebung von Missverständnissen an der Sitzung der Baukommission ohne Stimmrecht teilzunehmen.

3. Die Gemeinderäte sollten ermächtigt sein, an den Sitzungen der Baukommission ohne Stimm- und Rederecht teilzunehmen.

Mit diesem Antrag sollte erreicht werden, dass der Bürger die Gewissheit bekommt, dass in der Gemeindebaukommission nicht gemauschelt wird und dass gewisse Bauherren (z.B. Athesia!) auf Grund ihres Gewichtes und ihrer Beziehungen es sich nicht richten können, wie sie wollen.

Es war aber nichts zu machen. Der Antrag wurde von der großen Mehrheit im Gemeinderat niedergestimmt.

Man bleibt also auch in Zukunft lieber unter sich. So ist es für die Herren gemütlicher.

Eduard Stoll, Gemeinderat der UNION für SÜDTIROL


BERGE

Das Jahr der Berge

Nun gibt es also auch ein Jahr der Berge und wie immer bei solchen Anlässen viel leeres Gerede ohne die geringste Wirkung, wie bei den vielen anderen Jahren „des weiß Gott was...".

Es gibt in Südtirol viele Menschen, denen Naturschutz ein Herzensanliegen ist, wie zum Beispiel den verehrten Josef Rampold, der seit Jahrzehnten vor dem Missbrauch warnt. Vielfach warnte er umsonst; die Natur wird nach wie vor mit Füßen getreten. Was hilft es da, wenn man die abgedroschenen Floskeln vom Naturkapital und der Wahrung der Schöpfung aufwärmt, wenn der gute Wille fehlt? Ich fordere alle, die für den Naturschutz verantwortlich sind, auf, sich von ihren Schreibtischen zu erheben und in die Natur hinaus zu gehen und sich die vielen Motorsägen und Bagger anzuhören! Dann wüssten sie wirklich Bescheid, welches Leid der Natur zugefügt wird. Ich fordere unsere Gesellschaft auf, mit der Lüge aufzuhören, dass wir letztendlich alle Naturschützer sind!

Frau Trude Dissertori- Schmid aus Tramin (Leserbrief: "Wollen wir jetzt selbst alles zerstören?" – Dolomiten, vom 4. März) hat vollkommen recht, wenn sie sagt, es müsse endlich Schluss sein mit dem Raubbau an der Natur, und dass wir
Dr. Alfons Benedikter dankbar sein sollten für den Landesraumordnungsplan, den er ausgearbeitet hat.

Wo kämen wir hin, wenn das noch zwanzig Jahre so weiterginge wie bisher? Man sehe es sich doch einmal an, was da im ganzen Land schon alles verwüstet wurde, oftmals ganz ohne Not und Vernunft, viel eher schon aus Zerstörungswut oder nackter Geldgier; als ob Geld alles wäre! Was werden einmal unsere Nachkommen von solchem „Wirtschaften" sagen?

Einmal, vor Jahren, da musste man solches noch hinnehmen, aber heute nicht mehr!

Jetzt liegt es in unserer Hand: Also handeln wir danach und werfen nicht Steine nach rückwärts: Das wäre nicht ehrlich und schon gar nicht berechtigt!

Wo bleibt die versprochene „härtere Gangart" unserer amtlichen Naturschützer? Wir sollten nicht länger so „blutarm" sein, nur zuzuschauen, wie Wahlversprechen nach kurzer Zeit wie alter Staub vom Tisch gewischt werden!

Franz Waschgler


ERINNERUNGEN

Nachruf und Dank

Dr. Erwin Staindl erlag am 23. Februar 2002 in Naturns am Ende eines Schachturniers seinem zweiten Herzinfarkt. Der dreiundvierzigjährige Direktor des Amtes für Menschen mit Behinderung im Assessorat Saurer war einer der stillen Freunde schwacher und Not leidender Menschen. Er besaß die seltene Gabe aufmerksamen Zuhörens, und die noch seltenere Fähigkeit, rasch klare Lösungen zu erkennen und durchzusetzen. Hinter seiner Nüchternheit im Arbeitsstil verbarg sich viel Menschlichkeit, hinter seiner Zurückhaltung im Privatleben viel Freude an den genießbaren Seiten des Lebens. „Er war genial wenn es darum ging, psychologische und rechtliche Gesichtspunkte zu vereinen", erklärt Dr. Karl Tragust, sein Vorgesetzter und Freund.

Und er war harte Arbeit gewohnt, klagte nicht. Bravourös hatte er in Innsbruck Jus und Psychologie gleichzeitig studiert, entwickelte später den Landessozialplan mit, war an der Entstehung des Psychiatrieplanes beteiligt, gestaltete das Netzwerk der Betreuung Drogen- und Suchtkranker mit. Ihm schwebte klar eine Vernetzung von Sozial- und Gesundheitswesen in Südtirol vor: gemeinsame Ausbildung, gemeinsame Ziele, die mit unterschiedlichen Mitteln erreicht werden sollten.

Er stützte, wo er nur konnte, Volontariat und Selbsthilfe. Ich erinnere mich an seine Empfehlung, aus dem Verein psychisch kranker Menschen „Lichtung" eine Selbsthilfeorganisation für ganz Südtirol zu machen, zweisprachig natürlich, um den Betroffenen endlich auch Stimme und politisches Gewicht zu geben. Er entwickelte das Harmonisierungsdekret mit, das Kostenbeteiligung auch im Sozialwesen vorsieht. Will heißen: auch vor unangenehmen oder unpopulären Aufgaben drückte er sich nicht. Und wurde nicht müde, Vorschläge zur menschlicheren Gestaltung der Kostenbeteiligung zu sammeln.

Er war kein typischer Beamter.

Den ersten Herzinfarkt erlitt er vor zwei Jahren auf einem Psychiatriekongress in Bozen. Er hatte sich seit fünf Uhr früh unwohl gefühlt, mit Druck in der Brust, war aber trotzdem gekommen. Bald nach seinem Referat brach er zusammen. Gemeinsam - es waren zum Glück viele Helfer anwesend - konnten wir ihm das Leben retten.

Erwin war einer meiner engsten Jugendfreunde. Dieselben Parties, Zeltlager, Fussballniederlagen, Fahrten nach Innsbruck zum Studium. Später ähnliche Vorstellungen beim Aufbau und Ausbau der Psychiatrie, wertvolle Diskussionen, gegenseitige Hilfestellungen. Und privat: genüssliche Essen, Gespräche über Frauen, Wanderungen. Sein Lieblingssport wurde das Schachspiel – eher ein Training für die grauen Zellen als für die Muskeln. Obwohl er betonte, dass die Muskeln sich dabei auch anspannten.

Wenige Tage, nachdem der kleine intelligente Mann uns verlassen hatte, rief mich eine seiner Mitarbeiterinnen an. Keine typische Beamte. Bewegt erklärte sie, Erwin habe viele Freunde im Assessorat, er sei unter Kollegen und Mitarbeitern sehr geschätzt. Man wolle ein sinnvolles Zeichen setzten, Geld für einen guten Zweck spenden statt Blumen zu kaufen, das sei im Sinne Erwins. Wir stellten uns vor, was er gewollt hätte, und beschlossen, Spenden zu Gunsten des Selbsthilfevereins psychisch kranker Menschen „Lichtung" vorzuschlagen.

Viele von Erwins Freunden sind dieser Einladung gefolgt. Den trauernden Spendern sei hier herzlich gedankt. Wir teilen uns einen Verlust im Bewusstsein, dass Erwins Geist und Ideen sein menschliches Leben überdauern.

Roger Pycha


GESCHICHTE

Sehenswürdigkeiten in Bruneck

Alt-Bruneck – das war nur die sich dem Schlossberg anschmiegende Stadtgasse. Ihre Mauer begann am Nordturm des Schlosses, führte – heute nicht mehr vorhanden – zum Unterrainerhaus, damals mit fester Außenmauer und dem Stadttor. Auch die Häuser bis zur Rienz waren wehrhaft. Dann bot der Fluss bis zum runden Turm mit seinen Schließscharten Sicherheit nach außen. Dort war die Rienz aufgeschwellt und brachte das Wasser für den Stadtgraben, der - bis 5m breit und 5m tief – der Wehrmauer entlang verlief. Am Eck des Ursulinenklosters bog er nach links um und ging noch bis zum Fuß des Schlossberges. Er wurde 1829 zugeschüttet. Das Schulgebäude der Ursulinen besteht erst seit 1910. Die Wehrmauer setzte gleich am Tor an und führte zum Schloss hinauf.

Der Winkel, den das Kloster mit der Kirche und ihrem prächtigen gotischen Portal bildet, ist einer der schönsten Anblicke Brunecks. Der Turm mit Wehrgang ist das westliche Eck der Befestigung. Die zu Tage tretenden Felsen gehören zu den Raiblerschichten, die sich bis nach Kärnten ziehen.

Außen am Ursulinentor ist ein großes Christophorusbild, des Heiligen, der Reisende vor einem jähen Tode bewahrt und ein Gekreuzigter mit Maria und Johannes. Es ist nicht verständlich, warum das Tor nach oben so erweitert wurde, dass es diese Bilder unten zerstörte. Sie sind dem Stil nach mit dem Bild außen am Unterrainertor vergleichbar.

Einige Schritte rechts vom westlichen Stadttor beginnt die Raingasse. Hier ist die Mauer unterbrochen und zeigt ihre Stärke und den Bau aus Bachsteinen. Hier ist klar, wie nur selten, die Entwicklung aller mittelalterlichen Stadtmauern zu erkennen. Sie wurden von innen her angebaut. Zuerst ist hier ein schmales Gemäuer, der Ziegenstall eines Bürgers. Nach oben hin werden die Anbauten breiter zu Wohnhäusern. Die Mauer durfte nur von kleinen Fenstern in 5m Höhe durchbrochen werden. Dies ist deutlich am Graben bei den Fenstern des ersten Stockes des Ursulinenklosters zu sehen. Die Leibungen lassen die Dicke der Mauern erkennen.

Alle tieferen Öffnungen stammen aus viel späterer Zeit.

Die Stadtmauer am Graben war so hoch wie die heutigen Häuser. Ein Haus links vom Florianitor hat oben noch Schießscharten.

Vom Platz hinter der Ursulinenschule, der damals viel tiefer lag, ist die zum Schloss aufsteigende Mauer zu sehen mit einem halbrunden Turm und Schießscharten zur seitlichen Verteidigung.

Die hier befindlichen Fenster und die Stiege stammen aus einer viel späteren Zeit.

Die Rückseite der Stadtbibliothek ist mit einigen Birken sehr schön gestaltet. Vom Eck aus sieht man durch die Hintergasse bis zum Florianitor mit den Verbindungslauben zu den Bauten an der Stadtmauer. Mitte des 18. Jahrhunderts waren diese noch klein – meist nur Werkstätten – die heutigen Häuser am Graben entstanden erst nach Abbruch der Mauer (1829).

Das Stadtgassenhaus Nr. 63 (Biblio-thek) gehörte dem Kloster Neustift, dessen Wappen über der Türe prangt. Gegenüber liegt das behäbige Kirchberger Bräuhaus (Nr. 62) mit dem schönen barocken Schild.

Von der Apotheke (Nr. 43) genießt man einen schönen Blick zum Florianitor, dessen Turm sehr schön erneuert wurde. Gegenüber ist das alte Stadtgericht (Nr. 44) – eines der schönsten Häuser mit einem über zwei Stockwerke reichenden Erker und einer hohen Feuermauer. Etwas weiter oben gegenüber ist das Neuhauserhaus (Nr. 29), das die Werkstätte des berühmten Michael Pacher barg, wo der prächtige Altar von St. Wolfgang entstand. Am Thomaserhaus (Nr. 29) ist ein schönes Fresko in schwarz-weiß: Adam und Eva.

Gegenüber vom Webhofer ist das schmale Haus des Stadthauptmannes (Nr. 16), daran ein von vielen nicht beachtetes Juwel: ein Sgrafitto darstellend eine Gruppe Bewaffneter und die Jahrzahl 1525 (Bauern-aufstand). Die Kleidung und technische Einzelheiten der Musketen entsprechen der Zeit.

Über dem Tor zur Brücke (Hahntor) wurde in letzter Zeit ein auferstehender Christus – wahrscheinlich von Friedrich Pacher – unter dem Verputz herausgearbeitet. Die Beherrschung der Anatomie und der Perspektive lassen den Meister des 15. Jahrhunderts erkennen. Leider ist das Gesicht zerstört.

An der Innenseite des Unterrainer Tores ist Bischof Bruno Graf von Bullenstätten dargestellt. In einem seiner Briefe von 1256 ist Bruneck erstmalig als Stadt (oppidum) bezeichnet. Dies wird – nicht ganz richtig – als Gründungsjahr angesehen. Das Bild und die Darstellungen des Hutmachergewerbes über dem Laden stammen vom Münchner Kunstmaler Weber aus dem Jahr 1921.

Unter dem Bischofsbild wurde in letzter Zeit ein sehr ansprechendes Bild, darstellend Maria mit dem Jesuskind und einige Engel, gefunden. Die gekonnten lieblichen Gesichter und Hände lassen den großen Michael Pacher als Künstler vermuten.

Links daneben ist ein kleines Schild mit der Jahrzahl 1478 – der Vierer noch in der gotischen Form eines halben Achters geschrieben.

An der Außenseite des Tores ist ein leider sehr schlecht erhaltenes Fresko des Gekreuzigten mit Maria und Johannes – dieser mit gerungenen Armen im Sinne alter Ikonenmalerei – daneben ein Bischof – im Stil irgendwie vergleichbar mit dem Bild am Ursulinentor.

Hier sind in aller Kürze einige Merkwürdigkeiten der Befestigung und der Stadtgasse dargestellt, an denen oft unachtsam vorbeigegegangen wird.

Lothar von Sternbach


GESELLSCHAFT

Adolescenti allo sbando

Le ragioni profonde, i rimedi possibili

Prima parte: Le ragioni profonde

La grave crisi della nostra gioventù sta finalmente costringendo gli adulti ad occuparsene, o almeno a tentare di farlo. Il congresso della Società italiana di psicopatologia tenutosi recentemente a Roma ha lanciato l’allarme: la depressione, che compare già fra i 13 e i 15 anni, colpisce molti più giovani di quel 24% già diagnosticato con certezza. E fin dalla scuola elementare i bambini sono soggetti a crisi di panico, ansia, iperattivitá. citando "La Stampa" del 21.02.2002:" Soltanto adesso c’è una maggiore attenzione al problema, soprattutto perché si ipotizza che dietro i suicidi messi in atto dai giovanissimi oppure dietro atti apparentemente inspiegabili, come il caso di Novi Ligure, ci siano problemi psichiatrici non riconosciuti in tempo."

E i sintomi o segnali del malessere, a volte angoscianti per molte famiglie, sono tanti e di tale gravità, che non porsi il problema sarebbe da veri irresponsabili. Ragazzi che passano interi pomeriggi imbambolati dal video della "tele" o da quello del computer: non è forse ovvio che, a parte i contenuti, a lungo andare si sviluppi in loro una visione appunto "virtuale" della realtà? E come dimenticare che, negli ultimi 4 - 5 anni in Europa il consumo di sigarette tra i giovani e giovanissimi è aumentato di circa il 40% ? (Dati O.M. a cod.S.) Non ho dati precisi riguardo l’alcool e le varie droghe, ma tutti sappiamo che vi è un incremento della loro diffusione. Detto tra parentesi, il fatto che molti ragazzi facciano micidiali cocktails di sostanze proibite è anche dovuto ad una politica pedagogica che evita accuratamente di dare informazioni obiettive proprio per non affrontare il problema di fare le dovute distinzioni fra sostanze naturali e prodotti chimici. Ma l’ignoranza, si sa, alle mafie dei trafficanti ha sempre fatto comodo (e non solo a loro).

Ritornando alla crisi dei giovani, chi poi si trova ad operare nel campo sociale, come gli insegnanti, soprattutto delle scuole medie (quelle della fascia d’età più difficile), sa molto bene sulla sua pelle di cosa vado scrivendo. Fare l’insegnante è diventata ormai una professione tra le meno ambite (in Francia ad esempio i professori mancano), tale è lo stress nervoso ed emotivo cui si viene sottoposti quotidianamente. Fondamentalmente direi che è evidente un generale aumento dell’aggressività ed una crescente incapacità di accettare osservazioni e rimproveri; a ciò si accompagnano le varie tipiche manifestazioni infantili di nervosismo o insoddisfazione con l’inevitabile calo delle capacità di ascolto e di attenzione.

Insomma non occorrerebbero neanche episodi tragici come quello recente di Erfurt per obbligarci a darci una mossa e a porci la famosa domanda: "Che fare?" Ma prima ancora: "Perché?"

Rispondere a questa domanda non è poi cosí facile. E qui starebbe il valore ed il senso di un’iniziativa come il "Forum": chi sa parli e scriva. Ci vorrebbe, come appare sempre più urgentemente, un serio impegno da parte delle famose "autorità (in-) competenti", ma da sempre ormai quello che si spende per la pubblica istruzione è un nulla se paragonato al resto.

È certamente giusto che ogni genitore si assuma le proprie responsabilità e si renda conto che oggi non si può piú, come 10 o 20 anni fa, lasciare che i ragazzi si arrangino nel gestire il tempo libero. D’altra parte però la famiglia da sola non potrà mai arginare quel fiume in piena di violenza, volgarità, squallore ed ignoranza che straripa dalla pubblicità (vabbé non tutta), dalla televisione, dal cinema, dai giornali, dalle riviste ecc. In altre parole la crisi della gioventù ci turba profondamente, perché è la nostra crisi. La nostra è una civiltà dominata, dal mercato e se la violenza ed il sesso volgare fanno audience e vendono, non basteranno le nostre prediche a fermarli. Ci vuole una rivoluzione delle coscienze, una rivoluzione interiore.

Insomma, la ribellione dei nostri ragazzi ed il loro estraniarsi non sono forse il risultato ed il riflesso di quel mondo che noi adulti gli abbiamo creato attorno? E da cosa è dominato tale mondo? Forse (come ben sostiene l’amico Beppe) dal "diodenaro"? Manuel Castells, sociologo spagnolo, già da 20 anni docente alla Berkley University, in un’intervista a "Reset" del gennaio di quest’anno, afferma tra l’altro: "Quel che determina che cosa fa la gente, sono i loro valori." … "Si, il denaro può comprare un sacco di cose, persino l’amore. ma non può cambiare le menti che sono state formate su altri valori." Quindi se il mondo che ci ritroviamo, così non va e non ci piace, non è forse perché i nostri valori non sono abbastanza autentici e forti da prevalere sul diodenaro e sull’ipnosi di massa che ci tiene incatenati nel nostro frenetico agire? Non sarà per caso che siamo un pó confusi nelle nostre più intime convinzioni? Infatti la loro crisi è anche la nostra ed è una crisi di civiltà, la nostra bella civiltà occidentale fondata sul lavoro e quindi sulla produzione ed il consumo e non piuttosto sull’amore e la conoscenza.

Facciamo un esempio concreto, fra mille possibili. Una ragazza, fra le molte che non si sentono a proprio agio col proprio corpo e non accetta l’immagine che lo specchio e gli altri le rimandano, cade vittima dell’ano-ressia. La sua situazione può diventare un vero inferno. Cosa l’aiuterà? Dubito possa essere l’idea che Gesú avrebbe sacrificato la sua vita affinché lei un giorno possa resuscitare con lo stesso corpo che disperatamente rifiuta.

Alla base dei valori che danno un senso al nostro vivere deve esserci una visione chiara e diametralmente opposta al consumismo, alla schiavitù dell’immagine, al mito alienante dell’apparire sui media. Ma questa visione non la può più dare (ammesso che l’abbia mai data) la religione di chiesa e di stato.

Il dott. Micheal Ledwith, già consulente della Santa Sede in materia teologica, relatore al 3° Parlamento delle Religioni del Mondo del dicembre `99 a Cittá del Capo, ha presentato i risultati di un’inchiesta condotta in diversi paesi europei. Il 73% degli intervistati ha dichiarato di non essere fedele a nessuna chiesa. Ad esempio a Dublino solo il 7% si dedica ancora a pratiche religiose. E la situazione non è affatto piú rosea per la chiesa persino nel nostro Sudtirolo o Alto Adige che dir si voglia. Tra i valori piú sentiti dai nostri giovani, troviamo la chiesa e la religione soltanto al 47° e al 48° posto.

Ugo Argenton


GESELLSCHAFT

Führerschein-Neulinge

Die letzten schwerwiegenden Unfälle in Südtirol haben viele nachdenklich gestimmt. Nicht immer ist es der Alkohol, der solche Unfälle … verur-sacht. Meiner Meinung wird ein Führerschein viel zu leichtsinnig gegeben. Man macht ein paar Fahrstunden, dann die Prüfung, und schon habe ich das Patent in der Hand. Was sind schon ein paar Fahrstunden, und dann wird man allein auf die verkehrsreiche Straße geschickt. Man müsste es so machen wie in Deutschland: Alle Jugendliche die einen Führerschein bekommen, behalten diesen "provisorischen" Führerschein für ein Jahr. Und erst wenn sie ein Jahr unfallfrei gefahren sind, erhalten sie den ordentlichen Führerschein. Auch die Kontrollen bei den frischgebackenen Autofahrern sind nicht ausreichend. In den Statistiken sieht man, dass es sind vorwiegend Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren sind, die in Unfälle verwickelt werden. Da kann man nur auf strengere Maßnahmen hoffen!

Claudia Zenleser


GESELLSCHAFT

Urlaubszeit, Reisezeit

Auch dieses Jahr zur Sommerzeit brechen sie auf zur großen Völkerwanderung. Nichts kann sie davon abhalten. Eine Himmelsrichtung erfreut sich besonderer Beliebtheit – der Süden! Sei es in Spanien, Griechenland, egal, in der Sonne braten sie alle. Filigrane Hüften in Andeutungen von Bikinis, Cellulitisschenkel aus stramm sitzenden Shorts hervorquellend, Väter mit und ohne Bauch unter Sonnenschirmen dösend, Mütter in ständiger "Habt-acht-Stellung" mit wachsamem Gluckenblick ihre Sprösslinge zählend, letztere Sandburgen bauend, kreischend, spritzend, lachend, japsend. "Gelati, pasta asciutta, pizza, vine, amore" und "sole mio", alles im günstigen Pauschalreiseangebot inbegriffen. Es treibt sie die uralte Sehnsucht nach dem Süden, nach Licht und Weite, Wärme und Sonne und nach der Unbeschwertheit südlichen Lebens.

Man übt sich täglich in der Kunst des Feilschens auf dem "mercato" und knipst die Familie im Meer, am Meer und auf dem Meer (im Tretboot). Am letzten Urlaubstag quetscht man mit vereinten Familienkräften alle Souvenirs in den Koffer und verteilt nach dem bewährten Gießkannensystem das spärliche Trinkgeld unter das Personal des Hotels. Sonnenstich, Sonnenbrand, Sonnenbräune, Sonnenseligkeit, Wind, Meer und Muscheln und noch ein wenig Sand in den Socken, alles gehabt, was will man mehr, "arrivederci" bis zum nächsten Jahr.

Nur einige ganz Verrückte unserer urlaubenden Zeitgenossen haben die Vermessenheit, nicht "en masse" aufzutreten. Sie sondern sich ab, genießen den Farbenrausch südlicher Gefilde, entdecken in Griechenland hellenische Landschaft - Arkadien - Athen, Delphi, Olympia, folgen in Spanien den Spuren berühmter Maler und Dichter - El Greco und Federico Garcia Lorca, bewundern die Architektur eines maurischen Palastes in Granada. Und irgendwann schlendern sie auch in Rom durch die alten Gassen in Trastevere, tauchen gänzlich ein in Liebreiz, Erinnerungen an Vergängliches - Unvergängliches, Schicksal großer Geschlechter; Dante, Michelangelo, da Vinci, Raffael, Päpste und ihre steinernen Zeugen. Doch was tut‘s, so ist es nun einmal: der eine liebt es so, der andere wieder auf andere Weise. Allen gemeinsam jedoch ist der Wunsch, den grauen Alltag in Sonn(en)tage zu verwandeln, und wann kann man dies wohl besser als im Urlaub ?

Brigitte Comploj


GESELLSCHAFT

Wenn am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig ist

Zur Schuldenproblematik im Pustertal

Unserem Tal geht es gut: die Wirtschaft und der Tourismus florieren, die Arbeitslosigkeit ist praktisch gleich null, den Menschen mangelt es an nichts – möchte man meinen. Aber auch in unserem Tal sind nicht alle so wohlhabend, wie es oft den Anschein hat. Spätestens nach der 1999 von den Sozialdiensten ausgearbeiteten Studie über die Verschuldung im Pustertal ist bekannt, dass die Schuldenproblematik auch hierzulande existiert, nur sind die Ausmaße der Öffentlichkeit eher unbekannt. Laut Untersuchung ist ca. die Hälfte der Schuldner nicht nur ver- sondern auch überschuldet. Überschuldung bedeutet, dass nach Abzug der Lebenshaltungskosten das vorhandene Einkommen nicht mehr ausreicht, um die Zahlungsverpflichtungen zu bewältigen.

Die Gründe, warum Familien und Einzelpersonen in die Schuldenspirale gelangen, sind vielfältig. In einer Gesellschaft, in der Wert des Menschen immer mehr von Geld und Besitz abhängt („Hosch nix, bisch nix" – wie das Motto des letztjährigen Jahresberichts der Caritas). und Konsum und steigender Lebensstandard ein Muss sind, (Einrichtung, Hausbau, Auto...) ist es ein leichtes, sich bis über beide Ohren zu verschulden.

„Kaufe heute – zahle morgen" – dieses Credo verhilft der Wirtschaft und den Banken zu guten Gewinnen und dem einzelnen zum erhofften Wohlstand. Doch viele sind überfordert mit dem enormen Angebot an Waren, Dienstleistungen und den damit zusammenhängenden bargeldlosen Zahlungsverkehr: Bancomat- und Kreditkarten, Ratenzahlungen, Daueraufträge, Schecks und Kontoüberziehungen lassen viele endgültig den Überblick und die Kontrolle über die Finanzen verlieren.

Aber auch unvorhergesehene Ereignisse, wie Krankheit, Unfall, Einkommensverlust, Arbeitslosigkeit und immer häufiger Trennung bzw. Scheidungen führen oft in einen finanziellen Zusammenbruch: Isolation, Armut, Sozialer Abstieg, Obdachlosigkeit, Suchtverhalten können die Folgen sein. Aus eigener Kraft schaffen viele den Ausstieg aus der Schuldenmisere nicht.

Eine Möglichkeit ist der Gang zur Caritas Schuldnerberatung, welche nun auch in Bruneck mit einem Berater vertreten ist. Dort erhalten Betroffene kostenlos Auskunft, Beratung und Begleitung bei ihren finanziellen Problemen, wobei wirtschaftliche, rechtliche und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Vertraulicher Umgang mit Informationen wird zugesichert.

Voraussetzung für eine zielführende Beratung ist jedoch der Wille, die Situation wirklich verändern zu wollen, alle Karten offen auf den Tisch zu legen und gemachte Vereinbarungen auch einzuhalten.

Gemeinsam mit den Betroffenen wird zuerst ein Gesamtüberblick über die finanzielle Situation erarbeitet, d.h. Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Schulden. In einem Haushaltsplan wird berechnet, wie viel (oder ob etwas...) monatlich zur Schuldentilgung übrig bleibt. Erst dann kann ein möglicher Sanierungsplan erarbeitet werden, kann mit Gläubigern und Banken gesprochen und verhandelt, nach neuen Einnahmequellen geforscht oder mit anderen Sozialeinrichtungen gemeinsam eine andere Lösungen ins Auge gefasst werden.

Vorrangiges Ziel ist die zuerst einmal die Existenzsicherung des Betroffenen – Grundbedürfnisse wie Essen & Wohnen müssen garantiert sein. Erst dann kann eine Schuldenregulierung und somit eine langfristige finanzielle Stabilisierung ins Auge gefasst werden. Es gibt auch Situationen, wo eine Regulierung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aufgrund der Schuldenhöhe nicht möglich ist – hier ist es die Aufgabe der Schuldnerberatung, diesen Menschen bei der Organisation ihres Lebens mit Schulden behilflich zu sein.

Aber auch bevor der Pleitegeier seine Runden dreht, kann man sich allgemeine Informationen und Auskünfte holen. Es gibt weiters verschieden Informationsblätter zu Themen wie Pfändung, Bürgschaft, Haushaltsplan, Hausbau, Miet- und Energieschulden.

Die Caritas Schuldnerberatung befindet sich gemeinsam mit der Hospizbewegung im soeben am 22. 2. offiziell eröffneten Caritas Büro Ost in der Paul-von-Sternbach-Str. 6 in Bruneck. Termine können unter der Telefonnummer 0474/413977 von Montag bis Freitag von 10 - 12.30 vereinbart werden.

Werner Niederbrunner, Caritas Schuldnerberatung


GESELLSCHAFT

WM 2002 ohne Präferenzen

Wohl nirgends wurden nationalistische Tendenzen offensichtlicher als im Rahmen der Fußball-WM: Hupkonzerte mit Fahnenschwenken, brachial herausgeschriene Melodiephrasen von Hymnen, Gegröle, von dem man hofft, dass es nicht paradigmatisch für das geistige Niveau aller Menschen steht... Und wie bei nahezu jeder nationalistischen Äußerung gibt es die einen, die sich aufgrund eines scheinbaren Geburtsprivilegs als etwas Besseres fühlen und die anderen, die sich notgedrungen als minderwertig – als Verlierer eben – vorkommen müssen.

Gerade in einem Land wie Südtirol scheint es mir im Sinne eines friedlichen und harmonischen Zusammenlebens besonders wichtig zu sein, sich sogar bei WM-Siegen über die Banalität solcher nationaler Symbole zu erheben und sich einfach zu freuen – ohne dabei andere demütigen zu wollen. Es dürfte überhaupt bedenklich sein, wenn Menschen ihren Lebenssinn und ihr Selbstwertgefühl – wenn auch nur zeitweise – am Erfolg einiger Sportler festmachen, mit denen sie wohl nichts gemeinsam haben bis auf die Tatsache, dass sie innerhalb bestimmter willkürlich festgesetzter Grenzen geboren worden sind. Aus diesem Blickwinkel scheint es problematisch, einen Sieg als Leistung einer Nation (und somit auch als eigenen) zu feiern, zu dem man höchstens einige Steuergelder und Hormonausschüttungen beigetragen hat. Es ist nicht nur eine Sache der Menschlichkeit, sondern auch ein Zeichen von Bildung und Respekt, wenn man solch infantile und unsinnige Spielerein mit nationalen Symbolen jeder Art unterbindet, um dadurch Missverständnisse oder gar Feindschaften zu vermeiden.

Betrachtet man die Bilder von vielen weinenden Fans aus neutraler Perspektive, so bleibt wirklich zu fragen, wo in deren Leben die Maßstäbe für Trauer liegen: das Ausscheiden einer Nation im Viertelfinale als kollektiver Trauerfall oder gar als existentielle Bedrohung?

Noch skurriler wird die ganze Angelegenheit, wenn eine Regierung offiziell verkündet, dass man sich mit den Gründen für eine derartige Niederlage und mögliche Gegenmaßnahmen im Parlament befassen werde, zumal ja so viele Menschen darunter litten. Da sei doch die Frage erlaubt, ob es wirklich nichts Wichtigeres gibt, mit dem sich das Parlament befassen sollte? Unter diesen Bedingungen bleibt nur zu hoffen, dass nicht auch noch ein Geheimdienst auf jene angesetzt wird, die keine Präferenzen haben oder sich für eine andere Mannschaft als die „eige-ne" begeistern.

Stefan Keim


GESELLSCHAFT

Wo die Gefahr ist, wächst das Rettende auch

Nicht nur die sommerliche Hitze und die meist darauf folgenden Gewitter mit ihren heftigen Entladungen von Blitz, Donner, Wolkenbruch und Hagel machen uns zur Zeit zu schaffen. Auch auf gesellschaftlicher Ebene ist verstärkt die Zunahme von Gewalt und Bedrohung spürbar. Die Medien breiten akribisch kleinste Einzelheiten in endlosen Berichten aus und bleiben somit an der Spitze des Eisberges hängen, statt sich in die Tiefen zu wagen und nach den dort liegenden Verwurzelungen zu fragen.

Auf der politischen Ebene ist es ähnlich: Medienwirksame, die Seiten füllenden Ereignisse wie die Rettung von kleinen Welpen können doch nur zum Teil darüber hinwegtäuschen, dass wichtige politische Entscheidungen zunehmend ohne den Konsens der breiten Bevölkerung als direkt Betroffene gefällt werden. Hat die Sattheit unseres Wohlstandes lähmende Auswirkungen auf demokratisches Denken und Handeln?

Am Wirtshaustisch, im Zug und Autobus werden viele Stimmen laut, die dies zwar kritisch sehen, jedoch resignativ die Achseln zucken, wenn es um die Frage nach Lösungen geht.

Und trotzdem gibt es diese rettenden Ansätze, wie es der Titel ausdrückt und auf zwei davon möchte ich besonders hinweisen.

A) Im Bildungshaus Lichtenburg/Nals fand vor kurzem ein Seminar zum Thema: „Angst und Gewalt in einer kranken Gesellschaft: Gibt es Hoffnung?" statt. Zwei Referenten aus der Ex-DDR, zur Zeit in Moskau lebend, führten die Seminarteilnehmer/innen in die „Therapie Sociale von Charles Rojzman" ein. Es geht dabei um eine veränderte Sicht unserer Gesellschaft, die immer mehr soziale Unsicherheit, Konflikte, Vorurteile, Rassismus und Gewalt hervorbringt. Charles Rojzman hat als Psychotherapeut nach 15 Jahren eingesehen, dass die Heilung einzelner in einer kranken Gesellschaft nicht mehr ausreicht. Und so hat er nach eingehender gesellschaftlicher Diagnose in Frankreich seine Heilungsmöglichkeiten für diese kranke Gesellschaft entwickelt. Dabei bringt er durch die direkte Begegnung und gemeinsame Arbeit von kontroversen Gruppen einen heilenden Prozess in Gang, so
z.B. zwischen Polizeibeamten und rechtsradikalen Jugendlichen, Einheimischen und Ausländern, Etablierten und Randgruppen. Die Gruppe entwickelt gemeinsam einen Vertrag, an dem dann anfangs mittels vertrauensbildender Maßnahmen, dann konkret das gemeinsame Ziel erarbeitet wird: letztendlich möchte jeder als Mensch wahrgenommen und geachtet werden sowie die menschlichen Grundbedürfnisse nach Nahrung, Sicherheit, Bestätigung und Transzendenz erfüllen können. Kein leichtes Unterfangen. Rojzman schafft es jedoch vielfach und bildet in aller Welt Multiplikatoren dafür aus.

B) Es ist kein Zufall, dass die Unzufriedenheit über den Zustand der Demokratie in Südtirol stärker und der Ruf nach mehr konkreter Demokratie immer lauter wird. Dank der Reform des Autonomiestatutes im Februar 2001 haben wir wesentliche Werkzeuge dafür erhalten; nun gilt es sie optimal zu benutzen und zu gestalten. Was bisher in Südtirol politisch geleistet wurde, verdient allen Respekt und Anerkennung. Das neue Jahrtausend zwingt uns jedoch, eine völlig veränderte Realität wahrzunehmen und darauf im Sinne des Gemeinwohls durch „weltweites Denken und lokales Handeln" zu reagieren. Sattheit und Wohlstand sind Privilegien, die jedoch ihren hohen Preis haben.

Könnte es sein , dass junge Menschen in Südtirol deshalb randalieren, laufend Vandalenakte begehen und sich mit Alkohol und Drogen betäuben, weil es sonst nichts mehr zu verändern gibt? Oder weil die menschlichen Grundbedürfnisse nach Wärme, Nähe, Akzeptanz und Sinnhaftigkeit eben nicht durch den Dauerkonsum ersatzbefriedigt werden können. Lässt die Unüberschaubarkeit der Welt zugleich Ängste und Ohnmachtsgefühle auch bei Erwachsenen ansteigen???

An dieser Stelle decken sich die Ansätze der „Therapie Sociale" mit denen der „Direkten Demokratie"; nämlich selbstbestimmtes Handeln und Gestalten der Realität sind die besten Gegengewichte gegen Ohnmacht und Autoritarismus. Aber dazu müssen autoritär erzogene Menschen erst befähigt werden: das eigene Denken und Erkennen ins Handeln umzusetzen, allerdings unter Einbeziehung der Mitmenschen, auch derer, die anders denken.

„Die Südtiroler Initiative für mehr Demokratie" setzt genau hier an und wir Südtiroler brauchen solche Nachhilfe dringend in Sachen Bürgerkunde!

Ich hoffe, sie haben Lust darauf bekommen, mitzumachen und vielleicht aus dem kleinen Büchlein: „Der Hass, die Angst und die Demokratie" von Charles Rojzman (AG SPAK 1997 ISBN 3-930830-05-1) mehr zu erfahren oder die neue Broschüre
„Demokratie Direkt"- Nr. 1/2002 der Initiative für mehr Demokratie mit ihren praktischen Handlungsanleitungen mit Südtirolbezug zu lesen.

Abschließend ein Zitat von Charles Rojzman als Mutmacher: „Der Rechtsextremismus ist nur eine extreme Erscheinungsform von dem, was in uns allen steckt: - die Angst vor der wirklichen Demokratie!

Demokratie kann gelernt werden; die Angst vor dem anderen kann überwunden werden!"

Dr. Christine Baumgartner, Bürgerinitiative Bruneck


GESUNDHEIT

Gesundheit und Handy

Eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen aus aller Welt warnen vor möglichen gesundheitlichen Folgen für die Gesundheit durch die niederfrequent gepulste Hochfrequenzstrahlung wie sie aus Handys und Handyumsetzern ausgeht.

Man ist der Ansicht dass folgende gesundheitliche Störungen durch diese Strahlungen begünstigt werden :

Schlafstörungen, Unruhezustände, Verspannungszustände, Nervosität, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Augenreizungen und Grauer Star, Lernstörungen bei Kindern, Herzrhytmusstö-rungen, erhöhter Blutdruck, Migräne, Schwindel, Potenz- und Fruchtbarkeitsstörungen, Kopftumor u Augenkrebs, beschleunigtes Krebswachstum, ständige Müdigkeit und Erschöpfung, Allergien, Immunschwäche, Erbgutschäden.

Prof. Dr. Peter Semm, Universität Frankfurt stellte schon 1995 fest, dass bei gepulster Hochfrequenzstrahlung (900MHZ) weit unterhalb der geltenden Grenzwerte, 69% der Nervenzellen falsch reagieren.

Prof. Leif Salford, Neurokirurg der schwedischen Universität Lund sagte:
„Unsere Forschungen zeigen, dass die Strahlung von Mobiltelefonen die Blut-Hirn Schranke öffnet und es so vielen Giften leichter macht, in das Gehirn zu gelangen und dies schon bei Strahlungen die 20.000-fach unter denen eines Handys liegen."

Für Jugendliche insbesondere Kinder ist dies besonders gefährlich weil ihr Zentralnervensystem noch nicht voll entwickelt ist.

Trotz dieser besorgniserregenden Erkenntnisse und in Unkenntnis dieser Gefahren, ist das Handy für viele Menschen und besonders für Jugendliche zu einem unverzichtbarem Statussymbol geworden, im Glauben dass ein Handy und damit immer und überall erreichbar zu sein, zur Steigerung der Lebensqualität gehört. „Ist dies nicht ein Trugschluss?"

Sicher hat das Handy auch positive Seiten, vor allem in Notsituationen wenn man Hilfe braucht oder sicher erreichbar sein muss.( Arzt oder Rettungseinrichtungen )

Untersuchungen in Deutschland haben ergeben, dass 80% der geführten Gespräche nur sogenanntes bla – bla sind. Der sinnvolle Umgang mit solchen Einrichtungen ist also notwendig wenn die Gesundheit etwas wert ist.

Wer auf das Handy nicht verzichten kann oder nicht verzichten will, sollte nachstehende Ratschläge befolgen :

Verwenden Sie das Handy nur für kurze Gespräche. Für lange Gespräche sollten Sie Kopfhörer und Mikrophon verwenden.

Telefonieren Sie im Auto nur mit Freisprechanlage mit Aussenantenne. Ohne Aussenantenne bekommen Sie durch die Reflexe der Metallkarosserie ein Vielfaches an Strahlung.

Aufklebbare Plaketten die schützen sollen eliminieren die Strahlung nicht.

Tragen Sie das Handy nicht direkt am Körper z.B. Herz oder Beckennähe. Handy strahlen auch in Standby Stellung.

Telefonieren Sie aus Rücksicht auf andere Menschen nicht in deren unmittelbaren Nähe oder in Räumen wo sich auch andere Menschen aufhalten. Die Benützung des Handys ist auch eine Frage des Anstands und der Rücksicht auf die Mitmenschen.

Besonders Jugendliche sollten über die Risiken des Handys gut aufgeklärt und informiert werden. Dies wäre eine Sinnvolle Aufgabe für die Lehrpersonen. Schulen und alle anderen öffentlichen Lokale sollten mit Handyverbot belegt werden.

Ein Wunsch an die Politiker und andere Verantwortungsträger: Mit Rücksicht auf die Bevölkerung und zur Vorsorge für die Gesundheit, Mobilfunk Umsetzer nur in ausreichendem Abstand von Wohnsiedlungen errichten zu lassen.

Der verantwortungsvolle und richtige Umgang mit diesen neuen Techniken gibt ihnen den richtigen Sinn. 

Karl Winkler


KULTUR

Eine wichtige Ausstellung im Museum in Bruneck

Ende Juni ist die wunderschöne Ausstellung von Aquarellen, Zeichnungen und Hinterglasbildern des Nordtirolers Peter Prandstetter (geb. 1925) im Museum von Bruneck zu Ende gegangen. Noch in der Erinnerung halten die durchwegs hintergründigen und mit Humor verfremdeten Arbeiten mit uns Zwiesprache. Wir suchen „dahinter" zu sehen, wir beobachten, beachten Aussagen, wir achten die Bilder als unser Gegenüber.

Zu diesem Anlass möchte ich einige Gedanken in Erinnerung rufen, welche Eva Kreuzer Eccel vor zwanzig Jahren im Buch „Aufbruch", zu Peter Prandstetter veröffentlicht hat:

„Antworten auf die Natur"

Seine Arbeiten beginnen im Atelier vor Naturrelikten, die er zufällig gefunden hat, kleine Fragmente aus dem Naturzyklus des Werdens und Vergehens. Er zeichnet diese, folgt der Linie, löst sich schrittweise von der Realität und entwickelt ihr eigenes Leben. So entstehen seine Blätter, „die das Leben etwas weiter machen, als es durchschnittlich scheint." (Paul Klee über Realitäten der Kunst) Seine Aquarelle entrinnen den Grenzen der Realität, können zu transparenten „nicht fassbaren Träumen" werden, zu „Fliegenden Aquarellen", in Wasser, Licht, Luft schwebend, zu Fantasiegärten.

Peter Prandstetter arbeitet in Serien, seiner Systematik des Arbeitens und der Phantasie folgend. Es gibt neben seinen Malbüchern Serien zu: Die Schönheit des Vergehens – Die Natur malt nicht – Zeichen für... – 100/1000 Schillingformate – Nichts ist vollkommen – Jalousettebilder u.a.

Neben den Aquarellen und Zeichnungen stellen die Hinterglasbilder einen wichtigen Teil seines Lebenswerkes; eine alte Technik in die Moderne gesetzt.

„Seinen Arbeiten ist das weite geistige Erfahrungsfeld anzumerken, das sich erst hinter den Grenzen der Realität und der Materie öffnet. Und da ist Peter Prandstetter in Tirol ziemlich einsam auf dem Wege" – schrieb Eva Kreuzer Eccel.

Zelger Hainz


KULTUR

Euromediterranea 2002

Euromediterranea - „Wünschbare" Globalisierung

Der Titel der diesjährigen Euromediterranea bezieht sich auf ein Referat von Alexander Langer, das er im Rahmen der Toblacher Gespräche 1994 gehalten hat: "Die ökologische Wende wird sich nur durchsetzen, wenn sie auch sozial wünschbar erscheint." Darin zeichnet sich eine Kritik am technokratischen Zeitalter ab und ein Appell an die BürgerInnen und Institutionen, Verantwortung zu übernehmen.

Das internationale Treffen Euromediterranea findet heuer bereits zum sechsten Mal statt, vom 1. bis zum 7. Juli 2002 in Bozen. Es ist in drei Bereiche aufgeteilt: internationale Sommerschule, öffentliche Vorträge und Kulturprogramm.

Die öffentlichen Vorträge beschäftigen sich heuer u. a. mit den Themen "Krieg der Zivilisationen. Stimmen des demokratischen Islams" und "Umwelt und Gerechtigkeit. Von Rio bis Johannesburg".

Anmeldungen und Informationen bei der

Alexander-Langer-Stiftung

Lauben 49, Bozen, Tel. 0471-977691

 http://www.alexanderlanger.org/


KULTUR

Schulschlussfest im UFO

13. Juni! Endlich! Der Tag vor dem letzten Schultag!

Wer von uns erinnert sich nicht daran, welche Glücksgefühle dieses Datum in uns auslöste? Drei Monate ohne Pauken und ohne Noten! Das musste gebührend gefeiert werden. Genau das machen Jugendliche auch heute. Mit dem Unterschied, dass es bei uns noch keine spezielle Party gab und wir uns dementsprechend selber organisieren mussten. Seit einigen Jahren übernimmt diese Aufgabe das Jugend- und Kulturzentrum UFO und bietet SchülerInnen den Raum, um sich vor den großen Ferien (wobei die meisten Jugendlichen heutzutage jobben und nicht etwa auf der faulen Haut liegen) auszutoben. Dass es dabei zugegebenermaßen teilweise laut und ausgelassen zugeht, liegt auf der Hand. Wie überall, wo sich viele Menschen treffen, die eines verbindet: die Lust zum Feiern. Das ist bei Erwachsenen nicht anders.

Dass die Notwendigkeit besteht, Jugendlichen zum Schulabschluss ein eigens auf sie zugeschnittenes Event anzubieten, zeigt sich u. a. in der Tatsache, dass dieses Modell, vom Verein "Jugendzentrum" 1994 das erste Mal in Szene gesetzt, inzwischen in vielen Teilen Südtirols erfolgreich kopiert wurde. Die Idee basiert auf einem Vorschlag von RiB-RaB (Rock in Bruneck - Rock a Brunico; Zusammenschluss Brunecker Musiker). Die Musiker wollten ein gemeinsames Konzert organisieren, bei dem sämtliche Bands von Bruneck und Umgebung auftreten können. So auch ganz junge Formationen, die im Rahmen des Schulschlusskonzertes die Möglichkeit haben, sich erstmals ihren Schulkollegen und darüber hinaus einem breiten Publikum zu präsentieren. Seit 2000 findet dieses Abschlusskonzert nun im UFO statt. Dem großen Andrang entsprechend verlangt es von den Veranstaltern ein hohes Maß an Einsatz und Know-How. Sicherheit wird großgeschrieben und die Kontrollen wurden verstärkt. Insgesamt waren 24 Security, 13 Feuerwehrleute und 4 Männer der Ersten Hilfe im Einsatz. Durch eine ausgezeichnete Zusammenarbeit aller Beteiligten, UFO-Team, Ehrenamtliche, Stadtgemeinde Bruneck, Freiwillige Feuerwehren u.s.w. ist es überhaupt erst möglich, ein Fest in solch einem Ausmaß zu organisieren. Und es ist wieder gut gelungen!

Jugendliche sind das Spiegelbild der Gesellschaft und vor zwei Problemfeldern darf man die Augen nicht verschließen: der exzessive Konsum von Alkohol und damit verbunden das achtlose Wegwerfen von Flaschen und Verpackungsmaterial. Diese Probleme waren im Hause nicht ersichtlich, dafür aber umso mehr rund ums Haus und im anliegenden Wald. Jugendliche unter 16 Jahren bekommen Alkohol (auch hochprozentigen) überall in jedem Geschäft. Hier braucht es endlich eine landesweite Regelung, ansonsten wird das Konzept des UFO ständig ausgehöhlt. Das Konzept des UFO bezüglich Alkohol lautet: Es gibt keinen Konsumzwang, Superalkohol ist strengstens verboten, Säfte sind wesentlich billiger als Bier und Wein und die gesetzlich vorgeschriebene Altersbegrenzung wird genauestens kontrolliert (Ausweiskontrolle!). Es geht also nicht um Verbote, sondern um einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol nach dem Motto: Genießen statt Saufen!

Jugendliche lassen es sich nicht verbieten, Feste zu feiern wie sie fallen - wir sind dafür verantwortlich, ihnen einen geschützten Rahmen anzubieten! Und mit „wir" ist nicht nur das UFO gemeint!

Steinmair Judith, Präsidentin UFO


KULTUR

Spiele am Schlossberg

Am 17. Mai veranstaltete die Klasse 2 C des Pädagogischen Gymnasiums in Bruneck einen Erlebnisvormittag für die Kinder des örtlichen Kindergartens. An die sechzig Kinder kamen am Morgen erwartungsvoll auf den Schlossberg, wo sie von den Schülern in kleine Spielgruppen eingeteilt wurden. Die Kinder konnten sich schminken und Bändchen ins Haar flechten lassen, malen und auf der Hüpfburg herumtollen. Zur Stärkung gab’s für die Kleinen Eistee, Äpfel und Pizzaschnitten, doch die wollten nur Gummibärchen und Cola.

Mit den Worten „Des wor suppo" verabschiedeten sich die Kinder mit ihren Tanten. Als Dank für den tollen Tag sangen sie den Schülern noch ein kleines Ständchen und machten sich dann auf den Nachhauseweg.

An dieser Stelle möchte sich die Klasse 2 C bei allen beteiligten Lehrpersonen, der Raiffeisenkasse Bruneck für die Hüpfburg und bei Herrn Geom. Olivotto für die unbürokratische Unterstützung bedanken!

Lukas Neumair, 2 C Pädag. Gymnasium


LITERATUR

A propos Heimat (Teil 2)

... Heimat ist für mich kein Verdienst, kein Leistungsabzeichen. Zufällig wie der Ort der Entbindung kann Heimat nichts als ein mehr oder weniger angenehmes Geschenk sein. Wäre ich neben einer leeren Konservendose in dieser Welt erwacht, in irgendeiner Öde, Wüste oder Berghöhle: Das wäre heute meine Heimat, an die ich mich aus jeder geografischen Entfernung – vielleicht im vierzigsten Stockwerk eines Hochhauses oder im Gemüsegeschäft eines anderen Kontinents erinnerte, vermutlich mit verklärender Sehnsucht, wahrscheinlich würde ich mich an die Säuseltöne des Windes in der Konservenbüchse zu erinnern versuchen und mich danach sehnen als einer Form meiner Heimat. Worauf aber sollte ich dabei stolz sein?

Würde mich jemand fragen, was für mein Schreiben wichtig ist, müsste ich mit einem Wunsch antworten: Geheimnis.

Manchmal scheint mir Heimat das Gegenteil davon zu sein, und manchmal weiß ich, dass ich nichts so wenig kenne wie sie, und was ich von ihr zu kennen glaube, stößt mich ab oder schließt mich aus. Manchmal tröste ich mich, denke ich: Heimat war ein Irrtum, den ich nicht vermeiden konnte, aber meistens denke ich: Heimat ist mein geliebtes Unglück.

Was mich am meisten anzieht an diesem Unglück, ist die Geheimsprache, die dieses Unglück hat, es verbindet mich mit fast allem, auf alle Fälle mit allem, was zuvor war, und vielleicht kommt auch daher die Würde der kleinsten Eigenheit, ich meine die Kraft und die Erinnerung, die unser aller Leben einbettet in eine geschichtliche Heimat, mit einer neugierigen Verantwortung für die Zeit nach uns.

Wo wohnen die Wünsche? Eher wohl in der Ferne – die Ferne ist der Raum, wo das Unbekannte wohnt – die Heimat aber ist die Höhle oder die Hölle des Gewohnten, oder die makellos graue Wand, auf die wir solange starren, bis unser Blick ein Loch gebohrt hat, durch das wir fliehen können in unsere Träume.

Heimat ist ein Glück, von dem man eines Tages nichts mehr weiß, sie ist in unseren Knochen, in unserem Wimpernschlag, sie ist alles und daher auch nichts, sie ist eine feine Nestwolle, Küchengeruch, die Stimme der Mutter, einmal lockend und ein andermal schimpfend. Und schließlich wird in der Gemeinschaft, in der alle sich kennen, die Welt aufgeteilt, und zwar in Urteilen und in Verdammnissen, und die Macht ist schon verteilt, und alle kehren in ihre Schlupfwinkel zurück, tauchen auf und verschwinden wieder, allmählich wird die Heimat zu einer Glasglocke, unter der das Atmen immer schwerer fällt, man müsste schreien, damit das Glas zerspringt und man endlich das berühren kann, was man durch das Glas sieht.

Ja, gewiss, Heimat ist das, was man so gut kennt, dass man unter Umständen nichts mehr damit anzufangen weiß.

Heimat ist die intimste und abgenützteste Sprache, vor allem die Sprache der unterdrückten Seufzer. Mit der Heimat sind die Zufriedenheit, aber auch der Hunger nach Gefahr gewachsen – sie, die Heimat, ist und war die erste Kupplerin zwischen dem Fragenden und der Welt.

Ich habe Lesen und Schreiben gelernt in Graz, an einem Ort, an dem ich nicht geboren bin, ich war das Kind von Auswanderern, von Deutsch-Optanten. Als ich die Welt zu erforschen begann, war Krieg, ich bin noch nicht zehn gewesen, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging. Ich spielte auf Trümmerhaufen, zwischen Häuserruinen, ich sammelte Granatsplitter, ich rannte jede Nacht mit meiner Mutter und meinen Schwestern über Stiegen in einen Keller, um uns zu verstecken vor explodierenden Bomben. Ich habe als Kind Menschen in einzelne Teile zerfetzt gesehen, ich habe mir als Kind oft Schlupfwege gegraben, Tunnels, durch Haufen zitternder Menschen im Hauptluftschutzbunker der Stadt Graz. Ich war ein glückliches Kind, ich hatte eine Mutter, die mich anschrie in Todesangst und die mich küsste in Todesangst, ich hatte einen kleinen Hund und ich hatte Geschwister, mit denen ich streiten konnte. Ich habe eine glückliche Kindheit gehabt. Das behaupte ich nicht erst hier und heute, denn auch jetzt könnte ich, ohne zu lügen, darauf schwören, dass ich nie eine langweilige Kindheit hatte, und ich erinnere, dass ich mich in den Ruhepausen, zwischen einer Entwarnung und dem nächsten Fliegeralarm, viel an einem Flussufer herumtrieb, und dass das Dickicht aus Unkraut von Geheimnissen knisterte, auch wenn die Brenneseln mich brannten. Ich habe

mich nie gelangweilt. Erst Jahrzehnte später, als ich darüber zu schreiben begann, dachte ich: das war eine Kindheit, die ich meinen Kindern nicht wünschen möchte. Und trotzdem – diese Kindheit war mein geliebtes Unglück, und ich wusste nicht, was Unglück ist.

Ich habe oft sagen hören, dass Heimat dort ist, wo die Freunde sind, dass Heimat also der Ort der Freundschaft ist; Max Frisch und viele andere haben es gesagt. Und es ist ganz und gar nicht falsch, nur darf man eine Unterscheidung nicht vergessen: Es gibt, jedenfalls für mich eine Kopfheimat und eine Atemheimat. Die Kopfheimat ist eine individuell gefundene und gewählte, sozusagen existentialistische Heimat, der Ort, die Landschaft oder die Stadt, wo man sich mit seinen Erfahrungen einrichten kann unter Freunden, denn Freunde machen jede Fremde zumindest weniger fremd, mit Freunden könnte man sich geradezu die Heimat aussuchen, ich meine die Kopfheimat, der Ort wo man sich zuhause fühlt. Man trifft sich nach getaner Arbeit, man isst und trinkt miteinander und teilt Neugier, Traurigkeit, Wut und Hoffnung, man freut sich auch miteinander. Aber seltsamerweise träumt man dann noch immer von einer Heimat, die etwas ganz anderes war: Ein Pfirsich auf einem Brückengeländer, eine vollgeschissene Kinderhose, die Mutter herunterzog und schimpfend auswusch im nächsten Bach. Und so weiß ich erst im Rückblick, was meine Heimat war, etwas aus Unwichtigem: Sandlöcher, Grasverstecke, Kohlekeller und die Angst, an die ich mich an die Rufe meiner Mutter gewöhnt hatte. Oft denke ich: Wo ich mehr Angst durchstehen musste, dort bin ich mehr als anderswo daheim gewesen, geradeso als hätte ich mir mehr Heimatrecht erworben durch mehr Angst. Und tatsächlich dachte ich manchmal: Ich bin mehr Grazer als die meisten der jetzt dort lebenden und dort auch geborenen Menschen, ich, der ich dort nicht geboren wurde, aber der sich dort als Kind vor Bomben in den Keller hatte verkriechen müssen.

Die Heimat der Kindheit ist gemacht aus einem Gewebe imaginärer Räume; diese Heimat haben wahrscheinlich auch heimatlose Kinder, was immer wir darunter verstehen. Die Kinder von Flüchtlingen, die Kinder von Vertriebenen, von Auswanderern. Diese Heimat kann das Dunkel eines Kinderschranks sein oder das Halbdunkel eines Zugabteils zu Füßen der Mutter oder des Vaters oder sogar fremder Menschen. Und Zuggeräusche vermischen sich mit dem Sommerstaub und dem Geruch zerdrückter Insekten.

Nur die Kindheit hat von allem scheinbar Unwichtigen für immer Besitz ergriffen, von kieseln, Holzspänen und uralten Träumen. Eigenartigerweise verlässt uns nicht dieses scheinbar Unwichtige, und irgendwie erkennen wir daran die Welt, irgendwo in der Welt stoßen wir immer wieder darauf, auf diese Heimat. Dieses scheinbar Unwichtige der ersten Jahre wird uns bis zum Ende Schlupfwinkel bieten für Träume und Hoffnungen.

Keine Kopfheimat kann das Unwichtige unserer Kindheit ersetzen.

Ich erinnere mich an das Statement einer jungen türkischen Dichterin, die als Kind nach Deutschland gebracht worden war. Sie, die zwischen Karlsruhe oder Kaiserslautern und Berlin so scheinbar problemlos aufgewachsen war, wie ich – abwechselnd – in österreichischen, schweizerischen und italienisch annektierten Orten, sie, diese deutsche Türkin, sagte: Ich habe nur profitiert, ich wünsche mir noch viele dieser Heimaten.

Ich hörte diese Aussage wie einen Triumphschrei, wie einen Befreiungsschrei oder auch wie eine Kampfansage, und ich glaubte sie so zu verstehen: Ich habe nicht nur die Türkei, ich habe auch Karlsruhe und Berlin zu meiner Heimat gemacht, mit jeder neuen Heimat bin ich reicher geworden, an Erfahrung, und auch weltoffener, wohl auch toleranter. Für mich dachte ich: Natürlich wäre es schön, den ganzen Globus als Heimat benutzen zu können, überall den Fuß hinsetzen zu dürfen, als beträte man das Schlafzimmer der Eltern. Doch zugleich dachte ich, dass jede neue Heimat nur eine Heimat ohne Kindheit sein kann, eine Kopfheimat ohne Wurzeln, eine tabula rasa. Wer sich an diesen leeren Tisch setzt, kann auf ihm, wenn er will, die Früchte seines Lebens häufen und sich mit seinen Freunden daran erfreuen. Aber dieser Tisch wird ihm keine Vergangenheit bieten, und es werden darauf die Erfahrungen und die Weisheit fehlen, er wird sein Leben lang ein Neuangekommener sein, oft nur ein Abenteuer ohne Verantwortung aus dem Gestern für morgen. Er, der nicht die Legenden kennt, die im hunderte Jahre alten Baum wohnen, er wird die uralte Weide fällen an der Wegbiegung, wenn er Holz braucht.

Kind oder Erwachsener – wir tragen die Folgen der Geschichte aus: Wir müssen uns unbedingt besser kennen lernen, um sie gemeinsam ertragen zu können.

Josef Zoderer


LITERATUR

Briefe eines Heimatfernen 01:  Do 20. Juni 2002

Ich kann nichts mehr schreiben, weil ich Angst habe, dass alles was ich schreibe, publiziert wird und ich berühmt werde und mir meine Fans, wenn ich durch die Stadt gehe die Kleider vom Leib reißen und meine Fingernägel sammeln. Ich sitze auch völlig anders vor dem Bildschirm, nämlich steif wie eine militärische Fahnenstange und lege die Arme an den Körper an, wenn ich schreibe, da ich jetzt plötzlich einen bestimmten Bildungsstatus erreicht habe und Verantwortung habe gegenüber den ganzen Mehrschweinchen da draußen, die ich vertrete, da sie gerade bzw. permanent beim Einkaufen sind. Sie kaufen sich ständig neue Hüllen, damit sie in ständig neuem Kontrast zur Umwelt stehen. Früher hat man sich mit seiner Kleidung noch getarnt, da man erschossen oder gefressen worden wäre vom Pöbel, der nichts zu essen hatte und alles fraß, was irgendwie auffiel. Heutzutage haben die Menschen scheinbar ein Verlangen danach, gefressen werden, da sie dann wenigstens einmal im Mittelpunkt stehen, wenn auch auf dem Tisch und dann im Magen mit der gefräßigen Magensäure, aber keiner beachtet sie mehr, will sie fressen, da das Rinderfleisch heutzutage gesünder ist und besser schmeckt als früher. Wir müssen uns nicht mehr gegenseitig auffressen, da die Nahrungsauswahl viel größer ist. Hurra!

Trotzdem geben sie nicht auf, die bunten Mehrschweine in ihren Eintagskleidern, und wollen wenigstens mit den Augen gefressen werden, aber man ist bald gesättigt und rülpst auch schon während man sich vom Rauch einer Zigarette die Leberknödel im Magen noch nachwürzen lässt. Raubtiere hätten aber sicher starkes Interesse an den Mehrschweinchen und würden sie von ihrem Aufdringlichkeitswahn befreien, durch Abschlecken der Beine vor dem Konsumtempel und anschließendes Fressen vor dem Gotteshaus um für den Festtagsbraten danken zu können. Ja schön und leicht ist es sogar, die Beute zu finden. Das Problem ist, dass die Viecher sich mit der Zeit fast nicht mehr bewegen, da die Beute ja überall in bunten Farben herumläuft, leicht zu fassen ist und sich sogar mit bunten hasentötenden Farben bemalt.

Früher war das nicht so.

Früher war man bei Sichtung einer hellen Farben in Alarmbereitschaft und hat sofort Aktionen gesetzt. Heute laufen die Alarmsignale herum und keiner reagiert mehr darauf. Die Feuerwehrmänner z. B., an die denkt ja eigentlich niemand, reagieren nur mehr in ihrer Zentrale, wenn eine pechschwarze Lampe kurz aufleuchtet, aber nur eine Viertelsekunde. Und was ist mit den verteufelt lauten Sirenen? Stimmt, die sollte man hören. Auf die sollten wenigstens die Feuerwehrleute reagieren, wenn sie in Bereitschaft sind. Die Sirene hören aber selbst die Mannen von der Feuerwehr nicht! Nein, denn wer, frage ich Dich, kann heute noch zuhören! Niemand und überall laufen lebende helle und grelle Signallampen herum, sodass unsere Urgroßväter noch zu Hilfe geeilt wären ohne mit der Wimper zu zucken und sofort an ein Attentat gedacht hätten oder an eine wilde Sauferei, bei der jeder dabei sein muss, als wäre es eine einmalige Gelegenheit zum Wohle der Allgemeinheit, so genanntes Gewaltsaufen.

Nun bin ich vom Faden abgekommen und sinniere bereits besoffen über die sinnlose Vergangenheit, die sowieso besser war, aber die keiner mehr will. In die Zukunft sollen wir schauen, o Graus, nein, bitte kein Antidepressiva Herr Doktor, und dabei gnadenlos ehrlich sein! Ich wage es ohne Drogen und was sieht mein Hirn? Wir können keine Raubtiere wie Bären, Luchse, Wölfe, Meerschweinchen usw. ansiedeln, weil wir eine Gefahr sind für sie. Sie fressen uns bunte Vögel bzw. Mehrschweinchen, werden fetter und fetter und sterben schon wieder aus. Ich will das nicht meinem Kind erzählen und ihm dabei in die 5 Augen schauen, während eine riesige Zeltplane um die Sonne gewickelt wird damit sie uns nicht verbrennt, weil wir die große Flamme in der Sonne verkleinern wollten und sie keinen Spaß versteht, obwohl eigentlich jeder Spaß verstehen und immer lächeln sollte. Ha, dann hat sich wohl ausgelacht.

Entschuldige meine Dramatik, aber Gefühle und Gedanken muss man rauslassen, bevor einem der Arzt Betäubungsmittel verschreibt, damit die Ernsten unter uns auch das Lachen lernen bis in alle Ewigkeit, wie die Tanten aus der Zahnpastawerbung, die sich nichts mehr als Ernsthaftigkeit wünschen, wie ich aus sicherer Quelle erfahren habe und in ihrer Freizeit professionell ernst und dabei glücklich sind. Mein Gott muss die Menschheit verzweifelt sein, dass sie immer nur lacht. Manche behaupten sogar, dass sie Tiere gesehen haben, die sich ein Lächeln nicht verkneifen konnten. Als nächstes behaupten einige auch noch, dass die Steine hinter ihrem Haus gelacht haben. Außerdem werden die Scheidungen in Zukunft wieder abnehmen, da jeder nur mehr lächelt und keiner mehr redet.

Schöne Grüße,

Ehrenfried Friedl Pircher, Innsbruck-Reischach


LITERATUR

Briefe eines Heimatfernen 02: Autobahn durchs Pustertal

Die Welt ist schlecht und grausam und lässt den besten aller Archäologen nicht auf Ausgrabung gehen, da er für den Weltfrieden, für das Weltklima, für den Regenwald und für die schönen Träume zuständig ist. Oh ich Jammertal! Aber ich werde hart bleiben und mein Leben in Innsbruck fristen und auch nicht weinen während andere im Schmutz wühlen. Aber ich werde von Tag zu Tag trauriger und wundert Euch nicht, wenn ich dann ganz traurig bin.

Und was gibt es noch zu berichten? Ich mache, man lese und staune, ab nächste Woche den Führerschein. Warum? Weil die Welt mehr Autofahrer braucht! Ich werde dann nur mehr auf Autobahnraststätten leben und mir eine Autobahn durch das Pustertal mit Autobahnraststätte wünschen, damit ich dann auch mal in diese Gegend komme und die schönen Berge sehe. Dann kann auch jeder die Berge schneller sehen und wir sparen uns den Tourismus, der vor dem Haus steht und lästig Fragen stellt, auch noch bei einem übernachten und essen will und vielleicht keinen Dialekt versteht. Zudem treten sie mit ihren Wanderschuhen unsere Bergwege durch und irgendwann ist alles Ebene.

Nein, ich wünsche mir eine Autobahn mit Raststätte und ohne Abfahrt. Und jeder der außerhalb vom Pustertal ist, kann nur über die Autobahn durch das Pustertal fahren und unsere wunderbare Gegend im Vorbeifahren anschauen oder von meiner geliebten zukünftigen Raststätte. So werde auch ich, der ich außerhalb vom Pustertal lebe, nicht mehr einen Fuß auf diesen heiligen Boden setzen können, außer auf den Asphalt der Autobahn, die meine neue Heimat ist. Mit meinem Führerschein, meinem Auto und meinem neuen Wohnsitz werde ich glücklich sein, ich werde ein Internationaler sein, da es ja überall Autobahnen gibt, Gott sei‘s gedankt!

Aber nachts manchmal zwischen 4 Uhr und 5 Uhr wenn ich in meinem Auto schlafe und ein 50-Tonner an mir vorbeifährt und mich rüttelt und schüttelt wie einen Orangensaft in der Tüte vor dem Gebrauch, werde ich mich an früher erinnern, an die Zeit vor dem Tag X wo meine Füße noch länger und zum Gehen da waren und ich echten Pustertaler-Boden berührte.

Es ist so schlimm, dass ich bei einem Unfall auf der Autobahn keine Erste Hilfe leisten kann, außer der Verletzte fällt in mein Auto. Ich will nicht jammern und immer lächeln, denn ich werde der glück-lichste und freundlichste Autofahrer der Welt sein.

Schöne Grüße,

Ehrenfried Friedl Pircher, Innsbruck - Reischach


LITERATUR

Brunecker spaziergänge 06

„Wenn einer eine reise tut", sagt er, um gervasius und protasius herum. Und er setzt sich in bewegung, wie es ein spaziergänger tut: in bologna oder in berlin, in biella oder in budapest. Und schon kommt die stadt auf ihn zu. Und allmählich, schritt für schritt, dringt er, wie ein mann, wartend in sie ein. „Hör auf zu schrein! Hör auf, hör auf", hört er bald noch schrein; aber von weit, schon von weit. Aus einem offenen fenster heraus, denkt er, oder durch eine balkontür vielleicht; die versehentlich offen ist oder weil es sonst zu heiß wär, im haus, zu stickig und schwül. In diesem sommer, denkt er, der gerade beginnt; der schon auf dem siedepunkt ist – wo ein sommer mehr nicht mehr werden kann. Der sommer übertreibt, denkt er, und schon schreibt er es auf: „Der sommer übertreibt!", und weiter schreibt er: „Wie alles leben zu beginn, wie die liebe, wie der schmerz .. oder wie die kinder vielleicht, weil bald schon das ende ist –." Aber dann zerreißt er das blatt, weil auch das schon gesagt ist, und wie alles zu oft. Und er steht von der parkbank auf, wo er ein paar augenblicke saß; und er wischt sich den staub von den hosen, der danach am hintern sein kann. „Ach", denkt er, „daß ich mich nicht von hinten seh!" Weil endlich wüßte er so nicht mehr, was an ihm hinten, was vorn; das verhältnis seiner körperseiten wäre das hierarchische los. Aber wenn er jetzt, denkt er, in diesem augenblick, und er geht um jeden baum wie die erde um die sonne entgegen dem uhrzeigersinn, so geht er zweimal herum, von der brennerautobahn abführe; wenn er, der heute die erde ist und morgen der mond schon, vielleicht, jetzt nördlich von brixen ins pustertal einböge, spürte er da, so wie sonst, wie es plötzlich kälter würd’? Wie ihm die heimische luft kühler entgegenkäm? So wie dem hl. ambrosius am ende der römischen zeit, als er gervasius und protasius aus ihren gräbern grub? Obgleich mehr als 300 Jahre vergangen waren, schienen die zutage geförderten Leichname noch frisch, als ob sie erst seit einer Stunde bestattet wären, und ein wunderbarer Geruch breitete sich umher. – „Hör auf zu schrein! Hör auf, hör auf", so hatte er es schreien gehört, wohl ein paar hundert meter zurück; aber nun ist nur noch das rauschen der rienz, rechts fließt das wasser vorbei. „So bin ich endlich", denkt er, „wieder in der ewigkeit." Weil die ersten, die die rienz hörten, hätten sie wie er gehört; weil so ein fluß, ja, höre nimmer zu fließen auf. Bis all das wasser versiegt, bis der allerletzte tropfen in einem ozean sei; bis sein ende wär, denkt er, als er über die brücke geht, auf die mühlgasse zu. Und im fresko dort an der hauswand sucht er wie von neuem das schwein.

josef oberhollenzer

250802


LITERATUR

Bruneck wird schöner . . .

Unsere Alleen sind schon in den letzten Jahren radikal verschönert worden. Durch entfernen jeglicher Pflanzen, die älter als 10 Jahre waren, haben wir jetzt schöne, homogene Baumzeilen mit Jungpflänzchen, die zwar sehr unscheinbar sind, dafür aber auch keinen Schatten spenden und nicht unnötig die Luft säubern. Die Umgestaltung ist bald abgeschlossen.

Was für Bäume lange schon gilt, setzt sich auch langsam für Gebäude durch. Endlich besteht die Möglichkeit, die Innenstadt von der erdrückenden Masse alter Architektur zu entlasten und das Stadtzentrum Schritt für Schritt in einen amüsanten Fleckenteppich von Gebäuden zu verwandeln, die die Seelen der Besucher nicht durch Aussagen, bzw. Charakter belasten.

Unsere neuen Flaniermeilen sind sehr intelligent geplant. Paradebeispiel ist die Herzog-Sigmund-Straße, die wir zum Preis für die bestgestaltete Nicht-Fußgängerzone anmelden sollten. Eine ausreichende Menge Parkplätze mitten in der Straße sorgt für ein jederzeit bewegtes Straßenbild (wenn’s nicht grad staut). Da die Parkplätze genau zwischen Fuß- und Radweg situiert sind, ist auch für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer ein jederzeit spannender und abwechslungsreicher Aufenthalt gewährleistet. Immer mehr Leute verbringen ihre Freizeit in diesem neuen pulsierenden Zentrum.

Worum uns ganz Europa beneidet, sind unsere Rienzpromenaden. Durch geschickte Kombination von Asphalt, Mauern und Randsteinen entsteht ein angenehmer Kanal-Effekt. Auch hier wird durch bewusstes Einschleusen von fahrendem und stehendem motorisiertem Verkehr ein stets abwechslungsreicher Spaziergang ermöglicht, bei dem man zuweilen auch sein Reaktionsvermögen testen kann. Leider gibt es einige Stellen, die zu schmal sind, um von Motorfahrzeugen befahren werden zu können, und leider wird das insgesamt positive Bild zuweilen von unkontrollierter Vegetation und dem Fehlen einer vollständigen Asphaltdecke getrübt.

Durch geschickte Kombination von Asphaltflächen und Gebäuden ist auch in der Schulzone eine lebenswerte Ecke von Bruneck entstanden. Vorbildlich ist vor allem der Platz zwischen dem Oberschulzentrum und der Bushaltestelle. Durch konsequente Anwendung des p&a-Verfahrens (planieren & asphaltieren) und durch Weglassen störender Grünelemente oder anderer Objekte ist hier ein urbaner Platz entstanden, der besonders im Sommer auch von den Anwohnern als Treffpunkt und Aufenthaltsort genutzt wird.

Wir sind also auf einem guten Weg, auch wenn das Gespenst der „Verkehrsberuhigung" und „Straßenraum-Gestaltung" weiterhin umgeht. Aber wir sollten Vertrauen haben in den spezifisch Brunecker Sinn für Ästhetik.

Hans Peter Niederkofler


LITERATUR

Das Schönste auf der Welt

Unser Landl ist weitaus das schönste auf der Welt, verkündet unsere jodelnde Anneliese im Radio. Wir befinden uns „in einer Welt, wo ein Wort noch alles zählt" - meint auch unsere süße Angelina. Wir werden als Modell in der ganzen Welt herumgereicht, überall kennt man uns, die Berge, von denen die Spatzen heruntersingen. Der Musikantenstadl macht so gerne Halt, weil`s hier noch so ehrlich und urig zugeht, im Grand Prix gewinnen nur die besten, ein Hotel hat lustigere Türmchen als das andere, ein Vereinshaus die teurere Einrichtung als das andere... Weg mit dem alten Geraffel, dem Hotel Post, dem Hotel Bruneck, dem Bahnhof, wir brauchen neue – nicht diese grausig modernen – einfach nur schöne Häuser, solche die man für unsere Prospekte gebrauchen kann. Und mit dieser Gletscherleiche kommen sogar die Japaner zu uns. Was wollen wir mehr? Wieder neue Rekorde auf unserem Heiligen Schiberg. Unsere Volksvertreter haben sich auf die Rettung von Hunden spezialisiert, wir können es uns sogar leisten, nach den Speckfesten Hundefeste abzuhalten. Glücklich die Tiroler... uns geht’s gut!

Man müsste uns glatt hernehmen zum Klonen. Dass der Adam ein Tiroler war, wissen wir ja schon lange.

Etwas tun müsste man nur gegen diese lästigen Unfälle, die tragischen Morde, die so gar nicht ins Bild passen. Heuer soll wieder ein neuer Suizid-Rekord sein. Auch im Pustertal. Zum Glück schreiben die Zeitungen nicht mehr soviel darüber, obwohl sie ja auch ihre intimen Sensationsmeldungen brauchen, weil so wie die Bild sollten sie schon auch werden.

So wunderbar schnell haben wir den Wechsel in die Wohlstandsgesellschaft geschafft. Der Fortschritt, unser wunderbarer Wirtschaftsstandort wird einfach nicht genug geschätzt! Vor 50 Jahren z. B. war das Gadertal noch ein hinterwäldlerisches Bauerntal – und heute verkehrt dort die Schickeria. Mit dem Fernseher und dem Internet unterhalten wir uns wunderbar: grenzen- und schrankenlos, obwohl der Bischof behauptet, dass wir nicht feiern können. Und dann sagen die Psychologen, dass „unsere Gesellschaft sich vor den Gefühlen verschließt." Und dann dreht halt dann und wann wieder einer durch. Und die Philosophen sagen eine „Zivili-sation der neuen Grausamkeit" voraus, wo man sich immer mehr zurückzieht und sich durch die Medien unterhalten lässt. „Neid, Eifersucht und ständiger Konsum sind wesentliche Triebkräfte im heutigen Zusammenleben" – das schreibt sogar schon die Dolomiten.

Muss man denn immer schwarz malen? Immer nur kritisieren?

Leben und leben lassen!

Freuen wir uns, dass wir endlich ein tolles Schwimmbad in Bruneck haben, dass der Sommer da ist und ein paar Verliebte zufrieden sind.

Toni Taschler


POLITIK

PPP

In Reaktion auf die Angriffe auf unsere Plattform, von denen anlässlich der Berichterstattung zur SVP-Bezirksleitungs-Sitzung am 21. Juni d. J. zu lesen war ("Dolomiten" Mo 24/6/02) bitten wir um Veröffentlichung folgender Pressemitteilung:

Die Plattform Pro Pustertal ist eine Arbeitsgruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die es sich in erster Linie zur Aufgabe gesetzt hat, Informationsarbeit zu betreiben und die öffentliche Diskussion zu fördern in Bezug auf wichtige Fragen, die die Entwicklung unseres Tales betreffen.

Wenn nun seitens einzelner Exponenten der SVP zu vernehmen ist, die Entscheidung über die Zukunft der Pustertaler Straße sei parteiintern zu treffen und das Thema sei nicht an die Öffentlichkeit zu tragen, können wir darüber nur unser Befremden ausdrücken. Wenn weiters jene Mitglieder der Plattform, die der SVP angehören, dafür angegriffen werden, dass sie sich in öffentlicher und parteiübergreifender Weise für eine talverträgliche und konsensfähige Lösung der Verkehrsfragen einsetzen, so kann das nur mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Es handelt sich schließlich um die Einhaltung demokratischer Grundregeln, die eigentlich jedem politisch tätigen Menschen klar sein sollten. Äußerungen über "Gruppierungen zweifelhafter Herkunft" u. ä. kommentieren sich hingegen von selbst.

Die Plattform jedenfalls wird ihre Arbeit selbstverständlich fortsetzen, in der festen Überzeugung, dass Entscheidungen zu Themen wie Verkehr und Mobilität nicht innerhalb von Parteien oder Interessensgruppen zu treffen sind, sondern unter Einbeziehung der gesamten Öffentlichkeit und unter Wahrung der größtmöglichen Transparenz.

Hanspeter Niederkofler, Für die Plattform Pro Pustertal - PPP

propustertal@email.it


POLITIK 

Statement zu Fraktionszwang in der SVP

Ich bin seit drei Jahren SVP-Mitglied.

Historisch betrachtet hat die SVP überwältigende Verdienste.

Durch die Erringung einer vorbildlichen Autonomie ist jedoch die zwingende Notwendigkeit, in einer Partei zusammenzustehen, im Wesentlichen abhanden gekommen, auch wenn man dies bestreiten wird. Trotzdem muss das Wahlverhalten der Südtiroler zur Kenntnis genommen werden, das zum Ausdruck bringt, dass man in Einheit stark bleiben will, auch wenn die sachpolitischen Einzelentscheidungen auf zunehmende Kritik derselben Wähler stoßen.

Die SVP bezeichnet sich als Sammelpartei, also als Zusammenschluss von verschiedensten Strömungen. Dem muss parteiintern stärker Rechnung getragen werden. Der Begriff Sammelpartei beinhaltet auch basisdemokratische Abläufe und deren Respektierung. Andernfalls würde man nur Stimmen sammeln und sich den daraus erwachsenden Verpflichtungen entziehen.

Ich vertrete den Standpunkt, dass unser Land zu schade ist, um ungezügelten Wirtschaftsinteressen freien Lauf zu lassen. Dafür gab es in den letzten Jahren genügend abschreckende Beispiele. Dem entgegenzuwirken ist im ureigensten Interesse der Wirtschaft, als deren Teil ich mich betrachte. Die Zeit ist reif für neue Wege.

Nach den Vorkommnissen bei der letzten Bezirksversammlung in Pfalzen fragt man sich, ob sich in unseren Reihen Kräfte rühren, für die praktizierte Demokratie und freie Sachdiskussionen den größten anzunehmenden Unfall darstellen.

Solange Wortmeldungen, wie jene in Pfalzen innerparteilich unwidersprochen bleiben- um nicht zu unterstellen, dass sie gewollt gewesen sein könnten, sehe ich keinen Grund mich an irgendwelchen blanko- Fraktionszwang zu halten; im Gegenteil: ich hoffe, dass viele dem Beispiel folgen; im Sinne von Entscheidungsfindungen auf einer breiteren Ebene.

Ich habe seit meiner Wahl in den Brunecker Gemeinderat immer meine Meinung gesagt.

Die besseren Argumente müssen entscheidend sein und den Fraktionszwang gegenstandslos machen!

Der Demokratie, die wir ja alle wollen, kann es nicht schaden. Sehr wohl aber wird es jene in die Schranken weisen, die glauben, der so gut wie automatische Wahl- Vertrauensvorschuss für die Volkspartei sei ein Freibrief für das Recht des Stärkeren.  

Walter Harpf, SVP-Gemeinderat in Bruneck


POLITIK

Stellungnahme zum „Neue Südtiroler Tageszeitung"- Artikel: „Defensivspieler Denicoló"

Zu den persönlichen, parteiinternen Angriffen gegen mich und weitere SVP-Funktionäre nehme ich in den Medien vorerst nicht Stellung, weil ich zunächst den innerparteilichen Weg der Auseinandersetzung und der Klärung gehen will. Diese meine Einstellung hat nichts mit Offensiv- oder Defensivfußball zu tun.

Zum Sachverhalt selbst: Meine Einstellung dazu ist hinlänglich bekannt, durch einen einstimmigen Beschluss des Südtiroler Landtages abgestützt und durch die Grundaussagen von St. Lorenzen bestätigt: Gegen die Alemagna, für die Streichung der Drau- und Pustertalerstraße als Europastraße 66 aus dem europäischen Fernverkehrsnetz, für eine schonende Umfahrung der vom Straßenverkehr besonders belasteten Ortskerne mit gleichzeitiger Verbesserung der bestehenden Trasse, einschließlich Ausfahrt nach Reischach ab der Bruneckner Südumfahrung, entschieden gegen eine Neutrassierung und somit gegen eine wie immer geartete zweite schnelle Straße zwischen Bruneck und Mühlbach.

Die Bahn muss mit der gleichen Aufmerksamkeit bedacht werden wie die Straße selbst: Stundentakt, mehr Haltestellen, Studium und Projektierung einer Schleife von Aicha nach Vahrn, Sicherung der internationalen Verbindung durchs Pustertal von Klagenfurt über Lienz nach Innsbruck, Sanierung der Bahnhöfe mit Nutzung der entsprechenden Areale und volle Unterstützung der Bürgermeister diesbezüglich. Die derzeitige Regelung des Warenverkehrs, auch des grenzüberschreitenden, ist ein Skandal

Die Bürgerinitiative „Pro Pustertal" ist überparteilicher Ausdruck dieser Einstellung und will eine öffentliche Diskussion der Lebensqualität und Zukunftssicherung im Tale selbst, besonders in Zusammenhang mit der Verkehrsproblematik. Deshalb wird auch eine Raumverträglichkeitsprüfung des vom Landeshauptmann in Aussicht gestellten Gesamtprojektes zu Verbesserung und Ausbau der derzeitigen Strecken- Führung vorgeschlagen. Ähnlich geht die Bezirksgemeinschaft Meran-Burggrafenamt vor, um eine umweltverträgliche und zukunftsfähige Regelung der Mobilität zu treffen.

Schließlich ist richtig zu stellen, dass ich nicht Präsident der „Plattform Pro Pustertal (PPP)" sondern bis auf Widerruf deren Sprecher bin.

L.Abg. Herbert Denicolò, SVP-Fraktionsvorsitzender im Regionalrat, Vertreter des Pustertales in der SVP-Verkehrskommission


POLITIK

Zur SVP- Bezirksauschusssitzung in Pfalzen

Als Parteimitglied bin ich der Meinung, dass in einer Sammelpartei verschiedene Gruppierungen mit ihren Anliegen und Meinungen Platz haben und dass nach demokratischen Grundsätzen Lösungen gesucht und Entscheidungen getroffen werden.

Ich glaube auch, dass die gewählten Mandatare auf allen Ebenen es als ihre Pflicht ansehen müssen, die Bevölkerung gerade bei alle angehenden Problemen, ausreichend zu informieren.

Die Geheimnistuerei und der Ruf nach einer Schnellstrasse durch das untere Pustertal haben das Gespenst Alemagna in der Bevölkerung wieder wachgerufen.

Um für ausreichend Information und Transparenz zu sorgen, wurde die
„Plattform Pro Pustertal" ins Leben gerufen, eine zwar politische aber parteiübergreifende Gruppe von Menschen, denen eine gesunde, nachhaltige und die Lebensqualität erhaltende Entwicklung des Tales am Herzen liegt. Diese Bürgerinitiative will dazu beitragen, dass zufriedenstellende Lösungen zustande kommen.

Herbert Denicolò ist, wie alle anderen auch, als reine Privatperson Mitglied dieser Gruppe. Wenn ihm bei der Bezirksversammlung der SVP in Pfalzen deshalb parteischädigendes Verhalten und Verbrüderung mit Gruppierungen „höchst zweifelhafter Herkunft" vorgeworfen wird und man ihn mit erpresserischen Methoden mundtot machen will, so ist dies höchst fraglich und verwerflich. Mandatare, die sich so benehmen, treten die demokratischen Grundregeln mit Füssen und sind selbst parteischädigend, sie sollten ihr Verhalten überdenken oder ihr Mandat zurücklegen.

Karl Winkler, Mitglied der Bürgerinitiative PPP - Plattform pro Pustertal


TIERSCHUTZ

Ebner und der Tierschutz

Wenn man im Internet in eine x-beliebige Suchmaschine die Stichworte "Michl Ebner" und "Tierschutz" eingibt - aus Interesse und weil er gerade medienwirksam eine schöne Anzahl junger Hunde gekauft hat, um diese vor Tierexperimenten zu bewahren -, stößt man auf überraschend viele Links: Da gibt es eine Vogelschutzinitiative, die Initiative "Proact", die dezidiert wegen einer und gegen eine Gesetzesinitiative von Michl Ebner aus dem Jahr 2000 im Europaparlament gegründet wurde, zwei Millionen Unterschriften wurden im selben Jahr von der weltweiten Umweltorganisation BirdLife International dem EU-Parlament in Brüssel übergeben, um die Frühlingsjagd auf Zugvögel zu verhindern, und man findet viele Protestschreiben internationaler Vogelschutzinitiven gegen Ebners Vorstoß, ein europäisches Gesetz aus dem Jahre 1979 zu verändern. Die Vogelschutzinititiven werfen Ebner vor, die Frühjahrsjagd auf Zugvögel wieder zulassen zu wollen...

... eine interessante Gesinnungsmorphose.

Andrä Niederbacher

Mit diesen Informationen konfrontiert, antwortete Michl Ebner übrigens via E-Mail:

EUROPÄISCHES PARLAMENT

ON. DR. MICHL EBNER
MITGLIED DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
PRÄSIDENT DER DELEGATION FÜR SLOWENIEN

Zu Händen Herrn Niederbacher. In Bezug auf Ihr E-Mail vom 9/06/02 möchte ich feststellen, dass es eine Verleumdung ist zu behaupten, dass ich im September 2000 eine Initiative zur Verlängerung der Jagdzeiten auf Zugvögel gestartet hätte. Die schriftliche Erklärung zielte auf eine längst fällige, wissenschaftliche Überarbeitung der, vor 21 Jahren in Kraft gesetzten Vogelschutzlinie ab, mit deren Anwendung nachweislich alle Mitgliedstaaten ihre Schwierigkeiten haben. Es ist im Text der schriftlichen Erklärung niemals die Rede von einer Verlängerung der Jagdzeiten auf Zugvögel.  Michl Ebner

Das deutsche Komitee gegen Vogelmord e.V. schrieb in einer Presseinformation vom 19. 12. 2000:

Schlappe für Singvogeljäger

Initiative zur Wiedereinführung der Frühlingsjagd auf Zugvögel gescheitert

Aachen/Bonn Im Europaparlament ist eine Gesetzesinitiative zur Wiederzulassung der Jagd auf Zugvögel während der Brutzeit im Frühling und Sommer gescheitert. Wie am Dienstag das Komitee gegen den Vogelmord e.V. in Aachen mitteilte, hatten bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist am vergangenen Montag, 24:00 Uhr nur 255 der 626 Parlamentarier einen entsprechenden Initiativantrag des norditalienischen Abgeordneten Michl Ebner unterschrieben, darunter auch 42 deutsche Abgeordnete von der CDU/CSU. Nötig gewesen wären aber die Unterschriften von mindestens 314 Parlamentariern. Ebner hatte gefordert, die zwanzig Jahre alte europäische Vogelschutzrichtlinie zu ändern und die Festlegung der Jagdzeiten auf Zugvögel den Regierungen der EU-Staaten zu überlassen. Die Vogelschutzrichtlinie verbietet ausdrücklich die Jagd auf Vögel während der Nistzeit im Frühling und Sommer. "Europas Zugvögel können erst einmal aufatmen," freut sich Alexander Heyd vom Komitee gegen den Vogelmord. Zehntausende Protestschreiben von aufgebrachten Naturschützern aus ganz Europa hätten während der vergangenen Wochen viele Abgeordnete davon abgehalten, den Antrag zu unterschreiben. Statt eine Ausweitung der Zugvogeljagd durchzusetzen, hätten die Jäger ganz im Gegenteil mit ihren überzogenen Forderungen eine Sensibilisierung vieler Politiker für den Zugvogelschutz bewirkt.


TOURISMUS

Einrichtung von neuen Straßen und Golfplätzen

Gleich, wie bei der Errichtung von neuen Straßen (Beispiel Neutrassierung der Pustertaler Straße, vorangetrieben von Leuten, die einen guten Draht nach oben haben), will man auch bei neu geplanten  Golfplätzen (Stichwort Qualitätstouristen) von Seiten der Wirtschaftsleute nicht die Meinung der großen Mehrheit der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen. Auch unsere Nordtiroler Nachbarn sind da nicht besser, wie der Mieminger Golf-Präsident wissen ließ (TV-Sendung ORF-2, vom 18.06.02). Ihm stößt es sauer auf, wenn jedes Projekt durch eine Volksbefragung gestoppt werden könnte. Wo kämen wir da hin, wenn wir uns durch Volksbefragungen jede neue Super-Idee (Stichwort Olympiade) versauen lassen würden? Was halten diese Wirtschaftsherren eigentlich von Demokratie? Die Herrschaft einiger Betuchter?

Hubert v. Wenzl 


VERKEHR

Idiotie Alping-Eck

Am „Alping-Eck", d. h. kurz oberhalb der Steigung bei der Bar „Alping" in St. Georgen haben sich in den letzten Jahren laufend auch schwere Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Toten ereignet. Die Bewohner des Wohnviertels „Am Alping" haben sich nach zwei schweren Unfällen kurz hintereinander im heurigen Jahr an den Bürgermeister gewandt, der zusammen mit dem Kommandanten der Stadtpolizei bzw. mit Vertretern der Landesverwaltung, die seit einigen Jahren die Staatsstraßen verwaltet, einige Ortsaugenscheine vorgenommen hat. Unabhängig davon hat Unterfertigter dem Gemeinderat einen Beschlussantrag vorgelegt, womit die Gemeindeverwaltung verpflichtet werden sollte, in Zusammenarbeit mit der Landesverwaltung alle möglichen Maßnahmen zur Entschärfung der gefährlichen Verkehrssituation am „Alping-Eck" zu unternehmen und dabei u. a. die Machbarkeit und Zweckmäßigkeit zu prüfen, langfristig das Problem so zu lösen, dass der Durchzugsverkehr ab der Bar „Alping" in eine unterirdische, unter der heutigen Straße verlaufende Trasse bis zur heutigen Finanzkaserne geleitet und darüber die Straße in der heutigen Form für den Anrainerverkehr wieder errichtet wird. Derartige Lösungen wurden verschiedentlich bereits realisiert, z. B. in St. Johann in Tirol, und auch die Gemeinde Kiens denkt konkret daran, anstatt einer Umfahrung des Ortskerns von Kiens die Verlegung des Durchzugsverkehrs auf der Pustertaler-Straße in eine Trasse unterhalb der heutigen Straße vorzuschlagen.

Bei der Gemeinderatsitzung am vergangenen 12. Juni wurde von verschiedenen Gemeinderäten und auch vom Bürgermeister betont, man werde zusammen mit der Landesregierung versuchen, geeignete Maßnahmen für die Entschärfung der gefährlichen Verkehrssituation am „Alping-Eck" durchzuführen. Ausgerechnet der junge Gemeinderat Brugger aus St. Georgen, der sich sonst im Gemeinderat so gut wie nie zu Wort meldet, verstieg sich jedoch zur Behauptung, die Unterflurverlegung der Durchzugsstraße am „Alping-Eck" sei eine Idiotie und mit diesem Kraftmeierausdruck wurde er auch in der Presse zitiert, was einiges über die Qualität der Berichterstattung dieser Zeitung aussagt und um so verwunderlicher ist, als Brugger selbst keinen Vorschlag für die Entschärfung der gefährlichen Verkehrssituation am „Alping-Eck" vorbrachte.

Die Zukunft wird zeigen, was dazu unternommen wird, außer (ver-) tröstenden Aussprachen des Bürgermeisters mit den Bürgern Am Alping und gelegentlicher Postierung eines Papp-Polizisten am Gehsteig.

Dr. Günther Lang, Gemeinderat


VERKEHR

Il No all’Alemagna e all’E66 ci carica di responsabilità

Nella seduta del 12 giugno scorso, il Consiglio comunale di Brunico ha approvato all’unanimità una mozione contro qualsiasi progetto di autostrada dell’Alemagna e di qualsiasi strada di transito internazionale che attraversi la val Pusteria.

Questa ammirabile dimostrazione di unità nel salvaguardare gli interessi reali della comunità al di là di ogni divisione di lingua e di parte è stata giustamente sottolineata negli articoli che la stampa locale ha dedicato all’avvenimento.

C’è però un passaggio, fra i molti che compongono il testo, che è rimasto immeritatamente in ombra nelle cronache della seduta: quello in cui il Consiglio comunale "Si impegna a sensibilizzare e responsabilizzare i propri cittadini sul rapporto tra il traffico, l’inquinamento che ne deriva, i propri comportamenti di consumatori e le proprie forme di mobilità".

Non basta infatti dire di no. Queste dichiarazioni, senza ricadute concrete e quotidiane, sono gesti rituali utili per salvarci la coscienza ma che non incidono affatto sul problema traffico nella sua globalità.

Siamo noi che creiamo il traffico. Questa banale constatazione deve diventare consapevolezza di tutti: come soggetti della mobilità e come consumatori siamo responsabili di scelte che possono alleggerire o aggravare il problema traffico.

Per "alleggerirlo", possiamo scegliere comportamenti non solo "automo-bilistici" quando ci muoviamo in città e fuori città; quando facciamo la spesa possiamo privilegiare prodotti locali o prodotti che non hanno migliaia di chilometri alle spalle.

Se l’Amministratore si è assunta il compito di sensibilizzare e responsabilizzare i propri concittadini, per essere credibile nel proprio impegno deve però offrire loro le condizioni essenziali di queste scelte.

E’ indispensabile creare una città dove sia possibile muoversi con sicurezza e senza intoppi a piedi o in bicicletta; è indispensabile creare dei collegamenti fra la città e le sue frazioni con un servizio di bus navetta efficiente e conveniente, senza dimenticare di mantenere o ricreare una città bella dove sia piacevole muoversi. E’ indispensabile investire allora sulle passeggiate esistenti e salvarle dal degrado e da un uso improprio. E’ indispensabile, anche in questo caso, fare scelte coraggiose e lungimiranti: perché non destinare a verde pubblico una parte delle aree destinate ora a parcheggi? Per i pendolari, creiamo finalmente i parcheggi satelliti mancanti; per la macchina in città c’è un parcheggio sotterraneo o no?

Il paesaggio urbano si identifica anche negli edifici: smettiamo di sacrificare sull’altare dell’interesse privato quelli che qualificano storicamente e culturalmente Brunico e che la rendono bella e interessante.

Battiamoci, poi, a livello di comprensorio e di provincia, perché il Centro mobilità venga realizzato e che sia un centro di vita che pulsa per l’uso massiccio di mezzi pubblici di chi giunge o parte da Brunico .

Tuto ciò sarebbe più facilmente raggiungibile se chi ha detto "no" all’Ale-magna si ritrovasse unito nel dire "sì" al una città più bella e più vivibile. Se questi obiettivi venissero condivisi sinceramente dalle forze economiche del territorio, se esse, nelle loro analisi, privilegiassero i vantaggi di una città e una valle "veramente verde", esse troverebbero in queste scelte le ragioni autentiche del loro esistere oltre che la garanzia futura del loro sviluppo.

Franco Nones


VERKEHR

Mehr Sicherheit Am Alping

Die Am Alping lebende Bevölkerung fordert seit geraumer Zeit Maßnahmen zur Sicherheit beim Überqueren der Ahrntalerstraße, denn Fußgänger- und Radfahrerweg nach Bruneck verlaufen auf der anderen Straßenseite. Mein Vorschlag vom 5. Mai dazu an die Verkehrskommission lautet:

Errichten einer Mittelinsel nach der Vorgabe in Percha im Bereich des heutigen Überganges, der aus Sicherheitsgründen in einem angemessenen Abstand von der unübersichtlichen Kuppe eingezeichnet wurde. Vorteile einer solchen Lösung sind:

· Querende Personen müssen nur jeweils den Autos einer Fahrtrichtung Aufmerksamkeit schenken.

· Es muss nur jeweils ein Fahrbahnstreifen frei sein, was die Wartezeit verkürzt.

· Autofahrer werden durch die Fahrbahnverengung zu einer langsameren Fahrweise und zu erhöhter Aufmerksamkeit gezwungen.

Da es sich bei der Ahrntalerstraße aber um eine Landesstraße handelt, wird die Gemeindeverwaltung sich beim zuständigen Landesamt einsetzen müssen. Für eine derartige Lösung wird eine Verbreiterung der Straße an dieser Stelle nötig sein.

Die Stadtpolizei befürwortet diese Lösung.

Margit Baumgartner Sinner


VERKEHR

Nordring unterflur

Neuauflage des Schreibens vom 01. 01. 2000 aus Anlass der aktuellen Bauleitplanerstellung

Niemand will Dietenheim eine Belastung zumuten, die man in Bruneck in der Andreas-Hofer- und der Dante-Straße als unzumutbar empfindet!

Erfahrungswerte und aktuelle Verkehrsbeobachtungen legen aber die Schließung des Rings nahe; besonders hinsichtlich des Verkehrsflusses aus dem Tauferer- Ahrntal, Richtung Südausfahrt- Schlossberg-Tiefgarage und Kronplatz sowie Richtung Oberpustertal.

Die B.I.B. sieht allerdings in der von Dipl.-Ing. Aichner gewählten Trasse eine unnötige und schwere Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Erscheinungsbildes von Dietenheim sowie eine Verschwendung des knappen Kultur- Landwirtschafts- und Baugrundes der Gemeinde Bruneck!

Das bisher intakte und attraktive Gesamtbild des Dorfes würde zerstört, genauso wie das, was von den Aufhofner- und Lunsner Feldern als Landwirtschafts- und Naherholungszone noch übrig ist.

An dieser Trasse kann man nach dem Bau der Aichner - Variante bestenfalls noch Industriebetriebe ansiedeln, falls man solche noch findet! Für Wohnbauten wird dieses Gebiet entlang der neuen Straße unzumutbar sein.

Die in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinliche (unvermeidliche) Ausdehnung der Stadt gerade in dieser Zone wird wahrscheinlich irgendwann eine weitere Verlegung des geschlossenen Nordrings notwendig machen, wobei man in diesem Fall gezwungenermaßen im Tunnel unter Dietenheim durch muss - und zwar zu immensen Kosten! (nach dem Vorbild des bereits bestehenden Abschnittes, wo die Anrainer mit Erfolg eine Verlegung desselben hinter die Industriebetriebe fordern!)

Warum also nicht gleich unterflur? Damit hätte man die kürzeste Verbindung von A (P.-Anich-Siedlung) nach B (Rosshimmel): eine wesentlich kürzere Strecke! Diese Verbindungsstraße unterläge keinen Witterungseinflüssen; auch die Schneeräumung fiele weg!

Durch den Verkauf des Schotters (müsste allerdings noch juristisch abgeklärt werden!) unter der Trasse und die wesentlich geringeren Enteignungspreise (50.000 pro m2 anstatt beinahe 400.000!) wäre der Nordring-Unterflur gleich teuer als die oberirdisch geplante Variante!

Abgesehen von optischen und die Lebensqualität betreffenden Argumenten, lässt unterflur alle Optionen für die Landwirtschaft oder für die künftige Ausdehnung von Wohnbauzonen offen!

Sollte die Unterflurvariante dennoch geringfügig teurer sein, ist zu bedenken, dass es Investitionen für die nächsten Jahrzehnte sind und definitive Lösungen wären.

Die Aichner-Variante zwingt die Dietenheimer, über den Nordring oder gar Aufhofen zum Kapuzinerplatz in Bruneck zu fahren - anstatt auf dem jetzigen simplen Direktweg! So kriegt man den Verkehr wieder in die Andreas-Hofer-Straße, die man angeblich entlasten will!

Geld ist eine vergängliche und relative Größe. Landschaftliche Schönheit und eine natürliche Umwelt sind Werte, die unwiederbringlich verloren gehen können!

Walter Harpf, Bürgerinitiative Bruneck (B. I. B)


VERKEHR

Pressemitteilung des Bezirkssozialausschusses Pustertal zur Schnellstraße

Der Bezirksozialausschuss Pustertal legt Wert darauf, dass zur Mitteilung im Rai Sender Bozen am 11.06.2002 bezüglich der Pustertalerstraße folgende Richtigstellung erfolgt:

Im Rahmen einer Sitzung des Bezirksozialausschusses Pustertal wurden die Planer Ing. Josef Aichner und Ing. Roland Grießmair mit Dr. Fanz Pircher eingeladen, um ihr Projekt vorzustellen.

Das Treffen hatte rein informativen Charakter und es wurden keinerlei Wertungen und Stellungnahmen abgegeben, sodass die Äußerung, der Sozialausschuss unterstütze dieses Vorhaben, jeglicher Grundlage entbehrt.

Positiv aufgenommen wurde, dass die Planer von ihrer ursprünglichen Absicht einer Neutrassierung abgekommen sind und in Varianten die Ortsumfahrungen , die bereits in den Gemeinden des Unterpustertales als Projekte besprochen worden sind und vorliegen, eingebaut worden sind.

Pezzei Brigitte, Außerdorfer Peter, Für den Bezirksozialausschuss


VERKEHR

Stellungnahme der ARGENUP zum Industriellenverband bezüglich Schnellstraße

Das Argument, dass die Osttiroler Straße ein Vorbild für die Pustertaler Staatsstraße wäre, ist ebenso alt wie verkehrt. Die Osttiroler Straße ist in ihren ausgebauten Abschnitten eine Schnellstraße, ist viel zu breit und verläuft außerdem geografisch bedingt zu einem großen Teil durch unbewohntes Gebiet.

Die Ortskerne, die im Unterpustertal direkt an der Straße verbleiben, sind eigentlich nur noch Kiens und Obervintl. Für diese können Minimallösungen z. B. durch kurze Untertunnelungen, gefunden werden. An allen übrigen Stellen genügen Lärmschutzmaßnahmen. Die Entlastung der Bevölkerung als Argument für die Zerstörung der Südseite des Unterpustertals ins Feld zu führen, kann eigentlich nur als Zynismus bezeichnet werden. Das Argument, dass der fließende Verkehr weniger Schadstoffe produziert als der stehende, kommentiert sich von selbst und beweist absolute Unkenntnis verkehrspolitischer Zusammenhänge.

Die Wirtschaft des Unterpustertals ist vor allem durch den Produzierenden Sektor geprägt. Die Staatsstraße verläuft durch eine Reihe von Gewerbegebieten, die nicht zufällig eben dort errichtet wurden, und die die Straße allesamt benötigen. Nun ist ja verständlich, dass man den Verkehr von den Wohngebieten fernhalten will - aber dass man seit neuestem auch die Gewerbegebiete umfahren, bzw. von der

Straßenverbindung abschneiden soll, ist eine Absurdität sondergleichen.

Die Straße im Unterpustertal ist in keinem Abschnitt neu zu trassieren, für die Problemstellen können punktuelle Lösungen gefunden werden, und im übrigen muss man sich damit abfinden, dass diese Straße eine bestimmte Geschwindigkeit vorgibt, die eben nicht die der Autobahnen im Flachland ist (die im übrigen von Staus auch nicht verschont bleiben). Wer sich einbildet, davon abhängig zu sein, dass eine Lieferung 15 Minuten früher irgendwo ankommt, der sollte sich fragen, was er überhaupt in so einer abgelegenen Gegend tut. Oder er sollte sich fragen, wie Firmen in den großen Ballungsräumen überleben können, wo man froh sein muss, wenn man sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h fortbewegt.

Hanspeter Niederkofler und Hans Guggenberger  für die ARGENUP


VERKEHR

Verkehrsprobleme im Pustertal

Das Problem des Verkehrs im Pustertal und speziell die ins Spiel gebrachte neue Trassenführung geht alle Pustertaler etwas an und ist keine parteiinterne Angelegenheit der SVP, auch wenn dies der Bezirksobmannstellvertreter Franz Pircher so haben möchte. Wofür ich überhaupt kein Verständnis habe sind die Aussagen in den Dolomiten vom 24.06.2002: "Daher sei jedes überparteiliche Bemühen um eine Lösung strikt abzulehnen. Und wer das nicht begreifen will, muss fühlen!" Was soll dass heißen und was müsste der zu fühlen haben, der nicht begreift? Die Diskussion um die Lösung des Verkehrsproblems muss öffentlich geführt werden, unabhängig von der Couleur der Partei- oder Vereinszugehörigkeit, und sie muss transparent sein.

Auch die Höhe der Geldmittel und wer dahinter steht sind zu nennen. Eine Straße von öffentlichen Interesse ist schließlich keine Privatangelegenheit. Wenn ein Mann wie der SVP-Abg. Herbert Denicolò "gegen die Einführung eines Einheitsdenkens" wettert, und weiter: "Das hat es unter dem Faschismus und den Kommunismus gegeben. Das brauchen wir nicht" (PZ vom 28.06.02, S. 8) und sich in dieser Weise entrüstet, dann muss es große Probleme um das Demokratieverständnis, wenn nicht sogar um die Definition von Demokratie geben. Ich meine jedenfalls, dass ein maßvoller Ausbau der bestehenden Straße (mit ein paar Begradigungen, Ortsumfahrungen usw.) vollkommen ausreicht. Wir Pusterer brauchen und wollen kein zweites Eisacktal und Wipptal.

Hubert von Wenzl


VERKEHR

Vintler "Umfahrung"

Unsere de facto Alemagna-Andenker sind in einer wenig erfreulichen Situation. Es kann natürlich jeder versuchen, den Leuten - zu deren eigenen Schaden - die Finanzierung von Monsterprojekten mittels Steuergeldern einzureden. Allerdings gehört es ebenso zu den Spielregeln, dass derartige Vorhaben auch in die Hose gehen können!

Dies scheint im Unterpustertal der Fall zu sein. St. Lorenzen ist mit einer Gadertal-Anbindung via Tobl-Runggen bestens bedient, würde sich zusammen mit Stefansdorf über eine Entlastung vom Kronplatzverkehr via Südausfahrt-Bruneck freuen und hat bisher keine weitergehenden Straßenbauwünsche angemeldet.In Kiens ist man ebenfalls im Begriff, sich für eine möglichst Landschaft- und Kulturgrundschonende Umfahrung zu entscheiden und weist die Pläne für eine zweite Straße durch das Pustertal entschieden zurück.

Bleibt noch ausgerechnet Vintl, wo man den Hebel zur zunehmenden Betonierung des Tales ansetzen möchte, bzw. unsere Baufirmen gerne zum Einsatz kämen. Nun ist es leider so, dass es kaum einen Ort gibt, der eine Umfahrung weniger braucht bzw. wo es sich besser anbietet, mit kleinen Eingriffen zufriedenstellende Resultate zu erzielen. Man folge mir auf einer imaginären Fahrt von Brixen nach Obervintl: Nach der neuen Vintler Unterführung hat man zunächst linksseitig den blanken Beton. Es folgt die Rieper-Mühle, der Bach und der Kirchhügel. Gleich danach die Bar, die an der Bushaltestelle und dank des Durchzugsverkehrs ihr Auskommen findet. Nach der Terenten-Kreuzung befindet sich oberhalb der Straße eine Reihe neuer Häuser, denen man mit der Einhausung des betreffenden Straßenstücks eine zusätzliche Grünfläche verschaffen könnte! Bis zu dieser Stelle sehen wir rechter Hand lediglich den Bahnhof und eine Garage, denen mit einer Straße auf der anderen Talseite nicht geholfen wäre. Als nächstes finden wir die Lodenwelt, für die, wie es der Zufall so will, sogar die Aichner-Studie eine Ausfahrt von der neutrassierten Straße vorgesehen hätte - zusammen mit Kunstbauten für die neue Auffahrt nach Terenten. Anschließend sehen wir mehrere Handwerkerbetriebe, denen an einer Abnabelung von der Straße wenig liegen sollte. Die virtuelle Weiterfahrt nach Bruneck, bzw. Innichen überlasse ich, zum Pech der Andenker-Promotoren-Neutras-sierer, anderen Zeitgenossen mit Hausverstand. Wo es zusätzlich noch geringfügige Begradigungen und Verbreiterungen der bestehenden Straße braucht, sieht jeder Verkehrsteilnehmer selbst. Und damit sollte die Sache erledigt sein. Unsere Baufirmen können sich neben den beschriebenen Arbeiten ersatzweise für die leider wesentlich kleineren Aufträge zur zeitgemäßen Instandsetzung der Bahnlinie bewerben. Aber sparen soll ja ein Gebot der Stunde sein!?

Walter Harpf, Mitglied der PPP


VERKEHR

Wie ich es sehe

Ich empfinde es als zutiefst niederträchtig und hinterhältig, mit welchen Äußerungen L.Abg. H. Denicoló anlässlich der Vorstellung des Straßenprojektes in Pfalzen (vgl. Dolomiten, vom 24.06.02) desavouiert wurde. Die Vorgangsweise belegt einmal mehr, wie gewisse Kreise ohne jeden Sinn für Streit- und Gesprächskultur ihre (zudem noch dubiosen) Ziele durchzupeitschen suchen, Andersdenkende abkanzeln und dabei auch vor höchst ehrenrühriger Verunglimpfung einzelner Personen und Gruppen nicht zurückschrecken.

Wolfgang Strobl, Mitglied der PPP


WERBUNG

DER WANDERTIP

Wenn Ihnen die obige Ansicht gefällt: von der

„Gänse-Liesl-Schenke"

bei der Rainkirche, wo man unter anderem bei einem Bier und Gegrilltem die Sonnenuntergänge über Bruneck genießen kann, ist es nicht mehr weit zu diesen schönen Arkaden.

Eine Einkehr und Erfrischung vor der Wanderung empfiehlt sich. Der Wirt weist Ihnen dann gerne den Weg.


WIRTSCHAFT

Zum Vergleich mit dem Brunecker Freibad das Innsbrucker Tivoli-Freibad

Im Innsbrucker Tivoli-Freibad gibt es ein großartiges Unterhaltungs- und Sportangebot, bei einer attraktiven Preisgestaltung:

28.000 m2 Liegefläche

5 Schwimmbecken

10 m-Sprungturm

Wasserrutsche mit Wasserpilz

Saisonkabinen und -kästchen

FKK-Sonnenbad für Damen, Herren und gemischt

Mutter-Kind-Anlage

Sportmöglichkeiten: Tischtennis, Volleyball, Basketball, Fußball, Schach

Animationsprogramm in den Sommerferien, kostenlos und ohne Anmeldung wie Kindermalen und Wasserspiele

Aqua-Fit- und Schwimmkurse

Restaurant, Kiosk, Obststand, Eiscafé

 

Freibad

Erwachsene

Senioren
ab 60 Jahre
Jugendliche
15 bis 19 Jahre
Kinder
5 bis 15 Jahre

Einzelkarten

€ 3,90

€ 3,10

€ 2,30

€ 1,60

Halbtageskarten ab 14 Uhr

€ 2,80

Spätkarte ab 16 Uhr

€ 1,60

Blockkarten
5er-Block
5er-Block Halbtagskarte
5er-Block Spätkarte
10er-Block

€ 15,60
€ 11,30
€ 6,60
€ 29,40

€ 12,70
- - -
- - -
€ 23,90

€ 9,50
- - -
- - -
€ 18,00

€ 6,60
- - -
- - -
€ 12,90

Zusätzlich gibt es eine Großfamilienermäßigung: bei einem Elternteil und zwei Kindern badet jedes weitere Kind der Familie kostenlos! Der Badespaß ist so garantiert. Vielleicht gibt es ja eine einfache Erklärung für die so andere Preisgestaltung im neuen Brunecker Freibad?

Harpf Martin, Student Uni Innsbruck